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daß Du nicht im Groll von uns gehſt! nicht jetzt gleich in alle Weite, daß wir uns gar nicht mehr ſehen können; bitte, verſprich mir's!“
„Ich gehe zunächſt nach Genf und bedenke dort meine nächſte Zukunft; ſehen wollen wir uns nicht mehr. Behüt' Dich Gott, Maria!“ Er gab ihr die Hand. Einmal noch ſah er tief in das wunderbare Antlitz, einmal noch berührte er ihre Lippen, dann ver⸗ ließ er das Zimmer und das Schloß.
Der Zauber war vergangen,— der Feenwagen Aſchenbrödels war zur Nußſchale geworden; ein einſamer Wanderer, ging er die Straße, die nach Genf führt; wohin weiter? Das wußte er noch nicht; er fühlte ſich gänzlich rathlos, Muth und Thatkraft waren erſchlafft und gebrochen.
Der Gräſin Kammerdiener hatte ſeine Wohnung kundet; alle ſeine Effekten wurden ihm nachgeſandt nebſt einem franzöſiſchen Brief der Gräfin, den er ungeleſen zerriß. Was von Geld und eelidſe dabei war, das ſandte er zurück. Seine Kleider und die nöthige Summe für den nächſten Unterhalt behielt er; er fühlte, daß es kindiſcher Trotz geweſen wäre, als Bettler fortzuzie⸗ hen. Soviel durfte er ſchon von der Gräfin annehmen für die Rettung Vene Kindes.
Er hatte noch Gelegenheit den Großmüthigen zu ſpielen, denn ſo leicht und einfach, wie ſich wohl Maria gedacht, ging der Tauſch des Bräutigams nicht vor ſich. Georgs williges Verzichten, die reichen Spenden der Mutter, der jetzt natürlich ein ebenbürtiger katholiſcher Schwiegerſohn lieber war, als der deutſche Doktor, und die emſigen Bemühungen des katholiſchen Vikars ebneten endlich die Wege.
Der Geiſtliche h gefaßt und ihn däßten gelernt, eine glänzende Summe in zarteſter nur als Entſchädigung für die Praxis, gegeben.
„Ich danke,“ hatte Georg kurz und Veſciegen geſagt,„meine Dienſte ſind belohnt, die Praxis, die ich verloren, iſt nicht der Rede werth.“
„Könnte ich nicht irgend förderlich ſein?“ 3
„Ich habe keine Pl ane.“
„Aber Sie ſind jung, Lonntnfſaeich. begabt, Sie können nicht in dieſem Hinbrüten verharren, zumal wenn Sie alle Päiie zurück⸗ weiſen. Eine große, wiſſenſchaftliche, nicht ganz gefahrloſe Ex⸗ pedition geht demnächſt von Frankreich in den O Orient ab, und erſtreckt ſich vielleicht noch weiter, es wird ein junger, geſunder Arzt zur Be⸗ gleitung geſucht. Wie, wenn meine Verbindungen dazu dienen könnten, Ihnen dieſe Stelle zu verſchaffen?“
Das war es. Fort, weit übers Meer, fort von allem, was ihn an die Beangen heit mahnte, an ſeine verlorne Heimath, an ſein verſchleudertes Leben— fort, in die weite, weite Welt! Mit faſt leidenſchaftlicher Wärme bat er den vielvermögenden Prieſter, ſich für ihn zu verwenden und wollte geduldig noch in Genf warten, bis es zur Entſcheidung gekommen.
Er wandelte eines Tags in gedankenloſem Brüten im Freien, all die Herrlichkeit der umgebenden Natur hatte noch keine Sprache
für ſein Herz, aber andre, ernſte S g
Stimmen waren in dieſen ſtillen Tagen laut geworden in ſeiner Seele. Hätte er dieſe l herbe Täuſchung erlebt,
wenn er einfach Treue gehalten hätte wie ein Mann? Daß ſchlaue Berechnung geweſen,
was er bei der Gräfin für die
glühende Hingabe eines dankbaren Mutterherzens gehalten, das
hatte er wohl erkannt, aber Marias Bild ſtand wieder, wenn nicht ohne Irrihum, ſo doch rein und ohne Flecken vor ſeiner Seele.
„Prenez garde!“ rief's, nicht eine ſchöne Reiterin, wohl aber
ein prächtiger Wagen, der anfuhr, zwang ihn raſch auf die Seite zu
in Genf er⸗
hatte eine gewiſſe e Zuneigung zu dem Deutſchen als er ihm im Auftrag der Gräfin Form hatte übergeben ſollen, die er um ihretwillen auf⸗
welchen Planen für Ihre Zukunft
ſpringen. Eine leichte weiße Geſtalt in Kranz und Schleier ſaß darin, er ſah ſie einen Augenblick,— dann war die Erſcheinung vorüber.
„Das war der letzte Akt des Drama,“ ſagte er mit tiefem
Wenige Wochen nach dieſer letzten Begegnung ſtand Georg auf dem Verdeck des Schiffes, auf dem die Expedition von Malta ab⸗ fuhr. Er hatte niemand in der Heimath Lebewohl geſagt, er konnte ſcheiden wie Childe Harold:
wiſſes Ziel
Nun bin ich in der Welt allein,
Auf weiter, weiter See;
Was ſollt' ich andern Seußzer weihn, Wenn keinen rührt mein Weh? Willkommen Wind und Wogen ihr, Und,— wenn die Fahrt vollbracht, Willkommen Wüſt und Höhle mir Mein Heimathland, gut Nacht!
Man hält den Frühling ſo recht für eine wanderluſtige Zeit, die liebliche Zeit, wo die Blumen ihre Aeuglein wieder aufſchlagen und das bedächtigere Laubwerk ſich leiſe entwickelt in friſchem Hoff⸗ nungsgrün, die fröhliche Zeit, wo die Bächlein wieder rinnen und die Kindlein ſich ſonnen, die gefährliche Zeit, wo, nach dem alten Volks⸗
witz, der Salat ſchießt und die Bäume ausſchlagen. Mich dünkt aber, im Frühling iſt gut daheim bleiben, wenn
einem irgend eine freundliche Heimath beſchieden iſt, eine Heimath mit einem Blick ins Grüne, mit einem Pfad hinaus ins Freie. Auch die einfachſte Gegend iſt lieblich zu beobachten, wenn ſie ſo allmälich ihr Feſtgewand anlegt, es thut ſo wohl, die langverſchloſſenen Fenſter zu öffnen für die laue Frühlingsluft und behagliche philiſterhafte Spaziergänge zu machen mit den Seinen an den grünenden Hecken vorüber, über den neubeblümten Raſen; Schneeglöckchen und die erſten Veilchen ſucht man daheim, nicht auf Reiſen.
Aber der Herbſt iſt eine wanderl uſtige Zeit! Die erſten gold⸗ nen Herbſttage, wo die Erde noch ihre ſchönſten Gewänder anlegt wie eine Nonne vor der Einkleidung, eh ihre goldnen Locken unter der Scheere fallen und ſie die glänzenden bunten Gewänder ver⸗ tauſchen muß mit dem farbloſen Nonnenkleid. Im Herbſt iſt's luſtig hinauszuziehen, ſo recht die letzte Schönheit des ſcheidenden Jahrs zu genießen in vollen Zügen und dann heimzukehren in eine trauliche, friedliche Heimath, wo ein gemüthliches Stübchen, wo warme Herzen und freundliche Augen unſer warten.
Am Abend eines ſchönen Herbſttags ſchritt auch unter den reichgeſegneten Fruchtbäumen, zwiſchen den vielgeſchäftigen Menſchen, ein Wandersmann, der keine freundliche Heimath wußte, die ſich ihm aufthun würde für die Winterszeit. Sein Angeſicht war gebräunt von der Sonne ferner Länder und älter als ſeine Jahre; er trug ſelbſt ſein leichtes Reiſegepäck und ſchien ziemlich planlos zu wan⸗ dern, nicht mit dem geraden, beſtimmten Schritt deſſen, dem ein ge⸗ im Sinne liegt, das er heute noch erreichen will. Die Gegend, durch die er ging, war eben nicht eine wie ſie Touriſten auf⸗ zuſuchen pflegen, es war nur ein Stückchen Schwabenland, wie man es an manchem Punkt dieſer ſchönen Gaue viel reizender und maleriſcher finden kann.
Zur Rechten lagen weitgedehnte Kornfelder, längſt abgemäht, nur blaßrothe Winden und verſpätete Kornblumen blühten noch zwiſchen den Stoppeln, der Blick war begrenzt durch einen ſanften Hügelzug. Zur Linken zog ſich leiſe abwärts Wieſenland, nicht mehr bunt durchwoben mit Blumen, wie das erſte luſtige Gras, aber in weichem, ſtillem Grün, das dem Auge wohl thut, wie friedliche Ent⸗ ſagung dem Herzen. Reiche Obſtbäume faßten die Straße ein zu beiden Seiten, gebrochen und geſchüttelt ward ihnen der reiche Segen abgenommen, luſtige Kinder trieben ſich unter den Bäumen umher, um Bulin eſen, zu ſchmauſen, und wieder ſchreiend davonzuſpringen, wenn
er neckiſche Burſch, der oben zwiſchen den Aeſten ſaß, ihnen ein Paar Aepfel auf den Rücken warf.
Der Wandrer war Georg Rau und die Gegend war nicht all zu fern vom Hofe ſeines Vaters, aber er war nicht eingekehrt in ſeiner alten Heimath.
Er kehrte von langen und mannigfaltigen Wanderzügen zurück, er hatte ſich nach Vollendung ſeiner Reiſe noch in Frankreich auf— gehalten, um ein Werk über die Reiſe vollenden zu helfen, er hatte ſein kleines Vaterland wieder anfgeſucht, obwohl er jetzt auch in der Fremde vielleicht eine ſichere Exiſtenz gefund den hätte, warum? das wußte er ſelbſt kaum, hatte er doch nichts mehr dort, das er ſein eigen nennen konnte!
Er hatte bei ſeiner Abreiſe vor drei Jahren niemand Kunde von ſich gegeben und ſpät erſt, von der Reiſe aus, ſeiner Mutter geſchrieben. Ihre Briefe hatten ihn nicht getroffen und erſt bei ſeiner Rückkehr hatte er erfahren, daß ſie mit ihrem zweiten Gatten nach Amerika ausgewandert ſei.
Nach langem Bedenken hatte er ſich auch entſchloſſen, bei einem


