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Kleines Roman⸗Magazin.
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vinz mittelſt eines Manifeſtes von dieſen Entdeckungen Kunde gegeben und ſie auf die Reichtbümer ihres Bodens aufmerkſam gemacht. Reichthümer, welche die Natur ſeit Jahrhunderten zur Benutzung anbot, während ſie die Unthätigkeit und Unwiſſenheit der Menſchen unausgebeutet ließ.
Die Kirche St. Johann und St. Baul in Benedig. Dieſe iſt am 16. d. durch eine Feuersbrunſt zerſtört worden, wurde aus⸗ gebaut von 1246 bis 1430 und nahm ihrer Größe und Kunſtſchätze wegen einen hervorragenden Rang unter den Kirchen Italiens ein. Durch die große Zahl der kunſtreichen Grabmonumente von Dogen, Feldherren und Staatsmännern war ſie gleichſam ein National⸗ pantheon wie Santa⸗Croce in Florenz. Das mitverbrannte werthvolle Gemälde: Tizian ſtellte den Tod des Domini⸗ caners Peter von Verona vor und gehörte zu den am meiſten bewunderten Werken des Meiſters. Den an der Kirche fungirenden Predigermönchen war es vom Senate„bei Todesſtrafe“ verboten, das Bild zu veräußern. Unter Napoleon I. wurde es nach Paris geſchleppt und im Louvre aufgehängt. Gelungen reſtaurirt, wurde es nach 15 Jahren wieder an ſeine Stelle zurückgebracht.
Spanien.
Ein Blick auf Barcelona. Barcelona iſt eine der ſchönſten und ſehenswertheſten Städte der Gegenwart. Es beſitzt nicht blos eine bedeutende Zahl merkwürdiger Gebäude, es iſt auch überhaupt in einer Weiſe gebaut, um das glücklichſte Verhältniß zwiſchen Regelmäßigkeit und Unregelmäßigkeit herzuſtellen. Barcelona wird von einer prächtigen Straße ungefähr in zwei Hälften getheilt, von der Rambla, welche an die Linden Berlins erinnert. Die Linden Barcelona's ſind Akazien und Sykomoren. In die Rambla münden von rechts und links die größeren Straßen der Stadt. In den Stadtvierteln, welche dazwiſchen entſtehen, kreuzen ſich die Gaſſen. Auf der Rambla ſtehen die großen Theater, Gaſthöfe, Cafés, welche an Bedeutung die von Madrid erreichen, ja überbieten. Die Rambla iſt immer belebt, am meiſten Abends, wo in milden Sommernächten bis nach 11 Uhr oft von beiden Geſchlechtern ge⸗ luſtwandelt oder auf herbeigeſchafften Stühlen zuſammengeſeſſen wird. Die Straße der reichſten Kaufläden iſt die Calle de Fer⸗ nando VII. und ihre Fortſetzung die Calle de la Plateria. Dieſe führt zu der durch die Höhe ihres Schiffes und die Schlankheit der ſtützenden Säulen ausgezeichneten Kirche de Nueſtra Sennora de Mar. Das Meer ſoll ehedem bis auf den Platz, auf dem ſie ver⸗ baut iſt, gegangen ſein. Gegenwärtig führt der Weg von der Kirche zum Strande über den größten Platz der Stadt, die Plaza del Palazio. Dieſer Platz des Palaſtes heißt ſo des königlichen Schloſſes wegen, das ſich auf ſeiner einen Seite in gothiſchem Ge⸗ ſchmack erhebt; es hieße faſt eben ſo gut Platz der Paläſte, weil die Börſe und das große Zollgebäude ſich nicht minder königlich als das Schloß ausnehmen.
Türkei und Griechenland.
Die Frauen des Harem. Ein peachtvoller Palaſt, wohin nie ein Geräuſch der Außenwelt dringt, wo ein unerſchöpflicher Schatz alle Wunder des Luxus vereinigt,— Marmorbäder, Zauber⸗ gärten, die zur Umzäunung ein ſchimmerndes Meer und zum Dome den lieblichſten Himmel der Welt haben, Legionen von Sklaven, die einen andern Willen kennen, als den ſeinigen, und keine andern Geſetze als ſeine Launen, die bereit ſind, ſein geringſtes Mißfallen mit dem Kopfe zu bezahlen und in dieſem Eden zahlreiche Skla⸗ vinnen, die unter den ſchönſten der Welt auserleſen wurden, die nur für ihn athmen, nur für ihn lächeln,— das iſt der Zauber⸗ kreis dieſes Mannes. Die Verhältniſſe haben ſich unter Abd⸗ul⸗Aſis etwas geändert, da er nur eine Frau, dagegen zahlreiche tſcher⸗ keſſiſche Sklavinnen hat. Bis dahin waren die Frauen des Harem in beſondere Klaſſen getheilt. Unter dem Namen Kadinen bezeich⸗ nete man Diejenigen, welche das Glück hatten, Sr. Hoheit zu ge⸗ fallen und deßhalb ſeine Favoritinnen geworden waren; jede von dieſen bewohnte ihre beſondern Gemächer, und zu ihrer Bedienung war eine Menge junge Sklavinnen, Uſtas, da. Kadinen gab es
nur vier— die vom Koran geſtattete Zahl. Sie ſind die Frauen des Sultans; die Odalisken die Geliebten, welche unter den ſchönſten Mädchen Aſiens, Afrikas und des öſtlichen Europa ausgeſucht werden. Durch die Geburt eines Knaben treten ſie in die Rechte der Sultaninnen. Außer den Odalisken wird eine große Anzahl von Mädchen, die mit zehn Jahren in den Harem treten, die Scha⸗ ſchirdanen, in den Mauern des Serails aufgezogen und ſpäter den Odalisken, oder den Oſcharſchen(Zofen) zugetheilt. Die Odalisken ſind ſehr koſtbar. Am Ramaſan pflegt die Nation dem Sultan die ſchönſte Sklavin, die in Georgien aufzutreiben iſt, zum Geſchenk zu machen. Abd Ul Meſchid erhielt eine ſolche, welche eine Million zweimalhunderttauſend Piaſter gekoſtet hatte. Alle Frauen ſtehen unter dem Befehl einer ältern Odaliske, die den Titel Kahajat Ka⸗ dina führt, und deren Geſchäft darin beſteht, den Sklavinnen das Belieben des Großherrn mitzutheilen. Unter einem glühenden Himmel geboren, die Liebe ihre ganze Religion, die Liebe ihr ein⸗ ziger Gedanke, haben ſie nichts weiter gelernt, als etwas Muſik und Sticken, und bringen nun ihr gemeinſames Leben in gemeinſamem Müßiggang, mit Schlafen, Eſſen, Baden, Rauchen, Sticken, ſich putzen und Spazierenfahren zu. Morgens begegnet man häufig in Konſtantinopel den kaiſerlichen Frauenwagen, in denen die Damen des Harem ſitzen, dicht verhüllt, daß nur die Augen mit den weit⸗ geſchwungenen Brauen und die gebogenen Naſen hervorſehen. Ob⸗ gleich der Eunuche neben dem Wagen herſchreitet, denn es geht nur im Schritt, ſcheuen ſie ſich nicht, verſtohlene Blicke nach dem Vorüber⸗ gehenden zu werfen, und wohl auch im Scherz ihm eine Roſe zu⸗ zuwerfen. Das iſt aber ihr einziges öffentliches Vergnügen: alles Uebrige verſchließt ſich in dem Geheimniſſe des Harem.
Ein Concert im Serail. Der Orient beginnt ſich gegen⸗ wärtig von Tag zu Tage mehr zu cultiviren, aber noch vor Jahr⸗ zehnten war dort Alles anders, ganz anders! Es iſt wohlbekannt, daß kein Fremder das Serail des Sultans in Conſtantinopel be⸗ treten darf; einer der Erſten, für den dies Verbot umgangen wurde, war der berühmte Claviervirtuoſe Leopold Meyer, der 1844 vor dem muſikliebenden Sultan Abdul⸗Medjid ein Concert geben ſollte. — Der Pianiſt ſelbſt ſchildert dieſes Ereigniß in folgender Weiſe: Ich ſollte die Ehre haben, ein Concert im Serail zu geben, aber dies war wahrhaftig nichts Leichtes— wenigſtens wurde es mir nicht leicht gemacht. Man ließ mich um acht Uhr Morgens bereits in den Palaſt holen, obgleich ich erſt um drei Uhr Nachmittags ſpielen ſollte; ferner mußze ich in großer Uniform erſcheinen, die ich mir extra dazu erfinden und machen laſſen mußte. Dann galt es, ſieben Stunden in einer prachtvollen Galerie zu warten, ohne mich niederſetzen zu dürfen, während man von Zeit zu Zeit kam, um mir zu melden, was eben bei Sr. kaiſerlichen Majeſtät vorginge. Seine Majeſtät iſt ſoeben aufgeſtanden— ich mußte mich bei dieſen Worten tief verneigen; ſpäter hieß es: Seine Majeſtät begiebt ſich ſoeben in's Bad, ich mußte mich wieder zur Erde neigen. Seine Majeſtät kleidet ſich an— neue Verbeugungen— Seine Majeſtät nimmt den Kaffee ein, und jedesmal müſſen die Reſpectsbezeigungen bei dieſen detaillirten Meldungen ehrfurchtsvoller und tiefer ſein. Endlich brachte man mir mein Piano, aber man hatte die Füße davon abgeuommen, aus Rückſicht auf den prachtvollen Moſaikfuß⸗ boden der Galerie. Der ungeheure Flügel ruhte auf dem Rücken von fünf Sclaven, die unter der Laſt ſtöhnten und faſt zuſammen⸗ brachen. Ich ſagte nun, es ſei mir unmöglich, ſo zu ſpielen, allein man meinte, es fehle nur am Gleichgewicht und legte deshalb ein Kiſſen unter die Kniee des kleinſten Sclaven; endlich erklärte ich umſtändlich, die Menſchlichkeit mache es mir unmöglich und überdies könne das ſo getragene Inſtrument jeden Augenblick zuſammen⸗ brecheu, wenn es den Leuten zu ſchwer werde. Schließlich wurden die wirklichen Beine wieder angeſchraubt und der Sultan erſcheint. Nach allen erdenklichen Sorten von Begrüßungen wurde mir be⸗ fohlen, zu ſpielen— ich verlaugte einen Stuhl, aber Gott bewahre, man darf ſich vor Seiner Majeſtät nicht ſetzen. Ich erwiderte, man könne nicht Piano ſpielen, ohne zu ſitzeu, und der Sultan erbarmte ſich endlich meiner Angſt und ließ mir einen Seſſel bringen. Nun begann ich mein Spiel und er hörte aufmerkſam zu,


