Jahrgang 
1865
Seite
175
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ſ 4 ber V heutige ges Das Bücherlager unſeres Antiquars enthält aber nicht nur wirklich erſten Ausgaben jener epochemachenden Dichtungen jetzt in in den AFutter für den Gelehrten und den Bücherliebhaber von Profeſſion der That zu den Seltenheiten zählen und mit verhältnißmäßig hohen nd ſelbſt⸗(denBibliophilen, wie der Zunftname lautet) jeder gebildete Preiſen bezahlt werden. Weit mehr noch iſt dies der Fall mit deen Feld der Freund unſerer eigenen National⸗Literatur findet darin eine Fülle allererſten ſchriftlichen Verſuchen beider Männer, namentlich mit den teerſtützt V intereſſanten Stoffes zur Belehrung und Ergötzung. Jene erſten Schriftchen, die Goethe während ſeiner Straßburger Studienzeit denen die Ausgaben unſerer großen Dichter des früheren Mittelalters: der drucken ließ. Abgeſehen von der wohlthuenden Pietät, die in dieſem ere den Parzival und Titurel(1477) des Wolfram von Eſchenbach, das Sammeleifer zu Tage tritt, hat derſelbe aber auch dadurch ſeine eigene ihrer Heeldenbuch(circa 1490), der oben erwähnte Theuerdanck, u. A., die V Berechtigung in ſich, daß er durch die Aufſpürung der verſchiedenen en, meiſt ſſppräteren Volksbücher von Reineke Fuchs(Lübeck 1498), vom Schwarz V einzelnen Ausgaben der Schriften unſerer großen Dichter das Material r mit den künſtler Fauſt(Frankfurt 1587 und Hamburg 1599), der wohlbe⸗ ſchafft, aus welchem eine kritiſche und vollſtändige Ausgabe ihrer 7. Jahrl.) kannte Meiſter vom Pfriemen Hans Sachs, deſſen unerſchöpflicher V geſammten Werke, die wir bis heute noch entbehren, hergeſtellt werden keit. In Humor in fünf Foliobänden(Nürnberg 1 558 79) niedergelegt iſt, kann und hergeſtellt werden wird. Sammlern die übrigen Comödien und Faſtnachtsſpiele, geſammelt von dem V Selbſtverſtändlich iſt es, daß ein wohlangelegtes antiquariſches rer jener kaiſerlichen Notarius Jakob Ayrer in Nürnberg in ſeinem koſtbaren V Lager neben den koſtbaren und ſeltenen Büchern auch eine Menge Sammler und höchſt ſeltenen Opus theatricum(1618), der muthwillige anderer umfaßt, die jedoch immerhin mehr oder weniger werthvoll zu mlich in Satyriker Johannes Fiſchart, ferner der reiche Schatz unſeres präch ſein pflegen; denn zur Rumpelkammer ſoll es nicht dienen. Ein zen Rande tigen älteren deutſchen Kirchenliedes wie ſollten dieſe und viele ähn⸗ ſolches Lager iſt vielmehr eine große Herberge, in welcher die tauſende der liche Bücher nicht unſer Intereſſe erregen, wenn wir ſie in einem der und aber tauſende von Büchern, die jahraus jahrein durch Todesfall nicht zahlreichen Exemplare vor uns ſehen, die der fanatiſchen Zerſtö⸗ oder aus andern Gründen dem Beſitzwechſel unterworfen ſind, ſo Wee den rungswuth des dreißigjährigen Krieges entgangen ſind? An letzteren lange Unterkunft finden, bis wahlverwandtſchaftliche Seelen ſie von Lunng ſelbſt werden wir lebhaft erinnert, wenn wir dieſe drei Octavbände neuem ihren Zwecken dienſtbar machen, natürlich gegen, oft gar reich⸗ Deſen dourchblättern: es iſt der berühmte Simpliciſſimus, einer der beſten liche, Proviſion an den Herbergsvater. Ein beträchtlicher Theil nd Rolze deeutſchen Romane, deſſen Verfaſſer, Hans Jacob Chriſtoffel von freilich jener fluctuirenden Büchermaſſe wird zur Herberge gar nicht r zwe Grimmelshauſen(geb. 1625), ſeit ſeinem zehnten Jahre Soldat, aus zugelaſſen es iſt das dem Untergang verfallene Proletariat der uplaxen eigener Anſchauung jene ganze unruhige Zeit in volksthümlichem Tone ganz entwertheten, coursloſen Bücher das Maculatur. Viele weifung mit ebenſo gemüthlichem als witzigem Humore uns vor Augen führt. hundert Centner deſſelben werden jährlich von den Antiquaren an die der dies Die Repräſentanten der gleichzeitigen ſchleſiſchen Dichterſchule, Käſekrämer und Conſorten zu bekanntem Gebrauch sder direkt zur ſichs Opitz, Gryphius, Hoffmannswaldau u. A., die dickleibigen, pedan⸗ Stampfe in die ewige Vernichtung geliefert, ein nothwendiges Radical⸗ einſt mit tiſchen Romane wie die römiſche Octavia, die aſiatiſche Baniſe, die mittel, um der ungeheuern Maſſe der täglich neu geboren werdenden nd es ihrer Zeit ebenſo eifrig geleſen wurden, wie heute G. Freytags Bücher Platz zu machen, damit bei der immer rieſigere Dimenſionen verlorne Handſchrift, leiten uns hinüber zu den Erſtlingen unſerer annehmenden Bücher⸗Production(und Fabrikation?) die Summe claſſiſchen Epoche, die ſeit etwa zwei Jahrzehnten eine bevorzugte alles bedruckten Papiers uns ſchließlich nicht von Haus und Hof Stelle im antiquariſchen Buchhandel einnehmen. Als Goethe den treibe. Wir ſehen daraus: das Antiquar⸗Geſchäft iſt auf gutem Werther und Schiller die Räuber ſchrieb, waren ſie noch namenlos; Grund gebaut, der Stoff wird ihm ſobald nicht ausgehen. Sagte der vorſichtige Verleger aber macht von den Schriften unberühmter ja ſchon der Prediger Salomo 12, 12.viel Büchermachens iſt kein Autoren nur eine kleine Auflage; ſo iſt es leicht erklärlich, warum die Ende. U. 1 nige 3 ferner cher 3 1-; g ſ eilen Der Raufbold der deutſchen Vogelwelt. V Lebensſkizze von Dr. E. Baldamus. 1(Hierzu das Bild auf Seite 177.) V Mitten in Deutſchland, da. wo ſich die Saale in die Elbe ergießt,] hochintereſſanten Geflügel, blüht jetzt dem freilich noch intereſſanteren zwiſchen dem rechten Ufer des erſtern und dem linken des letzterenHerrn der Schöpfung der ſchönſte Weizen, dieſem im eigentlichen Flluſſes, befindet ſich eine Niederung, die bis vor wenig Jahren Sinne des Wortes. Ein prächtiger Deich zu Gunſten meiner aalljährlich ein oder zwei Mal von den Hochwaſſern beider Flüſſe damaligen Gemeinde mein ornithologiſches Sonderintereſſe opfernd, überflutet wurde. Einzelne Teiche, Lachen und Gräben hielten das habe ich ſogar nach ſchwachen Kräften mitgewirkt ein mächtiger kanus ganze Jahr hindurch ihr Waſſer und die regelmäßig überſchwemmten Deich ſchützt jetzt das der Kultur völlig gewonnene Delta vor den wchuh Veeiden und Wieſen trugen den Charakter von Bruch und Moor. Hochwaſſern. werden Ddieſes Waſſer⸗, Bruch⸗ und Moor⸗Terrain war das Goldland einer Ja, die Kultur, diealles beleckende, iſt eine ſtille, aber um ſo von aan Arten und Individuen reichen Sumpf⸗ und Waſſer⸗Vogelwelt, gefährlichere Feindin der jungfräulichen Natur! hander wwoahrſcheinlich einer der reichſten Zug⸗ und Heimats⸗Plätze dieſes Freilich dieſe Natur war nicht ſo leicht genießbar: vor naſſen merden Geflügels im innern Deutſchland: Dank der verſchiedenartigen Füßen gelegentlich auch Vollbädern vor ſchilfzerſchnittenen t). Bodenbeſchaffenheit dieſes Terrains und der davon abhängigen ver⸗ und mückenzerſtochenen Geſicht und Händen, vor ſchlammbeſchmutzten roßen ſcchiedenartigen Pflanzen⸗ und niedern Thier⸗Welt. und zerriſſenen Kleidern durfte man ſich nicht ſcheuen; gegen Son⸗ enigen Und doch hat Schreiber dieſes den von Auen⸗ und Heide⸗Wal⸗ nenbrand und Regenſchauer gab's weithin keinen Schutz! Und 6 2 dung, von dürrem Sand⸗ und fettem Humus⸗Boden umgrenzten dennoch zog gerade dieſe Natur mich faſt mächtiger in ihr verſtecktes, rs von Bruch⸗ und Waſſer⸗Complex nicht mehr in ſeiner vollen, wilden Pracht reiches Leben, als der prachtvolle Auenwald, der gleich hinter meinem Thaler) gekannt: die Naumanns den Profeſſor und den Förſter mußte idylliſchen Dörfchen begann, und gar oft noch erwacht mitten in den

e von mman erzählen hören, wie es da auf dem Waſſer und in der Luft, in reichen Rüben⸗ und Korufeldern meiner Umgebung die Sehnſucht mit giſche Niied und Reiſig, in Schilf und Segge und Rohr bei Tag und Nacht] der Erinnerung an die flüſternden, geheimnißvollen Rohr⸗ und Ried ſt 1856 ſang und pfiff und ſchmatzte und ſchnarrte und brummte und brüllte Wieſen des Diebziger Bruches, überkommt es mich wie Reue, nzelne und donnerte ja donnerte, wenn wie ich das in der Zugzeit daß ich zu ihrem Verſchwinden mit geholfen. s im ddooch auch noch ſelbſt geſehn und gehört wenn nach einem über Ein Vogel war es beſonders, deſſen merkwürdiges Leben und nung die Waſſerfläche hinhallendem Schuſſe tauſende und aber tauſende Treiben mich immer wieder anzog, ſo viel Intereſſantes auch überhaupt Ein von Gänſen, Enten, Kiebitzen und anderm Waſſer⸗ und Sumpfge⸗ an dieſer verſteckt lebenden, ſcheuen Sumpfvogelwelt zu belauſchen Men flügel wolkenartig ſich erhoben. war: das war der Kampfhahn, der Raufbold der deutſchen Vogelwelt. ent, Doch das iſt nun vorbei! Da wo noch vor zehn Jahren dem Ein naturliebender Freund las mir eines Tages aus R. Schom⸗ V L