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die ganze Familie des Herrn Inſpektor Schöpff das Thier Tag und Nacht umgeben hatte, ſtarb es, 8 Monate alt.
Die Eingeweide, überhaupt das Innere, waren durchaus in gutem Zuſtande, aber die Beine durch und durch kraftlos, die Knochen weich und biegſam.
Sind die bisherigen Aufzuchtsverſuche jungen Löwennachwuchſes nun auch verunglückt, ſo iſt es doch nicht zweifelhaft, daß die ſpäteren, beſonders wenn die Löwin älter und vernünftiger geworden iſt, die
raſtloſe Thätigkeit und Fürſorge des Inſpektor Schöpff mit einem beſſeren Erfolge krönen werden. Es iſt das immerhin von Belang für die Oekonomie eines zoologiſchen Gartens, denn ein halberwach⸗ ſener Löwe repräſentirt ein bedeutendes Capital, und gewinnen die in der Gefangenſchaft Geborenen auch nie das Kräftige, Elegante und Impoſante der friſch Eingeführten, ſo finden ſie doch immer einen guten Markt, denn ſie ſind es, deren ein Batty und Hermann zu ſeinen ſcheinbar halsbrechenden Kunſtſtücken bedarf.
Vor fünfzig Jahren.
Geſchichtliche Erinnerungen von Wilhelm Baur.
Als im Frühling 1814 Paris gefallen, Napoleon geſtürzt, der Krieg beendigt war, brach das deutſche Familiengefühl, durch den Kampf für das Vaterland eine Zeit lang zurückgedrängt, mit ſeiner ganzen Macht wieder hervor. Daß die Innigkeit und Traulichkeit des Fa⸗ milienlebens willig dahingegeben ward, als der Ruf zum Kampf erſcholl, iſt nicht der geringſte Beweis für die Tiefe und Gewalt der mit dem Jahr 1813 beginnenden vaterländiſchen Bewegung. Man darf nur nicht vergeſſen, wie ſehr in Deutſchland die großen Gemein⸗ ſchaften des Vaterlandes und der Kirche im Werthe geſunken, mit wie breiter Behaglichkeit das häusliche Leben, mit wie thränenreicher Schönſeligkeit die Freundſchaft ſich geltend gemacht hatte. Gerade der geiſtig lebendigſte Theil der Nation hatte der Kirche gegenüber die Stellung des völligen Beliebens eingenommen, das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinde war ihm verloren gegangen. Das Vaterland aber, das ſo leicht dem Feinde zur Beute geworden, hauchte den eigenen Kindern kein Leben und keine Begeiſterung mehr ein. Das Arbeiten für die Familie, das Leben im Hauſe, die Geſelligkeit als erweitertes Familienleben galt mehr als Kirche und Volksthum. Und daneben wetteiferten Philoſophen, Pädagogen, Poeten, dem Ein⸗ zelnen ein hohes Gefühl von ſeiner Bedeutung als Einzelnem einzu⸗ flößen. Wie wurde das Ich gepflegt, daß es ſich trotzig den Gemein⸗ ſchaftsordnungen gegenüberſtelle, wie wurden die Freundſchaftsbünd⸗ niſſe gehätſchelt, wie hatte doch das ſchöne Gefühl ohne die kräftige That, ja das Schönthun mit dem Gefühl die deutſchen Herzen gefangen genommen! Mochte Kant mit der Streuge des kategoriſchen Imperativs von dem Einzelnen verlangen, daß er nichts thue, was nicht zur allgemeinen Maxime des Handelns werden könne— das Vaterland ſtand ihm in dämmernder Ferne. Mochte Schiller die heiligſte Begeiſterung für die Freiheit entflammen— den rechten deutſchen Klang hat erſt nach ſeinem Tode die„rieſenhafte Zeit“ ſei⸗ nem Dichterwort gegeben. Mochte Göthe mit ſeiner geſunden Natur die weiche Schönthuerei mit Gefühlen im Pater Brey verſpotten und gerne in die Ruhe und Stetigkeit der Natur ſich retten: auch er war faſt ſo arm am rechten vaterländiſchen Muth, wie an der chriſtlichen Frömmigkeit und die tiefſte Stimmung ſeiner Seele klang in dem Tone:
Selig, wer ſich vor der Welt Ohne Haß verſchließt,
Einen Freund am Buſen hält Und mit dem genießt—
Was von Menſchen ungewußt Oder unbedacht Durch das Labyrinth der Bruſt Wandelt in der Nacht. Deutſchland bedurfte Männer, welche die Perſönlichkeit gerade durch die gliedliche Einfügung in eine große Gemeinſchaft hoben. Fichte ſtellte das Ich in den Mittelpunkt ſeiner Lehre aber nicht das ſinnliche, ſelbſtiſche Ich, ſein Ich war die ſittliche Weltordnung, die ewige Liebe und Weisheit in perſönlicher Ausprägung, er muthete den Menſchen zu, in Kraft dieſes Ichs allen widrigen Erſcheinungen des äußerlichen Lebens Trotz zu bieten, damit das Wahrhaftige, Ewige herrſche, der Kampf für Deutſchland war ihm ein Kampf. für die ſittliche Weltordnung, für das Reich Gottes. Arndt hatte viel mehr Sinn für das Sichtbare, Leibliche, Natürliche und dann wieder für das Träumeriſche, Phantaſtiſche, Spielende, als ſein Lehrer Fichte, ſein Tändeln mit den Göttern und Göttinnen der alten Mythologie, mit Blumen und Vöglein, ſeine Liebes⸗ und Trinklieder beweiſen, daß er ein Kind ſeiner Zeit war. Aber er wochs über die Zeit hinaus, das Vaterland war ihm das höchſte irdiſche G ut, durch welches alle anderen erſt ihren Werth erhielten.„ Gebt mir nur ein Plätzchen in Germania,“ ruft er ſchon 1807 aus,„wo die Lerche über mir ſingen
5„in Franzoſe ſie herabſchieße; gebt mir ein Häusche darf, ohne daß ein Franzoſe ſie herabſchieße; g Häuschen
mit einem Gartenzaun, wo mein Hahn krähen darf, ohne daß ein Franzoſe ihn bei den Fittichen faſſe und in ſeinen Topf ſtecke, und ich will fröhlich ſingen wie die Lerche und krähen wie der Hahn, wenn auch ein Leinenkittel meinen Leib bedeckt. Fahre denn hin, Nichtigkeit! und Stärke lebe! Haß beſeele, Zorn entflamme, Rache bewaffne uns! Laßt uns vorgehen für unſer Land und unſere Freiheit, auf daß unſere Kinder ein freies Land bewohnen.“ Keiner hat die„ſchöne In⸗ dividualität“ treuer gepflegt als Schleiermacher, in Keines Leben haben die Freunde und die Frauen einen größern Einfluß, aber durch und durch männlich war ſeine Anſchauung, ſein Streben, immer darauf gerichtet, daß die reiche Fülle des individuellen Lebens durch die gro⸗ ßen Gemeinſchaften des Staats und der Kirche in ein Wechſelver⸗ hältniß unaufhörlichen Gebens und Empfangens trete, daß der Ein⸗ zelne dem Ganzen und das Ganze dem Einzelnen zur Kraft, zum Reichthum, zur Freude gedeihe. Steffens hatte in andächtiger Ver⸗ ſenkung in die Natur gelernt, daß alle Creatur ein eigenthümliches Leben habe, aber auch die Idee der Organiſation war ihm aufgegan⸗ gen; wenn er dann im menſchlichen Leben das Naturleben ſich gipfeln ſah, ſo wollte er auch ein tüchtiges Ineinandergreifen der Kräfte; der Gedanke, daß der Einzelne in dem Organismus der Menſchheit zur vollen Freiheit und Freude komme, riß ihn begeiſternd hin. Was ſolche Männer in den Jahren der Erniedrigung geſäet, das ging durch Gottes Segen im Frühling 1813 auf, und wir haben das ent⸗ zückende Schauſpiel, daß das Familienglück nicht von der Hingabe an das Vaterland zurückhält, daß die Freundſchaft den ſentimentalen Jammer aufgibt und den Ton anſtimmt:„Tragen will ich in Myr⸗ tengrün mein Schlachtſchwert, gleich Harmodius und Ariſtogiton,“ daß alles Verzärteln des Ichs auf einmal verſchwindet vor der gro⸗ ßen Aufgabe, die an jeden Deutſchen herantritt. Griechenland und Rom geben uns Beiſpiele in Menge von einer völligen Unterdrückung des Familiengefühls im Dienſte des Vaterlandes, aber es iſt ein großer Unterſchied zwiſchen der antiken Tugend und der deutſchen Vaterlandsliebe von 1813. Heidniſch iſt es, daß der Einzelne nicht zu ſeinem Rechte kommt gegenüber dem ſtarren Staate, dem Chriſten⸗ thum gehört die Werthſchätzung der Perſönlichkeit und des Familien⸗ lebens an. Und gerade dieſes war in Deutſchland übrig geblieben, wenn auch nicht in reiner Geſtalt: die erſchloſſene Subjectivität, das warme Familienleben. Daß nun, als der Kampf ausbrach, das Va⸗ terland vor allem galt, daß aber der Einzelne nicht in kalter Ergebung, ſondern in warmer Liebe, mit lebendigem Pulsſchlag des Familien⸗ gefühls in die Schlacht ging, das iſt ein chriſtliches Merkmal jener großen Zeit. Durch nichts wird dies anſchaulicher al enn de andirrhi den K de di ſe ans. Kürhers edrr anſpricht, e nicht völliger ſein, aber ein warmer Hauch der Familienliebe, der Liebe zur Braut, ja ein Gefühl des eigenen Werthes geht durch die Opferfreudigkeit hindurch. Wenn er dee Aenn wen⸗eenee ereacehn dacn chen Mund von Eiſen“ ſeine d„den liebeheißen, bräutli⸗ ven weund von Eiſen“ an ſeine Lippen drückt, wer fühlte aus den 9 9
rührend ſchönen Worten nicht heraus, daß der Dichter ei Braut hatte verlaſſen müſſen? Wenn er in der Lüß Rer eine andre Dr dir din len 1. er in der Lützower Jagd ruft: 1 die lh u liebt, nicht geweint und geklagt, das Land iſt ietnrane nelenehen eeaane ithen fai Shrennn ein Zeichen, daß der Jünglin iün mt rinnerie llnd ſaden im vollen Gefühl deſſen, das au d,lnit kalter Ergebung, ſondaen iſ, wenn ei 399 dn was er verließ, in den Kampf gfd⸗ gen chluſſe ſeines herrlichen Rufs:„Friſch auf,
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