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1855 auf der Ausſtellung zu Paris blieb wohl mancher Freund der Induſtrie vor dem Krupp'ſchen Gußſtahlblocke von 5000 Kilogramm ſtehen, welcher in dem 20 Minuten langen Annex⸗Gebäude an der Seine aufgeſtellt war. Ein rieſiger Lokomotiv⸗Radreifen von beſtem Gußſtahl, aus einem Stück gewalzt, lehnte ſich an denſelben, und eine große Auswahl perfecter Stahlſtücke, wie polirte Walzen, Wa⸗ genfedern, Maſchinentheile war ſorgfältig daneben gruppirt.
Die Krupp'ſche Fabrik, welcher aus Pietät des jetzigen Beſitzers die Firma des Gründers, Friedrich Krupp, bewahrt worden iſt, war damals ſchon ſehr bedeutend; ſie beſchäftigte 800 Arbeiter, beſaß 8 Dampfhämmer, deren ſchwerſter 15000 Kilogramm wog; und 12 Dampfmaſchinen bewegten die mannigfaltigen und großartigen
Apparate; die Jahresproduktion betrug nahe an drei Million Kilo⸗ gramm. Konnte man indeſſen ſchon zu Paris dieſe Producte be⸗ wundern, ſo mußte man ſtaunen, wenn man 1862 zu London an die Ausſtellung Alfred Krupps trat. Hier lagen fertig geſchmie⸗ dete, gehobelte und abgedrehte Schiffskurbelachſen bis zum Gewicht von 15,500 Kilogramm, die aus rohen Blöcken von 15 bis 25,000 Kilogramm hergeſtellt waren; ferner Eiſenbahn⸗Radachſen, Radreifen in allen Dimenſionen, ſowie ſonſtige Theile von Maſchinen und Apparaten aller Art; weiter fertig gebohrte und abgedrehte Kanonen vom verſchiedenſten Kaliber bis zu 9000 Kilogramm das Stück. Endlich übertraf ein roher Block von 20,000 Kilogramm faſt alle Begriffe des Möglichen, derſelbe hatte bei cylindriſcher Form 1,16 Meter*) Durchmeſſer und 2,50 Meter Länge. Dieſer enorme Block war nach vorher gemachten geringen ſeitlichen Einſchnitten durch die Schläge eines Dampfhammers von 50,000 Kilogramm mitten durchgebrochen und zeigte auf der ganzen außerordentlich gro⸗ ßen Bruchfläche den gleichförmigen körnigen, ſilberfarbenen Bruch des echten Gußſtahles.
In der Fabrikation der Gußſtahlkanonen hat Krupp be⸗ kanntlich in den letzten Jahren ganz unerhörte Erfolge erzielt. Schon ſeit 1847 hatte er dieſe Idee gepflegt und Kanonen angefertigt, doch die Dauer der Proben ging bis in das Jahr 1856. Dann aber hatten Louis Napoleon, ſowie das preußiſche und einige andere Gouverne⸗ ments die außerordentliche Leiſtungsfähigkeit der gezogenen Gußſtahl⸗ kanonen eingeſehen und Krupp bekam nun Beſtellungen mehr als er effectuiren konnte. Zugleich wurden Gußſtahlplatten für die gepanzerten Kriegsſchiffe verlangt und die Fabrikation erhielt ein unabſehbares Feld der Lieferung.
Krupp wußte die Vortheile dieſer Epoche ſehr wohl zu wür⸗ digen und leiſtete das Mögliche, um den großartigen Anſprüchen zu genügen. Bis zum Anfange des Jahres 1862 waren ſchon über 1000 Stück Kanonen geliefert und gewiß noch größer iſt die Maſſe der Geſchütze nebſt Geſchoſſen und der Panzerplatten, welche in den zwei letzten, kriegeriſch bewegten Jahren hergeſtellt worden ſind.
Wenn man ſich jetzt der Stadt Eſſen auf einige Meilen nähert, ſo hört man faſt in jedem Gaſthaus, in jedem Eiſenbahncoupé er⸗
*) Ein Meter= 2 Fuß 11 ½ Linien.
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zählen von Krupps Anlagen und kommt man an Ort und Stelle, ſo ſieht man ein Terrain von mehreren hundert Morgen bedeckt mit Fabrikgebäuden, Wohngebäuden, Magazinen, Lagerplätzen u. ſ. w. Schornſteine von 2— 300 Fuß Höhe ragen überall in die Luft, man zählt deren außer den kleinen Eſſen der Werkſtätten 36 Stück. Un⸗ ſer Bild, Seite 45, zeigt die Fabrik von Süſtweſten, doch iſt es nicht möglich, auf ſo beſchränktem Raume die ganze Großartigkeit des Werkes zur Anſchauung zu bringen. Wenn man die obige Fabrika⸗ tion des Gußſtahles in kleinen Tiegeln erwägt, ſo begreift man leicht, welch unabſehbare Reihen von Oefen und Tiegeln vorhanden ſein müſſen, um Blöcke von ſo vielen tauſend Kilogrammen zu gießen und welche Schwierigkeit es haben muß, eine ſolche Menge glühender
großen Formen auszuleeren. Die Ans⸗ itet noch immer voran, jedes Stück Land,
Tiegel gleichzeitig in die
dehnung des Werkes ſchreit jedes Haus, welches in der Nachbarſchaft zu haben iſt, wird an⸗ gekauft.
Ein Walzwerk von 4,60 Meter Länge mit Dampfmaſchinen von 2000 Pferdekraft und 50 großen Dampfkeſſeln iſt im Bau; mit demſelben ſollen Schiffsplatten bis zu 1 Fuß Dicke gewalzt werden. Von einem Dampfhammer von 100,000 Kilogramm wird erzählt, deſſen Anlage eine Million Thaler koſten ſoll, und eine er⸗ ſtaunliche Menge neuer Werkſtätten aller Art ſieht man aus der Erde wachſen. Sechsunddreißig belgiſche Ziegeltiſche, deren jeder eirca 900,000 Ziegel in einer Saiſon macht, ſind in Thätigkeit. Nach Ruß⸗ land werden Kanonen bis zu 24,000 Kilogramm Gewicht geliefert. Eine der bedeutendſten Steinkohlengruben ſeiner unmittel baren Nachbar⸗ ſchaft, die Zeche Graf Beuſt, iſt von Krupp gepachtet und einige Kohlenkonzeſſionsfelder daſelbſt kaufte er zum Zwecke eigener Anla⸗ gen, auch von Eiſen⸗Hochöfen ſpricht man, die er anlegen will.
Nach dem Berichte der Handelskammer zu Eſſen beſaß Krupps Fabrik 1863 65 Dampfmaſchinen, 24 Dampfhämmer, 274 Ar⸗ beitsmaſchinen; es wurden circa 5500 Arbeiter beſchäftigt und 12 ½ Millionen Kilogramm Gußſtahl hergeſtellt.
Faſt unglaublich ſind ſomit die induſtriellen Fortſchritte und Erfolge, welche ein energiſcher, talentvoller Mann vor unſern Augen entfaltet hat und wie hoch iſt die perſönliche Stellung, die er ſich ſelbſt errungen? Den Reingewinn des Betriebes aus vorigem Jahre ſchätzen alle Sachkenner auf mindeſtens eine Million Thaler. Von Berlin her hat man ihm den Titel Geheimer Kommerzienrath verliehen. An den Gehängen des ſchönen Ruhrthales bei Werden, eine Meile von Eſſen, hat er ein Terrain von 5 bis 600 Morgen angekauft und wandelt daſſelbe in einen Landſitz für ſeinen Aufent⸗ halt um. Wer das Vergnügen gehabt hat, von ihm und ſeiner überaus liebenswürdigen Gemahlin in dem alten heimathlichen Hauſe mitten im Bereiche des Stahlwerkes bewirthet zu werden, der wird es ihm nicht verargen, daß er endlich ſeinen Wohnſitz aus dieſem Dampf der Feuer und Eſſen und aus der Nähe der Erdboden er⸗ ſchütternden Hämmer in reine Luft verlegt. Was er indeſſen für ſeinen Comfort verwendet, es iſt nur ein geringer Theil von den enormen Summen, die er anlegt, um das materielle und ſociale Wohl ſeiner Beamten und Arbeiter zu begründen und zu fördern.
Weibliche Krankenpflege.
Von Henriette Davidis.
Wenn mit der ärztlichen Hilfe nicht eine gute, verſtändige Krankenpflege verbunden iſt, ſo vermag der einſichtsvollſte und er⸗ fahrenſte Arzt wenig; ſeine wirkſamſten Mittel bleiben ohne den
gehofften Erfolg, ja es kann ſelbſt mit einemmal das zerſtört werden,
was durch ſein Nachdenken, ſeine Kunſt und Mühe bis dahin erreicht ward.
Die Liebe iſt zwar die beſte Krankenpflegerin, ſie iſt ſanft, ge⸗ duldig, ſorgſam, unermüdlich und erfinderiſch, dennoch ſieht man mitunter, daß aus Unkunde Mißgriffe auf Koſten des Kranken ge⸗ macht werden, welche diejenige am beſten zu verhüten weiß, die oft⸗ mals Gelegenheit hatte am Bette geliebter Kranken zu ſtehen. Die Verfaſſerin weiß aus eigener Erfahrung, wie eine gute, liebevolle Pflege dem Kranken Erleichterung, ja Linderung ſeiner Leiden ge—
währt, ſie kennt auch die Entbehrungen einer guten Pflege, und eben aus dieſem Grunde erlaubt ſie ſich ihre Erfahrungen hierüber mit⸗ zutheilen.
Vor allem möchte ich darauf aufmerkſam machen, nicht zu lange zu warten, ehe die Hilfe des Arztes herbeigeholt wird, denn ſchon mancher Kranke iſt dadurch rettungslos geworden, daß dies zu ſpät geſchah, dies iſt namentlich bei Perſonen zu beachten, die bis dahin ſich einer kräftigen Geſundheit erfreuten.
Zum Krankenzimmer eignet ſich vorzüglich ein ganz trocke⸗ nes, hohes, luftiges und ruhig gelegenes Zimmer, auf welches wo möglich die Morgenſonne wirkt; kann dem Kranken ein ſolches ge⸗ geben werden, ſo iſt in dieſer Beziehung aufs beſte für ihn geſorgt. Eine ſtarke Helle ſuche man beſonders in Krankheiten, welche die
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Ver. die Nidh ein ſein eine oder lich


