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Jedderic von Norrmann. 17
— Et,, glaubt das nicht; ſo fange ich ſtets den Bären, und zwar lebendig!
— Poſſirlich genug, aber närriſch! lachte Fedderic.
— Wie, närriſch nennt Ihr das? Ich ſollte nicht meinen, daß ein Zweiter in den ſkandina⸗ viſchen Wäldern mir dieſe Jagd mit ſo geringem Zeuge nachmachte!
— Pah, was Ihr ſagt! Ich dächte Euch bereits das Gegentheil bewieſen zu haben, da ich gar keines Zeuges bedarf.
— Ach ja, ich vergaß; doch das war wohl nur Zufall und Eure Laune hätte Euch ſchlimm bekommen ſollen, wäre ich nicht dem Burſchen zwiſchen die Rippen gefahren!
— Was Ihr meint, Herr; aber es gilt, ich fange Euch jeden Bären lebend auf meine Weiſe, wie Ihr dies auf Cure Manier thut, und das ohne Eure Hülfe.
— Bei Gott, darauf bin ich neugierig! Was ſoll es gelten!
— Beſtimmt Ihr, ſagte Fedderic.
Die beiden jungen Leute hatten während die⸗ ſes ſehr ſchnell geführten Geſpräches, der Eine ſeinen Hut und ſein Schwert, der Andere ſeine Perrücke, ſowie die bereits mehrfach erwähnte Nachtlampe, wieder aufgeſammelt, und obwohl ihre Gegenreden für einen kleinen Zwiſt gelten konnten, ſo war doch zu bemerken, wie ſie ein⸗ ander ſehr wohlwollend betrachteten.
Aus jenem Zwiſte aber ſchien jetzt eine Wette entſtehen zu ſollen, die ſo ganz ächt normänniſcher Art war.
Doch ehe noch der Gegner Fedderies in die⸗ ſer Wette der an ihn geſtellten Aufforderung Betreffs des Preiſes nachkommen konnte, ver⸗ mehrte ſich die Geſellſchaft um eine Perſon, welche die Wette auf einige Zeit vergeſſen machte.
Es erſcholl nämlich Pferdegetrappel, und kaum erreichte daſſebe das Ohr der Jagdgeſellſchaft, als man auch ſchon einen Reiter wie toll durch den Wald auf die Lichtung zuſprengen ſah, dem Fedderics bisher unſchlüſſig umherrennendes Roß freudig wiehernd entgegeneilte.
Der Reiter war ein Offizier eines deutſchen Fata morg. 6. Bd. 1. Lief. 2
Dragoner⸗Regiments, welches in einer der über⸗ ſeeiſchen Provinzen Schwedens ſtand und ſein Pferd, über und über mit Reif bedeckt, dampfte aus den Nüſtern und aus der ganzen Haut, als befinde es ſich in einem ruſſiſchen Bade.
Der Offizier jagte nicht, als er die Gruppe gewahr wurde, nein, er ſtürzte förmlich in die⸗ ſelbe hinein, indem er nach einem mehr wil⸗ den als forſchenden Blicke in deutſcher Sprache rief:
— Wo iſt der König?!
Statt die Frage des wilden Reiters zu beantworten, wichen Herren wie Diener, mit einem Worte Alle, ſcheu zurück und der Offizier wiederholte noch heftiger und dringender denn zuerſt:
— Wo iſt der König? Antworten Sie, meine Herren, es iſt eilig!
— Jetzt trat ein Herr aus dem Kreiſe der Umſtehenden vor, deſſen Aeußeres ihm ein gewiſſes Anſehen von Bedeutung gab.
— Ei, ei, mein Herr! rief derſelbe; wer ſucht ſo die Nähe Sr. Majeſtät?
— Sind Sie die Majeſtät?— nein! rief der Dragoner zornig und indem er ſeine Frage ſelbſt beantwortete. Von Ihnen will ich nichts weiter wiſſen, als daß Sie mir ſagen, wo der König iſt. Alſo heraus damit, ob Sie dies wol⸗ len und können! Wo nicht, ſo ſind wir geſchie⸗ dene Leute!
Während dieſer Rede des ſichtbar äußerſt aufgeregten Soldaten hatten ſich auch noch an⸗ dere Perſonen der Jagdgeſellſchaft genähert, und unter dieſen beſonders ein Mann, der ſo ſehr in Pelzwerk ſteckte, daß von ihm nur die Augen ſichtbar waren, in denen aber eine heftige Neu⸗ gierde oder ein gewaltiger Wiſſensdrang lag, mit dem er den angekommenen Reiter forſchend be⸗ trachtete.
Jedoch befriedigte er wenigſtens das Verlan⸗ gen des Offiziers, wogegen der andere Herr vor Aerger über und über roth wurde und den dienſt⸗ eifrigen Militair zornig anblickte.
Denn der bepelzte Herr ſagte in franzöſiſcher Sprache:
— Der König iſt dort, mein Herr!
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