Fedderic von Norrmann.
— Ich danke! rief der Deutſche und ſpraug vom Pferde.
— Das war übrigens meine Sache, Herr Geſandter! rief der andere Herr gekränkt dem Franzoſen an.
— Der Herr Graf hatten indeſſen nicht die Gnade! erwiederte Jener.
Der Dragoner aber folgte eilig dem ihm ge⸗ gebenen Fingerzeige.
Während dieſer Unterhandlungen hatten die beiden jungen Männer, gleich regungslos und gleich erwartungsvoll, wennſchon, wie wir bald ſehen werden, aus ganz verſchiedenen Gründen, dageſtanden und befanden ſich noch in derſelben Stellung, als der Offizier ſie erreicht hatte.
Der arme Dragoner, welchen ſeine Pflicht mehr zu hetzen ſchien, als ein Windhund den Haſen, gerieth jetzt in neue Verlegenheit und blickte von Einem zum Andern.
Doch endlich hatte er ſeine Wahl getroffen, denn obwohl der reicher gekleidete Mann nach gewöhnlichen Begriffen eigentlich der König hätte ſein müſſen, ſo hatte dieſer doch Hut und Per⸗ rücke in ſeinen Händen, wogegen das Haupt des Anderen bedeckt war, und der Soldat wendete ſich an dieſen.
— CEure Majeſtät— rief er eben ſo haſtig, wie ſein ganzes Benehmen war.
Doch Fedderic ließ ihn nicht ausreden.
— Was ſoll dieſer Scherz? ſagte er zu der näher tretenden Jagdgeſellſchaft, indem ſeine Stirn ſich in Falten legte.
Der Soldat erſchrak.
Jener andere Jüngling aber lachte jetzt laut auf und rief:
— Gut ſo, mein Braver; aber da jener Herr nicht König ſein will, ſo werde ich ſchon dieſe Rolle übernehmen müſſen. Was bringt Ihr?
Ging bei dieſen Worten Fedderic aus dem Zorne, in welchen ihn die vermeintliche Neckerei der andern Herren verſetzt, in ein Staunen über, ſo ſtaunte der Offizier erſt recht und ward dann verdrießlich, da auch er ſich von der Geſellſchaft
gefoppt glaubte. — Aber zum Teufel! fluchte er zornig und
in der größten Ungeduld; bin ich unter Verrückte gerathen, oder—!
Jetzt jedoch trat der Mann dazwiſchen, wel⸗ cher die erſte Probe deutſcher Manierlichkeit zu koſten gehabt.
— Das kommt von Eurer Tollheit, Herr! Dies iſt Se. Majeſtät König Karl XII. von Schweden!
— Eure Majeſtät—! ſtammelte der Dra⸗ goner.
Karl aber nahm jetzt plötzlich eine ernſte Miene an.
— Schon gut, mein Freund, ſagte er ſcharf. Zur Sache, was bringt Ihr?
— Eure Majeſtät, eine Meldung vom Ge⸗ neral Grafen Dahlberg aus Riga—
— Was da, Herr! ſeid Ihr durch die Luft geflogen?
— Nein, Majeſtät, mein Weg ging über Eis und durch das Waſſer.
— Gut, weiter!
— Der General läßt rapportiren, daß die Sachſen unter General Flemming und Patkul in Liefland eingefallen ſind und Riga ein⸗ ſchließen.
In dieſem Augenblicke trat eine zweite Ab⸗ theilung der Jagdgeſellſchaft, voran ein ſchöner, modiſch gekleideter Herr, aus dem Walde auf die Lichtung und zu der Gruppe.
— Ah, Herr Herzogl rief der König, gut, daß Eure Liebden kommen, es giebt Neuigkei⸗ ten. Wiederholt uns Eure Meldung, mein Freund!
Die Umſtehenden machten ehrerbietig für den Herzog Friedrich von Holſtein⸗Gottorf, Schwager des Königs, Platz, und der Offizier that, wie ihm geheißen.
Alle Anweſenden waren über dieſe Meldung
in dem Maaße erſchrocken, wie der Dragoner
erſt dienſteifrig gethan, und in deſſen Benehmen nunmehr wohl Niemand mehr eine Ungezogen⸗ heit erblickte. Nur Karl lächelte heiter und ſagte:
— Ich begreife nicht, warum mein Vetter Auguſt mit Gewalt Krieg mit mir haben will.
Aber mögen ſeine Soldaten immerhin in Liefland
—
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