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Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen.
Erſcheint wöchentlich und in Monatsheften.
1865.
Marie und Naria. Novelle von Ottilie Wildermuth.
(Fortſetzung.)
Welch ein raſcher Wechſel der Scene in Georgs Leben! Ge— ſtern war er verhöhnt, gedemüthigt, verſchmäht aus einem Bauern⸗ wirthshaus abgezogen, um in ſeine nüchterne und nothdürftig ein⸗ gerichtete Wohnung zurückzukehren und ſehnſüchtig zu warten, ob nicht vielleicht ein erkälteter Marktbauer ſeine Dienſte in Anſpruch nehme. Heute wandelte er auf prächtigen Teppichen, wurde bedient wie ein Prinz, ſaß auf einem weichen Fauteuil zu Seiten des Lagers,
wo auf feinen ſchneeweißen Kiſſen unter purpurrothſeidner Decke die
ſchönſte Mädchengeſtalt lag, wo ſelbſt Krankheit und Wunde in anmuthiger Form erſchienen.
Wenn er eine Demüthigung ſeines Beleidigers noch bedurft hätte, um ſich über jene Niederlage zu tröſten, ſo hatte er dies be— friedigte Rachegefühl genießen können. Kaum eine halbe Stunde,
Durch alle Buchhandlungen und Poſtämter zu beziehen. Preis jährlich 2 Thlr., vierteljährlich ½ Thlr.
Iusgegeben im October 186 3. Der Fahrgang läuſt vom October 1863 bis dahin 1865.
verſtändigen, die mangelhaft deutſch ſprach.
nachdem ſie die verunglückte junge Gräfin ins Schloß gebracht, war
der vornehme Oberamtsarzt vorgefahren, der auf ſeinem Herwege ſchon von dem Unfall gehört, und hatte keuchend und ſchnaubend ſich bei der Gräfin melden laſſen, um das Empfehlungsſchreiben des Medicinalraths aus der Reſidenz zu präſentiren.
Der furchtbar aufgeregten Dame, die mit der ganzen Leiden⸗ ſchaftlichkeit ihres Weſens in dem jungen Arzt bereits einen hilf— reichen Gott erblickt, war nun der dicke, ſchnaubende Doktor, ſo vor⸗ nehm er auch ausſah, ſo hell die goldne Uhrkette auf ſeinem Bauch blinkte, keineswegs eine erwünſchte Erſcheinung. In ihrem gebroch⸗ nen Deutſch, in ihrer fieberhaften Ungeduld konnte ſte gar nicht nach höflichen Formen ſuchen und kaum hervorbringen:„Sie nicht brauchen, ſchon ſehr gute Doktor,— nur fort, meine Tochter nicht ſtören! Jean, zeigen Sie dem Herrn den Weg!“ und höchſt dienſtbe⸗ fliſſen nahm der Diener den dicken Herrn beim Arm und führte ihn buchſtäblich zum Hauſe hinaus, alſo, daß ſein Schnauben nachher furchtbar anzuhören geweſen ſein ſoll.
Georg war zu tief und gewaltig von ſeiner jetzigen Aufgabe hingenommen, als daß er lange in dem heimlichen Triumphgefühl hätte ſchwelgen können, das der Bericht des Dieners über dieſe Scene einen Augenblick in ihm erregt hatte.
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Nachhängen wollte und konnte er dieſem Gefühle nicht. Das Intereſſe des Arztes und des Menſchen, alles Denken und Wollen ſeiner Seele concentrirte ſich jetzt in dem Einen Wunſch und Stre— ben, ſeine Kranke zu retten. Da ſaß er, lange, lange Stunden, Tag und Nacht, den Blick auf das ſchöne bleiche Angeſicht geheftet und forſchte und dachte und ſuchte, ängſtlich tief, wie er nie in ſeinen Studienzeiten geſucht, nach allem, was Hoffnung zur Rettung geben konnte.
Wie war er nun froh, daß er als Student im Austauſch mit ſeinem Zimmernachbar, einem luftigen Franzoſen, ſich die franzö⸗ ſiſche Sprache, dieſen Hauptſchlüſſel für den Verkehr, zu eigen ge⸗ macht hatte; ſo war ihm nun doch möglich, ſich mit der Gräfin zu
Freilich mußte er auch die wilden Ausbrüche ihrer Ver⸗ zweiflung anhören. All ſeine vorgefaßten Begriffe, ſchon vom Geo⸗ graphieunterricht im Gymnaſium her, wurden hier umgeworfen. Immer hatte er doch gehört und geleſen:„der Spanier iſt in ſeinem äußerlichen Gebahren feierlich, ſtolz und kalt, er wird nie den An⸗ ſtand verletzen, auch nicht bei heftiger Erregung ſeiner innern Gefühle.“ Das paßte nun nicht auf dieſe Dame, die oft maßlos heftig, alles in den Aeußerungen ihrer Mutterangſt, ihrer Zärtlichkeit gegen das todtkranke Kind vergaß. All ihre leidenſchaftlichen Klagen, all ihren Jammer, mit dem ſie das Kind ſchon zum voraus betrauerte, hörte er, aber er hatte auch die Worte gehört, die ſie ihm ſchon am erſten Abend zugerufen, als man die Bewußtloſe ins Haus getragen, und die ſie ſeither oft wiederholt hatte:„retten Sie mein Kind, und ſie iſt die Ihre!“ und ſie hatten ihn wunderbar durchſchauert. Wie oft er ſich auch ſagte:„Unſinn, das ſagt ſie in ihrer Aufregung und weiß es nachher nicht mehr, und wenn's ihr Ernſt wäre, ſo hat es für mich keinen Sinn!“ die Worte hörte er doch wieder und wieder in den ſtillen Stunden, wo er den Blick in dieſe traumarti⸗ gen, wunderbaren Augen ſenkte, die bewußtlos noch in ſüß verlocken⸗ dem Glanze ſtrahlten, und die feine, heiße Hand in der ſeinen hielt.
Die junge Gräfin lag in heftiger Fieberglut, auch als die


