Jahrgang 
1865
Seite
172
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172 e wpu dicht über dem Waſſerſpiegel auf Schiffen erbaut; um die Com⸗ Unmittelbar vom Arſenal aufwärts Elſtreiit ſich d nolſſen er 5 munication auf dem Waſſer für kleine Fahrzeuge nicht zu hemmen, Cypreſſenwald, der petit champ de morts von zer⸗ ans denf d macht die Brückenbahn zwei große, aufrechtſtehende Bögen einen der äußerſten rechten Erhebung der Thurm von C Aata bern kan nach! zunächſt Galata, den anderen zunächſt Stambul durch welche Weiter links davon, jenſeit einer tiefen Thalſchlucht, er def ſiid le⸗ unten die Kaiks hindurch fahren können. zweiter Hügel, die Vorſtadt Kaßim Paſcha, mit elenden rothen Holz⸗

Von der Höhe eines dieſer Brückenbögen iſt die Ausſicht wirk⸗ häuschen beſetzt, deren Einförmigkeit auch nicht durch ein uie den! lich prachtvoll. Man ſteht inmitten dieſer dreigetheilten mächtigen Blatt unterbrochen wird; nur auf dem höchſten Vorſprunge, ober d der Waſſermaſſe, in einem Gewirr von tauſend wimpelnden Maſten; der Admiralität, ſteht ein ſtattliches, palaſtähnliches Gebäude, die uns Schiffe, Dampfer, Kaiks ſchießen nach allen Richtungen, kreuzen und Marineſchule, von deren weißen Mauern ſich das Auge geblendet iuße kreuzen ſich wieder; bunte Farben, Geſchrei von Menſchen und abwendet.. a. inpo Möven; dort raſſelt der Anker nieder von einem ankommenden Indem wir langſam an dieſem Panorama vorbeiſchaukelten, Stm Schiffe, und hier klappt die eiſerne Schiffswinde taktmäßig zu dem paſſirten wir eine Poſtenkette eigner Art: es ſind ſchwimmende ſen Geſange der Matroſen, welche die Anker zur Fahrt lichten! Welch Schilderhäuschen, die eine Bemannung von drei oder vier Soldaten ein Bild! Im Hintergrund erhebt ſich Scutari, das minaretge⸗ tragen. Es heißt, dieſe Schildwachen hätten geladene Gewehre und ſpickte Vorgebirge Aſiens, mit ſeinem chaotiſchen Gewirr von rothen Befehl, auf jeden Unberufenen Feuer zu geben, der innerhalb der Häuſern, glänzenden Kuppeln, und dem hochüberragenden, düſteren Poſtenkette hineinzudringen verſuchte, wenigſtens vermeiden die Cypreſſenwalde, dem ernſten Todtenwächter Mohameds. Kaikdjis ſorgfältig jede Colliſion, und während unſres Aufenthaltes

Zu beiden Seiten ſehen wir, Stambul rechts, Galata links iſt kein Fall von dergleichen Exekutionen zu unſrer Kenntniß gelangt. kurzum eine andre Auffaſſung des überwältigend großartigen Bildes, Wir ſind im Halbkreiſe an der Hafen⸗Poſten⸗Kette herumge⸗ ds das ſich uns zuerſt bei der Ankunft zeigte. Dazu heller Sonnen⸗ fahren, und befinden uns einen Augenblick lang gerade gegenüber d ſchein, blauer Himmel und eine heitere Stimmung; ſo kann man vom alten Stambul. Ein langgeſtreckter, ununterbrochener Berg⸗ tnn allerdings einen feenhaft ſchönen Eindruck mit hinfortnehmen. rücken begleitet auf dieſer Seite das goldne Horn; ein verworrenes 5

Die Scene umher war zu einladend, um nicht träumend bei Häuſermeer hat deuſelben überſchwemmt; hier und da nur haftet das he ihr zu verweilen, wo träumte ſich's aber wohl ſchöner, als wenn man Auge an einer Moſcheenkuppel, oder auf dem größeren Konak(Hauſe) 1 hingeſtreckt in einem graziöſen Kaik auf dem glatten Waſſerſpiegel eines vornehmen Türken. Aber hoch oben liegen die größten A ſchaukelt und, wie in einer magiſchen Laterne, die Bilder mit jedem Moſcheen. Zur äußerſten Linken erblickt man noch die Minarets 15 Ruderſchlage wechſeln ſieht! der Aga Sophia, und(in der Perſpective dicht daneben) die phan⸗

Vorſichtig ſteigt man in das leichte Fahrzeug, denn ein Fehl⸗ taſtiſche Form des Seraskierthurms, den mit dem Thurm von ſ tritt würde daſſelbe umſtürzen; da ſind keine Bänke zum Sitzen, Galata correſpondirenden Wacht- und Signal⸗Thurm von Conſtan⸗ man ſtreckt ſich lang aus, auf weichen Polſtern. Es iſt wahr, daß tinopel. Am höchſten in der Mitte ragt die Sülimanieh mit ihren d es auch andere Kaiks gibt, in denen keine Polſter liegen; die Ein- ſechs ſchlanken Minarets empor; weiter rechts die Moſchee des 6 wohner des Landes ſetzen ſich indeſſen ganz behaglich mit unter⸗ Sultans Mehmed mit vier Minarets, und an dem äußerſten Ende L geſchlagenen Beinen da hinein, als ob ſie auf ſchwellenden Kiſſen der Stadt die kleine hochragende Moſchee mit einem Minaret iſt die 8 ruhten. Wir machten es uns höchſt bequem, der Kaikdji, d. h. der vom Thor von Adrianopel. Nach dieſer Moſchee blickten wir ſtets p Ruderer, gab uns einen Schirm, als Schutz gegen die brennenden mit dem größten Intereſſe, denn durch das Thor von Adrianopel Sonnenſtrahlen und in dieſer Behaglichkeit ahnten wir von ferne kommt die öſterreichiſche Poſt herein, welche wöchentlich ein Mal ho die Süßigkeit des ſüdlichen Nichtsthuns. Das Kaik, höchſt ſauber Nachrichten aus der Heimat bringt. R und kunſtvoll geſchnitzt, war vielfach mit Goldverzierungen ge⸗ Mit den Augen verfolgt man deutlich die Ruinen der alten d ſchmückt; der Kaikdji, zwar nur äußerſt leicht bekleidet, nur mit Mauern, die ſich von da oben herab, zwiſchen Conſtantinopel und einem Kleidungsſtück, welches Hemd und Beinkleid in einer Ge⸗- Ejub, an den Hafen herunterziehen. Aus dem Gewirr von Häus⸗ ſtalt zeigte, ſah ebenfalls ſehr ſauber aus, ſein Körper braun wie chen erhebt ſich da ein ſteinerner Ruinenkoloß, ſchwarze Säulen und 1 lackirtes Holz, aber das offne Hemd blendend weiß. Dieſe Leute, Bogen, es iſt ein Ueberreſt vom Palaſte des Kaiſer Conſtantin! e meiſtentheils Griechen, ſind überhaupt ſehr ſchön, mit edlen, offenen Nichts wie Ruinen und Verfall! Jenſeit der Mauern d Geſichtern, und beſonders trägt bei einer Vergleichung mit anderen beginnt wieder ein Cypreſſenwald, aber ſehr gelichtet und verheert, 8

Ländern die niedere Klaſſe den Sieg davon. Das Kaik, die Ruder, der große Gottesacker von Ejub. Dieſer heiligſte Ort der Türken d alles gänzlich von allem bisher Geſehenen verſchieden. Die Ruder liegt unten am Hafen, die heilige Moſchee, ganz umgeben von g hängen in Lederſtreifen an kleinen Ruderpflöcken(Dollen), und werden Platanen, Ulmen und Cypreſſen, und neidiſch bewacht, auf daß ſ von Zeit zu Zeit mit Fett geſchmiert, um die Reibung zu vermindern. kein Unreiner dort ſeinen Fuß hineinſetze. Nahe der Handhabe der Ruder haben dieſelben eine kugelrunde Ver⸗ Wir wenden uns wieder zur Rechten, von woher lärmendes n dickung, um eine Annäherung von Gleichgewicht zu erzeugen; jeder Hämmern und Klopfen tönt: auf den Schiffswerften werden Dampf⸗ d Kaikdji führt zwei Ruder, und bei dem beſchränkten Raum muß man keſſel reparirt, und bei dem betäubenden Getöſe glauben die Türken, 3 die Geſchicklichkeit der Leute in der Führung derſelben bewundern. ſie ſchafften Außerordentliches!

Größere Kaiks haben zwei, drei und mehr, die der Paſchas oft zehn Dieſe rechte Seite des goldnen Horns iſt von einem Höhenzuge r bis zwölf, des Sultans vierzehn Ruderer. begleitet, der von unzähligen Schluchten durchſchnitten iſt, welche mit

Langſam glitt unſer leichtes Fahrzeug unter der drückenden der Zeit vom Waſſer bis auf den Grund ausgeſpült worden ſind; Mittagshitze dahin, links Conſtantinopel, rechts Galata, nach dadurch erhält das Ufer vom Waſſer aus das Anſehen einer Hügel⸗ l der innern Spitze des goldenen Horns zu. kette, die ganz entlang mit Häuſern beſäet iſt. Dieſe Dörfer aber d

Alles umher, die ganze Natur, ſchien in trägem Schlummer ſind das elendeſte Conglomerat von Hütten und Schmutz, das man n zu liegen, ſelbſt die Möven flatterten nicht wie ſonſt kreiſchend, ſich vorſtellen kann, größtentheils von ſpaniſchen Juden und Arme⸗ u ſondern ſaßen mit aufgeſperrten Schnäbeln auf den verſchiedenſten niern bewohnt. Wir haben uns ſpäter durch näheren Augenſchein d Gegenſtänden, die auf dem Hafen ſchwammen, worunter mit von dem ganz unbeſchreiblichen Zuſtande dieſer Ortſchaften ſüberzeugt, wenig Poeſie müſſen wir's geſtehen todte Pferde, Schafe und und müſſen geſtehen, daß uns bei der Erinnerung noch jetzt die Haut andere Thiere einen hervorragenden Platz einnahmen. ſchaudert und ein unheimliches Gefühl überkriecht! Diejenigen

An der neuen Brücke waren wir ins Boot geſtiegen, bis zur Theile der Bergrücken zu beiden Seiten, welche jenſeit der Häuſer F alten hin) lagen rechts und links ſo viel Schiffe, daß ein wahrer ſichtbar werden, ſehen braun aus, wie verbrannt, kein grüner Schinr⸗ Maſten⸗Wald die Häuſer unſichtbar machte; erſt jenſeit der alten mer, keine Ahnung von Vegetation! Wir haben faſt die Spitze 1 Brücke im inneren Hafen, wurde der Blick freier. Rechts, wo das des goldnen Horns erreicht, da wo das Thal der ſüßen Waſſer von d Ufer in einem Bogen zurücktritt, liegt das Marinearſenal mit der Europa in daſſelbe mündet; hier liegen zu beiden Seiten großartige 9 Admiralität, und davor der innere Kriegshafen. neue Gebäude, in neuenropäiſchem Kaſernenſtyl gebaut: in Ejub die 4

neue Feßfabrik des Fethi Achmed Paſcha und eine Seilfabrik für die ſ

*) Von dem jetzigen Preuß. General von Moltke im Jahre 1838 Marine; in Haskö, auf dem gegenüberliegenden Ufer, die Medicin⸗ G 8 erbaut. ſchule von Kumbarhane(ehemals eine Bombardierſchule), und die 3 S 5ꝛꝛ-mnůmʒ K