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hat ihre Grundfärbung einen etwas hellern Ton.
So ſtolz war die demüthige Müllermarie und ſie blieb bei ihrem Worte, auch beim Abſchied, wo Georg ſo gern eine Gewißheit mitgenommen hätte.
Als er aber wiederkehrte nach Monden und ihr ſagte, daß er einen nützlichen, lohnenden Berufskreis gefunden, das eigne Brod, auf das der Müller ſelig ſo großen Werth gelegt, als er ſie vor Gott verſichern konnte, daß er kein Gut auf Erden ſo innig begehre als ihre Liebe, als ihr frommes, treues Herz, das ihm helfen möge ſeinen Weg zum Himmel zu ſuchen,— da konnte ſie in ſeliger Demuth ſagen:„Ich bin des Herrn Magd, mir geſchehe wie Du geſagt haſt.“
Marie wollte den alten Lehrer ſo bald nicht verlaſſen,„haſt lange genug gewartet,“ ſagte ſie ſcherzend zu Georg,„nun warte noch ein Weilchen länger, der Großvater kann nicht ſein ohne mich.“ Warten wollte aber der Georg nicht mehr, der Alte ſollte die neue
Heimath ſeiner Marie theilen, und er willigte ein, um kein Hinder⸗ niß zu ſein für ihr Glück. Dazu kam es aber nicht. Wenige Tage nachdem er ſie in ſeinem ſchönſten Staat zum Altar geleitet, fand ihn das Pfarrtöchterlein, das bis zu ſeiner Ueberſiedlung bei ihm bleiben ſollte, entſchlummert in ſeinem Lehnſtuhl. In ſeiner Bibel, die vor ihm lag, war das Kapitel aufgeſchlagen von Moſes, der vor ſeinem Tode noch hinüberſieht in das Land der Verheißung.
Von Gräfin Maria hat Georg nichts mehr gehört; nur wie im Traum ſchweben manchmal jene Tage voll Glanz und Glück und Herzeleid an ihm vorüber. An Mariens Seite aber hat er das Beſte und Schönſte gefunden, was ein Mann auf Erden begehren kann, einen Beruf, in dem er oft im Schweiß ſeines Angeſichts, aber im Segen arbeiten kann mit ſeiner gottgeſchenkten Kraft, eine Heimath, auf die er ſich freuen kann, die ihm die Erde lieb macht und die ihn doch lehrt in fröhlicher Hoffnung aufſehen zum Himmel.
Der Königstiger.*)
(Hierzu das Bild auf S. 73.)
Der Königstiger iſt eine herrliche, wunderſchön gezeichnete und gefärbte Katze. Seiné Geſtalt iſt höher, ſchlanker und leichter, als die des Löwen; in der Größe aber ſteht der Tiger keineswegs hinter jenem zurück. Ein erwachſener männlicher Tiger erreicht regel⸗ mäßig ſieben bis acht Fuß Geſammtlänge von der Schnauze bis zur Schwanzſpitze; es ſind aber nicht ſelten einzelne ſehr alte erlegt wor⸗ den, bei welchen die in derſelben Weiſe gemeſſene Länge neun Fuß ergibt. Die gewöhnliche Körperlänge beträgt etwas über fünf Fuß, die Länge des Schwanzes 2 ¼1 Fuß, die Höhe am Widerriſt 2 ½ Fuß. Der Leib iſt etwas mehr verlängert und geſtreckter, der Kopf runder, als der des Löwen, der Schwanz iſt lang und quaſtenlos, die Be⸗ haarung kurz und glatt und nur an den Wangen bartmäßig verlän⸗ gert. Das Weibchen iſt kleiner und hat auch einen kürzern Backen⸗ bart. Alle Tiger aber, welche in nördlicher gelegenen Ländern woh⸗ nen, tragen ein viel dichteres und längeres Haarkleid, als diejenigen, deren Heimat die heißen Tiefländer Indiens ſind. Die Zeichnung des Thieres zeigt die ſchönſte Anordnung von Farben und einen leb⸗ haften Gegenſatz zwiſchen der hellen, roſtgelben Grundfarbe und den dunklen Streifen, welche über ſie hinweglaufen. Wie bei allen Katzen iſt die Grundfärbung auf dem Rücken dunkler, an den Seiten lichter und auf der Unterſeite, den Innenſeiten der Gliedmaßen, dem Hinterkörper, den Lippen und dem Untertheile der Wangen weiß. Vom Rücken aus ziehen ſich nun weit auseinanderſtehende, unregel⸗ mäßige, ſchwarze Querſtreifen in ſchiefer Richtung theils nach der Bruſt, theils nach dem Bauche herab, etwas von vorn nach hinten. Einige dieſer Streifen ſind doppelt, der größere Theil aber einfach und daun dunkler. Der Schwanz iſt lichter, als die Oberkörper⸗ theile, aber auch er iſt durch dunkle Ringel ausgezeichnet. Die Schnurren ſind weiß, die Naſe iſt ungefleckt und die Iris gelblich⸗ braun. Die Jungen ſind genau ſo gezeichnet, wie die Alten, nur Auch bei dem Tiger kommen verſchiedene Abänderungen in der Färbung vor; die Grundfarbe iſt dunkler oder lichter und in ſeltenen Fällen ſogar weiß mit nebligen Seitenſtreifen.
Ebenſowohl als in den Dſchungeln oder Rohr⸗ und Graswäl⸗ dern mit wenigen Bäumen, aber viel Geſträuch, begegnet man dem Tiger in großen, hochſtämmigen Wäldern, wenn auch immer nur bis
zu einer gewiſſen Höhe über dem Meeresſpiegel. Nach den herden⸗ reichen Alpenweiden in den Hochgebirgen Aſiens geht er niemals empor; um ſo öfter kommt er dicht an die Dörfer, ja ſelbſt an die Städte heran. Die ſchilfbewachſenen Ufer der Flüſſe, die ungeheu⸗ ren ſchilfartigen Bambusgebüſche und andere Dickungen ſind ſeine Lieblingsplätze, allen übrigen Orten aber ſoll er den Schatten unter einem buſchigen Strauche, Korintha genannt, vorziehen, weil deſſen Krone ſo dicht iſt, daß ſich kaum ein Sonnenſtrahl zwiſchen den Zweigen hindurchſtehlen kann. Die Zweige ſind nämlich nicht blos ſehr verflochten, ſondern hängen auch nach allen Seiten über und faſt bis zur Erde herab, bilden alſo eine dunkle und äußerſt ſchattige Laube, welche das Thier ebenſogut vor dem Auge verbirgt, als ſie ihm Kühlung gewährt. Dieſe Liebhaberei des Tigers für die Ko⸗ rintha iſt ſo bekannt, daß bei den Jagden die Treiber ſtets zuerſt ihr Augenmerk auf jene Büſche richten. Hier verbirgt er ſich, um zu ruhen, und von hier aus ſchleicht er an ſeine Beute heran, bis er ſo nahe gekommen iſt, daß er ſie mit wenigen Süätzen erreichen kann. Er hat alle Sitten und Gewohnheiten der Katzen, aber ſie ſtehen bei ihm im gleichen Verhältniß zu ſeiner Größe. Seine Bewegungen ſind jedoch noch anmuthig, wie die kleinerer Katzen, und dabei unge⸗ mein raſch, gewandt und zugleich ausdauernd. Er ſchleicht unhörbar dahin, verſteht gewaltige Sätze zu machen, klettert trotz ſeiner Größe taſch und geſchickt an Bäumen empor, ſchwimmt meiſterhaft ſchnur⸗ gerade über breite Ströme und zeigt dabei immer die bewunderungs⸗ würdige Sicherheit in der Ausführung jeder einzelnen Bewegung. Der Tiger belanert und beſchleicht ſchlangenartig ſeine Beute, ſtürzt daun pfeilſchnell mit wenigen Sätzen auf dieſelbe los und ſchlägt die Krallen mit ſolcher Kraft in den Nacken ein, daß auch das ſtärkſte Thier ſofort zu Boden ſtürzt. Die Wunden, welche er ſchlägt, ſind immer außerordentlich gefährlich; denn nicht blos die Nägel, ſondern auch die Zehen dringen bei dem fürchterlichen Schlage ein. Johnſon hat ſolche Wunden geſehen, welche fünf Zoll tief wa⸗ ren. Selbſt wenn die Verwundung eine verhältnißmäßig leichte iſt, geht das Opfer gewöhnlich zu Grunde, weil bekanntlich alle Wun⸗ den, welche geriſſen werden, ungleich gefahrvoller ſind, als ſolche, die durch ein ſcharfſchneidiges Werkzeug hervorgebracht worden ſind.
Kapitän Williamſon, ein Offizier, welcher zwanzig Jahre in
*) Das Werk, welchem wir mit Bewilligung ſeines Verlegers die obige Text⸗ und Illuſtrationsprobe entnehmen,„Brehms Illuſtrirtes Thierleben,
mit Bildern von Robert Kretſchmer“(Hildburghauſen, Verlag des Bibliographiſchen Inſtituts) iſt in textlicher Bezieh
ung ſchon vielfach anerkennend
gewürdigt worden; wir beſchränken uns daher darauf, daſſelbe beſonders ſeiner bildlichen Seite wegen als eine höchſt erfreuliche Erſcheinung allen
Freunden der Natur warm zu empfehlen.
Gewöhnlich werden die einem illuſtrirten Werke beigegebenen Abbildungen als ein bloßer Schmuck deſſelben be daß die Beſprechung eines ſolchen Werkes die bildliche Ausſtattung anders, als nebeubei erwähnt, als eine für den Das iſt, beſonders bei naturwiſſenſchaftlichen Werken, eine falſche Auffaſſung. Hier hat die äußere Erſcheinung z. B. eines Thieres, einer Pflanze, einen ganz beſonderen Werth; es tritt hei den Illuſtrationen derſelben,
gabe“.
bezeichnet, und ſelten ereignet es ſich, Leſer noch außerdem willkommene„Zu⸗ . des geſchilderten Gegenſtandes, alſo außer der vorausgeſetzten wiſſenſchaftlichen
Genauigkeit, noch die maleriſche Seite in Form, Charakter, Bewegung hinzu; die Zeichnungen werden demnach beim erſten Ueberblick den Eindruck eines Kunſtwerkes machen müſſen, die genauere Durchſicht derſelben erſt feſtſtellen, daß auch die wiſſenſchaftlichen Bedingungen darin erfüllt ſind.
Ein ſolches volksthümliches, von ſeinem Verleger mit außerordentlichen Koſten ausgeſtattetes und auf einen ſ Werk iſt das vorliegende. Eine Naturkunde in populärſter Geſtalt ſollte es ſein, und wenn der günſtige Erfolg eine G Die Wiſſenſchaft iſt hier gleichſam nur der Boden, auf welchem Schilderung und Bild in freier literar vor dem Leſer bewegen und beſonders die Bilder ſind mit einer wiſſenſchaftlichen Treue, künſtleriſchen Feinheit und feiner pſychologi zeichnet und mit ſolcher Feinheit geſchnitten, daß ſie als Meiſterwerke bezeichnet werden müſſen.
Sinne erreicht.
ehr großen Leſerkreis berechnetes arantie gibt, ſo iſt der Zweck im beſten iſcher, wie maleriſcher Bearbeitung ſich ſchen Beobachtung ge⸗ Die Redaktion.
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