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edderic von Norrmann. 9
— Vo haſt Du den Flüchtling? ſchrie man ihm zu.
— Gieb ihn heraus, oder—!
— Verdammt! brüllte ein Soldat, Hufſchlag ſeines Roſſes vernahm, Du haſt ihn durchgelaſſen; das koſtet Dein Leben!
— Was wollt Ihr, Herren? verſetzte Lorſen ruhig, daß ein alter, ſchwacher Greis dem Ver⸗ langen des bewehrten Mannes entgegenſetzen ſollte. Ich habe ihn durchgelaſſen, ja; aber ich werde auch Euch durch das Haus führen, und ſo Ihr Euch eilt, müßt Ihr ihn bald ein⸗ holen!
— So Reiter.
Lorſen führte die Verfolger durch das Haus, wie er den Verfolgten durch daſſelbe geführt, und
mach' fort! ſchrieen die wilden
beſchrieb ihnen den Weg, wie er es Jenem ge⸗
than; nur ließ er das Ende ſeiner Beſchreibung diesmal fehlen und ſagte ſtatt deſſen:
— Doch gebt wohl Achtung, der Weg iſt gefährlich!
— Das ſei unſere Sorge; aber Du wahre Deine Haut, wenn Jener uns entkommt und wir zurückkehren! rief der Führer.
— Ihr werdet nicht zurückkehren! murmelte der Alte, als die Reiter davonſprengten.
Doch dieſe hörten ſeine Worte nicht, und bald ritten ſie hintereinander auf dem ſchmalen, ge⸗ fährlichen Pfade dahin, wie es einſt die Hundert⸗ fünfzig gethan, um eben ſo wie dieſe den grauſen Sprung zu machen.
Denn wie der Verfolgte nicht die Gefahr des ſchwindelnden Weges beachtete, weil er die grö⸗ ßere zu vermeiden hatte, ſo kehrten ſich auch die Verfolger nicht an die ſchauerliche Tiefe neben ihnen, da ſie nur daran dachten, den Erſteren zu erreichen.
Dieſer folgte ganz ge au den Anweiſungen des alten Mannes; er ſah den Hügel, welcher
wie Alles mit einer giegelglatten Schneedecke
überzogen war und ſannelte ſein Pferd, indem er die Gangart deſſelber verkürzte.
Er erreichte die Spitze des Hügels, berech⸗ nete die Stärke der Wendung, welche er zu machen hatte und geſta ete dem Roſſe eine kurze
der den
Raſt, welcher das ermüdete Thier nur zu gern nachkam. Als dber der Vorderſte ſeiner Verfolger ſah, wie der Raum zwiſchen dem Flüchtling und ihm ſich verringerte, gab er dem Roſſe die Sporen und rief:
— Vorwärts, wir haben ihn!
Alle Reiter machten nach, was der Führer ihnen vorgethan, und Alle jagten im verſtärkten Galop der verhängnißvollen Stelle zu, wo ſie ihr Ende finden ſollten und die der Flüchtling bereits erreicht hatte.
Ungleich beſſer bedacht hinſichtlich der Zeit, als ſein Wegweiſer einſt, hatte dieſer in Muße kalt und ruhig ſeinen Sitz verlaſſen und ſtand bereit, ſein Pferd dem vorderſten Reiter mit der Linken entgegenzuſtoßen, während die Rechte das gehobene Schwert hielt.
Schnellen Laufes gelangte der vorderſte Rei⸗ ter auf die Spitze des Hügels; ſein Pferd ſchnob, er ſelbſt erbleichte und ſchrie:
— Gott ſteh' mir bei!
Doch noch im Fortſchießen, erhielt e er durch den Anlauf ſeines Hintermannes einen Stoß, der jedes Pariren unmöglich machte.
Noch ein Angſtruf und er ſchwebte einen Moment in der Luft, um dann auf immer zu verſchwinden.
Zehn ſolcher Verzweiſlungsſchreie zitterten durch die Winterluft, durch das leiſe, dumpfe Brauſen der wüthenden Elf, und alle beantwortete ein ſchneidendes Hohngelächter.
Da ward es ſtill, wie zuvor, und von den f menſchlichen Weſen, welche vor einem Augenblicke noch lebend an dieſer gefährlichen Stelle geathmet hatten, neigte ſich nur derjenige, welchen die andern zehn verfolgten, finſter über den Rand des Abgrundes. Doch der Mann ſah nichts und ſein Roß wieherte, als habe es eine Ahnung davon, in welcher Gefahr es ſelbſt geſchwebt.
— Ah gutl rief der Mann endlich mit einem ſchweren Seufzer; wir ſind geborgen!
Nach dieſen Worten ſchritt er, das Pferd am Zügel führend, an dem Abhange fort.
Er war ar indeſſen noch keine hundert Schritt


