Jahrgang 
1865
Seite
68
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gehaltenem Kriegsrath, die däniſchen Befehlshaber, in beſonnener Einſicht der längern Unhaltbarkeit der Schanzen, dem Kopenhagener Miniſterium den Vorſchlag zu ihrer Räumung gemacht und darauf die ſtolz von Nummer Sicher hertönende Antwort erhalten hatten: Um jeden Preis darin auszuhalten!!

Ich ſah dann wie die Leichen haufenweiſe auf Bauerkarren geworfen und an beſtimmte große Begräbnißplätze gefahren wurden. Dort legte man ſie zu 100 bis 200 in die tiefen Gruben zwiſchen Stroh neben und aufeinander und deckte die Erde darüber. Ein einfach gezimmertes Kreuz aus rohem Holz bezeichnete die gemeinſchaftliche Grabſtätte mit der Inſchrift:Hier liegen 150 tapfere Dänen. Darunter waren kunſtlos, ſinnig, zwei verſchlun gene Hände gemalt und oben an hing ein immergrünes Palmkränz⸗ chen. Ein rührendes Bild verſöhnter Waffenbrüderſchaft!

Endlich ſtanden wir vor den gewaltigen Schanzen, die wir die Tage zuvor ſo oft aus reſpektvoller Ferne geſchaut hatten. Je impo⸗ nirender aber die rieſige Befeſtigungsweiſe derſelben hervortrat, ein deſto brillanteres Zeugniß legten ſie ab von der über alles Lob erhabnen Bra⸗ vour der Truppen, deſto unbegreiflicher erſchien es, wie dieſe mächtigen Forts in ſo beiſpiellos kurzer Zeit erſtiegen und genommen worden waren. Unabſehbare Reihen zuſammengeſtellter Eggen mit gekrümmten Eiſen⸗ ſpitzen, ganze weite Strecken mit ſogenannten Cäſarpfählen beſpickt, dazwiſchen mächtige ſpaniſche Reiter mit kreuzweiſe abſtehenden brei⸗ ten, geſchärften Eiſen⸗ klingen, im Kern⸗ ſchuß der Muskete dreifach geſpannte Drahtgitter, Verhaue, Barrikaden, Wolfs⸗ gruben, kurz alle nur erdenklichen Mit⸗ tel, die Sturmkolon⸗ nen aufzuhalten, wa⸗ ren angewendet wor⸗ den und trotz alledem gerieth der gewal⸗ tige Anlauf unſerer Braven auch nicht einmal ſekundenlang ins Stocken! Mit kräftigem Fußtritt oft nur, ſonſt aber mit dem Hieb des Faſchi⸗ nenmeſſers wurden die Drähte zerhauen; einige Sandſäcke, über die ſtachligen Eggen geworfen, genügten den kühn vorauſtürmen⸗ den Tirailleuren für ihren verwegenen Pfad, und wie vie heranrol⸗ lende Meeresfluth die kleinen Dämme und Wälle der am Uferſand ſpielenden Badejugend ſpotteud hinwegſchwemmt, ſo verſchwanden in nichts des Fremdlings mühſam erklügelte Hemmniſſe vor dem ſtür⸗ miſch entfeſſelten todesmuthigen Willen deutſcher Männer!

Aller Provinzen Landeskinder, alle Bataillone, alle Waffen hatten in tadelloſer Bravour gewetteifert; die ſtattlichen ſchleſiſchen und rheiniſchen Garden mit den kleinen behenden Brandenburger Fü⸗ ſiliren, die breitſchultrigen, ſtillen Weſtphalen mit den lärmenden, nur polniſch ſchwatzenden Achtzehnern, ihren Feldpater mit Kreuz und Hoſtie und beſtändigem Ruf: Vorwärts! an der Spitze. Und wieder vom braven General Raven, der ſterbend mit zerſchmettertem Bein auf dem Wagen liegend, den begegnenden Soldaten zuruft: Gott ſei Dank, Kinder, daß einmal ein preußiſcher General verwun⸗ det iſt! bis hinab zu dem jüngſten, eben erſt dem Cadettenhauſe entſendeten Secondelieutenant, der in jugendlicher Leichtfüßigkeit, ſeiner Compagnie weit vorauf, mit dem Zuruf:Heran, heran, ich kann doch die Schanze nicht allein nehmen, von tückiſcher Kugel ſchwer getroffen hinſinkt in allen das lebendige kameradſchaftliche

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Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig.

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction desDaheim in Leipzig, Poſtſtr. Nr. 2.

Gefühl des gegenſeitigen Vertrauens, der Zuſammengehörigkeit, der Unentbehrlichkeit des Einen für den Andern! Dieſer Eindruck des Gan⸗ zen iſt mir vor allem von dort lebendig haften geblieben! Demzu folge mußte ich der begeiſterten Strophe Scherenbergs gedenken:

Euch aber, unſern jungen Schwertgewalten,

Die ihr auf däniſch Leder ſchriebt:Hurrah,

Wir ſind die Söhne noch von unſern Alten,

Trotz neunundvierzigjähr'gem Capug.

Werf' ich mein Lied in eurer Fahne Falten,

Die alte Treu in Jung⸗Germania:

Nur drauf! ob ſich der Oſt, ob-Weſt erhebet

Es geht ſo wahr ein Gott im Himmel lebet!

Zunächſt betrat ich die am Ufer gelegene Schanze Nr. I. Der etwa zwanzig Fuß tiefe Graben war bereits durch einen raſch aufgeworfenen Erdwall zugänglich gemacht, der zugleich durch eine Lücke in der, ſenkrecht aus der Tiefe des Grabens ſtarrenden, mäch⸗ tigen Palliſſaden⸗Reihe führte. So gelangte ich in das Innere. Die Leichen waren bereits herausgeſchafft, doch zeugten tiefe Blut⸗ lachen von der kurzen aber erbitterten Gegenwehr des Feindes. Alle noch vorhandenen Geſchütze waren von unſern Batterien aufs un⸗ glaublichſte demoöntirt und zu unbrauchbaren Trümmerhaufen zu⸗ ſammmengeſchoſſen. Das geſammte däniſche Geſchütz beſtand aus plumpen eiſernen Schiffskanonen, zum Theil koloſſale S4⸗Pfünder mit kunſtlos veralteten Lafetten. Unter der geringern Anzahl ge⸗ zogener ſind mir nur zwei oder drei ſchön verzierte, nachträglich mit Zügen verſehene, alte Bronze⸗Rohre zu Geſicht gekommen. In den maleriſch⸗ ſten Linien ſtanden und lagen ſie umher, jede Gruppe ein Bild für ſich: die rieſigen ſchwarzen Ungethüme mit ihren eiſen⸗

grau gefärbten Lafet⸗ ten, durch die Gewalt unſrer Geſchoſſe in die tollſten Poſitionen geſchleudert, zwiſchen den im Sonnenſchein grell gelb beleuchte⸗ ten Lehmwänden hät⸗ ten wohl monatelan⸗ gen Stoff für das Manche ſtanden völlig auf dem Kopfe, andere

Skizzenbuch gegeben. waren tief in den Sand gewühlt, die dicken Holzräder zerſplittert

weit abliegend. Ueber allem aber flatterte im Winde die preußiſche Sturmfahne. Auf der weißen Hälfte der einen in dieſer Schanze war ſchauerlich bedeutſam der Name der ſtürmenden Schaar mit blutigem Finger geſchrieben: 5. Comp. 4. Gard.⸗Reg. Z. F. Uebri⸗ gens war in den erſten Tagen nach dem Sturm der Aufenthalt in den Schanzen zuweilen nicht ohne Gefahr. In Nr. I. ſaßen wir längere Zeit zeichnend auf dem noch gefüllten Pulvermagazin, wäh⸗ rend deſſen Eingang mit der größten Strenge von davor geſtellten Poſten bewacht wurde, die keinen Tabakraucher duldeten. Dazu lagen allenthalben Dutzende noch nicht verwandter, bereits gefüll⸗ ter Sprenggeſchoſſe, Granaten mit dem Zünder darauf ꝛc. umher, mit denen die neugierig betaſtende Soldateska nicht immer allzu vor⸗ ſichtig handthierte. Einzelne leichtere Unglücksfälle ſollen auch wirklich vorgekommen ſein. Ungefährlicher waren die gewaltigen, mit einem eiſernen, angegoſſenen Henkel verſehenen Kartätſchenbüch⸗ ſen von Eiſenblech, deren Inhalt ganz beſonders zu mitführenden Andenken herhalten mußte. (Fortſetzung folgt.)

Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Gielefeld und Berlin. Druck von Fiſcher Wittig in Leipzig.

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