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Ausgegeben im October 486 ‧.
1865.
Marie und Aaria. Novelle von Ottilie Wildermuth.
(Fortſetzung.)
Es war Sonntag, wenige Wochen nach dem Begräbniß auf dem Tannenhof. Marie hatte heute für Haus und Küche zu ſorgen, da die Mutter mit den Mägden und Chriſtian zur Kirche gegangen war. Ihre Geſchäfte droben waren geordnet und ſie hatte ſich auf ihre Bank im Weidengebüſch auf der Inſel geſetzt mit der Mutter Bibel und dem Predigtbuch. Das Predigtbuch war noch gar nicht geöffnet, die Bibel hatte ſie aufgeſchlagen auf ihrem Schoße, aber nur das erſte weiße Blatt lag offen; was Marie da gefunden, das ſchien ihre Aufmerkſamkeit ſo zu feſſeln, daß ſie noch nicht dazu ge— kommen war, im heiligen Buche ſelbſt zu leſen.
Sie hatte gar manchmal ſchon der Mutter oder beiden Eltern aus der alten Familienbibel vorgeleſen,— zum eignen Gebrauch hatte ſie ein kleines Teſtament,— und es war ihr manchmal aufgefallen, daß das erſte Blatt mit einer Oblate an den Deckel geklebt war.„Was ſteht denn da drauf?“ hatte ſie die Mutter einmal gefragt,„und warum iſt's zugepappt?“„Ach laß,“ ſagte die Mutter,„das hat nichts zu bedeuten, wird nur ſo zufällig hängen geblieben ſein.“ Sie war aber roth geworden, weil ſie ſo gar nicht gewöhnt war, eine Ausrede oder gar eine Unwahrheit auszuſprechen.
Nun, heute hatte Marie zufällig mit dem Predigtbuche die alte Bibel mitgenommen und war nun ein bischen neugierig, was denn wohl auf dem verklebten Blatte ſtehe? Es konnte kein Un⸗ recht ſein, wenn ſie es mit einer Haarnadel leiſe und ſachte löste.
Das Blatt war alt und vergilbt, ſo wie es die Bibel war. Mit lang verblichener Tinte ſtanden oben, in wenigen Worten von der Hand des alten Müllers, Mariens Großvater, geſchrieben, der Geburts⸗- und Tauftag und die Namen ſeiner Kinder, immer mit einem Spruch dabei. Die hier geſchrieben ſtanden, die waren nun alle geſtorben außer der Müllerin.
In etwas neuerer Schrift ſtand unten von der Hand der Mutter: „Am zwölften Mai 1820 iſt uns ein Töchterlein geboren, das am zwanzigſten in der heiligen Taufe den Namen Marie Chriſtine er⸗ halten hat. Der Herr gebe ihm Segen und Gedeihen und laſſe es erwachſen zu Seiner Ehre und unſrer Freude! Am Tage ſeiner Ge⸗
Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen. Erſcheint wöchentlich und in Monatsheften. Durch alle Buchhandlungen und Poſtämter zu beziehen. Preis jährlich 2 Thlr., vierteljährlich ½ Thlr.
Der Jahrgung läuft vom October 186¾3 bis dahin 1865.
ſie ſich ſchämen müſſe, daß ſie, das kleine, junge Mädchen, überhaupt
burt habe ich den Spruch gezogen:„Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geſchehe wie Du geſagt haſt;“ am Tauftage:„Durch Stilleſein und Hoffen werdet ihr ſtark ſein.“
„Es haben am Tauftage mein Mann und unſer Nachbar Rau in fröhlichem Muthe beſchloſſen, daß Raus Söhnlein und unſer nengeboren Töchterlein in ſpätern Jahren ein Paar ſollen werden. Ich habe des Mägdleins Zukunft in die Hand des Herrn gelegt. Iſt es Sein guter und gnädiger Wille, daß dereinſt die beiden ſollen zu— ſammen kommen, ſo möge Er es ſo fügen zu Seinem Preis und ihrem Heil. Des Menſchen Herz ſchlägt ſeinen Weg an, der Herr aber gibt, daß er fortgehe.“
Das alſo war's, warum die Mutter, ſonſt eine ſo einfältige, gerade Seele, das Blatt zugeklebt hatte, als ihr Töchterlein heran⸗ gewachſen! Und das war's, warum die ſechzehnjährige Marie ſo gar nachdenklich auf der Bank im Weidengehüſch ſaß und trotz Sonntag⸗ morgen und Glockengeläute von Bibel und Predigt noch nichts ge⸗ leſen hatte, als das erſte weiße Blatt!
Wie ganz wunderbarlich erſchien ihr dieſer Gedanke! Wie aus dem Himmel gefallen, und doch wieder, als ob ſie das ſelbſt heimlich ſchon lange gewußt. Es kam ihr wie ein Unrecht vor, faſt als ob
nur von ſo etwas wiſſe, an ſo etwas denke; und doch— wenn Va⸗ ter und Mutter ſchon vor ſechzehn Jahren daran gedacht,— warum ſollte ſie es nicht auch ein bischen thun?
Sie hatte freilich in den letzten Jahren Georg, den hochgewach⸗ ſenen Jüngling, mit andern Augen angeſehen als in der Kinder⸗ zeit, aber mit ſolchen gar nicht! Sie hatten eher eine gewiſſe Scheu
vor einander gehabt und waren ſich etwas fremd geworden, ſeit ſie Verſuche in Botanik mit einander gemacht, doch hatte ſie ſich immer
noch einigermaßen geehrt gefühlt, wenn er ſich mit ihr befaßt hatte. Aber jetzt! Eigentlich kam er ihr wieder viel zu jung vor, um auch nur im Ernſt an ſo etwas zu denken, obgleich ſie erſt ſechzehn war. Wenn das Müllerkind, deſſen Leben bisher ein zu geſundes und aus⸗ gefülltes geweſen war, um allzuviel Tagesträumereien nachzuhängen,


