Jahrgang 
1865
Seite
78
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Auf unſerm Rückwege wiederholte ſich das Schauſpiel des Morgens Begräbniß der Todten auf dem Kirchhof zu Broacker. Wir kamen dann zeitig nach Ekenſund zurück und in unſer Quartier.

Mittlerweile hatte der Zudrang von neugierigen Beſuchern aller Stände in den Schanzen bereits in einer für unſere Zwecke höchſt läſtigen Weiſe zugenommen und aus dem ganzen Lande wall⸗ fahrteten patriotiſche Touriſten herbei, wodurch die ganze Umgebung das Ausſehn einer großen Kirmeß anzunehmen begann. Die ſcharfe Vorpoſtenkontrolle war gefallen und von den feindlichen Strand⸗ batterien auf Alſen her war eine ſtillſchweigende Waffenruhe einge⸗ treten. Auch unſern Batterien auf der eroberten Höhe war Befehl ertheilt, nur dann nach Sonderburg hin zu feuern, wenn von dort gegen unſre Poſition der Anfang gemacht werde. Es blieb aber, wie geſagt, alles ruhig und der Beſuch des Schlachtfeldes wurde dadurch zu einem harmlos ungefährlichen Spaziergange. Schaarenweiſe be⸗ völkerte ſich die Gegend und alles ſchleppte ſich mit aufgerafften Erinnerungszeichen, ſchweren Bombenſplittern, Säbelſcheiden, eiſer⸗

uns in voller Wehr daherziehende Bataillone, die Helme mit Sträu⸗ ßen von Buxpalm und Schlüſſelblumen geziert, daß heute ganz un erwartet Seine Majeſtät der König zur Beſichtigung der eroberten Schanzen, wie ſeiner braven Stürmer kommen werde. An meinen nach Hauſe ſtrebenden Freund gebunden, war es mir nicht möglich, ſofort, wie ich wünſchte, umzukehren und in dem verdrießlichen Brü⸗ ten über meinemPech rumpelte nach dreiſtündiger Fahrt unſer Fuhrwerk in Flensburg hinein, wo der ganze Ort in größter Bewe⸗ gung war. Beſonders vor dem Hötel Raſch, wo der König abgeſtie⸗ gen, glänzte und ſchimmerte es von Offizieren des Hauptquartiers in allen Regimentsuniformen des preußiſchen Heeres, andrer deutſcher Bundesländer, Oeſterreicher, Franzoſen, Ruſſen ꝛc. ꝛc. Alles harrte der Abfahrt des Königs nach dem Schlachtfelde, um ſofort in un⸗ zählig dort bereitſtehenden Wagen zu folgen. Nach langem, vergeb⸗ lichem Bemühen gelang es mir, noch einen Platz im Wagen des jun⸗ gen Prinzen Carl v. Hohenzollern zu erhaſchen und ſo fuhr ich, höchſt glücklich über die Freundlichkeit des jungen Herrn, mit dieſem und

nen Musketenladſtöcken; die Soldaten aber trugen faſt jeder eine alte däniſche Muskete, um daheim im Quartier nach Spatzen zu ſchießen und andern Unfug anzuſtellen. Begann ich nun in dieſem Wirrwarr zu zeichnen, ſo war ich alsbald von einem Kreis von Gaf⸗ fern umringt, ſo daß es nur noch unter den erſchwerendſten Umſtänden möglich wurde, damit fortzufahren. Indeß ergötzten mich doch dabei die naiv treuherzigen Fragen und Bemerkungen der Solda⸗ ten oft höchlichſt. Der eine fragte:wann denn det Bild eejentlich fertig werde, un ob man det denn nich uf'n Briefbogen haben könne? Der andere, eine Protektormiene annehmend, encou⸗ ragirte mich zum Ausharren in der Arbeit mit den beruhigenden Worten:Davon koof ick mir ooch eens, wenn's fertig is; noch andere endlich, denen meine Manipulation augenſcheinlich zu langſam ging, wandten ſich zum Weitergehn:ach, komm man, det kriegen wir ja allens doch noch uff der Kirmes zu ſehn! Das war nun für einen Künſtler, der nach nationalem Einfluß auf das Volk ſtrebt, freilich alles recht ſchön; ich glaubte indeß doch darin fürs erſte genug ge⸗ leiſtet zu haben und beſchloß am Morgen des 2 I. meinen allmähligen Rückzug anzutreten, zumal das Drama hier zu Ende und die Fort ſetzung erſt vor Fridericia ſpielen ſollte.

So fuhr ich denn am andern Morgen, H. Lebewohl ſagend, in Begleitung des Berliner K., gen Flensburg. Unterwegs meldeten

dem Major im Generalſtab, Grafen Finkenſtein, meine drei Stunden wieder zurück, von wo ich gekommen war, immer dicht hinter dem Königlichen Wagen, der von einer glänzenden Küraſſier⸗Eskorte ge⸗ leitet wurde.

In Gravenſtein angelangt, beſtieg der König, im bunteſten Durcheinander mit der ganzen Suite, die bereitgehaltnen Pferde und verſchwand bald, den Kronprinzen und Prinzen Friedrich Carl, der in der Scharlach⸗Huſaren⸗Uniform mit wehendem Reiherbuſch, auf einem wundervollen Araberſchimmel, eine höchſt ritterliche Erſcheinung war, zur Seite, gefolgt von der ganzen ſchillernden und glitzernden Maſſe auf der Chauſſee durch den hochſtämmigen, dunkeln Buchen⸗ wald.

Bei Atzbüll waren die Sturmkolonnen auf allerhöchſten Befehl genau in dem Anzuge, wie ſie am Morgen des 18. geweſen, aufge⸗ ſtellt, und es gewährte einen erhebenden Anblick, wie jetzt der König, gefolgt von all den in dieſer Campagne berühmt gewordenen Perſön⸗ lichkeiten, die Reihen ſeiner Braven durchſchritt, Worte des Dankes und der Anerkennung ihrer Hingebung an Einzelne, wie an ſie alle zu⸗ ſammen richtete und dann die Bataillone bei ſich vorbeidefiliren ließ. Und nun hätte einer dieſe fröhliche Siegerſchar ſehen müſſen! Stolzen Schrittes zogen ſie daher mit ihren zahlreich eroberten, luſtig flatternden Danebrogfähnlein, die glänzenden Augen in den ſonngebräunten Ge⸗

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