Jahrgang 
6 (1851)
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Fedderic von Morrmann. 15

ſein, wir wollen ſie bald nöthigen, den Weg wieder aus dem Lande zu nehmen. Meinen Sie nicht auch, Graf Guiscard?

Der Graf Guiscard, franzöſiſcher Geſandter am ſchwediſchen Hofe, an welchen dieſe Frage gerichtet war, murmelte einige Worte zur Ant⸗ wort, welche nicht verſtändlich waren und auch vielleicht nicht verſtanden werden ſollten; aber ſein ſchlau blinzelnder Blick ſagte genugſam, was er von dieſer Rede des jungen, ſiebenzehnjährigen Königs halte.

Ob Karl die Gedanken des Franzoſen errieth und ſeinen Blick bemerkte, oder nicht, muß da⸗ hingeſtellt bleiben; jedenfalls aber nahm er keine Notiz davon und auf alle Fälle errieth der ſchlaue Franzmann nicht, was in dem Könige vorging, als dieſer gleichſam mit ächt jugend⸗ licher Harmloſigkeit hinzuſetzte, als ſei ſolches bei Weitem wichtiger für ihn, wie die Verjagung der Sachſen:

Doch fürchten Sie nichts, meine Herren, das ſoll unſer Jagdvergnügen nicht ſtören, wir jagen weiter, und wenn auch die Sachſen in Liefland ſind. Graf Piper, Ihr werdet mir die Angelegenheit mit den letzteren ſchon aus⸗ fechten!

Der Graf Piper verbeugte ſich, aber auf dem Geſichte des redlichen Vertrauten des Königs legte ſich ein Zug von Kummer, als er ſeiner Meinung nach wiederum bemerkte, wie Karl die wichtigſten Regierungsgeſchäfte ſeinen Vergnügun⸗ gen nachſetzte.

Doch der Graf Piper täuſchte ſich in Karl, wie alle Welt an ihm irre ward, obgleich es einem ſcharfen Beobachter gar nicht ſchwer wer⸗ den konnte, den König, obſchon er bereits ſehr jung Meiſter war, ſein Inneres zu verbergen, an einzelnen Zügen zu erkennen, ſeinen wahren Charakter zu errathen und Großes in ihm zu finden.

Dahin gehört zuvörderſt ſeine Hartnäckigkeit in der Jugend, dasjenige zu erreichen und durch⸗ zuſetzen, was er ſich vorgenommen, wie zum Beiſpiel das Erlernen verſchiedener Sprachen, nachdem er eingeſehen, daß ihm ſolche nothwen⸗ dig waren, ſowie auch verſchiedene Aeußerun⸗ 3 2*½

gen über die Zeit, wenn er erſt König ſein werde.

Dazu wurde man ferner berechtigt durch die Hartnäckigkeit des jungen Prinzen, mit welcher er ſich weigerte, je ein franzöſiſches Wort zu ſprechen, obwohl er es fertig konnte und obgleich er nie⸗ mals einen Widerwillen gegen die franzöſiſche Nation, oder gegen Franzoſen zeigte.

Auch als König noch blieb er dieſem Vor⸗ ſatze treu, wogegen Deutſch, Lateiniſch und ſo⸗ gar Lappiſch ſehr gern von ihm geſprochen wurde.

Beſonders jedoch war es ſeine Thronbeſteigung und Krönung, welche nicht allein den jugendlichen Muth eines eigenwilligen Jünglings, ſondern die Ueberlegung des gereifteren, aber kühnen Mannes zeigte.

König Karl XI., ſein Vater, welcher am 5. April 1697 verſtarb, hatte nämlich in dem am 6. April geöffneten Teſtamente wider das beſtehende ſchwediſche Throngeſetz, welches den jungen Monarchen ſchon mit dem fuünfzehnten Jahre mündig ſprach, beſtimmt, daß derſelbe erſt mit ſeinem achtzehnten Jahre zur ſelbſtſtändigen Regierung kommen ſolle.

Bis dahin aber wurde, nach einer ferneren Verordnung dieſes Teſtaments, des jungen Kö⸗ nigs Großmutter, die Königin Hedwig Sophie, welcher ein Reichsrath von fünf Perſonen beige⸗ geben war, zur Regentin eingeſetzt.

Wahrſcheinlich durch das ehrende Vertrauen des Königs, ihres Sohnes, geſchmeichelt und vielleicht ebenſo überzeugt, wie Karl XI., daß der Nachfolger dieſes ſehr ſtrengen Königs nicht die Eigenſchaften habe, ein Volk zu regieren, übernahm die gute Dame nicht allein die Zügel der Regierung wirklich, ſondern verſuchte ſogar, ſich auf dem Throne ſo feſtzuſetzen, daß er ihr für ihre Lebenszeit bliebe und Karl nur dem Namen nach König ſei. 3

Ueber ihre bei dieſer Gelegenheit angewen⸗ deten Mittel, den jungen Mann von ernſten Geſchäften zu entfernen, giebt es vielerlei Tra⸗ ditionen, die theils wahr, theils unwahr, theils auch die Urſache geweſen ſein mögen, daß Karl dem Weine und den Weibern für immer ent⸗

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