Jahrgang 
5 (1851)
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natürlich. Daher fand der Herr von Kamenz Muße, unterwegs zu überlegen, wie er die Eröffnungen, welche er zu machen hatte, am beſten einleite und einkleide.

Dem alten Herrn ſchien die größte Vorſicht nöthig, deshalb ſagte er zu ſeinem Begleiter, als ſie ſpät am Abend das Schloß erreichten:

Sie werden ſo lange draußen verweilen, bis ich Sie rufen laſſe!

Gut, Herr Major! antwortete dieſer.

Vielleicht werden wir heute noch gar keine Schritte thun können, als höchſtens die Verlobten auseinander zu bringen, was jetzt ja ohnehin ſchon geſchehen.

Ich überlaſſe Ihnen Alles, mein Herr!

Ein trauriges Geſchäft! brummte der Major, vom Wagen ſteigend, und trat in das Haus, wo er in aller Stille ſich dem Herrn von B. allein melden ließ. Dieſer hieß ihn herzlich willkommen.

Mein theurer Freund, hob der Major an, es ſind uns noch mehr Ueberraſchungen bereitet.

Sie erſchrecken mich, Herr Major! rief Herr von B.

Ich denke nein; denn wenn die Angaben des Mannes wahr ſind, ſo haben wir Roberts wirklichen Vater gefunden!

Mein Gott, welch Zuſammentreffen! Sollte es nicht beſſer ſein, Vater und Sohn in dieſem Augenblicke von einander fern zu halten?

Ich habe es verſucht, lieber Neffe; doch der Mann drängt zu ſehr.

Ich kann es mir denken.

Wollen Sie mich aber unterſtützen, ſo will ich nochmals ſehen, was ich vermag.

Ich folge Ihrer Meinung, Herr Major. Darf der junge Mann ſich ſeines Vaters nicht ſchämen?

Dies dächte ich nicht; obgleich ein Dunkel auf ihm zu ruhen ſcheint, welches ich nicht zu erhellen wagte, ſo iſt er wenigſtens Edelmann.

Edelmann! und ſein Name?

Franz von M.

Herr Major! rief der Regierungsrath entſetzt, unmöglich!

Ich wiederhole nur, was man mir ge⸗ ſagt, Neffe!

Unmöglich, ſage ich Ihnen, Onkel! Franz von M. iſt vor zwanzig Jahren eines gewalt⸗ ſamen, aber unzweifelhaften Todes geſtorben!

Dies iſt mir nicht bekannt, aber ſprechen Sie ſelbſt mit dem Manne.

Halt, theurer Oheim! und wenn der Mann Franz von M. wäre, was hat er für Beweiſe, daß Robert ſein Sohn iſt?

Die genaue Kenntniß von Thatſachen, die mit Roberts Erſcheinung zuſammentreffen und paſſen, und ſich nicht wegleugnen laſſen, ſowie eines Maales, welches der Knabe mit auf die Welt gebracht, und dann, lieber Neffe, eine Aehnlichkeit, die zwar wegen der Altersverſchie⸗ denheit nicht ſofort auffällt, aber bei genauerer Vergleichung ſprechend erſcheint; dies Letztere iſt meine eigene Bemerkung!

Sie vernichten mich, Herr Major!

Aber ich begreife nicht

Oh, iſt der Mann Franz von M., und Robert ſein Sohn, ſo iſt ſo iſt mein Gott, welche Verwickelung mir ſchwindet der Verſtand!

Der Baron legte die eine Hand an ſeine Stirn, und verſuchte ſich mit der andern an dem Tiſche zu halten. Den Major überlief es fortwährend ſiedend heiß.

Es ſcheint wahr zu ſein, murmelte er, und der Aermſte Kenntniß davon zu haben.

Neffe, ſagte er laut, wir müſſen Män⸗ ner ſein; ich begreife Ihren Schmerz und Ih⸗ ren Schreck.

Oh, Sie begreifen, Oheim! Doch unmöglich, wenn Sie wüßten

Ich weiß, Neffe, ich weiß Alles!

Mein Gott, arme Hedwig, arme Con⸗ ſtance, armer Robert! Meinen Schmerz und Schreck wollte ich gern ertragen. Aber dies Al⸗ les auf einmal! Herr im Himmel, giebt es denn kein Mittel, das Grauſame abzuwenden? Die⸗ ſer Schreck wird ſie tödten!

Ruhe, Beſinnung, Neffe! mahnte der Major, die Hand des Barons ergreifend. Sie dürfen noch nichts wiſſen.

Ach ja, Sie haben Recht! Aber noch zeifle ich; noch giebt es für mich eine ſchwache Hoffnung!

Der Regierungrath rief einen Diener und

ſchickte ihn fort, um Robert zu bitten, herabzu⸗

kommen. kunden.

Vater! rief der junge Mann überraſcht und umarmte den Major.

Armer Jungel ſagte der Letztere.

Einen Augenblick, Robert! rief der Ba⸗ ron aufgeregt, zeige mir Deine Bruſt, mein Sohn!

Robert zögerte erſtaunt.

Thu' es, mein Junge! mahnte der Ma⸗ jor, und verwundert von Einem zum Andern blickend, that der junge Mann, wie ihm geheißen.

Er iſt es! ſtieß der Regierungsrath her⸗ vor, als er das Maal erblickte, und ſank auf einen Stuhl.

Derſelbe erſchien nach wenigen Se⸗