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einen hübſchen Spaziergang auf die Höhe hinter der Stadt gemacht und zu Mittag geſpeiſt hatte, begleitete ich denſelben zu einem Beſuch in das dortige Johanniterſpital, in dem ſein in dem Nachtgefecht des 16. bleſſirter Bruder Platz gefunden hatte. Es lagen dort etwa zwanzig meiſt ſchwer verwundete Offiziere; alle aber erſchienen in der freundlichen Umgebung des hübſch gelegenen Hauſes und unter der vortrefflichen, milden Pflege der ſchwarzgekleideten, mit ſaubern weißen Häubchen bedeckten Krankenwärterinnen des Ordens heiter und voll Freude über den Sieg, und rauchten behaglich ihre Cigarren.
Hauptmann v. R., mit dem ich mich lange unterhielt, war glücklich in der Ausſicht, ſeinen zerſchoſſenen Oberarm gebrauchfähig erhalten zu ſehen. Neben ihm lag ein minder glücklicher blutjunger Offizier, dem Tags zuvor das Bein unterm Knie abgenommen war. Trotzdem nahm er heitern Gemüthes Theil an unſerm Geſpräch und blies ſich mit den blauen Tabakswölkchen die trüben Grillen aus dem Sinn.
In die Stadt zurückgekehrt, wo der König ſein Nachtquartier nehmen wollte, war alles noch lebendig und voll geſchäftigen Hin⸗ und Herrennens. Spät Abends hatten wir auf des Königs ſpeziellen Wunſch noch die Ehre, unſre Skizzen vorzulegen.
Am Mittag des nächſten Tages wurden wir flott zur Abreiſe und wenige Minuten, nachdem Seine Majeſtät unter ſchallendem Hur⸗ rah der Menge per Extrazug abgefahren war, dampften auch wir davon.
In Altona und Hamburg wiederum großer Trouble ob der Ankunft des Königs und, trotz der ſpäten Stunde, Illumination, Pechtonnen und lärmende⸗Menſchenmaſſen auf allen Straßen.
Mühſam im Schritt durch das Gewühl fahrend, erreichte ich in meiner Droſchke meine Station bei Schwager W., bei dem ich Nachtquartier haben ſollte. Dort fand ich noch muntere Geſellſchaft von Herren und Damen, ſprudelnd von patriotiſchen Auslaſſungen, die bald der Sache des befreiten Bruderlandes, bald der ſiegreichen preußiſchen Armee galten. Ermüdet und halbblind mußte ich, nolens volens, noch ans Erzählen und dazu mein Skizzenbuch vor⸗ zeigen, bis ich endlich im bequemen Bett einige Stunden der Ruhe pflegen durfte.
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Am 24., Sonntags früh 6 Uhr ſaß ich wieder auf dem dahineilen⸗ den Bahnzuge gen Lauenburg. Dort wird man auf gewaltigem Dampfboot über die Elbe befördert und ich hatte Gelegenheit, mich an dem reizend am hohen Ufer gelegenen Städtchen zu erfreuen, das in dem herrlichen Frühlingsmorgen gar freundlich auf mich herab⸗ ſchaute. In Lüneburg traf ich mit H., der von Altona via Har⸗ burg aus gefahren war, wieder zuſammen und ſo ging's unaufhalt⸗ ſam weiter. Minden zeigte uns als Epilog zu unſerm nun zu Ende gehenden Drama noch den gefangenen Lieutenant Anker, der dort unter einer Gruppe preußiſcher Offiziere ſtand, freundlich lächelnd und wenig ausſehend, wie man ſich einen ſo verzweifelt heldenmüthigen Kriegsmann gedacht hätte und von dem umherſtehenden Publikum neu⸗ gierig und reſpectvoll angeglotzt wurde. Weiter ging's durch die Porta und Weſtfalens ſonnig fruchtbare Ebnen und Thäler und endlich ſtan⸗ den die beiden Düppelſtürmer wieder wohlbehalten in zwei völlig unverſehrten Exemplaren auf dem Perron des heimiſchen Bahnhofes.
Und wieder, wie auf Flügeln des Windes, war ich von Nord nach Süden, aus dem noch winterlich ruhenden Schleswig, wo noch kein Blättchen die Sträucher geziert, ja kaum ein keimender Grashalm die dunkle Erde durchbrochen hatte, hineinverſetzt in das üppig ſproſſende Frühlingsgrün des Düſſeldorfer Hofgartens, deſſen ſchon hoch⸗ hinaufbelaubte Bäume dem altbekannten Ankömmling den erſten freundlichen Willkommgruß zurauſchten. In meiner Behauſung aber war alles ſtill und dunkel und ausgeflogen— ins Shakſpeare⸗ feſt! Und wieder das Shakſpearefeſt!
Zurückgekehrt an den Altar meiner friedlichen Muſe ſchließe ich meinen Bericht in der feſten Hoffnung, daß bald die verbündeten Fahnen ſiegreich flattern werden über dem ganzen befreiten Bruder⸗ lande! Noch harrt Alſens deutſche Erde, noch die meerumbrandeten Nordſee⸗Inſeln der Erlöſung aus des Drängers Gewalt, der ſich von neuem einwühlt in ihre bergende Scholle. Kampfluſtig aber ſchaut unſre Strandwacht über die Waſſer ins nahe Feindeslager und harrt der alten Blücher⸗Loſung:„Vorwärts!“
(Fortſetzung folgt.)
Am Jamilientiſche.
Eine Grabſchrift.
Auf dem Kirchhof eines Städtchens der Mark Brandenburg bezeichnet eine hölzerne Tafel das Grab eines ehrſamen Arbeitsmannes, der das Un glück hatte, beim Baumfällen von einer ſtürzenden Eiche erſchlagen zu werden. Die trauernden Hinterbliebenen ließen auf jene Tafel folgende Inſchrift ſetzen:
Vergnügt und ohne Sorgen
Ging er am frühen Morgen
Auf ſeine Arbeit aus.
Da traf ihn eine Eiche,
Und ach! als todte Leiche
Kam Abends er betrübt nach Haus.
Höflichkeit iſt zu allem nütz.
Erzherzog Johann von Oeſterreich begegnete einmal, als er einſam in einfacher Kleidung auf einem Jagdzug ſtreifte, zwei Bauern.„Na guter Freund, bekommen wir heut noch Regen?“ fragt er den einen leutſelig. „Guk an Himmel nuf dumm's Vieh, ſo ſiehſt's ſelber,“ ſagte der Angeredete. Der Andre ſtößt ihn an als der Herzog vorbei iſt,„Du, das war ja der Erz herzog!“„Iſt's wahr?“ ſagt der Erſte verwundert,„aber i bin froh, daß i net grob gweſen bin!“
Wort und Geiſt. Von Otto Sutermeiſter. II. Gott hat von außen nicht uns Sprache beigebracht,
Auch nicht aus eigner Macht haben wir ſie erdacht; Des Menſchen Geiſt iſt ſelbſt ein werdend Gotteswort, Das frei und freier ſich geſtaltet fort und fort.
III. In meinem Wort bin ich, doch bin das Wort ich nicht:
Gott iſt in mir, doch nur mit einem Strahl von Licht.
IV.
Ein Wort, urlängſt verſtummt auf modrigem Papier, Traf heut mein Blick, und laut und traut ertönt' es mir; Ein Weizenkorn, verſenkt in tauſendjähr'ge Nacht Des Grabes, iſt es ſo zum Leben neu erwacht,
Und ſchauernd überfliegt mein Geiſt den Raum, die Zeit, Und einen Anhauch ſpürt er der Unſterblichkeit.
.. Hriefkaſten.
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Den zahlreichen Einſendern von Gedichten und gedruckten Proben ihrer Lei⸗
ſrungen müſſen wir bemerken, daß es uns ganz unmöglich i ſt das nicht
zur Aufnahme geei et Befundene zurückzuſe ffelb
ur— na geeignet Befundene zurückzuſenden. Daſſelbe gilt von
Büchern, die uns zur Beſprechung eingeſchickt werden.
Die Uedaction.
Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des„Daheim“ in Leipzig, Poſtſtr. Nr. 2
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Zielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Liſcher« Wittig in Leipzi t: Leipzig.
Koenig in Leipzig.


