Jahrgang 
7 (1867)
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17 Die ſchwarze Bande.

Roman von Lady Caroline Lascelles.

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dieſem Kreiſe voll Verſtellung und innerer Hohlheit nichts als Reichthum und Macht wirklich geachtet wird.

Werden Rechtſchaffenheit, Tugend und Treue mir Be⸗ wunderung oder Anſehen verſchaffen? ſagte ſie.Nein, ich muß im Stande ſein, ſie Alle in Aufwand und Glanz zu übertreffen. Dann werden ſie, wenn ſie mich auch haſſen, ſich vor mir beugen und den Staub unter meinen Füßen küſſen.

Der Ball war der glänzendſte in der Saiſon. Wie der Abend vorrückte, wurde das Gedränge in den prachtvollen Räumen immer größer. Diamanten glänzten auf allen Sei⸗ ten. Ueberall begegneten dem Auge reiche Seiden⸗ und Sam⸗ metſtoffe, Spitzen, Federn und Juwelen. Spät am Abend führte Robert Merton die Lady Edith aus dem überfüllten Ballſaale in ein anſtoßendes Conſervatorium, das durch Lam⸗ pen mit roſenrothen Glaskugeln, welche zwiſchen den blühen⸗ den und mit goldenen Früchten beladenen Orangenbäumen ſtanden, erleuchtet war. In der Mitte dieſes Blumenzim⸗ mers ſpielte eine Fontaine in einem alabaſternen, mit Mar⸗ morſtatuetten verzierten Becken. Da und dort zwiſchen den blühenden Sträuchern und Blumen befanden ſich Sophas mit hellblauem Sammet überzogen und mit ſilbernen Fran⸗ ſen beſetzt. Zu einem dieſer Ruheſitze geleitete Robert Mer⸗ ton ſeine liebenswürdige Tänzerin.

Lady Edith Vandeleur, ſagte er mit Nachdruck,ha⸗ ben Sie gehört, was die Leute in dem gefüllten Ballſaale Ihres Vaters dieſen Abend von uns ſagen?

Was ſagen ſie von uns? fragte Edith, ihre Augen⸗ brauen emporziehend.Was können ſie von uns ſagen, Herr Merton?

Robert Merton war von zurückhaltender und ruhiger Natur. Wenige Menſchen vermochten zu errathen, was im Innern des Fabrikherrn vorging. Sein Benehmen war das eines ernſten, gebildeten Mannes, aber er ſprach wenig, und die Leute, unter denen er lebte, konnten nicht recht klug aus ihm werden.

Er will mir einen Antrag machen, dachte Lady Edith,

der arme Thor, er getraut ſich nicht und fürchtet eine Ab⸗ weiſung.. Lady Edith Vandeleur, ſagte Robert Merton,ich habe das Geflüſter der Gäſte Ihres Vaters belauſcht und ver⸗ nommen, daß es Ihren Namen mit dem meinigen in Ver⸗ bindung gebracht hat. Noch mehr, man ſpricht ganz offen davon, daß die faſhionable Welt noch vor dem Schluſſe der Saiſon Zeuge von der Heirath des reichen Kaufmanns mit der Tochter des Grafen ſein werde. Soll es ſo ſein, Lady Edith? Können Sie vergeſſen, daß der Mann, der jetzt mit Ihnen ſpricht, ſeinen ganzen Reichthum ſeinem redlichen Fleiße verdankt? Ich weiß recht wohl, daß dies allein ſchon ein Vergehen in den Augen Ihrer ſtolzen Standesgenoſſen iſt, ich weiß aber auch, daß Geld Macht iſt, und daß ohne das⸗ ſelbe auch Sie, Lady Edith Vandeleur, trotz Ihrer Schönheit, Bildung und hohen Geburt, weniger ſind als der Mancheſter Kaufmann. Ich ſchlage Ihnen deshalb einen ehrlichen Tauſch vor. Ich will nicht von der tiefen, leidenſchaftlichen Liebe ſprechen, welche unter einem anſcheinend kalten Aeußern ver⸗ Ich bin nicht in romantiſchen Ausdrücken bewan⸗ dert. Ich liebe Sie. Mit welcher Tiefe, werden Sie nie⸗ mals erforſchen, aber beleidigen Sie mich, und Sie werden erfahren, wie tief ich haſſen kann. Edith, wollen Sie die Mei⸗ nige werden?.

Das argliſtige Mädchen ſchlug die Augen nieder und antwortete nicht.

Edith, rief der Millionär,willigen Sie ein?

Sie ließ ihr ſchönes Haupt auf ſeine Schulter ſinken,

als ſie mit ſanfter Stimme flüſterte:

Ja, Robert, ja. In dieſem Augenblicke bogen ſich die Zweige einer hohen

Roman⸗Magazin des Auslandes. 1867. Lief. 7. 2.

tropiſchen Pflanze, welche mit ihrem dichten Laubwerk am andern Ende des Conſervatoriums einen dichten Schirm bil⸗ dete, plötzlich auseinander und ein junger Mann ſchritt auf das Sopha zu, auf dem Robert Merton und Lady Edith ſa⸗ ßen. Es war Lord Lionel Montfort, den man bisher noch nicht auf dem Ball geſehen hatte. Er war nicht allein, denn ein anderer Mann im Ballanzuge blieb hinter dem Laub⸗ werk verborgen, zuging.

Die ſtolze Schöne erhob ſich blaß und zitternd von dem Sopha. Sie fürchtete eine Scene von Seite ihres friß⸗ ren Geliebten, die ihr die Hand des Millionärs koſten könnte. Dieſe Befürchtung erwies ſich jedoch als unbegründet, denn Lord Lionel verbeugte ſich und ſagte mit ſtudirter Höf⸗ lichkeit:

Ich fürchte, ich komme erſt zum Schluſſe des Feſtes, Lady Edith, aber obſchon ich dieſen Abend auf einem hal⸗ ben Dutzend Bällen war, konnte ich doch der Verſuchung nicht widerſtehen, mit einem Walzer von Ihnen beehrt zu werden.

Mit dieſen Woten bot er ihr ſeinen Arm. Sie zögerte einen Augenblick, warf einen Blick auf ihren neuen Geliebten, legte ihre Hand in Lord Lionel's Arm und verließ mit ihm das Conſervatorium.

Robert Merton ſah ihr mit bewundernden Blicken nach. Sie iſt wirklich reizend, ſagte er zu ſich.Ich habe wohl Urſache, mich für den ſtolzeſten und glücklichſten Mann zu halten. Werde ich ihr aber auch vertrauen dürfen? Ich zit⸗ tere, wenn ich daran denke, daß ſie eine der Königinnen die⸗ ſer falſchen und durchaus hohlen Modewelt iſt. Wird ſie jemals den rauhen Geſchäftsmann, den Sohn des Volkes, lie⸗ ben können? Robert Merton, wie konnteſt Du Dein Herz einem ſolchen Weibe anvertrauen?

Während er noch darüber nachdachte, trat der Fremde, welcher mit Lord Lionel Montfort in das Conſervatorium gekommen war, aus ſeinem Verſteck hinter den Geſträuchen hervor und ging auf die Fontaine zu, in deren Nähe Robert Merton ſtand. Seine ſchlanke zierliche Geſtalt, ſein röthlich braunes Haar und ſeine durchdringenden ſchwarzen Augen ver⸗ riethen den öſterreichiſchen Oberſt, deſſen Reichtuum und Son⸗ derbarkeiten ihn zu einem der erſten Modemänner in London geſtempelt hatten.

Oberſt Bertrand, rief Robert Merton, der den Oeſter⸗ reicher häufig in Geſellſchaft getroffen hatte.Ich habe nicht gewußt, daß Sie dieſen Abend hier ſeien.

Ich bin ſoeben auf eine halbe Stunde mit Lord Lionel

Montfort hieher gekommen, ſagte der Oberſt.Der junge Mann und ich waren den ganzen Abend beiſammen, und aus irgend einer albernen Laune beſtand er darauf, in dieſer ſpä⸗ ten Stunde noch hieher zu gehen. Wahrſcheinlich iſt irgend eine Liebesgeſchichte dabei im Spiele, denn ich kann kein Wort aus ihm herausbringen.

Robert Merton ſah den Oberſt ſcharf an. Der Fa⸗ brikherr war ein Mann, der unter einem ruhigen Aeußern ſtarke Gefühle hegte, und ſeine Liebe zu Edith Vandeleur war eine tiefe und mächtige Leidenſchaft.

Oberſt Bertrand, ſagte er,ich kenne nur ſehr wenig von dieſer faſhionablen Welt. Ich bin blos ein einfacher Fa⸗ brikant, der ſeine Worte nicht wählen und ſetzen kann. Ich höre viel von dem ſinnloſen Geklatſch dieſer glänzenden Verſammlungen und unter Anderem auch, daß früher zwiſchen Lady Edith und Lord Lionel ein enges Liebesverhältniß be⸗ ſtanden habe. Iſt dies wahr?

Der Oberſt zuckte die Achſeln. fort's Freund, Mr. Merton, ſagte er ſtolz,aber ich bin kein Spion. Ich weiß nicht, welche Gefühle er gegen die ge⸗ nannte Dame hegt. Wenn Sie dies wiſſen wollen, ſo müſ⸗ ſen Sie ſich ſelbſt davon überzeugen. 1.

II. 2

während Lord Lionel auf Lady Edith

Ich bin Lord Mont⸗