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Kleines Roman⸗Magazin.
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wirft ſie auf jedem Gebiete; er verwirft das Eigenthum in dem Sinne, in welchem es in Folge eines hiſtoriſchen Prozeſſes gegen⸗ wärtig in Europa beſteht, und er verwirft die Ehe. Weun er aber das Weib befreien und dem Manne gleichſtellen will, ſo fängt er wenigſtens, wie auf dem großen Gebiete des Staatslebens, auch hier nicht mit der Theorie, den Formen und der Zerſetzung an, ſondern wird practiſch. Er ſucht das Weib zuerſt thatſächlich zum Manne zu erheben, ehe er demſelben die gleichen Rechte einräumt; er ſucht das Weib zu bilden und zur Arbeit zu erziehen. Denn ſein Hauptgrundſatz iſt: nur die Arbeit macht frei, nur die Arbeit begründet Eigenthum und Rechte. Es gewährt ein eigenthümliches Schauſpiel, wenn gegenwärtig in Petersburg wie auch in allen größeren Städten Rußlands ſchlanke Frauen⸗ und Mädchengeſtalten in der kleidſamen Tracht der Nihiliſtinen, mit dem„papyros“ (Cigarette) zwiſchen den roſigen Lippen, in den Cafghäuſern ſitzen und die Zeitungen leſen; mit Mappe und Büchern unter dem Arme durch die Straße ſchreiten; in den Sälen der Bibliotheken ſtudiren und excerpiren, oder in den Hörſälen aufmerkſam den Vorträgen über Geſchichte, Philoſophie, Chemie, Phyſik, Völkerrecht u. ſ. w. lauſchen. Das ganze ruſſiſche Leben koncentrirt ſich ſeit einiger Zeit zu energiſcher Cultur⸗Thätigkeit, um das viele Verſäumte nachzuholen. In dieſem Sinne iſt auch der neue Roman des großen, in ganz Europa anerkannten Dichters Turgénjew, welcher vor Kurzem unter dem Titel:„Dym“(Dunſt) die Preſſe verlaſſen hat, gegen die Ruſſen im Auslande gerichtet.
Ein großes ruſſiſches Anternehmen. Der Genieoberſt Lebe⸗ diew iſt von der ruſſiſchen Regierung beanftragt, Studien behufs der Anlage eines Kanals zu machen, der das weiße Meer mit dem baltiſchen verbinden ſoll. Das Unternehmen ſcheint auf den erſten Blick ungeheuer, iſt aber leichter auszuführen, als man denkt. Die großen Seen Onega und Ladoga liegen zwiſchen den beiden Meeren; ſie, die Dwina, Onega uud viele kleinere Flüſſe ſtellen die Verbin⸗ dung zum großen Theil von ſelber her und liefern Waſſer genug, um einen großen Kanal zu ſpeiſen. Das Niveau der Meere iſt bei⸗ nahe daſſelbe, das Land zwiſchen beiden eben und der Grund und Boden beinahe werthlos, ſo daß die Ausführung eben ſo leicht als billig zu bewerkſtelligen iſt. Archangel würde durch den Kanal außerordentlich gewinnen und die Schifffahrt in die Nordmeere ſehr erleichtert werden. Man muß ſich nur wundern, daß man ſo ſpät auf den Gedanken verfällt. Es iſt das Ei des Columbus.
Amerika.
Das Brivatleben des Präſidenten Johnſon. Herrn John⸗ ſons Stunden für den Empfang ſeiner Beſucher ſind von 8—11 Uhr Abends. Er ſteht pünktlich um 6 Uhr Morgens auf, verwendet ein paar Stunden auf das Leſen von Zeitungen, oder ſolcher Bücher, die ihm gerade gefallen, und frühſtückt mit ſeiner Familie um 8 Uhr Morgens. Von 9—4 Uhr liegt er ſeinen Amtspflichten, Cabinets⸗ ſitzungen und der Maſſe von Geſchäften, die ſeine Stellung mit ſich bringt, ob. Um 4 Uhr verläßt er ſeine Office, und ſpeiſt mit ſeiner Familie um 5 Uhr. Den Nachmittag nach Tiſche, bis 8 oder 9 Uhr Abends, verwendet er zu Spazierfahrten oder zu großen Spazier⸗ gängen, zu Spielen mit ſeinen Enkeln, deren fünf bei ihm im Weißen Hauſe leben, oder zu irgend welchen anderen Uebungen und Zer⸗ ſtreuungen. Der Präſident ſoll ein ſehr großer Freund von Kindern ſein, und iſt oft auf dem Balkon des Weißen Hauſes mit zwei oder drei Kindern auf ſeinen Knieen, oder in ſeiner Kutſche mit einem halben Dutzend derſelben, die auf allen Seiten an ihm herumklet⸗ tern, zu ſehen. Von 8 oder 9—11 Uhr und oft noch ſpäter empfängt er Beſucher. Die Karten der Beſucher werden ſofort bei deren An⸗ kunft in Empfang genommen, und dem Präſidenten überbracht, und dieſer ſucht unter den auf ſeinem Pult liegenden Karten die Herren heraus, die er zunächſt zu ſehen wünſcht, die dann vom Thürſteher aufgerufen, und in das Empfangszimmer geführt werden. Wenn der Präſident glaubt, genug Beſucher empfangen zu haben, wird den im Vorzimmer noch Harrenden dieſes mitgetheilt, und bleibt dieſen dann nichts übrig, als ſich zu entfernen. Die Aufwärter im Weißen Hauſe erzählen mit Verwunderung, mit welcher Schnelligkeit der
Präſident ſich entkleidet und in das Bett ſpringt. Sie ſagen, daß kaum fünf Minuten nach Entlaſſang des letzten Beſuchers die Lichter in ſeinem Schlafzimmer ausgelöſcht ſind, und er ſchon im Bette liege. Er wirft ſeine Kleider ohne Umſtände von ſich und ſchläft faſt von demſelben Augenblicke an, wo ſein Kopf das Kopfkiſſen be⸗ rührt, worauf man dem alten Sprichworte nach, auf ein gutes Ge⸗ wiſſen und geſunde Verdauung ſchließen ſollte. Nach den im Weißen Hauſe beobachteten Regeln haben die Bundesſenatoren den Vortritt vor Allen, außer den Cabinetsminiſtern, und Congreßmitglieder den Vortritt vor der übrigen Menſchheit. Bisweilen wird eine ſpezielle Ausnahme gemacht.
Hauszins in Newyork. Am Brodway giebt es zwiſchen der Battery und Union Square ungefähr 900 Häuſer, deren Werth auf der Steuerliſte— Kirchen und öffentliche Gebäude ausgenommen — nur zu 5 ,300,000 Dollars veranſchlagt iſt. Wenn man dagegen den Werth derſelben nach dem Mieihzins, den die Hausbeſitzer dafür fordern, abſchätzte, ſo würde man finden, daß 500,000,000 Dollar denſelben viel richtiger bezeichneten. Aſtor⸗Houſe iſt z. B. nur zu 700,000 Dollars in der Steuerliſte, während Herr Stetſon für das Hotel und Zubehör allein jährlich 60,000 Dollars Miethe bezahlt und die dabei nicht eingeſchloſſenen Kaufläden ebenfalls für große Summen vermiethet ſind. Es iſt unmöglich, ein einziges Zimmer in einem neuen Gebäude in Broadway, das zu einem Geſchäft geeignet iſt, für eine geringere Summe als 1000 Dollars jährlich zu miethen, und in manchen Fällen bringen jetzt Häuſer ſo viel Zins ein, wie der Neubau derſelben vor fünf Jahren koſtete. Nicht blos am Broadway, ſondern überall in Newyork und Brooklyn haben die Hausbeſitzer ihre Miethpreiſe ſehr erhöht, und zwar weit über die von den Steuerbeamten feſtgeſetzten Preiſe, welche gewöhnlich nur die Hälfte der wirklichen Preiſe ſind. Häuſer, welche vor wenigen Jahren zu 300 Dollars und wie man glaubte, ſehr theuer vermiethet waren, ertragen jetzt einen Miethzins von 1000 Dollars und mehr. Man glaubt, daß die Hausbeſitzer jetzt ihren höchſten Punct erreicht haben und daß die Miethpreiſe bald ſinken müſſen. Häuſer, welche ſeit langer Zeit zum Verkauf angeboten waren, werden jetzt vermiethet und daher hat der Miether die Auswahl unter einer Menge ſchöner Wohnungen.
Der kühlſte Blatz. Ein New⸗Yorker Prediger läßt bei der jetzt ſtatthabenden großen Hitze in den Blättern anzeigen, daß ſeine Kirche der kühlſte Platz in der ganzen Stadt ſei, um dadurch eine zahlreiche Gemeinde, an der es ihm ſonſt mangelt, heran⸗ zuziehen. Es ließen ſich, wie verlautet, auch Viele wirklich da⸗ durch anlocken und genoſſen im kühlen Raume eines erquickenden Schlummers.
Eine bemerkenswerthe Entdeckung. Eine ſolche iſt in Nord⸗ amerika in der Nähe des Waſſerfalls des Potomacfluſſes, oberhalb Waſhington, gemacht worden. Dort fand man nämlich einen Runen⸗ ſtein, deſſen Inſchrift einem im Jahre 1051 verſtorbenen, isländiſchen Weibe Suaſu gilt. Der Fund iſt ein weiterer Beweis, daß ſchon gegen 500 Jahre vor Columbus ſkandinaviſche Nordländer die amerikaniſche Küſte beſucht haben. An derſelben Stelle ſind auch Bruchſtücke von Zähnen, Bronzeſchmuckſachen, Münzen und andere Alterthümer zu Tage gefördert worden.
Die Faciſic⸗Eiſenbahn. Dieſe Bahn, welche den Miſſouri mit dem Saeramento verbinden ſoll, wird in drei Jahren vollendet ſein. Der noch unfertige Theil umfaßt eine Strecke von 4000 Kilometern, d. h. etwa die Entfernung zwiſchen Liſſabon und Paris; aber man legt täglich bis zu 4 Kilometern Schienen, indem man von zwei Seiten zugleich anfängt. Das Terrain iſt im Allgemeinen ſehr günſtig, der Boden der Prairien iſt von ſelbſt nivellirt und die Durchbohrung der Felſengebirge und der Sierra Nevada von Cali⸗ fornien nimmt nur ein paar Tunnels von etwa 500 Metern Länge in Anſpruch. Die Länder, welche von dem Schienenwege durch⸗ ſchnitten werden, ſind in verſchiedener Hinſicht intereſſant. Unter anderen gehören dazu die ſilber⸗ und kupferreichen Staaten Colorado und Nevada, ſowie das von den Mormonen bewohnte Territorium. Wenn die Bahn erſt vollendet iſt, ſo werden die weſtlichen Staaten Nordamerika's der Civiliſation zugänglich, und damit wird eines


