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Lin Maler auf dem Kriegsfelde.
Von W. Camphauſen. (Fortſetzung.)
Während ich noch mit Zeichnen beſchäftigt war, erſchien Prinz Albrecht, rief mir guten Morgen zu und ließ ſich meine ge⸗ ſammelten Detailſkizzen zeigen. Desgleichen bald nachher auch Prinz Carl, der, als Chef der Artillerie, der trefflichen Gammelmark⸗Bat⸗ terie, nach längerer Anweſenheit darin, den Ehrennamen„der Feld⸗ zeugmeiſter⸗Batterie“ gegeben hat.
Als der dort augenblicklich das Commando führende Haupt⸗ mann mit lautem Befehl und, wie mir ſchien, nicht ohne Bezug auf meine beſcheidene Gegenwart die Ordre gab, von jetzt ab keine Bummler und Civiliſten mehr hereinzulaſſen, belehrte ich denſelben alsbald durch meine, vom Kronprinzen unterzeichnete Legitimation, daß ich zwar zur überflüſſigen Categorie der letztern gehöre, aber doch in etwas beſſerer Abſicht als des bloßen unnützen Bummelns wegen da ſei, worauf ſich der ſtolze Kriegsmann etwas betreten, aber ſehr verbindlich, beruhigte.
Ich beſuchte nun, der Reihe nach, die nächſten Schanzen. Ueberall, mehr oder weniger, dieſelbe grauenhafte Verwüſtung, die mächtigen Blockhäuſer mit ihrem quadratſchuhdicken Gebälk gleich Strohhalmen zerknickt und zerſplittert; allenthalben ähnliche Grup⸗ pen zerſtörter Geſchütze in der mannigfachſten Abwechslung.
In Schanze II., berühmt durch die heldenmüthige Vertheidigung des tapfern Lieutenant Anker, brannte ſchon ſeit zwei Tagen das Blockhaus und aus dem gewaltigen Aſchenhaufen ſtarrten nur noch einzelne verkohlte, noch rauchende Balken ſchwarz und phantaſtiſch in die Luft empor. In Schanze IV. lag ein kunſtvoll gegoſſenes Bronzerohr im Sande, das von einem redſeligen patriotiſchen Bauersmann mit großer Emphaſe als eines von denen wiedererkannt wurde, die ihnen der Däne, wie er ſagte, damals im Jahre 50 aus Rendsburg geſtohlen habe!
In Schanze VI., die mich ſowohl durch ihr ganz beſonders in⸗ tereſſantes Innere, als auch dadurch anzog, daß ſie, unter An⸗ führung des braven gefallenen Major v. Beeren, von den Düſſel⸗ dorfern und andern rheiniſchen Jungen erſtürmt war, traf ich den Pionnier⸗Lieutenant Bendemann, der ſich, als einer der Erſten, geſtern beſonders hervorgethan hatte. Vor dieſer, wie den nächſten Schan⸗ zen bis zu Nr. X. waren die Paliſſadenreihen, vom Rand des Gra⸗
bens aus, horizontal mit der Spitze gegen die Bruſtwehr gerichtet,
was die erſten Stürmer genöthigt hatte, von denſelben aus erſt den Sprung in den zwanzig Fuß tiefen Graben zu thun.
Dabei muß einer der Unſrigen getroffen worden ſein, denn ich fand auf einer der Paliſſaden eine große friſche Blutlache. Die ſofort eingreifenden Pionniere, die überhaupt bei der ganzen Affaire den höchſten Grad von Bravour, verbunden mit beſonnener Geſchick— lichkeit und größter Kaltblütigkeit, im heftigſten Gewehrfeuer bewieſen haben, machten dann durch Sprengen oder mit ihren Aexten und Hacken augenblicklich eine für die Nachrückenden leichter paſſirbare, breite Lücke. Ebenſo wurden die bereits genommenen und hinten mit einem offenen Zugang verſehenen Schanzen im Nu von ihnen geſchloſſen, worauf die den Sturmcolonnen zugetheilten Artilleriſten die noch brauchbaren däniſchen Geſchütze ſofort umdrehten und mit der erſten beſten, eben vorhandenen Ladung den fliehenden Feind beſchoſſen. Würde es das Maß meines Berichtes nicht überſteigen, ſo könnte ich unzählige Züge anführen, die alle das Zeugniß ablegen, wie raſch in einander greifend, fix und entſchloſſen die Armee ſich während der Aktion benommen hat. Die Zeitungen haben das meiſte davon berichtet, ich erinnere nur noch an den ebenſo verwegenen, als glück⸗ lich ausgeführten Handſtreich des Hauptmann Hoffmüller, der mit ſechzehn Mann am hellen, lichten Tage über den Alſenſund rudert, dort die verblüffte Beſatzung aus ihrer Strandbatterie hinausjagt, die drei Geſchütze derſelben vernagelt, ſämmtliche Munition in das Boot ſchafft und ſo, bevor die Dänen mit Verſtärkung zurückeilen, das dieſſeitige Ufer wieder erreicht.
Mit herannahendem Abend fuhren wir über Broacker, auf friedlich ſtillem Wege, zurück nach Ekenſund, wo wir noch einen kleinen Transport verwundeter Dänen, der Fähre harrend, antra⸗ fen. In unſerm Gaſthauſe war alles voll neuer Einquartierung,
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weshalb wir auf unſer Schlafzimmer angewieſen waren. Bald aber ſtand das gewohnte„Tiſchchen deck dich“ da, diesmal unter anderm mit einer leckern Schüſſel gebackner Dorſche, die denn auch reichliche Gnade vor unſern Augen fanden. Da mich meine Augen in ungewöhnlicher Weiſe ſchmerzten, ſo ſuchte ich bald mein Lager und genoß der Ruhe.
Am andern Morgen begann zeitig von neuem die Fortſetzung unſerer Schanzendurchſuchung und es wurde geſchaut und gezeichnet nach Herzensluſt. Etwas behindert dabei war ich allerdings durch eine inzwiſchen eingetretene leichte Augenentzündung, ein hier ſehr verbreitetes, durch den ſcharf blaſenden Seewind, den feinen Staub⸗ ſand und die ſchattenlos herabbrennende Sonne erzeugtes Uebel. Unterwegs, an der Nübler Dorfkirche, waren wir noch Zeugen einer ernſten Trauerfeierlichkeit. Auf dem kleinen Friedhofe, dicht an der Heerſtraße, fand die Beerdigung einer Anzahl der beim Sturm ge⸗ fallenen preußiſchen Krieger ſtatt. Eine dazu kommandirte Pionnier⸗ Compagnie erwies ihnen, unter den erhebenden Klängen des Beetho⸗ venſchen Todtenmarſches, die letzten militäriſchen Ehren.
In der Schanze VI. begrüßte mich der mir bekannte Major v. R. und bewirthete uns mit dem dort befehligenden Hauptmann B. vom 55. Regiment in ihrer kleinen, am Schanzeneingange errich⸗ teten Kaſematte mit einer Taſſe kräftiger Bouillon und kalter Küche. Darnach beſahen wir das Terrain hinter den Schanzen. Wenn man dort den von den preußiſchen Geſchoſſen buchſtäblich zu einer einzigen Grube zerwühlten Erdboden betrachtete, ſo mußte man der Standhaftigkeit und zähen Ausdauer der Dänen volle Gerechtigkeit widerfahren laſſen. Es mußte in dieſen Gruben und Communica⸗ tionswegen ein entſetzlicher Dienſt geweſen ſein und faſt übermenſch⸗ liche Geduld mag dazu gehört haben, es hier unter dem unausgeſetz⸗ ten Springen der Wurfgeſchoſſe auszuhalten. Aehnlich den Chor⸗ ſtühlen in den Kirchen hatte aber auch jeder einzelne Mann ſich in einer beſondern Grube, deren Seitenwände mit Brettern und Erd⸗ ſäcken befeſtigt waren, zu ſchützen geſucht. Trotzdem aber mußte der Tod hier täglich ſeinen Tribut gefordert haben. In einer dieſer Gruben fand ich einen noch friſchen, gewaltigen Blutfleck in Mannes⸗ höhe; dort hatte ohne Zweifel ein Granatſplitter dem unglücklichen Bewohner den Kopf und dann noch das ſchwere Bekleidungsbrett der Seitenwand durchſchlagen. Ferner war hier das Feld wie beſäet mit zerſchoſſnen Lafetten, Munitionskarren u. dgl., die, unbrauchbar geworden, von den Dänen aus den Schanzen gezogen und umher⸗ geworfen waren. Auch fanden wir noch fünf todte Artilleriepferde von einer preußiſchen Batterie, die beim Auffahren in die eroberten Schanzen durch einen einzigen feindlichen Schuß dahingeſtreckt wor⸗ den waren. Das war denn ein rechter Fund für uns und wir mach⸗ ten uns auch gleich daran, die zum Theil freilich ſcheußlich verſtümmelten, aber in den maleriſchſten Stellungen daliegenden Thiere zu zeichnen. Endlich mußte auch noch die höchſt pittoresk eingeſchoſſene Windmühle vor dem Sonderburger Brückenkopf daran, die, weil ihr Beſitzer mit dem Feinde auf Alſen eine verrätheriſche, telegraphiſche Communication, vermittelſt der Flügel, unterhalten hatte, den preußiſchen Batterien nach wenig Schüſſen verfallen war. Als wir dort ſo umherſtreiften, führte der Weg uns bei einer Anzahl umherliegender, noch ungebrauchter Granaten vorüber. College H., vorangehend, bedeutete mir, wie dort gleich eine Exploſion ſtattfinden werde. In der Meinung, er ſcherze, ſchreite ich dicht daran her, als plötzlich eine koloſſale Rauchwolke ziſchend auffährt. In der feſten Ueberzeugung, daß die ganze freundliche Geſellſchaft ſofort folgen und nach allen Richtungen auseinander platzen werde, ſuche ich mit zwei gewaltigen Hechtſätzen aus dem unheimlichen Bereiche zu kom⸗ men. Es blieb indeß alles ſtill und nun erſt erfuhr ich, daß der Wind H.s Cigarrenaſche ab und gerade auf einen Haufen loſen Pulvers geweht hatte, der aus einer der oben offenen, umgeſtürzten Geſchoſſe ausgelaufen war. Zum Glück war die Verbindung deſſel— ben mit den umherliegenden Beſtien unterbrochen geweſen— ſonſt wäre unſre, mit Profeſſoren geſegnete, edle Stadt Düſſeldorf wohl um einen derſelben ärmer geworden!


