ſollte man niemals Familienglieder, Freunde oder Freundinnen, wonach der Kranke ſich ſehnt, fern halten.
In langwierigen Krankheiten kann nicht Sorgfalt genug ange⸗ wendet werden, um den Kranken vor den ſchrecklichen Leiden des Durchliegens zu bewahren, welches ſehr ſchwierig, oft gar nicht zu heilen iſt. Drum kann für den Kranken nichts beſſeres geſchehen, als nachſtehend bemerkte Vorkehrungen anzuwenden. Man waſche dem Kran⸗ ken frühzeitig genug, ehe ſich die geringſte Röthe zeigt, wenigſtens zwei⸗ mal täglich das Kreuz mittelſt eines weichen Schwammes mit einer Miſchung von ¼ bis ½ Maß kaltem Regen⸗ oder Flußwaſſer und dem Safte einer halben ſaftreichen Citrone. Das Abtrocknen ge⸗ ſchehe mit einem weichen Handtuche, mehr durch ein gelindes An⸗ drücken als durch Reiben, wobei jedesmal die Leibwäſche und das Unterbetttuch glatt gezogen werden müſſen, ſo daß nicht durch eine Falte Reibung entſtehe. Sehr zweckeutſprechend iſt auch eine Un⸗ terlage von einem Stück Seidenzeug.
Sollte hierbei dennoch ein Schein von Röthe unten am Kreuz⸗ wirbel entſtanden ſein, ſo mache ich auf die ſofortige Anwendung des folgenden Mittels aufmerkſam, das ſich in auffallender Weiſe unter anderem an einem Kranken bewährte, der zwei Jahre das Bett nicht verlaſſen konnte und durch Auwendung dieſes Mittels vom Durch⸗ liegen gänzlich frei blieb. Man nimmt etwa einen Theelöffel voll Quittenkerne, zerſtößt ſie gröblich, thut ſie in eine kleine Obertaſſe, übergießt ſie mit etwas gutem Rum und bedeckt die Taſſe. Nach zwölf Stunden beſtreicht man mittelſt einer Feder die geröthete Stelle dreimal täglich mit dem Quittenſchleim. Nachdem ſich die Röthe verloren hat, iſt das Beſtreichen Morgens und Abends hinreichend, jedoch iſt zu rathen, während der ganzen Krankheit fortzufahren. Ein anderes Mittel gegen das Durchliegen beſteht in einem Theile ſtarken Branntweins, einem Theile Bleiwaſſer und einem Theile Eiweiß, in einer Flaſche ſtark geſchüttelt. Auch iſt Folgendes empfeh⸗ lenswerth: Man laſſe am Feuer ein Stück reines Hammelfett ſchmel⸗ zen, das dünne Fett auf ein Stück Löſchpapier fließen, träufle Citro⸗ nenſaft darüber hin und lege es dem Kranken aufs Kreuz.
Hat durch Verſäumniß ſich ſchon eine wunde Stelle gebildet, ſo iſt der Gebrauch nachſtehender Salbe zu empfehlen: es werden weiße Feldrüben gewaſchen, geſchält, gerieben und ausgepreßt, der Saft wird mit ganz friſchen Eidottern und etwas friſcher, ungeſalzener Butter, in Ermangelung mit Mandel⸗ oder Provenceröl zu einer dicklichen Salbe gerührt, dieſe auf ein weiches Leinwandläppchen geſtrichen und aufgelegt. In Zeiten, wo Feldrüben fehlen, vertritt folgende Heilſalbe die Stelle.
Man nehme ein friſches Eidotter, rühre nach und nach ſo viel Mandel⸗ oder Provenceröl hinzu, daß es eine etwas dickliche Salbe wird, rühre ſie eine gute Weile, vermiſche ſie dann mit einigen Tropfen Citronenſaft und bewahre ſie vor Staub. Mit dieſer Salbe beſtreiche man mittelſt einer Feder ſtark die wunde Stelle, bedecke ſie darnach mit Charpie und lege eine weiche Compreſſe darauf. Nach jedesmaligem Abnehmen, was dreimal täglich behutſam geſchehe und wobei es nothwendig iſt, angeklebte Theilchen durch Anfeuchten mit lauwarmer Milch zu löſen, waſche man die Stelle mit lauwarmer Milch und Waſſer, indem man mit einem Schwämmchen vorſichtig und ſanft antupfe, nicht darüber wiſche.
Ein langwieriges Krankſein verurſacht gewöhnlich große Schwäche. Man reibe deshalb dem Kranken mit warmer Hand täglich einmal den ganzen Rücken, Leib, Bruſt und Unterſchenkel mit Wein ſanft ein, thue das indeß äußerſt vorſichtig, damit nicht eine Erkältung herbeigeführt werde. Wo aber die Koſten zu berückſichti⸗ gen ſind, nehme man zum Einreiben reinen Kornbranntwein. Doch iſt es nothwendig, namentlich in kalter Jahreszeit, Wein und Brannt⸗ wein vorher zu erwärmen. Damit das Heißmachen dieſelben nicht verflüchtige, gieße man ſie in ein Eau de Cologne- oder ſtaxkes Medizinglas, ſtelle es, während man den Kork mit dem Finger nie⸗ derhält, in mäßig heißes Waſſer, worauf der Inhalt bald erwärmt ſein wird; ſtellte man das zugekorkte Glas ohne weiteres hinein, ſo würde der Kork beim Warmwerden davon fliegen.
Bei örtlichen Schmerzen, ſei es in der Bruſt oder in einem anderen Theile, ſind Einreibungen von flüchtigem Liniment lindernd und ſchmerzſtillend. Ebenſo iſt bei ſolchen Schmerzen, welche oft⸗ mals bei Nervenleiden aus Schwäche herkommen, ein gelindes Ein⸗ reiben mit Muskat⸗Balſam ſehr wirkſam. Man hat denſelben
flüſſig und trocken; letzterer wird, in die Nähe des Ofens gebracht,
flüſſig, doch iſt erſterer bequemer anzuwenden. Bei rheumatiſchen Leiden benehmen Einreibungen von Terpentinſpiritus an den ſchmerz⸗ haften Gliedern, wiederholt angewandt, häufig bald den Schmerz. Leidet der Kranke an Waſſerſucht, ſo reibe man zweimal täglich die geſchwollenen Glieder ſanft mit warm gemachtem Rüb⸗ oder Baumöl ein(doch vor allem nicht mit gereinigtem Oel), die ſpröde Haut er⸗ hält dadurch etwas Geſchmeidigkeit; Einreibungen mit Branntwein aber würden die Haut nur noch ſpröder machen.
Ein großes Erleichterungsmittel bei Aſthma beſteht in der Anwendung von Salpeterpapier. Ein Stück deſſelben von der Größe einer großen Hand wird in Streifen geriſſen und jeder Streifen etwas zuſammengedrückt, augezündet und im Zimmer, wo der Leidende ſich befindet, auf den Ofen gelegt. Eine mir befreundete Dame theilte mir mit, daß ſie bei ſtarken Anfällen von Aſthma zwei bis dreimal Papier anzünde und daß danach der Zuſtand vorüber gehe und ſie, wenn es in der Nacht ſei, bald einſchlafen könne.
Kranken von großer Schwäche, oder auch bei geſchwollenen Gliedern und rheumatiſchen Leiden iſt wohl nichts beſchwerlicher und anſtrengender als das Aus⸗ und Anziehen einer Nachtjacke. Um das Wechſeln derſelben zu erleichtern, kam ich bei der Pflege meiner geliebten Mutter in einer ſchweren Krankheit auf den Gedau⸗ ken, an einer bequemen Jacke den Aermel und die Naht an einer Seite aufzutrennen, jede einzelne Schnittſeike mit dem Futter zuſammenzureihen und an beiden Seiten derſelben in paſſender Ent⸗ fernung einige Bänder zu nähen. Nachdem der eine Aermel ange⸗ zogen war, wurde die Jacke um den Rücken und um den andern Arm gelegt und mit den Bändern zugebunden. Schon oftmals hatte das nöthige Umkleiden die Kranke beläſtigt und angeſtrengt, was jetzt ganz leicht ausgeführt werden konnte. Von einem Nervenſchlage gerührt, vermochte ſie nicht durch Worte ihren Beifall kund zu geben; um ſo lebhafter aber ſprach in ihren Mienen ein Lächeln das Gefühl dieſer Wohlthat aus. Hierbei kann ich nicht umhin, auf die große Wirkſamkeit der Watte aufmerkſam zu machen. Jener Nervenſchlag hatte eine halbſeitige Lähmung hervorgebracht, ſo daß der Kopf ganz unbeweglich war. Es wurde der Kranken eine Tafel erwärmter Watte auf die gelähmte Schulter und den Hals gelegt, und ſchon nach einigen Stunden vermochte ſie den Kopf zu heben und frei zu bewegen.
Was die Diät des Kranken betrifft, ſo überrede man ihn vor allem nicht zum Eſſen. Ein ſchwer Kranker bedarf nur Getränk, der Genuß von dieſer oder jener Speiſe könnte ſchlimme Folgen haben. Auch wenn der Appetit zurückkehrt, iſt ſtete Sorgfalt bei der Wahl der Speiſen, der Zubereitung und der Portionen von größter Wichtigkeit. Bei erſterer richte man ſich genau nach der Vorſchrift des Arztes und gehe nicht eher zu einer kräftigen Diät über, bis derſelbe es erlaubt. Die Portionen für Kranke dürfen niemals zu ſtark eingerichtet werden; wenn der Appetit ſchwach iſt, kann derſelbe leicht benommen, wenn er ſtark iſt, zu ſehr gereizt werden und Ueberladung herbeiführen. 4
Beſonders auch werde für ein appetitliches Anrichten der Kran⸗ kenſpeiſen geſorgt, der Kranke empfindet viel leichter Ekel als der Geſunde. Man beſtimme für die Suppe ein Terrinchen und nehme überhaupt verhältnißmäßig kleine Geſchirre, richte die Speiſen zier⸗ lich darin an und vergeſſe nicht mit einem ſaubern Tuche die Ränder klar abzuputzen. Dann ſtelle man die Gerichtchen nebſt Teller, Eß⸗ löffel, Gabel und Meſſer, ein Schnittchen nicht friſches Weißbrod und zwei Servietten, um eine derſelben als Unterlage zu gebrauchen, auf ein Tragbrett und bringe das Ganze mit einemmale ins Kran⸗ kenzimmer.
Sobald der Arzt den Kranken von den Anfangs genoſſenen Waſſerſuppen dispenſirt und Mittags eine kräftigere Diät erlaubt, würden Tauben⸗ und Hühnerſuppen am paſſendſten ſein, da Rind⸗ fleiſcſſuppen leicht fiebern. Auch Hühnerbouillon, aufangs nicht zu kräftig, ohne alles Fett, ſtubenwarm zu trinken gereicht, iſt nach einer Krankheit von außerordentlicher Stärkung. Ein Arzt, welcher nach gehobener Krankheit nicht leicht ſtärkende Arznei verordnete äußerte:„Die beſte Stärkung geht aus der Küche hervor.“ Indeſſen warne ich davor, dem Kranken, namentlich in der er⸗ ſten Zeit, ſehr kräftige Suppen zu geben, da ſie bei großer Schwäche eine entgegengeſetzte Wirkung hervorbringen. Wenn der Arzt dem Kranken Fleiſchſpeiſen erlaubt, ſo würde Vormittags etwas ganz fein geſchnittener, nicht ſalziger, roher Schinken mit einem Stückchen
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