Jahrgang 
6 (1851)
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20 Fedderic von Norrmann.

ſagte, die indeſſen hier nicht weiter herge⸗ hören.

Dagegen aber iſt gewiß, daß Karl gänzlich auf ihre Pläne einzugehen ſchien, indem er ein halb kindiſch, halb männlich wildes Leben führte, ritt, jagte, ſchoß, ſpielte, kurz, alles Mögliche that, nur nicht ſich um die Regierung und den Staat bekümmerte. 3

So ſchien es öffentlich. War er jedoch allein, ſah ihn ſeine Umgebung häufig in düſtern Ge⸗ danken verſunken und die Karten derjenigen Reiche betrachten, welche bereits nach dem Tode des vorigen Königs eine nichtachtende oder drohende Sprache gegen das Weiber⸗ und Kinder⸗Regiment Schwedens annahmen.

Als ihm aber ein Mal in Gegenwart des Kanzleiraths Piper bedeutſame Worte entfielen, ermunterte ihn dieſer Mann, unter Hinweis auf ſein Recht, zum Handeln, indem er ihn zu un⸗ terſtützen verſprach, und Karl handelte, als am 6. November der Reichsrath in Stockholm zu⸗ ſammentrat.

Am 8. November brachte es Piper dahin, daß der Vorſchlag gemacht wurde, den jungen König mündig zu ſprechen und ihm die Regie⸗ rung zu übertragen.

Nur die Geiſtlichkeit war dagegen, die andern Stände dafür.

Der Reichsrath ward erſucht, Karl das Re⸗ giment zu übergeben. Dies geſchah, und ehe noch die Königin Großmutter eine Ahnung davon hatte, waren die Zügel der Regierung ihren Hän⸗ den von einen Knaben entwunden, den ſie ihnr Meinung nach nicht mehr zu fürchten brauchte, und Karl ward, nachdem er am 27. November in die Regentſchaft eingeführt, am 4. Dezember gekrönt.

Als aber der Biſchof ihn geſalbt und ihm die Krone auſſetzen wollte, riß er ihm dieſelbe fort und ſetzte ſie ſich ſelbſt auf das Haupt.

Das Volk, welches aus dieſer Handlung auf die Kraft und Energie des Königs ſchloß, jubelte, weil für die herannahende böſe Zeit ein kraftvoller Fürſt nur das Glück des Landes ſein konnte.

Karls erſte Handlung war ein Akt der Dank⸗

barkeit, indem er den Kanzleirath Piper ſchon am zweiten Tage ſeiner Regierung zum Grafen und Staatsrath erhob und ihm ſein Vertrauen ſchenkte, was der Mann übrigens durch eine lange Reihe von Jahren nie mißbrauchte, ſon dern, ſo viel es ſpäter Karls unbeugſamer Wille zuließ, zum Wohle ſeines Vaterlandes zu benutzen ſuchte.

Dagegen rechtfertigte ſich die öffentliche Mei⸗ nung über den jungen König anfänglich nicht, indem derſelbe ſeine bisherige Lebensweiſe fort⸗ ſetzte, dem Staatsrathe die Regierungsgeſchäfte überließ und ſo ſeinen Vertrauten täuſchte, wie er zugleich auch die Geſandten der fremden Mächte irre an ſich werden ließ, welche ihn ihren Höfen als einen ſchwachen, unfähigen Re⸗ genten ſchilderten.

Piper hätte indeſſen wohl zu Zeiten Gele⸗ genheit gehabt, anders von ſeinem Fürſten zu denken, wenn er nicht mehr gerade und bieder, als ſcharfſinnig geweſen wäre, und ſelbſt jetzt, wo Karl eben eine wichtige Sache gleichgültig zu behandeln ſchien, folgte ein Moment, der ihn eines Beſſern zu belehren im Stande geweſen wäre.

Denn nachdem der König anſcheinend die Laſt der Geſchäfte auf die Schulten ſeines Vertrauten geworfen, wendete er ſich wieder zu dem Offizier, welcher ihm Rapport gebracht und fragte:

Wie heißt Ihr, Herr?

Behm, Eure Majeſtäg.

Ihr wart bisher Unterlieutenant?

Ja, Eure Majeſtät.

Nun, ich danke, Rittmeiſter von Behm. Wendet Euch an jenen Herrn, er wird Euch ein Diplom und die nöthige Equipage geben.

Eure Majeſtät! rief der deutſche Soldat zitternd, indem er bald blaß, bald roth wurde.

Karl lächelte.

Und wenn Ihr es gern hört, unterbrach er den Offizier, ſo muß ich Euch ſagen, daß ich mit Euch zufrieden bin. So liebe ich meine Offiziere, ſagt es Euren Kameraden und grüßt ſie ſchön von mir!

Der Offizier, welcher ſeiner Nachricht wegen

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