Jahrgang 
6 (1851)
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10 edderic von Norrmann.

gegangen, als ſein Fuß an ein Papier ſtieß, das er ſonſt vielleicht nicht bemerkt hätte, welches er aber jetzt aufhob und entfaltete.

Der Mann las:

Der König, unſer vielgeliebter Sohn und Nachfolger, wird dem Vorzeiger dieſer Urkunde eine Bedienung bei Hofe und wo möglich einen Rang unter den Leibtrabanten gewähren. Sol⸗ ches iſt unſer ernſter Wille, welcher reſpektirt werden ſoll; weßmaßen wir denſelben eigen⸗ händig unterzeichnet haben und mit unſerm Königlichen Inſiegel bedrücken laſſen. Carolus XI., Rex.

Sichtlich erſtaunt blieb der Reiter einen Au⸗ genblick ſtehen..

Träume oder wache ich? rief er dann, ſcheu um ſich blickend. Erſt eine mehr als wun⸗ derbare Rettung, und jetzt dies? Gute oder böſe Mächte, wer iſt mit mir im Bunde? Doch gleichviel, ich werde, was Ihr mir geſchenkt, benutzen!

3. Der Bär.

Fedderic von Norrmann hatte kurz vor den zuletzt erzählten Ereigniſſen mit ſeinem zerriſſenen Herzen denſelben Weg genommen, welchen der Flüchtling und hinter ihm her ſeine Verfolger einſchlugeu.

Aber trotz des brennenden Schmerzes ſeiner Bruſt und dem Wirbel, welcher ſeine Gedanken mit ſich fortriß, war er doch darauf bedacht, ſein Leben nicht ſolchen Gefahren auszuſetzen, als jene Reiter, obſchon ihm in dieſem Augenblicke kaum ſo viel an demſelben gelegen ſein mochte, wie ihnen.

Er ſtieg deshalb, bei dem Felſenwege ange⸗ langt, von ſeinem Pferde, zog den Degen aus der Scheide, um ſich darauf zu ſtützen, und ſchritt den gefährlichen Steg, ſein Pferd hinter ſich nach⸗ ziehend, entlang.

Darauf beſchränkten ſich indeſſen auch ſeine Vorſichtsmaßregeln, und ohne weiter außzuſehen,

ſetzte er, in tiefes Nachdenken verſunken, ſeinen Weg auf dem glattgefrornen Schnee fort.

Mit dieſem, einer Art von Eisdecke ähnlichen Ueberzuge des Schnees hat es jedoch folgende Be⸗ wandniß. 4

Bereits im September und Oktober fällt im Norden der Schnee in Maſſen, bedeckt die Wäl⸗ der und Felder, Berge, Thäler, Felſen, Klüfte, Höhen und Gründe; fällt jedoch nicht mehr, ſo bald eine ſchärfere Kälte eintritt.

Dabei hat indeſſen die Mittagsſonne den⸗ noch Kraft genug, den oberen Schnee zu ſchmel⸗ zen, welcher dann in der Nacht wieder gefriert, und ſo bildet ſich allgemach, bis zum wirklichen Eintritt des ſtrengen Winters, eine Eisrinde,

welche ſtark genng iſt, die ſchwerſten Laſten zu

tragen.

Wiederum ein Beweis, wie Mutter Natur zuvorkommend für uns ſorgt.

Denn gerade im Winter, wo meiſtens Berge hoher Schnee die Länder des Nordens bedeckt und die wenigen Straßen noch unpaſſirbarer macht, eilt der Nordländer die Ebene und Hügelterraſſen mit Blitzesſchnelle auf ſeinem Schlitten oder ſei⸗ nen Schneeſchuhen dahin, ſo daß er jedes andere Kommunikationsmittel entbehren kann.

Freilich macht derſelbe Umſtand, welcher der Ebene einen Vortheil gewährt, das Paſſiren der Gebirge, welche ſich dadurch alle in Gletſcher verwandeln, um ſo ſchwieriger und gefährlicher.

Doch es fällt keinem Nordländer ein, ſeinen Stab auf die heimiſchen Alpen, die ungleich wil⸗ der und zerriſſener, als die Schweizer, wenn auch nicht von deren Höhe ſind, zu ſetzen, ohne gehörig dazu ausgerüſtet zu ſein.

Und dies war denn auch Fedderic. Seine

ſchweren, mit Eisſporen, wie mit Reiterſporen

verſehenen Stiefeln ſicherten ſeinen Schritt, ſowie die mit drei ſcharfen Stollen verſehenen vier Eiſen des Pferdes daſſelbe gegen ein Ausgleiten

ſchützten. 1

Da der junge Mann alſo dieſe Gefahren

nicht zu fürchten brauchte, ſo iſt es natürlich,

daß er nach den gedachten Vorkehrungen jene

auch nicht weiter beachtete. Vielmehr gab er ſich, immer mehr die Um⸗

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