Jahrgang 
1865
Seite
176
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burgks Reiſewerke die Beſchreibung der ſonderbaren Tänze und Kämpfe des Felſenhahns in den Urwäldern Guianas vor.Ja,

das iſt noch Naturleben, urſprüngliches rief er beim Schluſſe ausſo etwas kann nur der jungfräuliche Boden der Tropen bergen. Unſer armes Europa!Und doch können Sie

war meine Entgegnungmitten im Herzen unſeres armen Europa, nicht eine Meile weit von hier, Aehnliches und vielleicht noch Intereſſanteres mit eigenen Augen ſchauen.

Und in der That, der Vogel ſelbſt und ſein Leben ſind jeden⸗ falls noch intereſſanter, als der prächtig aber monoton orangegelb gefärbte Felſenhahn des tropiſchen Amerika, obſchon er mitten in unſerm Vaterlande lebt das Gott ſegnen wolle! und vielen der geneigten Leſer, vielleicht bis auf den Namen, unbekannt iſt.

Es war ein prachtvoller, ſonnigwarmer alſo jetzt ſelten gewordener Frühmorgen deswunderſchönen Monat Mai, als ich mich mit einigen befreundeten Ornithologen in einem Kahne auf dem das Bruchterrain durchſchneidenden Hauptgraben befand. Ich darf den beſonders ſchönen Tag und ſeine noch ſchönern Erlebniſſe jetzt nicht ſchildern, ſo ſchwer es mir wird, die Erinnerung nicht gleich im Ganzen zu fixiren: kurz wir waren in der Nähe eines der beſetzteſtenKampfplätze unſeres Vogels angekommen.

Doch ich muß ja wohl denKämpfer ſelber erſt vorſtellen.

Der Kampfhahn, Kampfſchnepfe, Streit⸗, Brauſe⸗, Burr⸗ und Koller⸗Hahn, oder wie er ſonſt noch im Munde des Volkes bezeichnend genug heißt der griechiſche Sippen⸗ und der lateiniſche Art-Name bezeichnen gleichfalls die Kampfluſt gehört zu der Gruppe der ſchnepfenartigen Sumpfvögel, bildet darin eine einzige Sippe, die aber nur dieſe eine Art enthält, und ſich über einen großen Theil der gemäßigtkalten alten Welt verbreitet, natürlich nur an geeigneten Aufenthalts⸗Plätzen. Dieſe ſind ausgedehntere baumloſe Sumpfflächen im Binnenlande wie an den Seeküſten. Man kann annehmen, daß, wo viele Kiebitze wohnen, auch der Kampf⸗ hahn nicht fehlt. Als Zugvogel, der den Winter an den Sümpfen und Küſten des mittelländiſchen Meeres, des indiſchen Meeres u. ſ. w. zubringt, auch wohl noch weiter ſüdlich geht, kommt er im mittleren Deutſchland gegen Ende des April an, zuerſt junge Vögel vom vorigen Jahre; dann zu Anfang Mai die alten Männchen in kleinern Trupps und zuletzt die alten Weibchen meiſt in größern Flügen. Am Brutplatze angelangt, trennen ſie ſich bald und ſuchen ihre beſondern Reviere auf. Weil in Polygamie lebend, ſieht man ſelten beide Geſchlechter beiſammen, die Männchen indeß bringen den größten Theil des Tages auf demKampfplatze zu, während die Weibchen einzeln nicht allzufern von demſelben ganz allein das Niſt⸗ und Brüt⸗ und Erziehungs⸗Geſchäft beſorgen. Das Weibchen ſcharrt zu dem Ende im längern Graſe oder auf einer Riedgras⸗Bülte oder Seggen⸗Kufe, ſtets in der Nähe des Waſſers, eine ſeichte Vertiefung, welche mit einigen dürren Grashälmchen kunſtlos ausgelegt wird, und legt, wie faſt alle ſchnepfenartigen Sumpfvögel, vier im Verhältniſſe zum Körper große, kreiſelförmige Eier, welche auf olivengrünlichem Grunde mit olivenbraunen und ſchwarzbraunen Flecken und Schmitzen gezeichnet ſind, ſo daß ſie mit Ausnahme der Farbennüance den Eiern des Kiebitz, auch in der Größe, ziemlich nahe kommen und häufig unter dieſen zu Markte gebracht werden. Nach achtzehn Tagen ſind die Jungen ausgebrütet, und werden, ſobald ſie abgetrocknet ſind, von der Mutter aus dem Neſte geführt und zum Nahrungſuchen zwiſchem dem Graſe und den Seggenkufen angeleitet. Bereits in dem Alter von vier Wochen ſind ſie flugbar, und ähneln im Gefieder den Weibchen. Dieſe, und auch die Männchen in dem Winterkleide, zeigen in Geſtalt, Befie⸗ derung und Färbung im Allgemeinen den Charakter der Schnepfen⸗ vögel. Eine ganz andre und merkwürdige Tracht indeß nehmen die Männchen nach der Frühlingsmauſer an, und dieſe das ſoge⸗ nannte Hochzeitskleid allein ſchon macht den Vogel in hohem Grade intereſſant.

Wenn die Männchen im Mai ankommen, haben ſie meiſt ſchon nicht mehr den ſchlanken, eleganten Schnepfenhals. Anſtatt der kurzen, glattanliegenden Halsfedern wachſen am Vordertheile, an den Seiten des Halſes und unter dem Genick ſehr dichtſtehende, ziemlich breite und ſteif elaſtiſche, an der Spitze einwärts gekrümmte Federn, welche abwärts vom Genick bis zwei Zoll lang, einen in zwei Theile geſondertenNackenkragen, vom Kinn bis zur Bruſt aber, drei bis vier Zoll lang, den großen, dichtenHalskragen bilden. Der

letztere dient als Bruſtſchild, das den ganzen Körper deckt, der erſtere als Helm für Hinterkopf, Nacken und Oberhals; beide aber ſind von ſehr verſchiedenen Färbungen und Zeichnungen, obwohl unter ſich nicht übereinſtimmend, ſo daß man ſagen kann, es gebe nicht zwei in Färbung und Zeichnung vollkommen gleiche Individuen; ich habe wenigſtens unter hunderten ſolche nicht geſehen. Die Färbungen gehen vom reinſten und ungefleckten Weiß durch alle Miſchungen dieſer Farbe mit Schwarz, ferner durch alle möglichen Nüancen von Roſtgelb, Roſtroth und Roſtbraun bis zum einfachen oder ſtahlgrün, ſtahlblau und violett ſchillernden Schwarz, und alle dieſe Färbungen ſind ent⸗ weder obſchon ſeltener ohne alle Zeichnung, oder weiß, gelblich, roſtfarbig, braun und rein oder blau⸗, grün⸗ und violettſchillernd ſchwarz punktirt, getropft, geſpritzt, ſchmaler oder breiter in dichtern oder weitern Wellenlinien und Zickzacks gebändert, mit einzelnen oder häufigern herz⸗ oder nieren⸗ oder ſpießförmigen Flecken verſehen, und zwar ſo, daß die hellern Färbungen dunkle Zeichnungen, und umgekehrt, zeigen. Mit den Grundfärbungen, dieſer Kragen corre⸗ ſpondirt auch oft die Färbung der Kopf⸗, Hinterhals⸗, Schulter⸗, Oberrücken-, Unterbruſt⸗ und, zum Theil, der Flügeldeck⸗Federn; und zwar ſcheint jedes Männchen die nach der erſten Frühlingsmauſer angenommene Hauptfärbung für immer wiederzubekommen, ſo daß ſie alſo rein individuell wäre.

Aber noch eine andre Eigenthümlichkeit, gleichfalls für die be⸗ ſondere Paſſion dieſes merkwürdigen Vogels berechnet, zeichnet den Kampfhahn aus. Kleine häutige Wärzchen von gelblicher Farbe ver⸗ drängen nämlich im Frühjahr die kleinen Federchen des Geſichts und bedecken dieſes bei jüngeren, bei älteren Vögeln den ganzen Vorder⸗ kopf und bei noch ältern Wangen und Scheitel. Auch zeigt der weiche Schnabel, beſonders der Unterſchnabel einzelner Männchen, kleine rundliche Auswüchſe bis zu Erbſengröße, ſcheinbar ein Callus, der ſich in Folge Einknickens der biegſamen Angriffswaffe gebildet hat.

So wäre denn unſer Vogel im Allgemeinen gekennzeichnet. Ein Blick auf das Bildchen zeigt dem freundlichen Leſer einige der hauptſächlichſten Eigenthümlichkeiten in Geſtalt, Färbung, Stel⸗ lung ꝛc.

Wir kehren nun in die Nähe des Kampfplatzes zurück, der nur ca. 50 Schritt von uns entfernt iſt; der Graben hat glücklicherweiſe hier ein höheres Ufer und wir kauern unbeweglich in unſerm Kahne. Noch iſt der Mittelpunkt des Platzes nicht kahl, flüſtere ich meinen Freunden zuer i*ſt erſt ſeit einigen Tagen beſetzt; auch die tellergroßen, 9 10 Menſurplätze, die den verſchiedenen Kämpfern gehören, ſind es noch nicht; aber in 14 Tagen etwa iſt der kurze, feuchtgrundige Raſen ausgetreten, und man erkennt deutlich genug die kahlen Standplätze und das eigentliche Schlachtfeld in der Mitte.

Doch halt, da kommt eben mein alter Liebling mit dem ſchnee⸗ weißen Schilde! Nun wird's losgehen! Die fünf oder ſechs andern Männchen, welche bereits auf dem Platze waren, empfangen den alten Kämpfer, der ſchon drei Jahre hindurch meine Freude ge⸗ weſen war, mit tiefen Complimenten. Er ſtellt ſich auf ſeinen Platz richtet ſich hoch empor, ſpannt das gewaltige, in der Frühſonne blen⸗ dende Schild auf, nickt dem Gegenüber zu, ſträubt alle Federn, ſchüttelt ſich, und zittert wie in grimmer Kampfeswuth. Jetzt beugt er das Ferſengelenk, der Schnabel iſt in horizontaler Richtung die Kragenſpitzen berühren faſt den Boden jetzt ſtürzt er auf den Gegner los, der den Handſchuh ſofort aufgenommen hat, ſie treffen auf der Mitte des Platzes zuſammen, und nun regnet es Hiebe mit dem weichen Schnabel, die mit Bruſt⸗ und Nackenſchild oder mit dem Warzenhelme parirt und aufgefangen werden. Jetzt weicht der eine zurück, der andere folgt, neues Anrennen und Anſpringen auch die Flügel werden zu Hilfe genommen aber das iſt nicht mehr Kampf, das iſt ja Tanz, Ballet, man ſcheint ſich zu umarme Frieden zu machen kein Blut, kaum einzelne Federn fliegen unt⸗ her doch, ſieh da, mein Liebling hat den Gegner am Schnabel e⸗ faßt, am Unterkiefer ſcheint es, oder gar an der Zunge und zerrt bhn im Triumphe umher jetzt läßt er ihn los und ſchreitet ſtolz, der andere demüthig, beide noch wüthende Lufthiebe mit dem Sohmabel austheilend, heftig kopfnickend und das Geſieder ſchüttelnd enf de Standort zurück. Das Duell, oder der erſte Gang deſſelben, iſt v 3 bei. Schon aber hat ein andres Paar ſich gefordert; die Fo derung 22 4 3; orderung Kaneonnan 5 der Zweikampf beginnt von neuem die teen here aſtenen er letaitinn,n n wewoen

Kampfplatzes zeigt, erſcheint ſehr theil⸗

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