alten Univerſitätsfreund, der Arzt in der kleinen Stadt unweit der Mühle war, nach der Familie des Müllers zu fragen. Er hörte, der dicke Chriſtian habe, noch ſehr jung, eine rüſtige Wittwe geheirathet und hauſe mit ihr auf der väterlichen Mühle, die Wittwe des alten Müllers ſei mit der Tochter in die Brüdergemeinde zu K. gezogen und dort vor einem Jahr geſtorben, die Tochter lebe nicht mehr zu K., ſo viel er gehört; man ſage, ſie habe einen Pfarrer geheirathet, bei dem Pfarramt zu K. werde er dies gewiß leicht ermitteln können.
Georg hatte nicht weiter nachgefragt. Er war nun auf dem Weg nach einer kleinen Stadt, wo man einen Arzt ſuchte, er wollte, wenn es ihm gefiel, ſich dort niederlaſſen; ſo viel er für ſich allein nöthig hatte, dachte er wohl leicht dort zu erwerben, und es verlangte ihn nach Arbeit, nach einem Beruf.
Da er nicht zu eilen brauchte, hatte er ſich Zeit zur Wanderung ge⸗ nommen, jetzt war er müde, die Sonne neigte ſich und er ſah noch keinen Ort in der Nähe.„Wie weit iſt's bis zum nächſten Dorf, wo man gut übernachten kann?“ fragte er einen Mann, der ſeine Aepfel auf einem Handkarren vor ſich ſchob.
„Nach A.? da iſt's noch gute dreiviertel Stunden.“
„Das iſt weit,“ ſagte der müde Reiſende,„geht Ihr denn auch noch ſo weit mit Euren Aepfeln?“
„Ich? nein, ich geh da'nunter auf den Hof, aber da iſt kein Wirthshaus.“ Und er ſchob ſeinen Karren ſeitwärts ab, einen lockenden grünen Pfad zwiſchen Hecken, der hinunter auf den Hof führte, deſſen weiße Häuſer hinter grünen Bäumen vorſchimmerten.
„Arabiſche Gaſtfreundſchaft, wo man jeden Fremden in ſein Zelt lädt, herrſcht nicht in meiner lieben Heimath,“ dachte Georg; er erwog nicht, daß der Bauer wohl gar nicht ſo keck geweſen wäre, den feinen Herrn zu ſich einzuladen, an einem ſchönen Abend, wo er noch eine Stunde guten Wegs hatte in ein Wirthshaus, daß bei uns die Bauern keineswegs auf unvorhergeſehene Gäſte eingerichtet ſind, und die Fremden in der Regel nicht damit zufrieden wären, Kameelsmilch zu trinken und ſich auf einer Matte auszuſtrecken wie im Zelt eines Arabers.
Georg aber hatte gelernt, ſich auf Reiſen zu behelfen, die Land⸗ ſtraße lag mit einemmale ſo langweilig und ſtaubig vor ihm, ſeine Müdigkeit nahm zu, der Hof ſchien ſo einladend herauf zu winken, daß er beſchloß, es doch zu verſuchen, dort ein Nachtquartier zu finden.„Mag ſein, ich finde dort ein Glas Milch und einen Altvaterſtuhl zum Ausruhen,“ dachte er,„im ſchlimmſten Fall laſſe ich mich auf irgend einem Ochſenwagen zum nächſten Wirthshaus führen.“ So ging er den Weg hinunter, auf dem der Bauer ſchon verſchwunden war.
Die wenigen, ſtattlichen Häuſer des Hofs lagen einzeln in Gärten oder Gehöften, reichlich umgeben mit den Spuren landwirth⸗ ſchaftlichen Betriebs. Ein viel kleineres Häuschen ſtand ſeitab von den andern in einem Obſtgarten, der mit einer niedrigen, ſauber ge⸗ pflegten Hecke eingefaßt war. Gerade dies kleine niedrige Häuschen war das einladendſte, es war ſchneeweiß getüncht, mit ſpiegelhellen Fenſtern, rings um das Haus das lieblichſte Blumengärtchen, deſſen blühende Levkojen und Reſeden herrlichen Duft ausſtrömten. Unter der Linde vor der Pforte, die das Häuschen überragte, ſtand eine Bank und ein Tiſchchen. Auch vor den Fenſtern waren Blumen⸗ brettchen, und ein Kanarienvögelchen, ſchon ein ſeltner Gaſt auf dem Dorfe, hüpfte in ſeinem Käfig dazwiſchen.
Von allen Hütten und Paläſten, die er je geſehen, war keine Behauſung auf der Welt Georg noch ſo freundlich erſchienen, wie dies Häuschen; wenn auf der weiten Erde noch der Friede wohnte, ſo mußte es hier ſein. Kecklich öffnete er das Pförtchen in der Hecke und ſchritt auf die Hausthür zu, die ſich leicht öffnete.
Die Hausthür war aber zugleich die Zimmerthür, unmittelbar aus dem grünen Gärtchen, aus Gras und Blumen trat man in die helle Stube, durch deren Fenſter der letzte Sonnenſtrahl hereinfiel, und die den halben Raum des Häuschens einnahm. Ein Altvater⸗ ſeſſel ſtand am Fenſter, in dem ſaß ein alter Mann, deſſen ſchnee⸗ weiße Haare unter einem ſchwarzen Sammtkäppchen vorſahen; ein ſchlankes Mädchen in grauem Kleid mit geſcheitelten blonden Haaren ſaß auf einem niedrigen Stuhl ihm gegenüber und las ihm vor; auf dem Tiſchchen zwiſchen beiden lag eine Landkarte und ein Lexikon. Das Mädchen blickte verwundert auf als die Thür aufging, ein Paar klare braune Augen ſchauten ihn an, feſt und tief, nicht wie man einen Fremden, wie man einen Langerwarteten anſieht. Leiſen
Schrittes kam ſie ihm entgegen, bot ihm die Hand und ſagte mit dem herzinnigen Ton, den er nie ganz vergeſſen:„Grüß Dich Gott, Georg, biſt Du elnmal gekommen?“
„Marie, Du biſt's, Marie?“ rief er wie im Traum,„wie kommſt Du hierher, und wie konnteſt Du wiſſen, daß ich komme?“
„Es iſt mir immer ſo vor geweſen,“ ſagte ſie mit ihrem alten, traulichen Lächeln,„Du werdeſt noch einmal da zur Thür herein⸗ kommen, und werdeſt froh ſein, daß Du mich findeſt. Ich bin hier ſchon lang bei meinem alten, lieben Lehrer.“„Der Herr Doktor Rau,“ ſtellte ſie ihn jetzt dem alten Schulmeiſter vor, der nicht recht wußte, was vorging, und ſich etwas mühſam von ſeinem Sitz erhob. „Du wirſt Dir ihn wohl noch denken können, den Georg vom Tan⸗ nenhof, weißt Du?“
„Ach ja wohl,“ ſagte der alte Mann,„kann mir ja Ihre Eltern ſelig noch wohl denken, aber wie kommen Sie denn da her, auf unſer Höflein? Das hat ja der Franzos in den Kriegszeiten nicht einmal gefunden!“
„Das erzählt Ihnen der Herr Doktor, ſo lang er ſich ein bischen erfriſcht“ Marie eilte hinaus und brachte ein ſteinernes Krüglein, ein kriſtallhelles Glas und ſchön weißes Brod auf einem grünen Porzellanteller, und ſchenkte ihm ein, goldklaren, perlenden Wein;„wir haben einen guten,“ rühmte ſie lächelnd,„der Großpapa,
ich heiße ihn jetzt ſo, weil ich meinen eignen ja nie gekannt habe, der Großpapa trinkt wenig, da muß er guten und reinen Wein haben.“
Da ſaß er auf Mariens Stuhl dem alten Mann gegenüber, behaglich, als ob er jeden Abend da ſitze und erquickte ſich und ließ ſich von dem Schulmeiſter erzählen, wie er zum Dienſt zu alt ge⸗ worden ſei und von ſeinem ledigen Bruder das Häuschen hier ererbt habe.„Da hab' ich mich zuerſt plagen müſſen mit einer böſen, alten Haushälterin,“ klagte er ihm,„und es ſah bei uns aus, daß es eine Schande war, da mein braves Weib geſtorben war. Nun ſtarb aber auch die Müllerin in K., und wie ich bei ihrer Leiche war, hab' ich dem lieben Kind, der Marie, geklagt, wie ich ſo allein ſei auf der Welt, und ſie iſt zu mir gekommen und bei mir geblieben. Herr Doktor, was das für ein geſegnetes Kind iſt, das weiß der liebe Herrgott allein.“
Während der Alte kein Ende finden konnte im Lobe ſeines Lieb⸗ lings, waltete draußen Marie in der kleinen Küche, zu der eine Thür und ein Schiebfenſterchen von der Stube führte, ihr kleines Dienſt⸗ mägdlein war vom Brunnen heimgekommen und hocherſtaunt, einen fremden Gaſt vorzufinden. Draußen kochte und praſſelte das Feſt⸗ mahl, Suppe und Pfannkuchen, und dazwiſchen wandelte Marie ge⸗ räuſchlos aus und ein, deckte den eichenen Tiſch in der Mitte des Zimmers, ſagte den beiden mitunter ein freundliches Wort und bat ſich aus, daß der Herr Doktor erſt von ſeinen Reiſen erzähle, wenn ſie auch da ſei
Wie war es dem Georg doch auf einmal ſo ganz unbeſchreiblich wohl geworden! So daheim hatte er ſich ja in ſeinem ganzen Leben noch nicht gefühlt!
Das war keine künſtlich gemachte Rückſicht und Freundlichkeit Mariens, unter der ſich die verhaltne Bitterkeit eines gekränkten Herzens birgt; es war die lautere Güte eines treuen Herzens, das nie eine Bitterkeit genährt, oder das ſich jeden Stachel ausgezogen in der Kraft frommer Hingebung.
Wie gemüthlich ſaßen ſie zu Drei um den Tiſch mit der rings⸗ um laufenden Fußbank, die ihn an die Tafel in der Mühle erinnerte, it ſän 8 ni i 5 dühen in uerewellier Lieblichkeit, wie zer— rkannen jetzt erſt wie Nebel alle die Bilder, die ihn berück d be⸗ glückt und ſo unausſprechlich elend gemacht dead ant und be Sesr, r zus ſinde ich ein Unterfommeu für die Nacht?“ fragte g, als er der Mahlzeit mit beſtem Appetit alle Ehre angethan, „darf ich hier in Großpapas Armſeſſel bleiben? Ich kann überall ſchlafen.“
„Ei nein, wir haben ein Gaſtſtübchen,“ rühmte Marie mit Stolz,„ oben, neben Großvaters Schlafſtube und meinem Alkoven. Der Herr Pfarrer, Großvaters Neffe, kommt manchmal hieher, auch die Frau und die Kinderlein haben uns ſchon beſucht. 4
Und es war ein ganz komfortables Gaſtſtübchen; das Mühlen⸗ Aan Aeween en eneenr Ve aunhrn
hten Morgen, wo er in die ſonnige, grünum⸗
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