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Lin Maler auf dem Kriegsfelde.
Von W. Camphauſen.
(Fortſetzung.)
S R
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i 14. in der Frühe ließen wir uns von unſern rheiniſchen Pionieren über die Meeres⸗ bucht nach Gravenſtein, dem Hauptquartier des Prinzen Fried⸗ rich Carl, rudern. Dort nahm das militairiſche Gewühl und Getreibe einen wahrhaft großartigen Charakter an. Gleich am Ufer in einem Garten ſahen wir köſtliche Gruppen von Soldaten beim Abkochen. Der kunſtvoll improviſirte Feuerherd mit der brodelnden, dampfenden Suppe darauf wird ſofort dem Skizzen⸗ buch überliefert zum Stolz ſeines Erbauers, eines Brandenburger Pioniers, der ſeinen Autornamen darunter geſetzt ſehen will. Hier werden Zündnadelgewehre ebenſo raſch als bequem gereinigt, dort von Müßigen Kegel geſchoben, abſeit aber ſitzt der Tambour, eine Epiſtel ins heimiſche
Dorf auf der Trom⸗
mel ſchreibend. In
der Straße das tollſte—— Gewirre und Durch⸗=
einander: Wagen und 3 Reiter, marſchirende Truppen, durch die Staffetten und Or⸗ donnanzreiter ſich mühſam hindurch⸗ zwängend; der ganze Knäuel wälzt und windet ſich nach ſei⸗ nem Ziel. Oft geräth die ganze chaotiſche Maſſe ins Stocken, die Fuhrwerke ver⸗ fahren ſich ineinander und ſcheinen für ewig unentwirrbar, bis derbe Flüche abwech⸗ ſelnd mit geduldigem Warten langſam
wieder Luft ſchaffen. So gelangen auch wir endlich vor das Schloß, das, architekto— niſch wenig bemerkenswerth, durch ſeine reizende Lage an dem kleinen von hohem Buchenwald umgebenen See, den Schwäne durchrudern, ein köſtlicher Sommeraufenthalt ſein muß. Hier auf dem weiten Vorhof iſt der nächſte Wagenplatz, auf dem die aus allen Gegenden des Landes zuſammen requirirten Bauerwagen, alle numerirt(ich ſah welche mit der Nummer 3000 und mehr) aufgefahren ſtehen und unter Befehl eines Wagenmeiſters ihrer Verwendung harren. Während eines dieſer Fuhrwerke für uns in Bereitſchaft geſetzt wurde, ſahen wir in einem Zimmer des Erdgeſchoſſes die erſten däniſchen Soldaten, die in der Nacht zuvor von unſern Vorpoſten abgeſchnitten und zu Gefangnen gemacht waren. Sie wurden eben von einem unſrer Offiziere einzeln verleſen, um dann von einem Kommando rother Huſaren vorerſt nach Flensburg eskortirt zu werden. Bei den ſtets ſich wie⸗ derholenden Namen von Hanſen, Paulſen, Chriſtenſen, Nilſen c. ſcheint es in der däniſchen Armee nöthig geworden zu ſein, die Leute noch einzeln mit einer Nummer zu verſehen; deß belehrte mich die
Adreſſe eines dort liegengebliebenen Briefes, den ich zur Erinnerung auf⸗
hob. Es ſind kunſtloſe, innige Zeilen einer blutarmen Frau an ihren Gatten, die mit dem Poſtſcript ſchließen: 1000(in Zahlen geſchrie⸗ ben) Kys fra dine börn!(Tauſend Küſſe von Deinen Kindern.)
Wir beſtiegen unſer Fuhrwerk und gelangten nach Nübel mit ſeiner kleinen Dorfkirche, dem Friedhof davor und dem in einem Gehöft eingerichteten Johanniter-Feldlazareth, das ſich durch das achtſpitzige weiße Kreuz im ſchwarzen Felde, wie durch eine weiße Flagge über dem Dache kenntlich machte.
Weiter ging die Fahrt bei der bekannten Büffelkoppel vorbei, einem bewaldeten Höhenzug, von dem die Dänen Ende Februar im hartnäckigen Gefecht unter großer Bravour der Unſrigen, namentlich auch des 3ten Jägerbataillons, hinausgetrieben und in ihre Ver⸗ ſchanzungen zurückgeworfen wurden. Am Waldrande hatte der Humor der Leute ſich in dem Aufſtellen einer improviſirten Batterie aus alten Wagenrädern mit zerſägten Baumſtämmen darauf, ſowie mit Strohpuppen als Bedienungsmannſchaft, in er⸗ götzlicher Weiſe Luft gemacht. Hier, zur Linken der Chauſſee, bei dem kleinen Freudenthaler Gehöft, ließen wir unſern Wagen zurück und wandelten nach vorgezeigter Legitimation durch die Vorpoſten zu Fuß weiter. Am Wege lagen mehrere höchſt maleriſch zuſammengeſchoßne und verbrannte Gehöfte; in dem letzten war ein Verbandplatz für die Bleſſirten aus den Trancheen errichtet, jetzt aber außer Thätigkeit.
Die kahle Höhe des Spitzbergs, die — wir jetzt erſtiegen, . liegt in der Front der Schanzen und dem feindlichen Geſchütz⸗ feuer völlig exponirt. Der Däne war indeß auch heute ſo höflich, nicht zu ſchießen, und ſo wurde der wieder⸗ holte Beſuch, den wir in den nächſten und letzten Tagen vor dem Sturm hier machten, zu einem völlig gefahrloſen Unternehmen.
Von hier aus ge⸗ noſſen wir nun das intereſſante Schau⸗ ſpiel der dieſſeitigen Beſchießung in mög⸗ lichſter Nähe. Vor uns lagen die mäch⸗ tigen Erdwerke der Unſrigen, ihre Approchen und Parallelen, in denen die einzelnen Batterien mit ihrer Bedienung im fortwäh⸗ renden Feuern prächtig zu ſehen waren. Dazu ſtiegen grade heute hinter den Schanzen von Alſen her koloſſale ſchwarze Rauchſäulen von in Brand geſchoſſenen Gehöften furchtbar majeſtätiſch zum Him⸗ mel, ein kriegeriſches Landſchaftsbild von der ausgeprägteſten Charak⸗ teriſtik.
Wir ſtiegen dann herab in die Laufgräben und Parallelen, be⸗ ſahen uns die mächtig aufgeworfnen Wälle, die bei manchen die doppelte Mannshöhe erreichten, mit Faſchinen, Schanzkörben und den dort zahllos verſtreuten erratiſchen Blöcken befeſtigt waren und machten einige Bleiſtiftſtudien daraus in unſer Skizzenbuch. Wäh⸗ renddeß zog ein Bataillon 24er, vom Nachtdienſt kommend, bei mir vorüber, und die bärtigen, wettergebräunten Geſichter wurden von mir ebenſo aufmerkſam gemuſtert, als ich in meinem banditen⸗ mäßigen Habitus von ihnen faſt gleich verwunderlich angegafft wurde. 8
Nach kurzer Raſt in Gravenſtein ging un
der Naſt in ſre heutige Fahrt nach Flensburg zurück, ein über drei Meilen
langer, einförmiger Weg
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