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„Kedderic von Norrmann. 21
gewiß überſehen zu werden hoffte und wegen ſei⸗ nes Benehmens jedenfalls nur wünſchen mochte, ungeſchoren davonzukommen, hatte dieſe Wen⸗ dung der Dinge nicht erwartet und war nicht im Stande, obwohl er mehrmals anſetzte, einen Dank hervorzubringen.
Der König nickte ihm jedoch freundlich zu und ſagte:
— Es iſt gut. gehört!
— Ja, Eure Majeſtät.
Welchen Eindruck dieſe Scene auf Fedderic von Norrmann gemacht, kann man ſich leicht denken.
Er wäre vielleicht immer noch geneigt ge⸗ weſen, den ganzen Vorgang für einen ſchlecht angebrachten Scherz mit dem Offtzier zu halten, wenn die Sache nicht ſo ernſt behandelt worden wäre.
Er konnte ſomit nicht mehr zweifeln, daß er ſich neben dem Könige befand und daß der Jüngling, den er aus den Klauen des Raub⸗ thieres befreit, Karl XII. ſei, dem er ſeine Dienſte anbieten ſollte.
Fedderic nahm daher Gelegenheit, als jenes Geſpräch beendet worden, einen Schritt vorzu⸗ treten und ſagte:
— Verzeihung, Eure Majeſtät—!
— Nichts da, mein Freund! rief der König, ſich ſchnell zu ihm wendend, denn wir ſind Freunde und ich werde für Euch nur der König ſein, wenn Ihr irgend einen Wunſch hättet, den ich erfüllen könnte.
— Das iſt der Fall, Eure Majeſtät!
— Schön, wie nennt ſich dieſer Wunſch?
— Eure Majeſtät, ich war auf dem Wege nach Stockholm, dort um eine Stelle in der Garde zu bitten.
— Wie heißt Ihr?
— Fedderic von Norrmann.
— Ich kenne dieſen Namen nicht.
— Eure Majeſtät, ich kann—! ſagte der junge Mann und griff in ſein Wams.
— Laßt, laßt! ſagte der König ſchnell; es gilt gleich. Ihr heißt ſo, auch wenn Ihr nie ſo genannt worden, und Eure Bitte iſt gewährt,
Lieber Piper, Ihr habt
ſelbſt wenn Ihr der erſte Verbrecher in meinem Reiche wäret, denn Eure Vergehen wären ver⸗ ziehen!
Der junge Mann hatte indeſſen doch aus ſeinem Rocke ein Papier gezogen, aber er er⸗ ſchrak ſichtlich und blickte ſuchend umher, als ob ihm etwas fehle.
Seine zweite Bewegung war ein Griff nach dem Pergamente, was ſich indeſſen noch an Ort und Stelle befand.
Der König lachte, als er den Schreck des jungen Mannes bemerkte und rief:
— Bleibt mir mit allen Papieren vom Halſe, oder wendet Euch damit an Piper, mir ſeid Ihr ſchon empfohlen und wißt meine Meinung. Doch jetzt zu unſerer Wette!
— Eure Majeſtät, ich kann jetzt nicht wetten.
— Ci, warum denn nicht?
— Eure Majeſtät haben nur zu befehlen, was ich thun ſoll..
— Nun, ſo befehle ich Euch, mir einen Bä⸗ ren nach Eurer Manier zu fangen, und werde dafür den Preis beſtimmen. Vorwärts, meine Herren, ſuchen wir den Bären trotz der Sachſen. Aber, fügte Karl hinzu, indem er plötzlich ernſt ward und ſich zu dem Grafen Guiscard wendete, von jetzt ab ohne Perrücke und fort mit Gecken, nächſtens ſoll ihm mehr folgen!
Karl warf bei dieſen Worten das mächtige Lockenwerk, welches zum Theil ſeines Puders be⸗ raubt und oben durch die Zähne des Bären arg zerzauſt war, von ſich.
Die Umſtehenden blickten einander erſtaunt an, noch aber vermochte ſich Niemand den Sinn der Worte des Königs ganz zu erklären.
5. Jeder Zoll ein Künig.
Karl hatte ſeine Befehle und ſeine Reden betreffs der Jagd, der Sachſen, der Beförderung des Offiziers und der Perrücke ſo leicht inein⸗ ander verſchmolzen, daß Niemand merkte, wo der Scherz aufhörte, oder wo ihm die Sache eigent⸗ lich ernſt war.


