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Wieſen, ſeichtem und tiefem Gewäſſer, am Rande von mäßigen Wäldern und dem fruchtbarſten Boden begrenzt, durch den Bega⸗Canal mit dem fiſchreichſten Fluſſe Europas, der Theiß, zuſammenhängend, und ſelber in dem einige Quadratmeilen großen Waſſerbecken einen unerſchöpflichen Fiſchreichthum bergend, den weder die umwohnenden Fiſcher noch die tauſende von fiſchfreſ⸗ ſenden Vögeln zu verringern im Stande ſind. Im weißen Moraſt mit ſei⸗ nen verſchiedenen Brutkolonien der Reiher, Cormorane, Pelikane, Löffelreiher, Ibiſſe, Seeſchwalben, Möven, Brachſchwalben, Gänſe und Enten. O, das war ein Leben für den Ornithologen!—
Doch zur Sache! Wir befinden uns mitten in der Reihercolonie! Hun⸗ dert bis 150 Weidenbäume(Salix fragilis) ſind mit größern und kleinern Neſtern bedeckt. Einige dieſer Bäume tragen 15, ja 20 Neſter. Oben in den Gipfeln ſtehen die des Zwerg⸗Cormorans— Carbo pygmaeus— und des Seiden- oder kleinen Silberreihers— Ardea garzetta— weiter unten auf den ſchwächern Seitenäſten ſind die durchſichtigen kleinen Neſter des Ral⸗ lenreihers— Ardea comata— auf den ſtärkern die des Nachtreihers— Nicticorax communis— angelegt, und die unterſten Gabelungen hat der ernſte Fiſchreiher— Andea cinerea— unſer Landsmann eingenommen. Dieſer reiche Reiherſtand zählte viele hundert Paare der genannten Arten. Jenſeit des Bega⸗Canals befand ſich eine Brutcolonie des großen Cormo⸗ rans— Carbo cormoranus— und zu beiden Seiten wurde der Wald von Saalweiden, Gebüſch und freiem Waſſer begrenzt. Wer jemals eine Saat⸗ krähen⸗Colonie geſehen, vermag ſich nur annähernd eine Vorſtellung von dem Leben und Treiben zu machen, das dieſen intereſſanten Platz erfüllte, und zwar Tag und Nacht ohne Unterbrechung. Da ſteht— ſelbſt im Wonne⸗ mond melancholiſch— der düſtere graue Fiſchreiher über ſeinen Jungen! Wehe demjenigen ſeiner Verwandten und Nachbarn, der ſeinem dolchſcharfen Schnabel zu nahe kommt! Da klettern einige unruhige Nachtreiher vom oder zum Horſte, und ſperren krächzend den großen Schnabel gegen einander auf. Da ſtiehlt ein gewandter Rallenreiher einem andern das Reiſig zum eigenen
148 Abgabe zahlte.
Der Engländer ſprach ſeine Verwunderung darüber aus, warum er ſich nicht loskaufe.„Warum ſoll ich dies thun?“ erwiederte er, „es fehlt mir an nichts, deshalb kaufe ich mir lieber für jenen Preis einen anderen Sklaven, der für mich arbeitet, dann bin ich beſſer daran.“— Die ackerbauenden Sklaven reicher Herren leben in Dorfſchaften beiſammen, bauen die Felder in einfachſter Weiſe und haben,— ähnlich wie der göttliche Sau⸗ hirt des Odyſſeus, jährlich nur beſtimmte Prozente ihres Erwerbes dem Gebieter abzuliefern, der ſich im Uebrigen um ihr Thun und Treiben nicht kümmert. Alte Burſchen mit weißem Krauskopf ſitzen in ſolchen Sklaven⸗ dörfern Abends gemüthlich vor ihren Hütten und rauchen ihr Pfeifchen, von der Schar ihrer Enkel umſpielt, mit derſelben Behaglichkeit, wie etwa ein alter deutſcher Landmann, der— ſeine Steuern richtig bezahlt hat.
Bierfälſchungen. Dr. Mair in Fürth gibt in ſeinem Werke über„das Bier“ allerlei
Winke über Fälſchungen und Erſatzmittel, welche vei der Herſtellung des
Weizen oder Mais.
Neſtbau. Da kommen leichten Fluges die Grazien unter den Reihern, die
ſchneeweißen, ſchlanken Seidenreiher heran und laſſen ſich voll Anmuth auf ihre Horſte nieder. Fortwährende Bewegung, fortwährendes Geſchrei von Alt und Jung! Jetzt wird der Tumult ſtärker, ſinnbetäubend— ein Milan oder eine diebiſche Elſter hat ihren Tribut von Jungen oder Eiern geholt— allgemeine Entrüſtung, allgemeines Wehe⸗ und Rachegeſchrei! Da ploͤtzliche Todtenſtille nach einem eigenthümlichen Laute! Das Schreien und Krächzen der Reiher, das Trompeten der Gänſe, das Schnattern der Enten verſtummt. Die eben noch langgedehnten Hälſe der Nachtreiher ziehen ſich ein, die der
Purpurreiher werden mit Körper und Schnabel in eine gerade Linie geſtreckt;
ſonſt bleibt alles ſtarr und ſtumm in der Stellung, die jedes gerade ein⸗ nahm, und blinzelt nur mit einem Auge nach oben! War es der Ton von Hüons Zauberhorn, der alles Leben zur Bildſäule machte? Auf einen Ton, einen Laut allerdings war die Verwandlung eingetreten: auf den wohlver⸗ ſtandenen Warnlaut eines Wachſamen! Bald ſollten auch wir ihn verſtehen; bald auch über uns rauſchte ein mächtiger Flügelſchlag: der König der Vögel, ein mächtiger Adler zog vorüber. E. Baldamus.
Sklaverei in Südweſtafrika.
Man hört nicht ſelten die in Amerika herrſchenden Sklavenverhältniſſe damit entſchuldigen, daß die eingeführten Schwarzen dergleichen aus ihrer Heimat gewöhnt ſeien. Zwiſchen amerikaniſchen und afrikaniſchen Sklaven⸗ verhältniſſen beſtehen aber vielfache ſtarke Unterſchiede; zur Vergleichung führen wir nur Einiges an, das ſich auf die Gegenden in Südweſtafrika bezieht.
Bei den dort wohnenden Völkern, über welche Ladislaus Magyar Aus⸗ führliches berichtet, iſt Sklaverei allgemeiner Gebrauch, allein die Sklaven ſind daſelbſt meiſtens viel beſſer daran, als viele unſerer Dienſtboten und Fabrikarbeiter. Kein freies Frauenzimmer nimmt das geringſte Bedenken, ſich mit einem Sklaven zu verheirathen, denn Kinder gehören ſtets der höheren Hand an. Nur wenn beide Eltern Sklaven ſind, werden die Kinder auch als ſolche betrachtet, andernfalls ſind ſie frei. Es ſteht dort zwar auch dem Herrn frei, verheirathete Sklaven durch Verkauf zu trennen, allein er läßt dies fein bleiben, denn würde er heute das Weib an einen andern Herrn veräußern, ſo würde morgen der Mann demſelben nachlaufen. In der Be⸗ ſitzung des Herrn ſeines Weibes angekommen, würde er ſofort jenem einen kleinen Schaden zufügen, etwa eine Ziege erſchlagen und ein Stückchen
Fleiſch derſelben verzehren und ſich dann dem Herrn mit den Worten vor⸗
ſtellen:„Ich bin dein Sklave!“ Sein früherer Beſitzer hat alles Recht dadurch auf ihn verloren. Derſelbe Fall würde eintreten, wenn ein Herr ſeine Leibeigenen zu ſtreng halten wollte,— ſie liefen ihm ſammt und ſonders
geprieſenen Gerſtenſaftes noch vorkommen ſollen. Als Erſatzmittel für das Malz ſollen hie und da verwendet werden 1) ungemalztes Getreide: Gerſte, Der Brauer ſucht dadurch wohl den Malzverluſt zu decken, kleinere Mengen ſollen nicht gerade ſchaden, größere hingegen durch die Hülſen einen herben Geſchmack erzeugen;— 2) Kartoffeln; 100 Pfund davon ſollen 25 Pfund Gerſtenmalz erſetzen; mitunter ſollen Brauer bis 50 Procent Kartoffeln verwenden, die letzteren zunächſt zerreiben, dann aus⸗ laugen und dem Malze zuſetzen. 3) Zucker⸗Syrup oder Dextrin⸗Zucker bietet dem Brauer nur inſofern etwa einen Vortheil, als er die Malzſteuer dadurch umgeht; ſonſt iſt er eben ſo theuer wie Malz.
Als Erſatzmittel für den Hopfen findet man mitunter Hopfenextracte angerühmt, die aber gelegentlich mit allerlei bittern aromatiſchen andern Stoffen gefälſcht werden ſollen, z. B. mit Pomeranzenſchalen, Enzian, Fieber⸗ klee, Tauſendgüldenkraut, Benediktenkraut, Zittwer⸗ und Ingwer⸗Wurzel, Paradieskörner, Quaſſin, Wehrmuth ꝛc. Ebenſo gibt er an, daß Brauer
die Hefe mit Weingeiſt vermiſchen, die Träber mit letzteren anſprengen oder g 6 6
dem fertigen Biere etwas Alkohol zuſetzen, um die berauſchenden Wirkungen ihres Erzeugniſſes zu ſteigern. Solche alkoholiſche Biere haben bei länger fortgeſetztem Gebrauche dieſelben Uebelſtände im Gefolge wie alle andern ſpirituöſen Getränke.
Als durchaus ſchädlich bezeichnet er Vermiſchungen des Bieres mit
nachfolgenden Stoffen: Schwefelſäure, mit oder ohne Alaun, um das Bier
zu klären; berauſchende Mittel: Mohnköpfe, Lolch, Kockelskörner oder Extrakte aus denſelben, Bilſenkraut, wilder Rosmarin, Buchsbaumblätter und Rinde, Aloë, Guazack, Koloquinthen, ſpaniſcher Pfeffer und Brechnuß. Als ſchädlichſten Zuſatz bezeichnet er die Pikrin⸗Säure oder Welterſche Bitter, das den Hopfen erſetzen ſoll. Hoffentlich kommen von all dieſen aufgezählten Legionen von Fälſchungen gegenwärtig gar keine mehr vor als jene, die etwa— eine ſparſame Hausfrau durch Zufüllen von Waſſer bewerkſtelligt. Hermann Wagner.
Aus Nord⸗Amerika.
Die lebhafte Schilderung eines deutſchen Amerikaners über die Zuſtände in den Vereinigten Staaten iſt doch das Merkwürdigſte, was man leſen kann. Intereſſant iſt ſchon die Wahrnehmung, wie ihm überall in die Rede, auch wenn er noch fließend deutſch ſpricht, eine Menge engliſcher Ausdrücke ein⸗ fließen. Die meiſten derartigen Ausdrücke ſtammen aus dem gewöhnlichen Leben; niemand nennt ein amerikaniſches Bauerngut anders als eine farm, der Zaun iſt ein fence, das Dampfſchiff ein steamer u. ſ. w. Wenn die Kinder deutſcher Eltern auch deutſch ſprechen ſollen, müſſen ſie eine deutſche Schule haben; ſonſt lernen fie leichter und lieber das Engliſche. Aber ſo eine Schule im Buſch iſt ein ungemüthlicher Ort; ein Blockhaus ohne Fenſter, außer der Thüre nur mit Luft-, reſp. Lichtöffnungen verſehn, die mit einer hölzernen Klappe geſchloſſen werden. Bei dem herrſchenden Freiheitsgefühl liegt aber vor allem die Schulzucht im Argen; die Kinder widerſprechen der
Mutter, wenn ihnen nicht pleases(gefällt), was die Mutter ſagt, ſo noch viel
mehr dem Lehrer.
zum beſſeren Nachbar und die Volksanſicht würde es billigen. Außerdem nimmt
auch der Fetiſch die Sklaven gegen ihre Herren in Schutz, d. h. die letzteren müſſen fürchten, von ihren Dienern vergiftet zu werden.— Die Sklaven ſind
vom Herrn für ſich und ihre Frauen ein Stückchen Kattun als Kleidung. Manche von ihnen gehen auch für ihre Herrn auf die Jagd oder auf Handels⸗ reiſen, kommen dabei nicht ſelten in ihre Heimatsländer zurück,— keinem fällt es aber ein, dann von ihren Ehrenpoſten zu entlaufen. Sie können es daheim nicht ſo gut haben. Für die bloße Idee der Freiheit hat der Neger ſehr wenig Sinn. So traf Wilſon einen Sklaven, der als Kaufmann in einer Hafenſtadt des äquatorialen Weſtens ganz behaglich lebte, ſich ſelbſt wieder mehrere Sklaven hielt und ſeinem Herrn jährlich nur eine beſtimmte
Beim Streit der Knaben iſt's eine gebräuchliche Redens⸗ art: I kill you(ich mache dich todt). Die Geſchichte von jenem Herrn Ward in Louisville in Kentucky iſt charakteriſtiſch. Ein treuer Lehrer gibt ſich alle Mühe, in ſeiner Schule Zucht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Aber ein Burſche iſt gar nicht zu bändigen. Schläge ſind verpönt; ſo muß der Lehrer andere Mittel anwenden. Er tadelt ernſtlich den widerſtrebenden Knaben und ſtellt ihn an die Thüre. Der Knabe entläuft. Noch während des Unterrichts kehrt er mit ſeinem Bruder zurück. Vor verſammelter Jugend ſtellt derſelbe
den Lehrer zur Rede:„Ihr habt meinen Bruder injured(beleidigt).“ Und ſofort SI dhe veri d Zieht er den Revolver und ſtreckt den Lehrer zu Boden. Leblos läßt er ihn liegen. daſelbſt entweder Hausſklaven oder Feldſklaven. Die Hausſklaven haben ſehr wenig Arbeit, ſorgen meiſt für ihren Unterhalt ſelbſt und erhalten ab und zu
entweicht in eine andere Stadt.
Aber der Mörder am hellen Tage wird zur Verantwortung gezogen; doch das Gericht ſpricht ihn frei, weil er reich iſt. Nun aber iſt ſeines Bleibens nicht länger in der Stadt; die Rache verfolgt den ruchloſen Mörder. Er Kaum iſt er angelangt, da treten zwei junge Männer bei ihm ein:„Sie ſind Herr Ward; bleiben Sie 24 Stunden hier, ſo ſind Sie ein Kind des Todes.“ In New⸗Orleans trifft ihn daſſelbe Schick⸗ ſal. Ebenſo in mehreren andern Städten. Endlich in Arkanſas findet er Anfnahme. Auf dem Landelegt er ſich eine Farm an. Daſelbſt wirthſchaftete er, bis der Krieg ſich in die Gegend zog. Da wurde auch ſein Gut verwüſtet und eine Kugel der Seceſſioniſten machte ſeinem Leben ein Ende. E.
Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des„Daheim“ in Leipzig, Po
Unter V
erantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig.
Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen& Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Liſcher s Wittig in Leipzig.


