Jahrgang 
6 (1851)
Einzelbild herunterladen

Kaiſer Joſeph und der Sekretär.

Schuldigkeit war. Fräulein von Hellberg iſt, wie Sie recht gut wiſſen, aus einer achtbaren Famtlie, ſogar, wenn wir darauf Gewicht legen wollen, aus einer adelichen Familie. Und glau⸗ ben Sie nicht, daß es der Dame Vergnügen machen wird, die Gattin eines Fälſchers und Betrügers zu werden. Sie thut es nur, um die Zukunft und den Namen ihres Kindes zu ſichern. Alſo wählen Sie. Auf der einen Seite Ihre Pflicht, auf der andern dir gerechte Schande.

Ich werde es mir überlegen, antwortete der Graf, nachdem er eine Zeit lang finſter ge⸗ ſchwiegen.

Keine Ueberlegung! rief der Kaiſer. Entſcheiden Sie ſich ſogleich. In einer Viertel⸗ ſtunde ſtehen Sie mit Fräulein von Hellberg vor dem Altare oder am Pranger.

M Nun, ſo ſei es! rief der Graf unmuthig und einen Blick des grimmigſten Haſſes auf den Kaiſer werfend. Ich bin bereit. Es iſt mir auch gleichgültig.

Der Kaiſer ſprach leiſe einige Worte mit dem Grafen Roſenberg. Dann verließ er den Salon und ging nach einem andern Zimmer. Als er eintrat, erhoben ſich die Damen, die dort verſammelt waren und unter denen ſich die Gräfin Kinsky, Luiſe von Hellberg und deren Mutter befanden. Der Kaiſer grüßte ernſt und artig und trat auf Luiſe zu.

Madame, ſagte er, Sie wiſſen vielleicht ſchon, weshalb ich Sie habe bitten laſſen, mich hier zu beſuchen. Es handelt ſich darum, Ihre verlorene Ehre wieder herzuſtellen und Sie zur legitimen Gattin desjenigen zu machen, der ſeinen Rang und ſeine Klugheit gemißbraucht hat, um Sie ins Elend zu ſtürzen. Ich weiß wohl, daß Ihnen wenig daran liegen kann, die Gattin eines Mannes zu werden, den Sie wahrſchein⸗ lich nie wiederſehen werden und deſſen Namen Niemand ohne Abſcheu nennen wird. Aber es handelt ſich hier nicht um Sie allein, ſondern auch um Ihr Kind, das volle Anſprüche auf den Titel und den Namen ſeines Vaters hat. Betrachten Sie das, wozu ich Sie auffordere, als ein Opfer, das Sie Ihrem Kinde bringen.

õ:r

wagen und mit Alfred von Bilſenburg vor den Altar zu treten? Er hat eingewilligt, das zu thun, was er in ſeiner Verblendung ein Opfer nennt. Sind Sie bereit, es zu thun?

Ich bin es, um meines Kindes willen! antwortete Luiſe tief bewegt.

Dann bitte ich Sie, in die Kapelle ein zutreten, ſobald ich Ihnen die Nachricht ſenden werde, ſagte der Kaiſer. Frau Gräfin Kinsky und Ihre Mutter werden Sie begleiten.

Damit entfernte ſich der Kaiſer und ging nach der Kapelle, die einen Beſtandtheil des Landhauſes bildete. Dort ſtand bereits ein Prieſter mit den Chorknaben. Auch die Grafen Roſenberg, Laſcy und Walther Eſchenburg hat⸗ ten ſich bereits eingefunden. Seitwärts zwiſchen den Gerichtsdienern ſtand Alfred von Bilſenburg.

Der Kaiſer fprach noch einige Worte mit dem Prieſter, dann gab er ein Zeichen und die Damen traten ein. Luiſe von Hellberg hatte ihr Kind auf dem Arme. Sie war ſehr blaß, aber ruhig.

Der Prieſter ſprach nur die üblichen For⸗ meln, und als der Augenblick gekommen war, in welchem das Paar zum Altar treten mußte, traten Beide vor und ihre Hände berührten ſich, wenn auch nur auf einen Augenblick. Dann

verband der Prieſter Luiſe von Hellberg mit dem Grafen Alfred von Bilſenburg, ſämmtliche Titel deſſelben anführend.

Die Ceremonie war gleich darauf vorüber, und um jede ſtörende Scene ſogleich zu vermei⸗ den, reichte der Kaiſer der jungen Gräfin Bil⸗ ſenburg den Arm und führte ſie aus der Kapelle. Auf der anderen Seite wurde Alfred abgeführt. Er war noch bleicher und finſterer, als vorher. Nun, Gott ſei Dank, ſagte der Kaiſer, als er zu ſeinen Freunden zurückkehrte; dieſes traurige Geſchäft wäre beendet. Glücklicher Weiſe haben wir heut noch freudigere Dinge in Ausſicht. Roſenberg und Laſcy werden mit mir ſpeiſen, und auch Sie, Eſchenburg. Wir werden die Damen, die wir hier geſehen, am Tiſche ha⸗ ben. Und ich hoffe, Eſchenburg, Sie werden heut einmal ein freundliches Geſicht machen. Ich

Sind Sie entſchloſſen, den ſchweren Schritt zu

habe lange keins von Ihnen zu ſehen bekommen.