Jahrgang 
7 (1867)
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Kleines Roman⸗Magazin.

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er bewunderte und lobte mich, denn er war ein Kenner, da er der Schüler von Donizetti's Bruder iſt, der ſich damals als Muſik⸗ director in Conſtantinopel aufhielt. Ich war indeſſen ſehr glücklich, als man mich gnädigſt verabſchiedete und ich meines Weges gehen durfte.

Athen. Wer Athen vor vierzig Jahren geſehen hat und es nun wieder beſucht, der muß von der Umwandlung, die es erfahren, nicht wenig überraſcht ſein. Damals war die ganze Herrlichkeit ein albaneſiſches Dorf, am nördlichen Fuß der Akropolis hingekauert, ein abſtoßender Anblick! jetzt iſt es eine freundliche Stadt von 2000 Häuſern und 45,000 Seelen zwiſchen dem Fuß der Akropolis und dem des Lykabettus. Die eigentliche Neuſtadt, welche ſeit drei⸗ ßig Jahren entſtanden iſt und ſich täglich vergrößert, umfaßt den Raum zwiſchen der Hermesſtraße und dem Univerſitätsplatz. Hier ſind die Häuſer geräumiger und meiſt von einem Garten umgeben, und die hübſcheſten ſtehen in der Nachbarſchaft des königlichen Schloſſes. Man erkennt ſogleich den Styl der bayriſchen Architekten und möchte ſich in einen der neuen Stadttheile von München ver⸗ ſetzt glauben. Die Façaden und Gartenmauern ſind faſt alle blen⸗ dend weiß angeſtrichen, was in einem Lande, das von Licht über⸗ goſſen iſt, ſein Unzuträgliches hat; bei einigen iſt die Farbe himmel⸗ blau. Die Straßen in dieſem Stadttheil ſind im allgemeinen rein⸗ lich, gepflaſtert, mit Trottoirs verſehen, manche ſogar mit Bäumen eingefaßt, und führen Namen wie Capodiſtrias⸗, Kolokotronis, Phil⸗ hellenen⸗Straße und dergl., welche mit großen Buchſtaben ange⸗ ſchrieben ſind. Die ganze Stadt hat Gasbeleuchtung, auch finden ſich einige Brunnen mit Trinkwaſſer; aber Säulengänge, welche im Süden ſo gut angebracht ſind, fehlen in Athen, wie überhaupt im Orient. Unter den hervorſtechendſten Gebäuden der Neuſtadt iſt zuerſt das königliche Schloß zu nennen. Es wurde im Jahre 1836 begonnen und 1843 vollendet, iſt von anſehnlicher Größe, rechteckig, mit einer Freitreppe und einem Vorplatz, der theilweiſe mit Bäumen bepflanzt, theilweiſe der Sonne ausgeſetzt iſt. Nach hinten hat es einen Garten, der dem Publikum offen ſteht, und den die Exkönigin Amalie mit Vorliebe gepflegt hatte. Seit kurzem hat König Georg die Büſten von Capodiſtrias und Eynard hier aufſtellen laſſen. Den zweiten Rang nimmt ohne Frage das Univerſitätsgebäude ein, wel⸗ ches durch den däniſchen Architekten Hanſen im Jahre 1837 mit dem Ertrage einer National⸗Subſcription unternommen, aber erſt nach der Revolution von 1862 auf Koſten eines Herrn Bernardakis vol⸗ lends ausgeführt wurde.

Atheniſche Alterthümer. Unter den Zeugen der Vergangen⸗ heit in Athen bemerkt man in erſter Linie ein monumentales Thor, nach ſeiner Inſchrift zur Ehre von Cajus und Lucius, Adoptivſöhnen des Auguſtus, errichtet. Das Thor beſteht aus vier doriſchen Säulen mit einem Giebel darüber. Es war ein municipales Gebäude. Man ſieht auf einem noch ſtehenden Pfeiler ein Dekret des Kaiſers Hadrian, den Verkauf von Oel und Salz betreffend. Dazu hat der mittlere Säulendurchgang die doppelte Weite von den andern, wor⸗ aus zu ſchließen iſt, daß er für Fuhrwerke und Laſtthiere beſtimmt geweſen ſein mag. Gleichfalls dem öffentlichen Nutzen gewidmet und den Markt zum Standort fordernd iſt der Thurm der Winde, ein kleines, achteckiges Gebäude, deſſen Fuß etwas in den Boden eingeſenkt iſt. Auf jeder Seite zeigt es das Bild eines der Winde, und ein oben angebrachter Triton verſah den Dienſt der Wetterfahne; innen im Thurm befand ſich eine Waſſeruhr und außen ein Sonnen⸗ zeiger. Wunderbar gut erhalten iſt der in doriſchem Styl ge⸗ baute Theſeustempel; er ſteht auf einer Fläche, die jetzt den griechiſchen Soldaten als Exerzierplatz dient. Wie bei allen griechi⸗ ſchen Tempeln iſt ſeine Eingangspforte nach Oſten gewendet, was bei den byzantiniſchen und gothiſchen Kirchen gerade umgekehrt iſt; hier müſſen die Gläubigen, wenn ſie vor den Altar treten, den Sonnenaufgangshimmel vor Augen haben, während in den heidni⸗ ſchen Tempeln die Bildſäule des Gottes dieſer Gegend zugekehrt ſtand. Die rieſenhaften Trümmer des Jupitertempels ziehen weiterhin den Blick mächtig an. Außer einigen Mauerreſten ſind noch dreizehn korinthiſche Säulen übrig, welche durch ihre Architrave zu⸗ ſammenhängen, zwei weitere ſtehen iſolirt und eine dritte, welche im

Jahre 1852 durch einen Sturm niedergeworfen wurde, imponirt noch durch ihre mächtigen Schaftſtücke. Die Höhe dieſer Säulen beträgt mehr als zwanzig Meter und man kann ſich vorſtellen, wie lilliputiſch ſich die zwei oder drei Kaffeehäuſer dagegen ausnehmen, die ſich zu Füßen dieſer Koloſſe angeniſtet haben. Nähern wir uns nun der Akropolis, um einen Blick auf die jüngſten Ausgrabungen zu werfen, welchen man die Aufdeckung des großen Bacchustheaters ver⸗ dankt. Ungefähr kannte man den Standort dieſes berühmten Ge⸗ bäudes, aber es war ganz vom Boden verſchlungen, der hier auf der Südſeite der Burg ſehr abſchütſſig iſt. Man hatte wiederholt nach dieſem Schatze ſondirt, aber ohne allen Erfolg, bis im Jahre 1862 Herr Strack, Mitglied der nach Athen geſchickten preußiſchen Architektenkommiſſion, ſo glücklich war, ſeine Ausgrabungen gerade über der alten Orcheſtra vorzunehmen und einen der Marmorſitze, welche ſie umgaben, an's Licht zu fördern. Von jener Zeit an ließ ſich die archäologiſche Geſellſchaft in Athen die Nachwühlung ange⸗ legen ſein und ſo iſt das ehrwürdige Bauwerk heute vollſtändig auf⸗ gedeckt. Die Gliederung der Bühne iſt, wie gewöhnlich bei den alten Theatern, faſt ganz verſchwunden, aber die Zuſchauerſitze zeigen noch hier marmorne Stufenreihen, wie ſie durch Treppen in dreizehn Eckflächen oder Felder abgetheilt ſind. Die Orcheſtra hat mäßige Verhältniſſe und ſtammt augenſcheinlich aus der römiſchen Zeit, wo die Chöre abgeſchafft waren. Am beſten erhalten iſt eine Reihe marmorner Armſeſſel mit den Namen der Beamten, denen ſie vor⸗ behalten waren, der Archonten, Thesmotheten, Prieſter u. ſ. w. Die Mauer, welche die Bühne trug, iſt mit Relieffiguren verziert. Es wäre noch vom Odeon, Areopag, Gefängniß des Sokrates und von vielem Andern zu ſprechen, aber wir eilen zur Akropolis ſelbſt, über die ſich ein ganzer Band ſchreiben ließe, der dann immer noch ſkizzenhaft bliebe. Die Akropolis iſt ein Fels von 154 Meter Höhe und überall abſchüſſig, außer gegen Weſten, wo er durch einen ziemlich ſteilen Hang zugänglich iſt. Der Gipfel iſt eine unregel⸗ mäßige elliptiſche Fläche von 900 Fuß Länge und 400 Fuß Breite in ihrem größten Durchmeſſer. Hier war die Wiege der Stadt des Kekrops, die erſte Markung der Stadt Athen. Allmälig ſtiegen die Wohnungen in die Ebene herab, die Akropolis wurde eine Burg, ein Zufluchtsort in Kriegszeiten, ein Heiligthum für die nationalen Gottheiten und hatte nur noch Staatsgebäude. Von Natur ſchon feſt, wurde die Akropolis noch mit Vertheidigungsmanern verſehen, welche von den Perſern theilweiſe zerſtört, von Themiſtokles und Kiman wieder aufgebaut und in verſchiedenen Epochen des Alter⸗ thums und des Mittelalters erneuert wurden, aber immer nach dem urſprünglichen Plane. Die Propyläen wurden unter Perikles als Portal der Akropolis durch den Architekten Mneſikles mit einem Aufwand von 11 Millionen Franken ganz aus penteliſchem Marmor erbaut. Obwohl noch ſehr erkennbar, ſind ſie doch aus dem Sturm der Zeiten arg verſtümmelt hervorgegangen. Hundert Schritte ent⸗ fernt auf der höchſten Warte der Akropolis ſehen wir das Panthenon, ein der Minerva geweihtes Gebäude, welches zu Volksfeſten und hauptſächlich zur Vertheilung der in den Panathenäen gewonnenen Preiſe diente. Dieſer wunderbare Tempel, ſo verwüſtet, zerſchmet⸗ tert und ausgeraubt er iſt, macht heute noch einen ſiegreichen Ein⸗ druck von Hoheit und Harmonie; er iſt das Herrlichſte, was die antike Kunſt geleiſtet hat, und reizt die Neueren zum unabläſſigen Studium. Das letzte der Akropolis⸗Denkmäler iſt der Tempel des Erechtheus, nicht weit vom Parthenon, an der nördlichen Burg⸗ mauer. Es enthält die Heiligthümer der Minerva, Stadtſchirmerin und der Tochter des Kekrops; die heilige Schlange, der Oelbaum der Minerva, der Sprudel des Neptun waren vom Erechtheum umſchloſſen, auch die Statue der Minerva Polias aus Oelbaumholz, welche vom Himmel gefallen ſein ſollte. Vor ihr ſchwuren die jun⸗ gen Athener, wenn ſie in das waffenfähige Alter traten, daß ſie das Vaterland vertheidigen wollten bis in den Tod.

Rußland.

Die Rihiliſtinen in Petersburg. Der Nihilismus hat drei Angel⸗ punkte, bei denen er die ſociale Frage anfaßt. Sie heißen: die Autorität,

das Eigenthum, die Ehe. Er verwirft jede Autorität und ver⸗

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