—
—————
—
—
liches Herz?
gen ſein, einen reizenden Fußpfad durch Gebüſch, den er ſie ſchon geführt. Raſch ging er hinaus, um ihr dort zu begegnen.
Und er verfehlte ſie nicht. Auf einer Bank unter Bäumen, auf einer leichten Anhöhe, die, lieblich abgegrenzt, einen Blick auf den blauen See und den Montblanc gewährte, wo er früher ſchou mit ihr geſeſſen, da ruhte ſie wieder, innig angeſchmiegt an einen fremden Mann, einen ſchönen jungen Mann mit ſchwarzem Bart und dunklem Angeſicht, und ſie blickte zu dem Fremden auf mit ſo ſtrahlenden Blicken, wie Georg ſie nie von ihr geſehen; ihr Auge hatte ſeinen Glanz, ihre Wange ihre Blüthe wieder, ihre Stimme ſo ſüßen, innigen Klang,— der dort war ein beſſerer Arzt, als der deutſche Mediciner.
Dunkelglühend vor Wuth und doch ſprachlos, wie an allen Gliedern gelähmt, ſtand Georg hinter dem Gebüſch, durch das er heraufgekommen, und ſtarrte auf das ſchöne Paar, das ſeine Nähe nicht ahnte. Sollte er hervorſtürzen und den fremden Schuft zur Rechenſchaft ziehen?— er war freilich nur mit ſeinem Spazierſtöckchen bewaffnet; neben dem Spanier dort,— denn dafür hielt er ihn, lag, wenn ihn nicht alles täuſchte, eine Piſtole, eine ſeltſame Waffe zum Rendezvous mit einer Dame. Nun, die fürchtete er nicht; er fühlte in dieſem Augenblick der Wuth Kraft genug in ſich, den Burſchen ſammt ſeiner Piſtole zu packen, zu erwürgen, in den See zu ſchleu⸗ dern,— aber es war doch etwas in ihm, das ihn zurückhielt. Es war nicht Feigheit; es war der Blick auf Marias ſtrahlendes An⸗ geſicht, der ihn mit Wuth und mit unſäglicher Trauer erfüllte und doch ſeinen Arm zurückhielt. Hatte er ihr Leben gerettet, um ſie elend zu machen?
Er wandte ſich und ging zurück mit Gefühlen unſäglicher Bit⸗ terkeit. So war ſie, die er geliebt, verehrt wie ein höheres Weſen, ſo war ſie eine Spanierin, wie man ſie ſonſt geſchildert, die den Geliebten einläßt, weun der Ehemann den Rücken wendet, und die Madonna verhüllt, damit ſie nicht zuſieht, ein Weib aus dem Lande, wo die vermählte Frau noch eine Schutzwache braucht für ihre Tugend. Aber warum hatte ſie ihn betrogen, ihn, den armen deut⸗ ſchen Doktor, der ihr ja nichts bieten konnte, als ſein dummes, red⸗ — ſein redliches Herz? Es war nur eine leiſe Stimme in ſeinem Innern, die ſo fragte, die ihn mahnte an eine Liebe, die auch er von ſich geworfen,— die er betrogen, wollte er ſich nicht gern ſagen; der bittre, heiße Groll über die, die ihn ſo ſchmäh⸗ lich getäuſcht, ließ keine andere Stimme laut werden. Wollte er fort, dieſe Nacht noch, hinaus in die weite Welt, in den Tod viel⸗ leicht! Was kümmerte ihn das Leben? Oder wollte er den Morgen kommen laſſen und die Stunde der Trauung und ſie dann erſt nie⸗ derſchmettern mit der Anklage ihres Verraths? Schonung war er ihr nicht ſchuldig, ſie hatte ihn auch nicht geſchont.
Er war zu müde an Seele und Leib, um überhaupt etwas be⸗ denken oder unternehmen zu können; er warf ſich angekleidet aufs Bett und lag ſchlummerlos oder in ſchweren, unheimlictn Halb⸗ träumen, die ſchlimmer ſind als Schlafloſigkeit.
Der Morgen dämmerte; matt und ſchwer erhob er ſich aus ſeiner dumpfen, unerquicklichen Ruhe, immer noch zu müde, zu be⸗ täubt, um einen Entſchluß zu faſſen. Die Trauung ſollte früh ſtattfinden, auf acht Uhr war der Wagen beſtellt, der ſie nach Genf in die katholiſche Kapelle führen ſollte. Georg hatte, den Kammer⸗ diener fortgeſchickt und ſaß, zerbrochen an Seele und Leib, in ſeinem Fauteuil, das prachtvolle Dejeuner in Silber unberührt vor ſich. O, daß alles ein Traum geweſen wäre! Daß er auf ſeinem Rohrſtuhl ſäße in ſeinem beſcheidenen Doktorlogis zu Pulverdingen, und Frau Hartung träte ein mit der eingeſchenkten Kaffeetaſſe und dem Bröd⸗ chen. Er hätte freilich nicht mehr hinausziehen mögen, um Praxis zu werben, aber er war ja ſo jung geweſen,— jetzt freilich kam er ſich alt vor, gealtert in einer Nacht!— Das Warten wäre am Ende nicht ſo ſchwer geweſen im Gedanken an das ſaufte An⸗ geſicht, dem ein helles Freudenlicht aufging, ſo oft er kam.... Das war nun alles vorüber..
Es klopfte leiſe an ſeiner Thür,— Maria trat ein im weißen Atlasgewand, aber noch ohne Schmuck und Schleier, etwas bleich, aber unausſprechlich lieblich; nie war ihm ihre Schönheit wunder⸗ barer, zauberhafter erſchienen. Sie ſetzte ſich auf einen Stuhl ihm gegenüber und ſagte mit der leiſen und doch klaren Stimme, in den deutſchen Lauten, die ſie von ihm erlernt, die ihn ſo entzückt hatten, als ſie ſie zum erſten Male verſucht:„Willſt Du mich ganz ruhig
70
anhören, Georg? Ich muß Dir viel ſagen, aber ich will nicht lange Worte machen.“ Er nickte nur mit finſterem Blick, froh, daßzer nicht reden durfte.„Es ſind drei Jahre, daß mein Vater todt iſt,“ hub ſie wieder an.„Er hat mich ſehr lieb gehabt; warum er aber mit meiner Mutter nicht in Liebe leben konnte, weiß ich nicht; ich dachte oft, ſein Freund, der Graf Fuentos, auf den er alles hielt, ſei ſchuldig, daß er die Mutter nicht mehr liebte, und ich weiß nicht, ob der Graf ein guter Mann iſt. Felix aber, ſein Sohn, iſt gut und edel und wir haben uns iminer lieb gehabt,“— eine helle Röthe flog über das ſchöne blaſſe Geſicht; Georg ſah nicht auf.„Als der Vater ſtarb, hat er der Mutter einen Jahrgehalt beſtimmt, der nicht
groß iſt. Das ganze Vermögen aber, und das iſt ſehr viel, ſollte
vom Grafen Fuentos verwaltet und meinem Gatten übergeben wer⸗ den, wenn ich heirathe. Ich habe das früher nicht gewußt, den Felix aber habe ich lieb gehabt, ſchon als Kind, und wir haben uns verlobt im Hauſe ſeines Vaters. Die Mutter war darüber ſehr unglücklich und weinte, und ſagte, ſie werde arm und elend; Graf Fuentos ſei ein böſer Mann, ihr Feind, ſeine Güter ſeien alle ver— ſchuldet; wenn ich Felix Frau werde, ſo werde er das meine neh⸗ men und ſie werde verlaſſen von ihrem einzigen Kinde. Ich wußte wohl, daß Felix gut war und ſie nichts entbehren laſſen würde, aber er war ſehr jung und ſein Vater heftig und gewaltthätig. So reiſte die Mutter mit mir durch allerlei Länder, um mich von Felix zu ent⸗ fernen, zuletzt nach Deutſchland, wo uns das Gut zugefallen war, und ſagte mir immer, Felix habe mich nie lieb gehabt, er habe nur meine Hand begehrt, weil ſein Vater all mein vieles Geld brauche. Ich habe es nicht geglaubt, aber ich hörte gar nichts von Felix mehr und die Mutter that mir alles, alles zu lieb, was nur mein Herz begehrte.
„Da bin ich vom Pferd geſtürzt, das weißt Du ja, und war ſo ſehr krank, und habe lange nichts von mir gewußt; ſo oft ich aber aufblickte, habe ich Dich geſehen und Du haſt mir jeden friſchen Trauk gegeben und die kühlen Tücher alle, die mir ſo wohl gethan haben an meiner heißen Stirn, und ich habe Dich ſehr lieb gewon⸗ nen, aber nicht ſo wie Felix.
„Da ſagte mir die Mutter, wie zich wieder etwas verſtehen konnte, Du habeſt mich über alles lieb, und habeſt mich in dem ſchlimmen Fieber gepflegt mit Gefahr Deines eigenen Lebens; ſie habe Dir verſprochen, daß ich Dein werde, wenn Du mein Leben retteſt; Felix wiſſe und wolle nichts mehr von mir; wenn ich wolle die Seine werden, ſo ſei ſie auf inmer von ihrem Kinde getrennt und in Armuth verbannt.
„Da habe ich denn nachgegeben; ich war auch ſo müde und wußte kaum, was ich that; ich war nicht glücklich, aber ich wollte Dein treues Weib werden, weil Dir's die Mutter verſprochen.
„Da kam Felix, der mich ſchon lange geſucht; geſtern Abend, als ich ſpazieren ging, ſah ich ihn zum erſtenmal wieder. Er hat in Liebe a— mich gedacht all dieſe Zeit, und nun iſt ſein Vater ſchnell geſtorben, er aber will all unſer Gut theilen mit der Mutter und ſie in Liebe und Ehren halten ihr Lebenlang. Da habe ich vergeſſen in meines Herzens Freude, daß ich noch Deine Braut bin. Aber nicht wahr,“ nie hatte ſie in ſo innigen Tönen zu ihm geſprochen— „nicht wahr, Du gibſt mich dem Felix? So lieb, wie er, kannſt Du mich doch nicht haben; Du kennſt mich nicht ſo lang und ſprichſt nicht unſre Sprache und biſt nicht unſers Glaubens!— Nicht wahr, Georg? Felix ſagt, wenn Du nicht anders wolleſt, ſo werde er kämpfen mit Dir um meinen Beſitz, aber nicht wahr, Georg, das Herzeleid thuſt Du mir nicht an?“. EGroll und Bitterkeit waren aus ſeinem Herzen gewichen, wie ſie ihm ſo einfach und offen ihr Herz und Leben dargelegt in dem mangelhaften Deutſch, das ihr ſo lieblich ſtand, ein tiefes, un⸗ ſäglich ſchmerzliches Herzweh war ihm geblieben. 3 3„Thu wie Du willſt, Maria, ich habe kein Recht an Dich,“ ſagte er mit trauriger Stimme; ſie ſegnen, wie ihn einſt Marie, das konnte er nicht.
„Aber Du grollſt mir nicht, und haſt keinen Haß auf Felix?“
„Er hätte zu mir kommen und als Mann mit dem Manne
reden können, eh er mir hinter dem Rücken die Braut geſtohlen,“
entgegnete Georg finſter,„aber ich will nicht mehr rechten, ich gehe noch heute.“
1„Aber er wollte offen zu uns kommen, es war Zufall, daß er mir begegnete,“ verſicherte angſtvoll Maria.„O, verſprich mir,
——
daß Wei
rir
Zukt
Man wun ließ
war Stro nicht erſch
kund fran Geld und fühl hen.


