700
e Hand ene!“
haben, achtete
zimmer ildniſſe blicken. 3 ihres lleiner bingen en um gerties ropfen ie eine ich auf Ver⸗ zalber? nd und art ihr mphes ſter—
Doch
ernſte, ?, der dunkel gekehrt
nerzes, n dem keine atte es tte ihn ie Luſt und in ng ein ſauſter ühl be⸗ k ſchon einmal War⸗ eſeben. r Her
gnaden
empol, ſchnee⸗ ervor, chtete
Was t ver⸗ neues,
hören rum⸗ rechen. andlich nd ſie
Geißt ge die neinet hätte
mehr
701
Kleines Roman⸗Magazin.
70²
„Ich kann meine Natur nicht umändern, Lord Warrenden. Sie kannten mein Weſen, ehe Sie mich wählten.“
„Ich will mich hängen laſſen, wenn ich die wandelnde Statue kannte, in die Sie ſich verwandelt haben!“ rief Lord Warrenden in einem plötzlichen Ausbruch von Leidenſchaft. Mir ſcheint, daß ich einen Narrenſtreich beging, allein es iſt nicht unmöglich ihn wieder gut zu machen.“
„Mylord,“ ſprach Bertie, indem ſie ihm ihr blaſſes Geſicht zu⸗ wandte.„Sie kannten alles was Sie über mich erfahren mußten, ehe es zu ſpät war. Ich habe Ihnen geſagt, daß ich Ihnen keine Liebe anbringen könnte. Sie hörten von meiner Tante—“
„Pardon,“ unterbrach ſie Lord Warrenden,„mit Mrs. Walſingham ſind wir fertig. Ich ging nie weiter, als daß ich ſie duldete und ſelbſt dies iſt jetzt nicht mehr nothwendig.“
„Eure Lordſchaft vergeſſen, daß Sie von meiner Verwandten ſprechen,“ ſagte Bertha.
„Ich erinnere mich wirklich an nichts Derartiges. Als Sie Lady Warrenden wurden, hörten Sie auf, andere Verwandte als diejenigen von Seiten Ihres Gemahls zu haben.“
Eine heftige Aufwallung von Furcht und Schmerz machte Bertie's Herz erzittern.
„Meinen Sie— Sie können hiermit nicht ſagen wollen, daß meine Schweſtern— meine—“
„Ich bitte zum zweiten Male um Verzeihung,“ unterbrach Mylord ſie mit der höflichſten Betonung.„Schenken Sie mir einige Augenblicke Gehör. Als Sie mir die Ehre erwieſen, in meine Fa⸗ milie einzutreten, verließen Sie die Ihrige. Ein ſo ſcharfer Ver⸗ ſtand wie der Ihre hätte die Thatſache vorausſehen ſollen, daß zwiſchen Menſchen von ſo verſchiedenen Lebensſtellungen keine Be⸗ ziehungen entſtehen konnten. Es wäre ein zu ungereimter Gedanke, daß es anders ſein könne. Sie ſind Lady Warrenden von Dene. Ich wünſche nicht, Ihre Gefühle zu verletzen oder von denen, die Sie einſt die Ihrigen nannten, geringſchätzig zu ſprechen, zweifele auch nicht daran, daß es ehrenwerthe Menſchen ſind; nur daß ſie auſgehört haben, für Sie zu exiſtiren. Darf ich hoffen, daß Sie mich verſtehen?“
Der Schatten auf Bertie's Geſicht wurde tiefer und ſie bedeckte ihre Stirne und Augen mit der Hand, um ihn zu verbergen. Lord Warrenden wartete eine Weile auf Antwort, allein umſonſt.
„Ich will mich überzeugt halten, daß Sie mich verſtanden haben,“ ſprach er. Von Ihrer Kälte mir gegenüber ſchweige ich; die Zeit bewirkt vielleicht eine Veränderung. Doch erinnern Sie ſich gefälligſt, daß ich mit Beſtimmtheit ein anderes Benehmen von Ihnen erwarte, wenn es ſich um meine Gäſte handelt. Sie werden denſelben die Freundlichkeit und Achtung erweiſen, welche man in der guten Geſellſchaft einander zu zeigen genöthigt iſt. Wollen Sie mir in dieſem Punkt Ihren Willen zu erkennen geben?
„Ich werde mein Beſtes thun.“
Sie brachte dieſe Worte mit ſo großer Mühe und ſo leiſe über ihre Lippen, daß ſie glaubte, er habe ſie nicht verſtanden und voller Furcht aufblickte. Er hatte ſie jedoch bereis verlaſſen und ſie ſah ſich allein in dem prächtigen Zimmer, von deſſen Glanz ſie thöricht genug geweſen war zu träumen, ehe ſie Lady Warrenden ward. Ein dumpfer Schmerz nahm ihren Kopf ein und eiſige Kälte ver⸗ breitete ſich in ihren Händen. Sie verſuchte ſie nach dem Feuer auszuſtrecken, allein die Bewegung gelang ihr nicht. Es ſchien ihr, als ſei ſie im Begriff in Ohnmacht zu ſinken und ihr letzter Ge⸗ danke war die Frage: Giebt es keine Rettung? Muß es immer ſo bleiben?“
Nein, nicht immer. Mühſam ſchleppte ſie einen Tag nach dem an⸗ dern hin. Mylord verlängerte ſeinen Aufenthalt im Schloß und Bertie war dahin gekommen, ihn entſetzlich zu fürchten. Er folgte Heimlich ihren Fußtapfen, wohin ſie auch ging. Wenn ſie, was dann und wann geſchah, auf der ſteinernen Terraſſe hin und her wanderte, vegegnete ihr Blick plötzlich ſeinem, von einem Vorhang halbverſteckten lalten, argwöhniſch ſpähenden Geſicht. Dann erbebte das Herz, welches ſonſt vereiſt in ihrer Bruſt ruhte und geſpenſtige Erinne⸗
rungen an ſchauerliche Märchen und Sagen wurden in ihr wach. War ſie im Begriff ihren Verſtand zu verlieren? oder glaubte er es und beobachtete ſie deshalb? Und wenn ſie wahnſinnig geworden war, würde er ſie im Schloſſe einſperren oder in ein Irrenhaus ſchicken? Entſetzlicher Gedanke! Lieber den Tod! Es ſchien ihr, als ob auch die Dienſtboten ihre Bewegungen beobachteten. Ein dämm⸗ riger Schatten ſchwebte über dem ganzen Ort und ſeinen Bewohnern, als wären ſie die Phantomen einer Vergangenheit, die mit ihrer eigenen nichts zu ſchaffen hatte. Und immer, wenn ihre Gedanken in jene Vergangenheit, die von der Gegenwart ſo ſeltſam verſchieden war, zurückſchweiften, ſah ſie im Geiſte das blaſſe Geſicht in dem Winkel hinterm Altare, das vorwurfsvolle Geſicht, auf das ihr Auge fiel, als ſie ihre Hand zum ewigen Bunde in Lord Warrenden's legte.
Zuweilen faßte ſie ein unausſprechliches Verlangen, jenes Geſicht — ſelber unerkannt— zu ſehen, um beſtimmt zu wiſſen ob er lebe. Endlich ward dies Sehnen erfüllt. In der Dorfkirche, deren Glocken einſt zu ihrem Willkommen geläutet hätten, geſchah es unerwartet, plötzlich. Ihr Auge fiel auf ſeine Züge, als ſie zur Kanzel aufblickte. Ohne ſich über den Umſtand, der ihn an dieſe Stelle führte, zu ver⸗ wundern oder ihm nachzudenken, genügte ihr die Thatſache, daß ſie ihn vor ſich ſah und daß er vor ihr und ihretwegen predigte. Denn der ernſte, wehmuthsvolle Inhalt ſeiner Rede dünkte ihr nur ein Eho ihrer eigenen Gedanken zu ſein und ſein bleiches, vorwurfsvolles Geſicht war nur ihr zugewandt; nur auf ihr heſtete ſein tiefes, dunkles Auge. Der Klang ſeiner Stimme verurſachte ihr einen wirklichen, fühlbaren Schmerz. Als ſie ſich endlich übermannte, be⸗ gegneten ihre Augen den durchdringenden Blicken Lord Warrendens. Ein tödtlicher Schreck durchbebte ſie. Er legte ihre Hand auf ſeinen Arm und führte ſie hinaus. Sie ſah, daß er auf ſeine Lippen biß und hörte ſeinen ungeduldigen Schritt auf der ſteinernen Terraſſe klingen. In dem großen kalten Geſellſchaftszimmer angelangt, deutete er auf einen Stuhl und als ſeine Gattin ſich geſetzt hatte, ſtellte er ſich vor ſie hin und betrachtete ſie mit einem grauſamen, durch⸗ bohrenden Blick.
„Sie zittern und ſcheinen bereit in Ohnmacht zu fallen, My⸗ lady,“ begann ſeine Lordſchaft.„Derartige Begegnungen mit früheren Liebhabern ſind zu viel für zarte Conſtitutionen. Wir müſſen ſie davor zu hüten ſuchen, Mylady.“
Bertie ſenkte die Augen unter ſeinen forſchenden Blicken. Er wußte alſo alles und war eiferſüchtig.
„Ja“ ſprach Lord Warrenden, als beantwortete er ihren Ge⸗ danken,„ich kenne die Sache. James Douglas, Ihres Vaters früherer Hülfsprediger, iſt ein hübſcher Junge, wie ich nicht beſtreite, allein ſeine Reize waren nichts im Vergleich mit den meinen. Jetzt iſt es wie ich fürchte, zu ſpät, Betrachtungen darüber anzuſtellen. Ich haſſe das Landleben, Lady Warrenden, aber deshalb werden Sie Ihre Freiheit doch nicht genießen; ich bleibe zu Ihrem Schutze hier! Kann ein liebender Ehemann mehr für ſeine Gattin thun?“
Ein ſchwaches Wort der Bitte kam über Bertie's Lippen.
Keine Antwort ſondern der alte, kalte Blick.
„Lord Warrenden, Sie tödten mich!“
„Nein, Mylady,“ ſprach er und wandte ſich lächend ab,„Sie ſehen im Gegentheil, wie beſorgt ich für Ihre Geſundheit bin. Er⸗ lauben Sie, daß ich Ihnen ein Glas friſches Waſſer verſchaffe und dies Fenſter öffne; die Luft iſt friſch und milde, nicht wahr? So, dies wird Ihnen wohlthun. Ich verlaſſe Sie ungern, allein Ruhe wird das beſte Mittel zu Ihrer Herſtellung ſein. Alſo auf Wieder⸗ ſehen beim Diner!“
Eine Weile ſaß Bertie regungslos an ihrem Platze. Da ſchien es ihr, als ob die Luft im Zimmer ſie erſticken wolle; die Wände rückten näher zuſammen und überall wohin ihr Auge fiel, ſah ſie Lord Warrendens Geſicht. Sie griff nach ihrem Shawl, hülltte ſich hinein, ſchwang ſich aus dem Fenſter in den Garten und eilte in die Wälder, welche Lord Warrenden haßte. Bertie haßte ſie nicht. In ihnen genoß ſie ein gewiſſes Freiheitsgefühl und war auf kurze Zeit vor ſeiner Gegenwart geſichert. Hier konnte ſie die Maske der Gleichgültigkeit und Stumpfheit abnehmen, konnte ſie vor ihre Füße


