Jahrgang 
6 (1851)
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Kedderic von Norrmann.

erſtaunt über das Unternehmen des Fremden, ſtehen.

Doch dann zog er ſein Meſſer und ſtieß es unter den Armen ſeines Retters dem Bären bis an das Heft durch den Leib, ſo daß die Spitze auf der andern Weiche wieder zum Vorſchein kam.

Fedderic aber ſetzte ein Knie gegen den Kör⸗ per des Thieres und gab ihm, während er die Arme öffnete und ſich mit einem kräftigen, ge⸗ ſchickten Schwunge zurückwarf, einen Stoß, daß es zurückfiel.

Der Bär wälzte ſich brüllend auf dem Schnee und zwei Blutſtrahlen färbten denſelben, wie die Ströme geöffneter Fontainen beim erſten Spru⸗ deln, roth. Die beiden Männer ſtanden einan⸗ der gegenüber.

Doch ſie blieben auch ebenſo, faſt wie ange⸗ wurzelt, auf dem Fleck, wo ſie ſich befanden, und es ſchien, als wollten ſie einander mit den Blik⸗ ken verſchlingen.

Was iſt dass rief der Eine.

Welches Blendwerk rief der Andere, und dieſelben Perſonen, die vor Kurzem noch einen Muth entwickelt, der hier nur ein wildes Thier bezwungen, aber im Stande ſein mußte, eine Welt zu erſchüttern, wie es ſpäter wirklich ge⸗ ſchah, machten Miene, einander zu fliehen.

4. Der König.

Schon als die beiden jungen Männer ſich noch bemühten, das zottige Ungethüm zu bewäl⸗ tigen, drang das Gebell einer Meute durch den Wald, und Stimmen, welche dieſelben anfeuerten oder beſchwichtigten, wurden laut.

Dieſe Stimmen und das Geklaff aber kamen näher und als der Bär von dem Jagdmeſſer des Mannes mit der Allongenperrücke getroffen, zu Boden ſank, ſtürzte eine Anzahl Hunde aus dem Dickicht auf das erlegte Wild los.

Ihnen folgten indeſſen auch mehrere Män⸗ ner, welche eilig herbeiliefen und theils aus

Herren, theils aus Dienern und Soldaten be⸗ ſtanden.

Als das Geräuſch, welches hierdurch ent⸗ ſtand, die ſich noch immer ſtaunend betrachtenden Männer aus ihrer Ueberraſchung emporriß, winkte jedoch der Jäger mit der Hand und die herbeieilenden Menſchen blieben unter Ausrufen des Staunens, wo ſie waren, wogegen die wü⸗ thenden Hunde über den ſich noch in ſeinem Blute wälzenden Bären herfielen.

Wer ſeid Ihr, Herr? fragte jetzt der ſo zu ſagen aus dem Rachen des Bären Ge⸗ rettete.

Wer ich bind entgegnete Fedderic. Dieſe Frage dürfte ich wohl nach dem, was vorge⸗ fallen iſt, berechtigt ſein, zuerſt an Euch zu richten!

Bei Gott, das iſt wahr und ich will mit der Antwort wie mit dem Euch ſchuldigen Danke nicht zögern, obgleich ich ſonſt wenig ge⸗ neigt bin, den letzteren an Jemand zu ſpenden. Ich bin Edelmann und Schwede, was ich übri⸗ gens von Euch ebenfalls hoffe.

Da iſt Eure Vermuthung richtig, Herr. Aber ich glaubte in Euch erſt einen Augenblick im Spiegel mein eigenes Bild zu ſehen.

So erging es mir gerade, Freund; wir ſcheinen einander ſehr ähnlich zu ſein.

Und wirklich, wenn man die beiden jungen Männer noch ſo genau betrachtet hätte, ſo würde es ſchwer gehalten haben, trotz ihrer verſchiede⸗ nen Kleidung eine Verſchiedenheit in Geſtalt, Zü⸗ gen, Haaren, Augen, kurz in allen Theilen ihres Aeußeren zu finden, und der einzige Unterſchied, welcher vielleicht zwiſchen ihnen obwaltete, mochte darin beſtehen, daß Fedderic ein wenig gedrückt erſchien, während der andere Jüngling mehr keck und übermüthig aus ſeinen großen, blauen Augen umherſchaute.

Dieſer hatte zuletzt geſprochen und Fedderic antwortete lächelnd:

Ja, ja, ähnlich wie ein Ei dem andern; doch das iſt ein Naturſpiel und kann vorkommen. Aber wenn mir die Bemerkung erlaubt iſt, Herr, ſo kommt mir dagegen Eure Jagd mit einem Stintnetze auf Bären um ſo unnatürlicher vor.

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