Jahrgang 
5 (1851)
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An und auf der See.

page nur noch Robert und die kleine Nanny

am Leben.

Ich muß den Schweden haben, und wenn wir Alle dabei draufgehen! rief aber der Pi⸗ rat, und man wagte nicht, ihm zu widerſprechen.

Im Hafen von Funchal ward mit dem Schooner eine Veränderung vorgenommen, Ka⸗ nonen und Waffen verſchwanden und aus dem Schooner ward eine ſtattliche Brigg. Der Schooner ging wieder nach Norden und begann, die portugieſiſchen, ſpaniſchen und franzöſiſchen Häfen zu unterſuchen. Doch nirgend zeigte ſich von dem Schweden eine Spur.

Unterdeſſen war Robert bereits in ſeiner Heimath angelangt; und als das Schiff den Kanal erreichte, murrten die Banditen, daß ihnen ſo manche Beute entgangen.

Was wollt Ihr? fragte der Kapitain, indem er ein Piſtol nahm.

Die Meuterer wagten nicht zu antworten, ſon⸗ dern beruhigten ſich.

Fran, ich begreife Dich nicht! ſagte Ru⸗ dolph, als ſich Beide allein befanden; was iſt Deine Abſicht?

Meine Abſicht, Rudolph? Ich will es Dir ſagen. Der junge Seemann, welcher ſich bei uns an Bord befand, iſt mein Sohn, und ich will ihn wiederhaben!

Dein Sohn? Aber woher weißt Du dies?

Haſt Du das Muttermaal auf der Bruſt des Kindes vergeſſen, welches Hedwig gebar? Ich nicht.

Rudolph ſann nach.

Bei Gott, Du haſt Recht, Franzl rief er.

Der Schooner ſegelte in den Kanal hinein und ſteuerte in die Nordſee. Die Piraten war⸗ fen ſich beſorgte Blicke zu; dieſe Gegend war für ſie in der vorgerückten Jahreszeit die ge⸗ fährlichſte. Deſſenungeachtet ging es unauf⸗ haltſam dem Sunde zu; das Schiff paſſirte den⸗ ſelben, kam Mitte Dezember in die Oſtſee und trieb ſich mehrere Tage zwiſchen dem Eiſe um her, ohne ein Fahrwaſſer auffinden zu können.

Da ſprang ein heſtiger Nordweſt auf und zerriß die Eisdecke; am 24. Dezember trat Thau⸗ wetter ein, der Wind ward zum Sturme und der Pirat ward auf die Inſel Rügen zugetrieben.

Als der Kiel des Schiffes zum erſten Male aufſtieß, gab es mit Ausnahme des Kapitains nur ſinnlos Betrunkene am Bord, denn die Ban⸗ diten hatten in ihrer Verzweiflung, wie dies öfter bei ſcheiternden Schiffen geſchieht, die Wein⸗

und Branntweinfäſſer zerſchlagen, um bewußtlos Franz aber warf

dem Tode entgegenzugehen.

ſich in die Wogen und verſuchte ſchwimmend das Land zu erreichen, was ihm auch gelang.

Franz von M. kannte ſeine Heimath trotz ſeiner langen Abweſenheit zu genau, um nicht zu wiſſen, wo er ſich befand. Er wendete ſich Jasmund zu und erreichte die erſten Weiler der Halbinſel, als das Feſt bereits begonnen.

Noch an demſelben Abende wußte er, nach⸗ dem er ſich anders gekleidet, nach Sagard zu gelangen und erfuhr alle merkwürdigen Ereig⸗ niſſe der letzten Zeit. Am nächſten Morgen fuhr er nach dem Baumhauſe, woſelbſt er nur ein altes Weib und deren beide Töchter antraf.

Nach vielen Geldgeſchenken und umſtändli chen Fragen gelang es ihm endlich, in Erfah⸗ rung zu bringen, was er zu wiſſen wünſchte, worauf er ſogleich eilig nach Sagard zurückfuhr. Hier nahm Franz von M. Poſtpferde und eilte nach Schloß K. Die Geſchichte deſſelben war ihm bekannt, nur über Hedwig hatte er nichts Beſtimmtes erfahren können, als daß ſie verhei⸗ rathet ſei.

Der Major von Kamenz war in Folge der Fröhlichkeit, welche ſeine Beſcheerung hervorge⸗ rufen, in der heiterſten Laune, als man ihm den anlangenden Beſuch meldete, der ihm wirklich augenblicklich nicht unwillkommen war, und er ging dem Fremden bis zur Hausthür entgegen.

Der Herr Major von Kamenz? fragte Franz.

Der bin ich, und wen darf ich willkom⸗ men heißen?

Der Pirat nannte irgend einen beliebigen Namen und fügte hinzu:

Sie haben einen Sohn Namens Robert?

Gewiß, gewiß, mein Herr.

Nun, mit dieſem bin ich auf ſeinen Rei⸗ ſen zuſammengetroffen, wir ſind Freunde gewor⸗ den und ich beabſichtige, ihm bei meiner An⸗ weſenheit einen kurzen Beſuch abzuſtatten.

Ah, da wird ſich der Junge freuen! Treten Sie ein, mein Herr.

Als ſich Franz im Zimmer befand, erfuhr er, daß Robert abweſend ſei, und er erſchrak, da er ihn auf einer neuen Reiſe glaubte.

Nein, nein! ſagte der Major lächelnd, er beſucht nur ſeine Braut!

Seine Braut? fragte der Pirat.

Nun ja, oder wenn Sie wollen, Seine Couſine und deren Eltern!

Seo ſo, das iſt mir lieb und nicht lieb; ich hätte ihn gern getroffen.

Ich bitte Sie, mein Gaſt bis zu ſeiner Rückkehr zu ſein, mein Herr.

Franz von M. nahm die Einladung an und