Jahrgang 
1865
Seite
147
Einzelbild herunterladen

ente er fahren, V ei dem V te des Bord andern teuren ſchiffen utſchen zuvor ichern. e gute ſeines arme Rechte traute, ihres

une zu t, ſich euſtand

r aus⸗ ge, aus

zmücken vir faſt diſches trauche szwirn re und gar bei zouftigen wo die ſolchen

eutſchen Meint r eine holder Anfang ſtimmt? ammen⸗ alitäten

deutſch eehalten, vertraut er gold⸗ iſungen ickichten d Reis⸗ heimelt r Natur trauten

ung de utpt eigen mnalſtolz

liebens⸗ ion.

2

andrer Völker. So wie gar manche urdeutſch erſcheinende Wörter unſrer Mutterſprache auch in den Sprachen wildfremder Völker, wie der Slaven oder Perſer, vorkommen(welcher Ungelehrte hält zum Beiſpiel unſre Zahlwörter nicht für kerndeutſch, die doch gemeinſames Gut aller zur großen ariſchen Familie gehörigen Nationen ſind?): ſo ſtammen auch viele der in unſern Fluren angebauten Pflanzen, die uns als von Anbeginn in Deutſchland lebende erſcheinen, aus einer fernen, fernen Heimat, aus der ſie zum Theil in unvordenklicher Zeit, manche vielleicht mit unſern Urahnen ſelbſt, aus dem Oſtland einge wandert ſind.

Urſprünglich deutſch ſind unter den Getreidepflanzen vielleicht der Hafer und Roggen, beide bei den alten Aegyptern und Griechen nicht angebaut; ſicher iſt ihre Einheimiſchkeit indeß nicht ganz, da man ſie im wahrhaft wilden Zuſtande nirgens gefunden. Gerſte und Weizen ſtammen wahrſcheinlich aus Meſopotamien und ſind über Aegypten, Griechenland und Italien zu uns gekommen. Die Hirſe iſt eine oſtindiſche, der Buchweizen, der erſt im Zeitalter der Reformation nach Europa kam, eine weſtchineſiſche Grasart. Alſo ſind die Kulturpflanzen, die uns durch ihr Hoffnungsgrün im Frühling und noch im Erntekranz ſo urdeutſch anmuthen, faſt alle Sprößlinge fernab wohnender Eltern,

1397

und damit auf unſrer Feldflur auch die neue Welt vertreten ſei, hat

uns Amerika den ſtattlichen Mais und die unſcheinbare Kartoffel geſandt.

Aber die Geſellſchaft, die unſre Felder belebt, iſt eine noch bunter gemiſchte. Die Lupine iſt ein Kind der Mittelmeerländer, aus denen uns auch die wohl aus dem Morgenlande ſtammenden Linſen, Erbſen und Puffbohnen zugeführt ſind; die Bohne, welche den Saum der Kartoffeläcker mit rother Garnitur ſchmückt, iſt eine Oſtindierin. Unter den Oelpflanzen findet ſich auch nicht eine einzige einheimiſch; der Raps ſtammt aus Südeuropa, der Mohn, der die Flur ſo prächtig putzt, iſt ein Hindu, die Sonnenblume eine Peruanerin. Auch die Geſpinnſtpflanzen ſind fremden Urſprunges; der Hanf iſt aus dem Gangeslande; der Flachs, der uns ſo recht urdeutſch anheimelt, jedenfalls aus dem Morgenlande gebürtig. So haben Ausländer unſre einheimiſche Faſerpflanze, die Brenneſſel, verdrängt. Auch manche Kinder der blüthenreichen, von Bienen und Faltern um⸗ ſchwärmten Kleefelder ſind fremden Ländern entſproſſen; ſo ſind uns Schneckenklee und Esparſette aus Südeuropa zugekommen.

Fremdlinge über Fremdlinge ſind es, die unſren Kultur⸗Land⸗ ſchaften das Gepräge geben. Ein Deutſchthümler, der in urteu⸗

toniſcher Natur ſich ergehn wollte, müßte ſein Luſtwandeln auf Wieſe

und Forſt beſchränken; ſonſt findet er überall fremden Anflug, der das Urſprüngliche umgeſtimmt hat. Müſſen wir uns da nicht wundern, wie die Kulturgeſchichte, faſt ſo wie die Mode, welche die alten beſonderen Trachten der Gaue verdrängend, eine Allerwelts⸗ tracht zu ſchaffen ſtrebt, im Reiche der Pflanzen ausgleichend und die verſchiedenen Landſchaften verähnlichend wirkt? Iſt nicht jede ſchlichte Flur ein reicher Akklimatiſations⸗Garten, deſſen Wunder uns blos deshalb ſo wenig auffallen, weil ſie uns alltäglich geworden ſind?

Wer denkt in der bäuerlichen Obſtbaum⸗Pflanzung, an der wir eben vorübergehn, an die großen kulturgeſchichtlichen Ereigniſſe, durch die ſie möglich wurde? Kühne Helden mußten Kriegszüge unter⸗ nehmen, wiſſensdurſtige Wanderer ſich in fremde Gegenden wagen, ſorgſame Pfleger mußten ſeit mehr als einem Jahrtauſend ſich mit der Erziehung und Veredlung einzelner Gewächſe Mühe geben, ehe dieſer Baumgarten ſo daſtehen konnte, wie er jetzt den Eigenthümer und den Vorübergehenden erfreut. Griechen, Römer und Araber, Italiener, Franzoſen, Engländer und Deutſche haben zuſammen arbeiten müſſen, um uns die edeln Obſtbaumarten zu ſchaffen, deren

Blüthe uns im Lenz, deren Frucht uns im Herbſt erfreut. Was ſich in der Weltliteratur, wie ſie Göthe großſinnig ſchildert, mehr

und mehr bewahrheitet: die gemeinſame Arbeit der Kulturvölker im

Dienſte des Schönen, das hat ſich in der Obſtbaum-Erziehung ſchon lange auf das Herrlichſte erfüllt.

Die einheimiſchen Obſtbäume: der wilde Apfel⸗ und Birn⸗ baum und der Vogelkirſchenbaum ſind kaum wahre Obſtbäume zu nennen. Nur ein von Hunger und Durſt geplagter Halbwilder findet an den Vogelkirſchen, die mehr für den Kernbeißer als für den Menſchen geſchaffen ſcheinen, oder gar an den Holzäpfeln und Holz⸗ birnen, wie ſie auf den knorrigen, dornigen Stämmen der Wildlinge wachſen, ein wahres Behagen. Gleicht doch die Empfindung, die

uns nach einem Biß in eine Holzbirne befällt, dem furchtbaren

Krampfe, der uns die Kehle abzuſchnüren droht, wenn wir im Traume, von einem Unthiere geängſtigt, um Hilfe rufen wollen und den Halsgarottirt finden. Wenn wirklich aus dieſen Wildlingen unſre edlen Obſtſorten entſtanden ſind(möglich wär' es auch, daß die Holzapfelbäume nur verwilderte eingeführte Bäume darſtellen), dann hat eine unendliche Pflege angewandt werden müſſen, um ihre rauhe Natur zu mildern und ihr ſtarres Weſen zu der biegſamen Entwicklungsfähigkeit zu bringen, die wir in den tauſenden von Obſtſorten bewundern.

Die übrigen Obſtbaum-Arten ſind nachweislich alle eingeführte Fremdlinge und zwar faſt alle Sprößlinge der Europa nächſten, milden Länder Aſiens. Aus Kleinaſien ſtammt der Mandelbaum, der im April unſere Gärten mit roſigen Blüthen ziert, aus dem Kau⸗ kaſuslande die Zwetſche und ſaure Kirſche, aus Armenien die Aprikoſe, aus Perſien die Pfirſiche, die durch ihren Namen an ihr Mutter⸗ land erinnert, die Miſpel und der Wallnußbaum, aus Indien die Quitte.

Nur von wenigen Obſtbäumen kennt man leider die Zeit ihrer Ueberführung nach Europa. Alexander brachte von ſeinem Helden⸗ zuge nach Aſien die Aprikoſe und wohl auch die Wallnuß mit; im zweiten Jahrhunderte vor Chriſtus, zu Catos Zeit, kam die Zwetſche nach Italien, von der Plinius ſchon mehrere Spielarten kannte; die Sauerkirſche gelangte im J. 74 vor Chriſti Geburt in die rö⸗ miſchen Gärten, und zwar durch den üppigen Schwelger und leiden⸗ ſchaftlichen Gartenfreund Lucullus, der ſie von ſeinem Feldzuge aus Ceraſus im Pontus mitbrachte.

Die edelſte aller Obſtarten, deren Einführung nach Europa in den ſchönen Sagen vom Bacchuszuge gefeiert wird, der Weinſtock, ſcheint ſeine Urheimat in den am Fuße des Kaukaſus gelegenen Wal⸗ dungen zu haben, wo er wie Epheu wuchern und an den Bäumen emporſtreben ſoll.

So finden wir denn an faſt allen, durch den Menſchen in höhere Pflege genommenen Stellen Anlaß zur Verwunderung, wir begegnen auf Schritt und Tritt Fremdlingen, deren Aufenthalt in unſrer Heimat im Grund ebenſo wunderbar iſt, wie es ein Kolibriſchwarm oder ein Tapirrudel ſein würde. Aber nicht blos im angebauten Lande, auch in der wahrhaft wilden Natur treffen wir angeſiedelte Ausländer und zwar ſolche, die durch unabſichtliches Wirken der Menſchen aus der Ferne eingeführt worden ſind. Das kanadiſche Rufkraut, das auf dem Gerölle der Straßendämme, ſelbſt in Wäldern wuchert, ſtammt aus Nordamerika und ſoll als Füllung von Vogel bälgen herübergekommen ſein; die Spitzklette iſt durch fremde Wolle eingeſchleppt worden; der Kalmus, der an unſern Flußufern wächſt, ſtammt aus Oſtindien und keine Urkunde, nicht einmal eine Sage

meldet, wie er zu uns gelangt und in unſern Fluren verbreitet

worden iſt.

Ja, ein kurzer Spaziergang in einer deutſchen Flur läßt uns mancherlei wunderbare Begegnungen erleben, und wer ſich ſeine Mußeſtunden würzen will, der gebe das Verwundern nicht zu früh auf. Nur der Gleichgültige erſtaunt nie; aus der Verwunderung erwächſt die ſinnige Betrachtung und aus dieſer die höchſte Natur⸗ freude.

Am Jamilientiſche.

Der König zieht vorüber!

In den Beiträgen zur Naturgeſchichte einiger dem Südoſten Europas angehörender Vögel(Naumannia II. Heft 1850) habe ich(Seite 76) des Eindrucks flüchtig erwähnt, den ein vorüberziehender Königs⸗Adler auf die Bewohner einer der reichſten Reiherkolonien übte. Ich hatte mir damals

vorgenommen, die intereſſante Scene ſpäter auszumalen. Ich will es jetzt wenigſtens verſuchen, da die Ausführung einer an Ort und Stelle entwor⸗ fenen Skizze mich eben beſchäftigt und dies Lebensbild neu aufgefriſcht hat. Es war imweißen Moraſt, wo, wie ich bei jener Gelegenheit ſchrieb und noch heute ſchreibe, ichmeine ſchönſten ornithologiſchen Feſttage gelebt. Im weißen Moraſt, jenem Complex von unabſehbaren Rohrwäldern, ſaftigen

V V V