Jahrgang 
6 (1851)
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gebung vergeſſend, mit jedem Augenblicke rückſichts⸗ loſer ſeinem wilden Schmerze hin, der aus einem harmloſen, unſchuldigen Knaben plötzlich den zür⸗ nenden Mann geſchaffen.

Dieſer Zorn aber, welcher ſeinen Kopf zu ſprengen drohte, zermarterte mit ſeinem Zuneh⸗ men die Bruſt des Jünglings und brannte wie ein Feuer in ſeinem Herzen, wenn er bedachte, wie man jetzt ſchonungslos ſein Gemüth verletzt hatte, ein Gemüth, welches nicht allein alles Schöne und Cdle zu begreifen fähig war, ſon⸗ dern theils durch ſeine mütterliche Freundin, die er ſo lange als ſeine Mutter verehrt, theils durch den Unterricht weiſer Männer, die nach und nach das einſame Haus im Fämundthal mit ihm bewohnt hatten, ſchön und edel gewor⸗ den war.

Dem in die Welt hinausgeſtoßenen jungen Manne kam jetzt Alles faſt wie ein ſchneidender Hohn auf ſein Daſein vor, und heftiger brannte ſeine Bruſt. Fedderic öffnete deshalb ſein Kleid, um derſelben Kühlung durch die ſcharfe Winter⸗ luft zu verſchaffen, welche ihm auch wohlthat und ſeine Qual linderte.

So paſſirte er, ohne es zu wiſſen, die gefähr⸗ lichſte Stelle des Fämundpaſſes, deſſen Gefahr für ihn nicht vorhanden war, da er dort als Knabe geſpielt und als Jüngling dem Weidmanns⸗ werke nachgegangen; als Knabe und als Jüngling aber unzählige Mal Lorſens Heldenthat gehört hatte, die das feurige Gemüth des jungen Men⸗ ſchen nur in ſofern erregte, als derſelbe einſt eben⸗

falls Gefahren zu beſtehen wünſchte.

So paſſirte er ferner auch den zweiten Schen⸗ kel eines ſcharfen Winkels, den der Paß in ſei⸗ ner ganzen Ausdehnung beſchrieb und der ſich zuletzt immer mehr erweiterte.

Vor ihm lagen jetzt die bewaldeten Fjölden in ihrer weiten und zugleich bunten Ausdehnung, die überall das dunkele Grün der Nadelhölzer durch den Schnee blicken ließ, und der junge Mann ſtieg wieder zu Pferde.

Fedderic ritt jetzt ſcharf auf dem einmal ein⸗ geſchlagenen Wege, auf dem er nicht gut fehlen konnte, weil keine Nebenwege von demſelben ab⸗

gingen.

Kedderic von Norrmann. 11

Er überſchritt die Grenze, war in Schweden und immer noch blieb ſich die Straße gleich, das heißt einſam, öde und verlaſſen, wenngleich die Gehölze von Zwergbirken und Krüppeltannen zu beiden Seiten derſelben die Landſchaft ver⸗ änderten.

Ebenſo regte ſich kein Laut, als das Geflüſter eines Schneeballes in den Zweigen der Gebüſche, durch welche er zur Erde fiel.

Denn wenn man von der Natur ſagt, ſie ſei im Winter erſtorben, ſo findet dies in den nördlichen Ländern erſt recht ſeine Anwendung, wo ſelbſt die Winde erſtarren und ſchweigen, damit auch die Luft ihren Winterfchlaf halte. Die Natur ſchlummert hier wirklich, aber ihre Ruhe, ihre Erſtarrung hat etwas feierlich Er⸗ habenes.

Und durch dieſe Stille ertönte jetzt der Huf⸗ ſchlag von Fedderic's Pferd und erſchallte den ganzen Tag durch dieſelbe, ohne daß ſein Reiter ein lebendes Weſen erblickte.

Es ward endlich Abend; die Sonne ſtieg hinter die ſchwachen Umriſſe der Süd⸗Fjölden hinab und die Dämmerung bedeckte mit ihrem Mantel das weite, ausgebreitete Leichentuch der Erde.

Aber im Norden und Nordoſten erglühte de Himmel und Strahlen fuhren an dem Himmels⸗ gewölbe hinauf. Dieſe Strahlen ſchoben ſich nach der Mitte um ein Centrum zuſammen, wie der Fächer ſich zum flachen Stöckchen zuſammenlegt, wenn die zarte Hand der Dame ihn dazu zwingt, und eine mächtige Feuerſäule ſtand am Himmel.

Es war faſt ſo hell wie am Tage, nur daß die Beleuchtung mehr von einem Feuer herzu⸗ rühren ſchien und lange, grelle Schatten über den flammenden Schnee warf.

Noch war die Feuerſäule nicht ausgebrannt, als ſchon neue Zacken emporkamen, ſich faſt bis zum Zenith ausdehnten und ungewiß zitterten.

Ihr Zittern ward ein Flimmern und plötzlich ſtanden drei Monde am Himmel. Dies Spiel dauerte fort und fort.

Fedderic, wie alle Bewohner des Nordens es an ſeiner Stelle gethan haben würden, ach⸗ tete nicht mehr auf den Weg, dachte nicht mehr