Jahrgang 
6 (1851)
Einzelbild herunterladen

ben men zund unter

ners der be⸗ nden

edderic von Norrmann. 15

Hund auf den hartgefrorenen Schnee, daß ihm das Blut zum Halſe herausſtrömte.

Demnächſt aber legte er die linke Tatze auf den ellenlangen Stiel des Netzes und ſchlug mit der rechten von unten dagegen.

Dieſe, ein wenig nach ſeitwärts gerichtete Bewegung, welcher wohl ungefähr ſo viel Kraft innewohnte, daß ein leidlicher Ochſe dadurch ge⸗ tödtet worden wäre, hatte zur Folge, daß der am Ende jenes Stiels befindliche Jäger auf ſeine rechte Seite fiel und der Stab, nach Be⸗ ſchreibung eines Viertelkreiſes, ſich ſo zwiſchen den Tatzen und auf der Schulter des Bären be⸗ fand, wie gewöhnlich tanzende Bären ihren Stek⸗ ken tragen.

Jedenfalls aber hatte unſer Petz noch nicht Luſt, mit der kultivirten Welt in dieſer Weiſe Bekanntſchaft zu machen, da er auch den Stiel des Netzes von ſich warf, wie er die Doggen von ſich geſchleudert hatte, und auf den frühe ren Eigenthümer dieſer Gegenſtände mit einer Schnelligkeit losſchritt, die denſelben hinderte, ſich vom Boden zu erheben, ehe der Bär neben ihm war.

Dieſer fing, wie wir, mit der näheren Be⸗ ſchauung des Mannes von oben an und nahm ſehr manierlich die Nachtlampe von dem Haupte ſeines Feindes.

Als aber an der ſtark nach Moſchus duften⸗ den Miniatur⸗Baſtion einer Feſtung nicht der Körper ſeines Feindes haften blieb, ſchlug Petz das Kleidungsſtück mit ſeiner Tatze in einer Art fort, die ihm ein Franzoſe nie verziehen hätte, und griff die Allongenperrücke an.

Doch auch dieſe ließ los, und Petz wollte eben mit ſeiner unverwüſtlichen Ruhe, die ihn jedoch nicht daran hinderte, ſehr flink zu ſein, auch das kurz geſchorene Haar ſeines Gegners unterſuchen, welche Unterſuchung gewiß auch deſſen Stirnhaut mitbetroffen haben würde, wenn nicht ſeine Forſchungen unterbrochen worden wäͤren.

Denn für Fedderic, der kaum in jenem Men⸗ ſchen ſo viel Muth, wie derſelbe eben entwickelt hatte, erwarten durfte, war weiter keine Auf⸗ forderung nöthig, um ſich nicht allein an dem

Kampfe deſſelben mit dem Bären zu betheiligen, ſondern auch jenem Tollkühnen zu zeigen, daß es noch Jemand gäbe, der im Stande ſei, bei der Bärenjagd mehr Kühnheit, Geſchicklichkeit und Kraft zu entwickeln, als er.

Der junge Mann war alſo vom Pferde ge⸗ ſprungen, hatte ſein Schwert gleichſam, als ob er jede Gelegenheit, daſſelbe zu benutzen, ent⸗ fernen wollte, von ſich geworfen und rannte auf den Platz zu, wo Petz die ſpeziellen Prüfungen der Beſchaffenheit ſeines Feindes begonnen.

Er gelangte gerade daſelbſt an, als der Bär ſeine Schnauze bereits in nächſter Nähe des Schädels ſeines zappelnden Gegners gebracht, und ein Fauſtſchlag auf den Kopf des erſteren dokumentirte die Art ſeiner Intervention ſo deut⸗ lich, wie er nachdrucksvoll ſein mußte, da Petz ſich brummend aufrichtete, um den neuen Feind anzugreifen.

Aber Fedderic ſäumte keinen Augenblick, ſein großes, blaues Auge glühte und ſeine Wangen rötheten ſich, als ſei plötzlich ein in Karmin ge⸗ tauchter Pinſel darüber gefahren, während ſich drei blaue Streifen über die weiße Stirn zogen, welche immer mehr anſchwollen.

Nach dem Fauſtſchlage aber öffneten ſich die Arme des Jünglings und ſeine breite Bruſt wölbte ſich höher. Ein Sprung, und Petz fühlte ein Paar Klammern um ſeinen Leib, die ihm ein Geheul auspreßten, welches ebenſo ſehr er⸗ ſtickten Zorn, als Schmerz verrieth.

Der Bär legte ſeine Tatzen ebenfalls um die Schultern des Jünglings und drückte ſeinen ge⸗ öffneten Rachen nach unten, um den Kopf des Mannes zu erpacken.

Doch ſeine Umarmung war kraftlos durch das feſtere Zuſammenziehen der Armmuskeln des Jünglings, und die lechzende Schnauze des Bä⸗ ren ſtieß nur den Hut des letzteren vom Kopfe, welcher ſich nun wie eine Schraube gegen die Kehle des Raubthiers preßte, ſo daß ſein Brum⸗ men ein unterbrochenes Stöhnen ward.

Der am Boden liegende Mann hatte dieſen Moment natürlich benutzt, um außzuſpringen, und regungslos blieb er einen Augenblick, viel⸗ leicht eben ſo erfreut über ſeine Rettung, als