Jahrgang 
1865
Seite
81
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1 Im Packwagen.

Es war im Juli des Jahres 18, als der von Caſſel kommende Schnellzug in Guntershauſen hielt und dort ſolch eine Unzahl von Paſſagieren vorfand, daß die Schaffner kaum Rath und Aushilfe wußten. wegs, und die Züge da das andauernd ſchlechte Wetter bisher die Reiſenden zurückgehalten waren bei dem erſten warmen Son⸗ nenſtrahl gar nicht auf einen ſo plötzlichen Andrang berechnet geweſen.

Uebrigens machte man möglich, was eben möglich zu machen war. Alle vorhandenen Wagen wurden eingeſchoben, jeder noch freie Platz dritter Klaſſe zum großen Aergerniß mit Hutſchachteln und Reiſetaſchen reich bepackter Damen auf das gewiſſenhafteſte

ausgefüllt, und dann in die zweite, ja ſogar ſelbſt in die erſte Klaſſe

eingeſchoben was eben hineinging. Die nächſten Stationen nahmen ja auch wieder Reiſende ab, und nach und nach regulirte ſich alles.

Durch dieſen Aufenthalt hatte ſich der Schnellzug aber auch um eine gute halbe Stunde verſpätet und war eben zum Abfahren fertig, als noch ein leichter Einſpänner angeraſſelt kam und ein ein⸗ zelner Herr, eine kleine lederne Reiſetaſche in der Hand, heraus und darauf zu ſprang.

Zu ſpät, rief ihm der Oberſchaffner entgegen und gab den verhängnißvollen ſchrillenden Pfiff;wir haben alle Perſonenwagen beſetzt. Der Fremde, der augenſcheinlich kein Neuling auf Reiſen war, warf einen raſchen, prüfenden Blick über die lange Wagenreihe und ſah Kopf an Kopf in den Fenſtern aber die Schiebethür des Pack⸗ wagens ſtand noch halb geöffnet.

Dann werde ich mich bis zur nächſten Station bei den Kof⸗ fern einquartieren, lachte er, und ohne die Einwilligung des Schaff⸗ ners abzuwarten, der übrigens auch nichts dagegen hatte, ſprang er auf den Wagentritt und in den Packwagen hinein. Bei einem ſol⸗

chen Andrang von Perſonen mußte ſich ein jeder helfen ſo gut er

eben konnte.

Alle Welt befand ſich aber auch gerade in dieſer Zeit unter⸗

Der Polizeiagent.

Erzählung von Friedrich Gerſtäcker.

direkte Art eine Unterhaltung anzuknüpfen, indem man nur einen

Das iſt eigentlich nicht erlaubt ſagte der Packmeiſter; aber der Fremde kannte genau die Sprache, die hier alleinige Geltung hatte, und dem Packmeiſter ein Stück Geld in die ſich unwillkürlich öffnende Hand drückend, lachte er:

Ich führe ganz vortreffliche Cigarren bei mir, und wenn ich nicht im Weg bin, erlauben Sie mir wohl eine Viertelſtunde Ihnen hier Geſellſchaft zu leiſten.

Haben Sie denn ein Billet? frug der Mann und ſein Ge⸗ fühl ſagte ihm, daß er ein großes Silberſtück in der Hand hielt.

Noch nicht ich bin eben erſt, wie der Zug abgehen wollte, mit einem Einſpänner von Melſungen herüber gekommen. Mein Billet nehme ich auf der nächſten Station.

Na da ſetzen Sie ſich nur da drüben auf den Koffer, in Treyſa gibt's Platz, bemerkte der Packmeiſter, während der Fremde ſeine Cigarrentaſche herausnahm nud ſie dem Manne hinhielt.

Mit Erlaubniß danke ſchön die Bekanntſchaft war gemacht, der Zug überdies in Bewegung und der Paſſagier, bis ein anderer Platz für ihn gefunden werden konnte, rechtsgültig unter⸗ gebracht.

Eine Cigarre wirkt überhaupt oft Wunder, und die Menſchen, die ſich dieſen Genuß aus ein oder dem andern Grunde verſagen, wiſſen und ahnen gar nicht, wie ſehr ſie ſich oft ſelber dadurch im Lichte ſtehen.

Mit einer Cigarre iſt jeder im Stande, augenblicklich auf in⸗

Reiſegefährten um Feuer bittet. Iſt dieſer in der Stimmung, dar⸗ auf einzugehen, ſo reicht er die eigene Cigarre zum Anzünden. Paßt es ihm aber nicht, ſo bleibt ihm immer noch ein Ausweg er reicht dann dem Bittenden einfach ein Schwefelholz. Der Empfänger dankt, zündet ſeine Cigarre an, wirft das Holz weg, und betrachtet ſich als abgewieſen.

Mit einer dargebotenen Cigarre gewinne ich mir außerdem das Herz unzähliger Menſchen, die der nicht rauchende Reiſende in gemeiner Weiſe durch ſchnöde Fünf⸗ und Zehn⸗Groſchenſtücke ge⸗ winnen muß.