Jahrgang 
1865
Seite
51
Einzelbild herunterladen

nen ubt, ind⸗ nicht nach

lcher nete,

rer⸗ väche dem ganz ihen

Weißbrod(es muß aber zwei Tage altes Weißbrod ſein), oder ge⸗ ſchabtes rohes Rindfleiſch mit etwas Salz gemengt, auf einer Schnitte Weißbrod ſehr zuträglich ſein. Ob etwas Wein dazu gegeben wer⸗ den dürfe, kann nur der Arzt beſtimmen. Auch würde, wenn der Kranke Neigung dazu hat und der Arzt es erlaubt, mitunter Vor⸗ mittag oder Nachmittags um fünf Uhr ein ganz friſches, weichgekoch⸗ tes Ei mit einer Schnitte Weißbrod, oder ein rohes Eidotter mit etwas Wein, vom beſten Madeira oder Rothwein und Zucker angerührt, ſo auch eine Taſſe Waſſerchokolade mit Zwieback eine an⸗ genehme Abwechſelung ſein.

Noch ſei erwähnt, daß, ſo oft dem Kranken eine ſitzende Lage im Bett gegeben wird, das Kopfkiſſen ſofort über den Rücken gelegt werden muß; bei längerem Sitzen iſt es, ganz beſonders in kalter Jahreszeit, nothwendig, daß eine wollene Jacke über die Nachtjacke gezogen werde, weil ſonſt gar leicht Erkältungen entſtehen, die das Fortſchreiten der Beſſerung hemmen.

Schließlich erlaube ich mir noch auf eins aufmerkſam zu machen, nämlich, falls die Verwandten in ſchweren, lang anhaltenden Krank⸗ heiten dem Kranken nicht ſelbſt die nöthige Pflege geben können, eine praktiſch gelernte Krankenpflegerin zu engagiren. Bekanntlich können mit Recht ſowohl die barmherzigen Schweſtern der römiſch

katholiſchen Kirche, die ſo menſchenfreundlich, ſo ſtill und treu ihren Beruf erfüllen, als bewährte Pflegerinnen empfohlen werden, als die aus der Anſtalt des Dr. Fliedner in Kaiſerswerth und zahlreichen ähnlichen Anſtalten hervorgehenden evangeliſchen Diaconiſſinnen. Es iſt dies ein von aller Selbſtſucht freies, rein chriſtliches Inſtitut, weshalb die Vergütung ſehr gering, täglich auf fünf Silbergroſchen, geſtellt iſt, ſo daß es auch weniger Bemittelten möglich ſein wird, Gebrauch davon zu machen. Pflegerinnen beider Confeſſionen wir⸗ ken mit der größten Selbſtverläugnung und unermüdlicher Treue für den Kranken. Man wird bald die Ueberzeugung gewinnen, daß man ihnen ſeine geliebten Kranken ruhig anvertrauen kann und daß nichts verſäumt, vielmehr dem Kranken ſtill und geräuſchlos eine ausgezeichnete Pflege zu Theil wird. Dabei ſind die Pflegerinnen anſpruchlos, machen im Hauſe weder Mühe noch beſondere Koſten, ja, ſie ſind nicht einmal zu bewegen, außer dem Beſtimmten, was der Anſtalt zufließt, das Geringſte als Anerkennung anzunehmen.

Eine Anſtalt, wo männliche Krankenpfleger gebildet werden, befindet ſich in Duisburg. Dieſelbe iſt aus der Kaiſerswerther An⸗ ſtalt hervorgegangen. Dieſe Krankenpfleger wirken in gleicher Weiſe wie die Diaconiſſinnen und beſorgen gleichfalls mit rühmlicher Treue alles, was zu einer guten Pflege für männliche Kranke gehört.

Tin Maler auf dem Kriegsfelde.

Von W. Camphauſen.

(Fortſetzung.)

D

Draußen auf der Welt lag tiefe Nacht und ſchloß mit ihrem Schleier viel hundert helle Kriegeraugen zum letzten irdiſchen Schlaf; zum letztenmal ſollten ſie morgen die Sonne ſchauen. Wie Nacht⸗ geſpenſter durchfliegen die Sturmbefehle für die Bataillone das dunkle Land und lautlos und ahnungsvoll bereitet ſich das Werk des Todes vor in leichtem Geiſterſchritt. Die große Prüfungsſtunde für Preußens jugendliche Armee, die größte und ernſteſte Feuertaufe des Feldzugs naht heran. Mit unhörbarem Flügelwehen ſchwebt dieſer Lande uralter Todesengel, die ernſte Walkyre, herab, ſenkt ihr Haupt auf den ſchlummernden Krieger, mit dem Hauche des Kuſſes ihn weihend zum Tode des Helden. Mitleidig aber geleitet der Traumgott den Schlafenden über lachende Fluren zur ſonnigen Heimath, an den Herd der Seinen, in den Mutterarm, der ſeine Kindheit behütete. So ſchaut er noch einmal was ihm das liebſte auf Erden, in des Lebens roſigem Morgenlicht. Da wirbelt die Reveilletrommel an ſein Ohr, erwachend wirft er ab die bleierne Feſſel des Schlafes, greift zur Wehr und ſteht gerüſtet und feſt da in den Reihen der Brüder. Noch iſt's dunkle Nacht und lautlos geht der Marſch den ſtillen Colonnenweg entlang in die befohlne Auf⸗ ſtellung. Da dämmert's grau im Oſten, der Tag bricht an, die Sonne ſteigt empor und das Menſchenherz, beengter klopfend im dunkeln Brüten der Nacht, entringt ſich dem Bann, wird freier und fröhlicher bei dem Lied der Lerche und brennende Kampfesluſt zieht ſtürmiſch ein, wo vorher beklommenes Schweigen geweſen. So ſteht am Waldeshang die tapfre Schaar, weiterer Befehle harrend.

Das ſind die alten, oft gebrauchten Farben, mit denen ich mir, auf dem Lager liegend, das Bild dieſer Stunden malte, und im Traume ſpannen die Fäden der erregten Phantaſie weiter und weiter ihre wechſelnden Bilder.

Nach kurzem Schlummer fand uns die frühe Morgenſtunde bereit und marſchfertig, und auch mein Herz erfüllte der helle Son nenſchein mit Zuverſicht auf das Gelingen, nachdem der nächtliche Alp beklommenen Zweifels von mir gewichen. So wanderten wir rüſtig und geſpannten Erwartens hinaus des Weges nach Dünth. Unterwegs kamen wir bei einer an der Straße angetretnen Sturm⸗ kolonne vorbei lauter friſche, von Kampfbegier leuchtende Augen, nirgends eine Spur von Gedrücktheit, eine prachtvolle Schaar in Feldmützen, ohne Torniſter, möglichſt leicht gerüſtet. Ueberall ge⸗ räuſchvolle, muntere Unterhaltung. Wie wir vorüber gehn, ſchallt es hinter uns her:Aha, die wollen ſich ooch det faule Geſchäft heut mit anſehn! So gelangen wir über die alte Schottsbüller Schanze auf den Kirchhof von Broacker, von dem bereits Schaaren Neu⸗

gieriger der einen der

ſchon ſeit Wochen da oben ſein luftiges Obſervatorium aufgeſchlagen und mit gewaltigen Tubus höchſt ſchätzenswerthe und ſtets richtige Beobachtungen über den Fortgang der Belagerung angeſtellt hat. Nach kurzer Raſt ging's weiter bis an die Dünther Windmühle, wo wir unſern Standpunkt feſtzuhalten angewieſen waren. Bald auch ſprengte der Kronprinz, Wrangel, der Fürſt von Hohenzollern und die ganze dazu gehörige Suite bei uns vorüber und hinauf auf die Höhe hinter den dieſſeitigen Batterien. Wir aber machten es uns dort bequem und richteten uns für das bevorſtehende Schauſpiel ein. Die Entfer⸗ nung von hier über den Wenningbund bis an die Schanzen mag etwa drei bis viertauſend Schritt betragen, und wenn auch etwas entfernt, gewährte dieſe Stelle doch einen der beſten Ueberblicke über das ganze Terrain, da man die ganze Aktion im Profil vor ſich haben mußte. Es war 9 Uhr Morgens und wir harrten, mit einem guten Fern⸗ rohre verſehen, des entſcheidenden Augenblicks. Eine zahlreiche Gruppe von Zuſchauern aller Art ſtand in unſrer Nähe. Seit frühem Morgen ſchon arbeiteten die Geſchütze aus allen unſern Schanzen und Parallelen; je näher die zehnte Stunde, je gewaltiger wurde ihr Schnellfeuer, womit dem in den Traverſen und Schanzen liegenden Feinde noch zu guterletzt ganz mörderiſch eingeheizt worden ſein mag. Schuß auf Schuß(ich zählte 35 40 in der Minute) donnerte daher, ich lag auf dem abſchüſſigen Chauſſeerande, das Fernrohr, auf improviſirter Holzgabel geſtützt, vor dem Auge. Die den Schanzen nächſten Erdwerke ſind vollgepfropft mit den ſeit fünf Uhr Morgens eingerückten Sturmkolonnen, ihre Bajonnete blitzen in der Sonne, eine Zeit lang wird an einzelnen Punkten lebhaftes Kleingewehrfeuer aus ihnen unterhalten, jetzt urplötzlich verſtummen alle Batterien eine grauſenerregende Stille tritt ein; noch glaube ich, nach der Uhr ſehend, die ohne mein Wiſſen nachgeht den Moment, Schlag zehn, nicht gekommen. Da ſchlägt leiſe ein Tambour ſeinen kurzen Wirbel, Antwort von andern und jetzt plötzlich, als ſpeie die Erde Gewaffnete aus, ſpringen die Tauſende mit donnerndem Hurrah auf die Bruſtwehr, die Sturmfahnen werden entfaltet und im Nu iſt das ganze gelbe Blachfeld mit ſtürmenden Kriegern beſäet! Welcher Moment! In der fieberhafteſten Er regung, hochklopfenden Herzens rufe ich den Umſtehenden, die nicht

er fernen Kanonade zuſchauen. Hoch an der Spitze des .. 5 3 4. beiden Doppelthürme klebt der alte, bärtige Seemann, der

wie ich mit dem fernſichtigen Rohr bewaffnet, zuda jetzt geht's los allenthalben Stürmen! und bohre mein Auge ins Glas. Unaufhaltſam, in raſendem Lauf, in lang aufgelöſter

Linie, ſtürmen die Braven vorwärts, im Nu iſt der freie Raum