Jahrgang 
1865
Seite
11
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ſondern auch der Katholik und Evangeliſche, Einer nach dem Andern, den heiligen Dienſt verwaltete. Iſt nun dieſer Gemeinſchaft, die auf dem Grunde langjähriger Gleichgiltigkeit gegen das Eigenthümliche in der Lehre und im Gottesdienſt durch die aus dem nationalen Ge⸗ biete herüberwehende Begeiſterung in feſtlicher Stunde zu Stande kam, kein beſonderer Werth beizulegen, ſo dürfen wir uns darum nicht gegen die Thatſache verſchließen, daß es ein wirkliches chriſtli⸗ ches Gemeingefühl in jenen Tagen in Deutſchland gab: es war das Gefühl der Schuld, durch welche Deutſchland ſo tief geſunken, der Gnade Gottes, durch welche es befreit worden war und der Dank⸗ barkeit gegen Gott, welche in chriſtlich⸗deutſchen Tugenden ſich offen⸗ baren ſoll. Die Predigten, welche bei der Octoberfeier des Jahres 1814 gehalten wurden, bekannten mit Schenkendorf:wir hatten alle ſchwer geſündigt, ſie riefen mit Arndt:Wem ſoll der erſte Dank erſchallen? Dem Gott, der groß und wunderbar aus langer Schande Nacht uns allen in Flammen aufgegangen war! Der unſrer Feinde Macht zerblitzet, der unſre Kraft ſo ſchön erneut, und auf den Sternen waltend ſitzet von Ewigkeit zu Ewigkeit, ſie gelobten, hin⸗ fort in Eintracht, Redlichkeit, Keuſchheit, Gerechtigkeit und Frieden das Leben zu führen. Und was die Predigten ausſprachen, dazu ſagte alles Volk Amen, indem oft Tauſende betend und ſchwörend auf die Kniee ſanken und bekräftigten es durch die ſeit Luthers Tagen mit ſolcher Kraft nicht geſungenen Lieder zu Lob und Ehren der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit.

Um dieſelbe Zeit, als das deutſche Volk Gott ſeinen Dank für die Befreiung darbrachte, verſammelten ſich die Fürſten und Staats⸗ männer Europas zum Wiener Congreß. Die Octoberfeier und der Wiener Congreß es ſcheint, als hätten ſich nicht zwei verſchiedenere Erſcheinungen aus dem Krieg entwickeln können. Auch konnten die Früchte des Congreſſes keineswegs das Verlangen ſtillen, das bei der Octoberfeier ſich ausſprach. Indeß, wie ungenügend der unmtt⸗ telbare politiſche Gewinn geweſen iſt, den Deutſchland aus Krieg und Sieg ziehen durfte, der Gewinn an Gotteskräften, die in der gewal⸗ tigen Zeit in unſer Volk gelegt wurden, iſt unſchätzbar. Schenken⸗ dorf, voll Sehnſucht nach einem großen, einigen deutſchen Reich, aber über den menſchlichen Sünden, die das Erreichen dieſes Ziels hinderten, nie die Gnade Gottes vergeſſend, die uns allen zu ver⸗ geben hat, ſchrieb über den Congreß:Wie ſchändlich hat man mit

Whenn Jemand eine Reiſe thut, ſo kann er was erzählen ſagt Ehren⸗Claudius. Ich aber bin ſeit meiner Heimkehr aus Schles⸗ wig durch Erfahrung belehrt worden, daß es wohl beſſer hieße: ſo muß er was er⸗ zählen und dieſes Muß, entſtanden in den vielfachen Aufforderungen der Freunde, veranlaßte mich zunächſt zu den nachfolgenden Aufzeichnungen, die nichts weiter beanſpruchen, als

die ſchlichte Wiedergabe der perſönlichen Anſchauungen und Eindrücke,

die ich, von dem Standpunkt des Künſtlers aus, von den Ereigniſſen mit mir heimgebracht habe. Aus der eingeſammelten Ernte des Skizzenbuchs aber mögen die dazwiſchen geſtreuten Illuſtrationen ergänzen, wozu das bloße Wort nicht ausreicht.

Vom Glück und den bequemſten äußern Verhältniſſen begünſtigt, i*ſt es mir vergönnt geweſen, in dem kurzen Zeitraume von 14 Tagen ein ſo vollſtändiges Bild des wirklichen Krieges vor mir entrollt zu ſehen, als es eben nur die Jetztzeit in ihrer raſenden Eile zu bieten vermag. So liegen denn unvergeßliche Tage reichſten Schauens hin⸗ ter mir, der bunteſte Wechſel der Scene, die erhebendſten, zu höchſter Begeiſterung entflammenden Eindrücke, gefolgt von dem Kraſſeſten, Grauſenerregendſten, was dem Menſchenauge je geboten wird; jauch⸗

Lin Maler auf dem Kriegsfelde.

Von W. Camphanſen.

der Sehnſucht und Hoffnung der Deutſchen geſpielt und ſie durch Schlittenfahrten, Maskenbälle und moderne Turniere ſchadlos zu halten geſucht! Wieviel aber auch verſäumt worden, in Frankfurt, Paris und Wien, das Gute und Göttliche geht ſeinen ſtillen Gang fort. Und wenn er ein Jahr ſpäter klagt, daß Vieles verſäumt, viel dem lieben Gott in ſeinen Plan gepfuſcht worden ſei, ſo rühmt er zugleich:Die Zeit hat eine veredelnde und verbeſſernde Gewalt an allem geübt, was nicht ganz unverbeſſerlich, und tauſend junge Zweige und Sproſſen verkünden das Gedeihen der Zukunft. Zur Erneuerung unſeres geſammten Lebens hat uns Gott vor fünfzig Jahren Antriebe, Anleitung, Kraft gegeben. Das deutſche Volk muß ſich anklagen, daß es Gottes Gabe nicht beſſer gebraucht hat. Aber die Gnadengabe, die wir in der Geſchichte der Befreiungskriege haben, iſt noch triebkräftig. Als eine wunderbare Fügung Gottes erſcheint es, daß unmittelbar nach der fünfzigjährigen Jubelfeier der Leipziger Schlacht, als Deutſchland im frühſten Hauche der vaterländiſchen Begeiſterung ſtand, der Schleswig-Holſteinſche Handel noch einmal zur Löſung von Gott ſelbſt vor uns gelegt wurde. Wenn, wie wir hoffen, dieſe Angelegenheit endlich zur Ehre Deutſchlands entſchieden wird, ſo wiſſen wir, daß es durch die Hilfe deſſelben Gottes ge⸗ ſchieht, der vor fünfzig Jahren Gebete erhört hat und der auch heute die Gebete, welche für die Nordmark aus frommen Herzen aufgeſtiegen ſind, erhört. Wir wiſſen auch ganz beſtimmt, wovon es abhängt, daß Gott Deutſchland eine ſchöne, große Zukunft gibt, davon näm⸗ lich, daß wir Deutſche nicht bloß in vaterländiſchem, ſondern auch in chriſtlichem Gemeingefühl uns innig zuſammenſchließen. Wir müßten uns ſelbſt aufgeben, wollten wir die Hoffnung aufgeben, daß das chriſtlich-deutſche Gemeingefühl noch einmal mit überwältigender Kraft unſer Volk ergreifen werde. Und darum halten wir's nach fünfzig Jahren noch mit des Dichters Hoffnung:

Einſt wird es wieder helle

In aller Brüder Sinn,

Sie kehren zu der Quelle

In Lieb' und Reue hin. und mit ſeinem Gelübde:

Und wie ſich auch geſtalten

Im Leben mag die Zeit,

Du ſollſt mir nicht veralten,

Du Traum der Herrlichkeit.

zender Freudentaumel und unnennbares Leid iſt an mir vorüberge⸗ zogen und es hätte ſich einer wohl tauſend Augen gewünſcht, um alles und jedes in ſich aufzunehmen, um nichts zu verlieren in der raſchen Folge der Dinge. Zurückgekehrt in die friedliche Umgebung der Hei⸗ math, würde ich glauben, geträumt zu haben, lägen nicht die greif⸗ baren Erinnerungszeichen, die ich vom Düppeler Schlachtfelde auflas, als Beweiſe der Wirklichkeit vor mir. Welcher Contraſt aber auch! Seit Monden und mitten in den Vorbereitungen zu einem Shakeſpeare⸗Feſt, deſſen Leitung mit allen Fäden meinen Händen, anvertraut war, eben noch über der großen Frage brütend: wer wohl Coriolans alte Mutter Virgilia überneh⸗ men, welch holdes Mädchenantlitz einer Titania am beſten entſprechen möchte, ſchlug plötzlich des Kriegsgottes eherne Tuba un ndin Ohr und in telegraphiſcher Windeseile hinausgeriſſen aus dem Dienſ der Kamönen fand ich mich, wie weiland Dr. Fauſt, auf dem Zau des mantel durch die Luft getragen, mitten im lebendigſten Treiben 45 preußiſchen Heerlagers vor Düppel wieder. Du aber, lange un liebend gehegtes Bild des großen Dichterfürſten, zerranneſt an e innern Auges fernem Horizont, zu blauem Nebel verblaſſend! Es war am Abend des 11. April, als ich, durch ein Telegramm des Fürſten Anton zu Hohenzollern zu ſchleuniger Abreiſe ver⸗