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arbeiten können oder nicht arbeiten wollen, jährlich gegen 70 Millio⸗ nen Thaler. Wollte man aber noch weiter gehen und berechnen, wie groß der Verluſt der Nation durch den Abzug ſo vieler Arbeits⸗ kräfte von der productiven Induſtrie des Landes ſei, ſo würde man nicht übertreiben, wenn man ſagte, daß das Verbrechen und die Armuth Englands den beſitzenden und arbeitenden Claſſen jährlich mehrere 100 Millionen Thaler koſte!
Derjenige Punkt, auf welchen L
icht und Schatten des engliſchen Lebens am ſtärkſten fallen, iſt
London.— London hat ſich in den letzten zehn Jahren um 2% jährlich vermehrt; es zählt jetzt 2,804,000 Einwohner, h. genau ſo viel, als vor 500 Jahren ganz England zählte und gegenwärtig die ſess ehn größten Städte Englands zuſammen zählen, doppelt ſo viel als Paris und faſt fünf⸗ mal ſo viel als Berlin, St. Petersburg und Wien. In jeder ſechſten Minute wird innerhalb der 117(engl.) Meilen, welche das Häuſer⸗ meer Londons bedeckt, ein Kind geboren, und in jeder achten Minute verläßt es einer ſeiner Bewohner, den der Tod abruft. Wenn Lon⸗ don in demſelben Maße fortwächſt, ſo wird es am Ende des 19. Jahrhunderts 6 Millionen und in der Mitte des 20. Jahrhunderts 15 Millionen Einwohner haben! Dieſe Zahlen, obwohl ſie Ver⸗ hältniſſe repräſentiren, die ſich mehr oder weniger vielleicht verwirk⸗ hahen werden, ſind doch zu märchenhaft, um ſich eine Vorſtellung davon machen zu können. Iſt doch ſchon das Bild, welches das heutige London gewährt, mit ſeinen Hunderttauſenden und Millionen lebender Weſen, die ſich darin drängen, verwirrend für das Auge des Beobachters. Am wenigſten dicht iſt der eigentliche Mittelpunkt Londons, die City, bevölkert, da der allgemeine Zug vielmehr in die zahlreichen Vorſtädte geht, welche mehr Licht und beſſere Luft haben. Ueber⸗ haupt iſt eine große Wanderluſt im Innern Londons bemerklich; mehr als die Hälfte ſeiner Bevölkerung wechſelt im Laufe von zehn Jahren ihre Wohnungen, und es kommt faſt gar nicht vor, daß ein Londoner in einem und demſelben Hauſe geboren wird, lebt und ſtirbt. Dieſes ewige Hin⸗ und Herrücken, dieſe unaufhörliche Un⸗ ruhe deutet auf die große Schattenſeite des Londoner Lebens, in der That auf eine von den Quellen des Londoner Elends: auf das Miß⸗ verhältniß des Raumes und der Bevölkerung, auf die ſchlechten Woh⸗ nungen. In der City, wie geſagt, wo eine Menge von Häuſern nur zu Geſchäftsräumen benutzt werden, kommen auf den Acker Landes nur 36 Bewohner, aber in zehn andern Diſtricten erhöht ſich dieſe Zahl auf 100, und in dem öſtlichen London, dieſer Heimat alles Elends und der unglaublichſten Armuth, gar auf 266. Die Durchſchnitts⸗ zahl der Bewohner iſt für jedes Hundert Häuſer etwa 772; aber ſchon in der ganz erträglichen Gegend von Holborn, dem reſpectablen Wohnort der kleinen Handwerker und Krämer, werden es 1000, und in den ärmſten O Ouartieren, wo obendrein die Häuſer ſelbſt kleiner und unbequemer ſind, wie z. B. in St. Giles, beinahe 1200!
Dieſer ſchlechte und ungenügende Wohnungsraum für eine be⸗ ſtändig wachſende Bevölkerung macht die ungeheure Armuth, die hier ſo dicht an den ungeheuren Reichthum grenzt, noch drückender und iſt eines von der Motiven des Elends und der Sünde, die nirgends in ſo kraſſen Formen und in ſolch enger Verſchwiſterung auftreten, als in London.
Tauſend über tauſend Einwohner überhaupt
ſeiner haben
niemals das Innere eines Hauſes geſehen(es müßte denn das Innere
des Arbeits⸗ oder Zuchthauſes ſein!), ſind auf der Straße geboren worden, leben auf der Straße, ſterben auf der Straße. Andere wieder, die gleichfalls nach Tauſenden zu zählen ſind, leben in den miſerabel ſten Höhl en, zuſammengedrückt wie die Häringe, ohne Luft, ohne Licht, in einem Zuſtande, wo die Zurechnungsfähigkeit faſt auf hört, wo der Hunger ſeine ſtündlichen Verſuchungen übt, wo die eigenen vier Wände zur Qual und die durch die Religion geheiligten Namen nur gebraucht werden, um dabei zu ſchwören und zu fluchen. Dieſe Gegenden von London ſind ſo übervölkert, daß nicht ſelten drei Familien, Männer, Weiber, Knaben und Mädchen, in einer Stube ſchlafen. Es mögen einige ehrliche Leute darunter ſein; aber die Mehrzahl beſteht aus Dieben, entlaſſenen Sträflingen und dergleichen. Die Weiber ſind roh, ſchlumpig, betrunken. Wenn man in dieſe Regionen kommt, könnte man glauben, daß man ſich unter einen wilden Indianerſtamm verirrt habe. Ueberall wird geſungen und getanzt mit jener Ausgelaſſenheit, die etwas Beſtialiſches hat. Die Kinder laufen ein und aus, geräuſchlos mit nackten Füßen, wie das Wild. Keine Spur von Arbeit und regelmäßiger Beſchäftigung.
Einige leben von dem, was ihnen der Zufall in die Hände wirft, andere bilden die Nachtbevölkerung Londons, ihr Geſchäft beginnt, ſobald es dunkel geworden. Wenn dann ein Auflauf oder eine Schlägerei Betrunkener ſtattfindet, ſo ſammelt ſich die Polizei erſt in beträchtlicher Stärke, bevor ſie einen Angriff wagt; und ſelbſt dann noch kommen die brutalſten Mißhandlungen vor, die Conſtabler werden zu Boden geworfen, geſchlagen, getreten und nicht ſelten lebensge⸗ fährlich verletzt. Die Stadtmiſſionare haben dieſen Stämmen der Bevölkerung von London den Namen der„Londoner Araber“(City arabs) gegeben, und eine Reiſe in die von ihnen bewohnten Gegenden iſt oft nicht weniger gefahrvoll, als in die Wüſte ſelber.
Dieſes Arabien, mitten in der größten und reichſten Stadt der Welt, beherbergt 150,000 Männer und Frauen, welche vom Dieb⸗ ſtahl und andern Verbrechen leben; 15,000 müßig umherſchleichende Perſonen, welche zu feige für die Anwendung gewaltſamer Mittel, ſich von Betrug und falſchem Spiel nähren; 5000 Diebshehler, 25,000 Bettler und 16,000 Kinder, welche profeſſionsmäßig zu Ver⸗ brechern ausgebildet werden, und, alles zuſammen, kommt von den nicht ganz 3 Millionen Bewohnern Londons mehr als ½¼ Million auf das, was Carlyle in ſeiner draſtiſchen Weiſe„des Teufels Linienregiment“ genannt hat.
Einem ſolchen Maſſenelend gegenüber reicht keine noch ſo große Vermehrung der Polizeimacht, der Gefängniſſe, der Armenhäuſer aus. Was hier erfordert wird, iſt das Opfer des Einzel nen, die Miſſion, das„Heldenthum“ der Perſönlichkeit, um einen andern Ausdruck Carlyles zu gebrauchen. Neben dem tiefen und furchtbaren Schat⸗ kei⸗ en das Londoner und das engliſche Leben überhaupt wirft, iſt das Erſcheinen ſolcher Perſönlichkeiten vielleicht die verſöhnendſte Ligtſete indem es uns dicht an dem Abgrund aller Verworfenheit
die reinſten, edelſten und erhabenſten Beiſpiele der Menſchlichkeit auf⸗
ſtellt, wie um uns zu zeigen, daß da, wo kein Geſetz mehr geehrt und keine Strafe mehr gefürchtet wird, des Menſchen letzter Retter der Menſch ſei.
Erſt in neuerer Zeit wieder ſind wir mit den Lebensbeſchrei⸗ bungen zweier ſolcher„Helden“ beſchenkt worden,
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„H deren unermüdlich menſchenfreundliche Bemühungen dem einen den populären Namen eines„Vaters der Wittwen und Waiſen“, und dem andern den des „Mäßigkeitsapoſtels“ verſchafft haben.
Der Vater der„Wittwen und Waiſen“ war ein Dr. Andrew Reed, geboren 1787 in London. Seine Eltern waren mittellos. Sie gehörten zur Independentengemeinde. Einige reiche Mitglieder und der Prediger dieſer Gemeinde wurden auf die Fähigkeiten des Knaben aufmerkſam und übernahmen es, denſelben ſtudiren zu laſſen. Andrew Reed widmete ſich dem Studium der Theologie und wurde im Jahre 1811 Pfarrer einer Independentengemeinde in einem der öſtlichen Diſtricte von London. Hier befand er ſich im eigentlichen Schoße der Armuth und des Elends von London, und fortan widmete er ſein ganzes Leben, fünfzig Jahre ununterbrochener Arbeit, der Linderung deſſelben. Was zuerſt ſeine Aufmerkſamkeit feſſelte und ſeine Thätigkeit in Anſpruch nahm, war die Hilfloſigkeit der Kinder, welche entweder beide Eltern oder den Vater verloren hatten. In ſeiner Biographie wird uns erzählt, was ihn zunächſt auf dieſe eigentliche Bahn ſeines Wirkens führte.„Man hat,“ heißt es da, „aus meiner Liebe für die Waiſen ein Geheimniß machen wollen. Man hat geſagt, daß vor unſerem Hauſe ein armes Kind ausgeſetzt worden, und daß wir ihm Schutz gegeben hätten. Das iſt nicht wahr. Meine Mutter war eine Waiſe, und ſie fand eine Heimat; und ſie ihrerſeits gab mehr als einer eine Heimat; und einſt, an das Sterbebett eines Mannes gerufen, deſſen größter Schmerz im Tode war, ſeine mutterloſen Kinder zurückzulaſſen, gaben wir ihm das Verſprechen, uns derſelben anzunehmen. Dies veranlaßte mich, über die Nothwendigkeit eines Inſtituts für Waiſenkinder nachzu⸗ denken.“— Nachdem fünfundzwanzig Jahre verfloſſen und mehr als 5000 hilfloſer Kinder durch ihn zu nützlichen Mitgliedern der bürger⸗ lichen Geſellſchaft gemacht worden waren, ging er noch eine Stufe tiefer, zu der verwa hrloſeſten, der unglücklichſten und hoffnungs⸗ loſeſten Klaſſe der Menſchheit, zu den Blödſinnigen. Niemand vor ihm in England hatte daran gedacht, daß man das Loos dieſer Ausgeſtoßenen erleichtern könne. Dr. Reed war der erſte, der ſich ihrer annahm und unter den größten Perſünl ichen Defern den Grund zu einer Reihe von Anſtalten legte, die zu den ſchönſten Denkmalen thätiger Menſchen⸗ liebe gehören. In und bei London erheben ſich jetzt ſechs ſtattliche
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