den die Kinder, groß und klein, bei dem Einpacken gehabt haben, ſo
ſprüngliche Natur wie durch Lebensführung waren. Ohne daß ſie bin ich zufrieden. Sonderlich ſind die drei Kleinen übermäßig thä⸗
ihr eigenthümliches Weſen aufgaben, reiften ſie ſich zu immer inni⸗ gerer Gemeinſchaft einander entgegen. Caroline ging ihren Weg, dden Glaube und fromme Uebung ihr zeigten, Perthes den ſeinen, auf ddeen er durch den Drang ſeiner lebhaften, auf Ueberwältigung der Welt gerichteten Natur und durch den Drang des Geſchäfts gewieſen
ward, aber eins gab dem andern das beſte, was es ſelbſt hatte: Per⸗
1 thes ward durch Caroline nach der tiefen Stille des Lebens in Gott
Son tig dabei geweſen und die Luſt zu geben und zu ſchenken hat oft mit Thränen geendigt, wenn ſie nichts mehr hatten. Dieſe Kiſte werdet Ihr um ſechs Uhr bekommen und dann gewiß recht lebendig an uns denken. Auch Du ſollſt in mir und um mich ſein, meine liebe Agnes, und wenn ich auch tüchtig weine, ſo weiß ich ſelbſt nicht recht, ob es Freuden⸗ oder Betrübnißthränen ſind, und das iſt das Höchſte, was wir Lieber Wilhelm, liebe Agnes, laßt uns in dieſem
ſehnſüchtig, ſie lernte durch ihn mit dem köſtlichen Pfund des ver⸗ wünſchen können. t? borgenen Lebens mitten in der äußerlichen Thätigkeit wuchern. Ein Augenblicke einmal aus Herzensgrunde Gott danken und uns, und die Weihnachtsſegen war es, daß Perthes, bisher noch gährend im In⸗ die uns nahe ſind, vertrauensvoll und glaubensvoll in ſeine Arme der nern, durch Caroline zu der köſtlichen Perle hingeführt ward, nach legen und fröhlich ſein. Auch wir hier nehmen Eure Hilfe, uns dem welcher er lange geſucht. Freud und Leid haben die beiden mit ein⸗ danken zu helfen, gerne an. Lies den Geſang in unſer aller Namen: me, ander getragen, namentlich das tiefe Leid um das Vaterland während„O daß ich tauſend Zungen hätte!“ Er kommt Einem recht zu Hilfe, uf⸗ der franzöſiſchen Knechtſchaft, die ſchmerzlichſte Trennung, als Perthes der liebe Geſang, wenn man ſich nicht zu helfen weiß, und gewißlich, ille Gut und Blut im bewegteſten Kampfe ſeinem Vaterlande weihte und dies begegnet mir oft, wenn ich unſre einundzwanzig Jahre durch⸗ lde Caroline mit den Kindern in Holſtein in der Verbannung lebte. denke.“ Und einige Tage ſpäter ſchreibt ſie in einem Berichte über em Aber wie jubelte die deutſche Frau, die ſo Schweres tragen gemußt, den heiligen Abend:„Perthes iſt ein Weihnachtskind; er bewegt hm über jeden deutſchen Sieg! Wie jubelte ſie über ihr wieder aufge⸗ mein Herz jedesmal von neuem dadurch. Geſtern vor dreiundzwan⸗ em blühtes häusliches Glück! Danken und Liebhaben das war ihr zig Jahren hat er es zum erſtenmal gethan, und meine erſte und b Leben. War ihr Herz gegen Gott geöffnet, ſo war es ganz Dank; innigſte Ueberzeugung und mein Glaube iſt nicht zu Schanden ge⸗ as that es gegen die Menſchen ſich auf, ſo war es ganz Liebe. In ſol⸗ worden, daß ein Gemüth, das ſich ſo inwendig kindlich am Weihe er cher Geſinnung bewahrte ſie ſich ein jugendliches Gefühl, Freude an nachtsbaum erfreuen konnte, rein und unbefleckt ſein müßte. Das g2 allen Gottesgaben, Haus, Natur, Volk, Kirche, bis ans Ende. war der Eindruck, den meine Seele an jenem Abend erfüllte, an wel⸗ die Es war wieder Weihnacht, faſt ein Vierteljahrhundert war ver⸗ chem ich ihn eigentlich zum erſtenmal ſah und der mein wahrer Ver⸗ en gangen ſeit dem Weihnachtsabend in Jacobis Hauſe. Schon hatten lobungstag iſt. Und wenn er mich auch nicht genommen hätte, ſo t die Eltern ihre älteſte Tochter von ſich laſſen müſſen, daß ſie dem hätte ich ihn doch gehabt; aber ſo iſt es beſſer und ich weiß am beſten,
Manne ihres Herzens, Wilhelm Perthes, nach Gotha folge. Schon daß ich Gott nie genug dafür danken kann.“ 1 t erwarteten ſie großelterliche Freuden, aber die Liebe, die unter dem Eine Weihnachtsgabe war die Liebe zwiſchen Friedrich Perthes 4 Weihnachtsbaume zuerſt ihre Flügel erprobt, hatte noch junge Kraft. und Caroline Claudius. Das iſt ja das Wundervolle an der deut: 3—„Fröhliche, fröhliche Weihnachten, Ihr lieben Kinder, gebe Euch ſchen Weihnachtsfeier, daß ſie die Geſchichte des Gottesreiches mit ch 4 Gott,“ ſchrieb ſie nach Gotha mit einer Weihnachtskiſte.„Wenn dem Leben jeder einzelnen Familie verknüpft, daß ſie das Familien⸗. d⸗ Ihr nur den zehnten Theil Luſt und Freude habt bei dem Auspacken, leben in den Strom der Gottesliebe eintaucht. n e,— . Weihnachten in London. ts Auch London kann fröhlich ausſehen. Das ſollte man freilich kaum Von den Gewürzkrämern wenden wir uns zu den Fleiſcher. ei⸗ glauben, wenn man es nur in ſeinem Alltagskleide oder in ſeinem An zwei bis drei Tagen vor dem Weihnachtstage lockt eine Fleiſchaus⸗ ig, Sonntagsgewande geſehen hat. Da ſcheint es, als ob allein der ſtellung die ſchau- und kaufluſtige Menge faſt in jeder Straße herbei. en grimme Ernſt des Augen und Ohren betäubenden Geſchäftstreibens Und ſie ſehen wirklich ſtattlich aus, die Metzgerläden: reines Linnen, nd— oder die feierliche Stille des Ruhetages dort herrſchen könnten. Und reine Sägeſpäne, weiße Verkaufsbänke, und vollſtändige Lauben von der doch iſt es wahr: wenigſtens einmal im Jahre lacht auch die rieſen⸗ Immergrün darauf die ungeheuren Hammel⸗ und Kalbskeulen t⸗ 1 hafte Nebelſtadt vor Freude und vor Luſt, ſo gut eben ein ſolches und rieſenhaften Ochſen in Lebensgröße. ch. Ungethüm lachen kann. Das geſchieht nämlich in den Tagen, an Willſt Du aber ein wahrhaftes„Nationalſchauſpiel“, wie es die ss welchen der Wunſch eines„merry Christmas“(fröhliche Weihnacht) Londoner nennen, ſehen, ſo mußt Du mir auf den Leadenhall Markt
auf Aller Lippen und wohl auch in der Meiſten Herzen iſt.
Mit Anfang Dezember beginnt die Vorbereitung auf das herr⸗ lichſte und fröhlichſte Feſt der Chriſtenheit. Da erglänzen die Schau⸗ fenſter in hellem Scheine, und hinter ihnen thürmen ſich verlockende Schätze von Kuchen und Paſteten, von Fiſchen und Vögeln, von Delikateſſen und allem Möglichen, was den Appetit nur reizen kann, in Maſſen auf; da laden Dich Weihnachtsgeſchenke in den mannigfaltig⸗ ſten Formen ein: leichte, luftige Stoffe zu Ballkleidern, elegante Guirlanden zum Schmuck für jugendliche Köpfe, Handſchuhe von allen Farben, weiße Atlasſchuhe, Juwelen und Goldſchmuck, und an an⸗ dexen Stellen wieder prächtig gebundene Bücher, Bilder und die tauſenderlei niedlichen Kleinigkeiten, die unſere Zeit weniger zum Luxus, als zu den Bedürfniſſen des Lebens zu rechnen ſich gewöhnt hat.
Je näher der Weihnachtstag heranrückt, deſto mehr nehmen die
folgen. Dieſer Markt liegt im Mittelpunkt der Hauptſtadt. In den luſtigen Tagen Londons iſt es, als ob eine Fee ihn mit ihrem Zauber⸗ ſtabe berührt und alle Ziegelſteine, alle Fenſter, jeden nur erreichbaren Theil des ganzen Platzes in Truthähne, Gänſe, Enten und anderes Geflügel verwandelt hätte. Vorhänge aus Truthähnen gebildet ſchlie⸗ ßen jeden Lichtſtrahl von den Läden aus; Taue von Truthähnen hän⸗ gen von den Spitzen der Häuſer herab und Berge von Truthähnen bedecken das Straßenpflaſter. Dieſe Vögel kommen aus der ganzen Welt zuſammen— von Frankreich, von Hamburg, von Irland, aus Yorkſhire, Norfolk, Suffolk und Cambridge. Der Handel mit dieſen Vögeln iſt ein rieſenhafter: die Großhändler kaufen ſie in ungeheuren Quantitäten auf und laſſen ſie den Kleinhändlern wieder ab. Ein einziger von den erſteren ſoll an einem Morgen vor dem Frühſtücke tauſend Truthähne verkauft haben. Die Summe aber der um Weih
te Feſteszeichen an Ausdehnung zu. In den Fenſtern der Läden weiſen nachten auf dem Leadenhall Markt verkauften Vögel iſt unmöglich zu ⸗ die glatten Blätter mit den Scharlachbeeren, Zweige der Stechpalme beſtimmen. Auch ihr Preis iſt ſehr verſchieden und hängt von ihrem
(holly) und hie und da ein Reis der Miſtel, auch neuerdings immer häufiger deutſche Weihnachtsbäume auf den kommenden Tag hin.
Gewicht ab; ein Truthahn von 9 Pfund iſt zu etwa 7 Shilling (2 Thlr. 10 Sgr.) zu haben, während einer von 25 Pfund oft drei
Eine Freude iſt es, die Specereiwaarengeſchäfte anzuſehen! Da findeſt Guineen(21 Thlr.) koſtet. Der vornehmſte Schmuck des Platzes
16 Du alles, was Du zu einem Plumpudding brauchſt, in reichlichſten ſind zwei Rieſentruthähne, die an einer in die Augen fallenden Stelle lt Vorräthen aufgeſtapelt; dazu einen Berg von Früchten, in dem Du aufgehängt ſind, mit bunten Bändern an ihren Füßen und großen ⸗ Dich begraben könnteſt. Wie reif und rund lachen Dich die Feigen an! Roſetten auf ihrer weißen Bruſt. Pr dazu Roſinen und Muskatentrauben, Mandeln und franzöſiſche Pflau⸗ Wenn das Wetter ſchön und klar iſt, gewährt die Menſchene n men— wahrlich ſoviel Süßigkeiten, um einen Epikuräer in Ver⸗ menge, die ſich in den Straßen und auf den Plätzen bewegt, das u legenheit zu ſetzen. anziehendſte Schauſpiel. In ihr ſcheint die freudige Erwartung auf 6— d—yõ—. ⸗ ⸗
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