—Herzen, das daden Sie ſih a ds der Fall lich. Auch ich treu geworden, darauf mußte Hinterliſt und daß er oft an delt wie ich es ob nicht auch
her ſchmerzlich,
em eignen Fall verſtieg ſich die unde, die nur gamögen ſtreb⸗ ich von Jugend geſchenit halte, nit der nachge ſerin, wotin ſie ſeinen Briefen
t, deſſen Unruhe g. Dieſer dal Und ich lole nie „wäre. Oder ich wenigſtens
üt Schlimmſte fü ner Stime, der Klang anzuhoren
171
— da erfuhr ich, daß er todt ſei, und ich ging hierher und nahm den Schleier, denn die Welt war mir nun verhaßt geworden.
— Großer Gott! rief Walther mit einem qualvollen Schrei. Wer ſind Sie?
Alles vergeſſend, war er im Begriff, auf die Dame zuzueilen, ihren Schleier zurückzuſchlagen. Aber ſie ſtreckte ihm den Arm abwehrend ent⸗ gegen und Walther blieb vor ihr ſtehen, eine Beute der gräßlichſten Ungewißheit, des höchſten Entzückens und des gewaltigſten Schmerzes.
— Sie kennen mich nicht, mein Herr, fuhr die Nonne fort. Und ſelbſt, wenn der Todt⸗ geglaubte zurückkehrte, ſo begreifen Sie, daß er mich nicht wiederſehen dürfte, daß ich für die Welt verloren bin.
— O Gott! Sidonie! rief Walther ver⸗ zweifelnd und ſtürzte vor ihr nieder, ihre Hände ergreifend.
Sie waren kalt. Er ſah ihr Haupt ſich neigen, er ſah ſie zurückſinken. Er ſchlug den Schleier zurück, mit der Haſt eines Menſchen, der die Entſcheidung über Leben und Tod er⸗ wartet— und es war Sidonie, ſie war es, ohnmächtig, bleich wie Marmor, ſeine Geliebte, die einzige Hoffnung ſeines Lebens, ihm für immer verloren, für ewig entriſſen.
Da brach die Leidenſchaft, von der er nie geglaubt, daß ſie je wieder ſein Herz mit ſol⸗ cher Gewalt erſchüttern könne, um ſo heftiger in ihm aus. Trunken von Entzücken— denn hatte er nicht von ihren eigenen Lippen das Geſtänd⸗ niß ihrer Liebe gehört?— und doch verzweifelnd vor Schmerz, preßte er die Ohnmächtige in ſeine Arme und bedeckte ihre Lippen mit glühenden Küſſen, bis ſie allmählich wieder erwarmten, bis ihr Herz wieder zu ſchlagen begann.
Und Sidonie hatte nicht die Kraft, ſich ſei⸗ nen Armen zu entziehen, obgleich ihr Gewand ſie daran erinnern mußte, daß ſie ein Verbrechen beging. Seit ſo langer Zeit, ſeit ſo vielen Oualen war dies die erſte glückliche Minute wieder, glücklich und doch über alle Maßeu furchtbar. Denn der, den ſie liebte und der ſie wiederliebte, lebte— aber ſie war todt für ihn, todt mit dem Bewußtſein ihres ganzen Elends,
Kaiſer Joſeph und der Sekrekär.
todt, wie jene Bedauernswerthen, die nur in der Betäubung des Todes liegen und das ganze Bewußtſein ihres entſetzlichen Todes haben. Wer möchte die Minuten ſchildern, die dieſer Erkennung folgten, die raſchen, blitzſchnellen Ge⸗ ſtändniſſe, die Qualen, die Verzweiflung, die ſich in dieſe Küſſe miſchten, die zwei Weſen mit einander austauſchten, die nie gehofft, ſich wieder⸗ zuſehen. Selbſt Walther, ſonſt ſo ruhig und ge⸗ laſſen, war außer ſich und geberdete ſich wie ein Kind. Er beſchwor Sidonie, mit ihm zu fliehen, er beſchwor ſie, ihm eine Möglichkeit anzugeben, die Seine zu werden, er wolle ſich nicht von ihr trennen, ſie nicht mehr von ſich laſſen, er wollte der ganzen Welt trotzen, um einen Schatz zu be⸗ wahren, den er nun erſt wiedergefunden, als er ihn verloren glaubte. Ja, jetzt verſtand er die trübe Deutung, die in den Worten des Kaiſers lag. Und es war keine Hoffnung mehr. Si⸗ donie hatte den Schleier genommen, in aller Form, ſie hatte geeilt und um Abkürzung des Noviziats gebeten, nur um gewiß zu ſein, daß nichts Irdiſches mehr nach ihr trachten könne. In ſolchen Minuten fließt die Mittheilung raſcher, als ſonſt in Stunden. Walther erfuhr den ganzen Betrug, den die Grafen Bilſenburg mit Sidonie geſpielt, erfuhr die Schändlichkeit, die Alfred gegen Luiſe von Hellberg begangen, und er konnte ſeiner Geliebten mittheilen, daß der Graf in der Gewalt der Behörden ſei und wahrſcheinlich ſeine gerechte Strafe empfangen werde. Aber als dieſe Mittheilungen beendet waren— welche Ausſichten eröffneten ſich da für die Zukunft? Sollten ſie ſich nur wiedergefun⸗ haben, um ſich dies eine Mal wiederzuſehen und dann ihr ganzes Leben in hoffnungsloſer Ver⸗ zweiflung zu vertrauern? Unmöglich! Walther gab nicht alle Hoffnung auf. Er wollte mit dem Kaiſer ſprechen, ihm Alles entdecken, auf jede Auszeichnung verzichten, wenn nur Sidonie dem Gelübde entriſſen würde, das ſie abgelegt, weil ſie die Wahrheit nicht kannte. Freilich, ein ſolcher Fall war unerhört und vielleicht reichte ſelbſt die Macht des Kaiſers nicht ſo weit, um das Gelübde zu löſen.
Und auch jetzt mußten ſie ſich trennen. Sie


