Jahrgang 
1865
Seite
67
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trotz aller künſtlichen Reflexion, das menſchliche Gefühl ſträubt. Die nackte Wirklichkeit ſollte mir vorführen, was die Phantaſie mich ſo oft als den conventionellen Zubehör eines ſoliden Schlachtgemäldes, in gedankenloſer Gewohnheit, mit Farben auf die Leinwand zu bringen gelehrt hatte, ein leichen⸗ und blutbedecktes Schlachtfeld! Mit einer gewiß begreiflichen Scheu trat ich an die erſten dahingeſtreckten Todten heran und zögernd und allmählig erſt ver⸗ mochte das Auge an dem entſetzlichen Anblick zu haften. Da lagen ſie, meiſt ſchon in langen Reihen neben einander gelegt, fahl mit der blutlos gebräunten Backe, ſtarr und regungslos, das gebrochene Auge dem blauen Himmel zugewandt, der ſich inzwiſchen wieder auf⸗ geklärt hatte. Ich ſah den Erſten, den Zweiten und andere und ſchon war ich im Stande, die Nächſten feſten Blickes lange zu be⸗ trachten. Was ich im gewöhnlichen Einerlei des friedlichen Alltags⸗ lebens nimmer für möglich gehalten, erfuhr ich hier zum erſten Male in überraſchender Weiſe an mir ſelber: die unglaublich raſche Ab⸗ ſtumpfung des menſchlichen Gefühls für das Gräßliche, wenn es in ſolcher Maſſe auftritt. Als ich nun gar den Stift zur Hand nahm

und einige der charakteriſtiſchſten Todtengruppen zu ſkizziren begann, da war völlig jede Scheu verſchwunden und ich ſah in den ſchauer⸗ lich, gewaltſam dahingewürgten Menſchenleibern nur noch das be⸗ liebige Etwas, das da aus graden und krummen Strichen beſtehend, von mir nachzubilden ſei und das ich mit derſelben Gleichgültigkeit, wie etwa einen Tiſch oder einen Stuhl zu Papier zu bringen ſtrebte. Wenn es aber mir, den die Natur keineswegs mit übertrieben ſtarkem Nervenſyſtem ausgeſtattet hat, in ſo kurzer Zeit alſo ging, zu welchem Grade abgeſtumpfter Kälte muß der Soldat gelangen, der in langwieriger Campagne unzählige Wiederholungen dieſer kraſſen Scenen erleben mußte! Ich ſah dort auf der Düppeler Wahlſtatt, im Verlauf der beiden nächſten Tage, noch mehrere hundert Todte, zum Theil mit gräßlichen Verſtümmelungen, zerſchmetterten oder ganz fortgeriſſenen Gliedern, bei weitem die meiſten aber waren vom ſichern preußiſchen Zündnadelgewehr mitten durch den Kopf getroffen. Der Geſichtsausdruck war meiſt ruhig, manchmal ſogar faſt heiter, die bläulich bleichen Lippen, vom kurzſtruppigen, nationalen, rothblonden Bart umſäumtt, feſtgeſchloſſen, die Finger wohl meiſt etwas krampfhaft, wie kratzend, geſchloſſen. Gar zu kraſſe Anblicke waren in einem achtungswerthen Gefühl noch nicht gänzlich verloren gegangner, naturwüchſiger Soldatenäſthetik, mit irgend einem Rock

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oder Mantelfetzen verhüllt. Einen hob ich leiſe auf ein unförm⸗ lich zerſchmetterter Schädel ohne Geſicht Ruhe den Todten und vorbei!

Und ſie alle waren ja todt, hatten ein augenblickliches ſchmerz⸗ loſes Ende gefunden oder doch nach kurzem Ringen bald ausgelitten! War doch der geſtrige Anblick der Schwerverwundeten in Broacker unendlich erſchütternder geweſen. Unwillkürlich gedachte ich der ſchönen Worte des von Rietz komponirten altdeutſchen Schlachtgeſanges:

Kein ſelger Tod iſt in der Welt, Als wer vom Feind erſchlagen, Auf grüner Heid im freien Feld Darf nicht hör'n groß Wehklagen. Im engen Bett da Ein'r allein Muß an den Todesreihen

Hier find er doch Geſellſchaft fein, Fall'n mit, wie Kräuter im Maien.

In den däniſchen Communikationswegen, zwiſchen den Schan⸗ zen, ſtanden die dicken Blutlachen noch unaufgeſogen vom Erdreich, am häufigſten dort hat der Kampf wohl auch die meiſten Opfer

gefordert. Ueberdem waren dieſe Gänge angefüllt mit den ver⸗ ſchiedenſten Gegenſtänden. Eines reichlich mit Blut befleckten däni⸗ ſchen Briefes, den ich aufhob, will ich gedenken, deſſen theilweiſe zu entziffernder Inhalt mich faſt zu Thränen rührte. Ein kleiner Kuabe ſchrieb darin in kindlich unbeholfenen Zügen an ſeinen im Felde ſtehenden Vater. Es war das uralte und doch dem Vaterherzen ſo ſüße Geſchwätz von dem kleinen häuslichen Herde und ſeinem Frie den, von der Mutter und den Geſchwiſtern, wenn er die letzte ſüße Suppe gegeſſen und wie er letzthin mit Tony, dem kleinen Pferde, Schlitten gefahren und ſo fort. Zum Schluß hieß es:Wir ſind ſo froh, daß es Dir gut geht und Du ſollſt bald wiederkommen, dann das letzte Wort:Schreib bald! Und die Antwort? Da hatte der Arme ſie mit ſeinem Herzblute geſchrieben und war dann zu⸗ ſammen gebrochen! Eine daneben liegende Mütze, wohl die ſeine, nahm ich als Erinnerungszeichen mit!.

Das ſind die grauſig rauchenden Menſchenopfer jener nichts⸗ würdigen Kopenhagener Journaliſten und frechen Straßenpöbelherr⸗ ſchaft, des in Fanatismus und ſtarrſinnigem Trotz verblendeten vielgliedrigen Ungethüms mit der heuchleriſchen Biſchofsmütze auf dem Schädel!

Iſt es doch bekannt, daß zwei Tage vor dem Sturm, nach ab⸗