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15 Die ſchwarze Bande. Roman
von Lady Caroline Lascelles.
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allein gehört, ſo wirſt Du mir nicht abſchlagen, was ich von Dir zu erbitten habe.“
„Und das iſt?“ fragte ſie lebhaft.
„Daß Du noch in dieſer Nacht die Meinige werdeſt. Ich habe einen Geiſtlichen mitgebracht, der mein beſter und älteſter Freund iſt. Ich bin mit einer ſpeciellen Heiraths⸗ bewilligung verſehen, und er wird uns noch in dieſer Stunde V in dieſem Gemache verbinden, wenn Du Deine Einwilligung dazu giebſt, meine Geliebte.“
„Mein Vater, mein theurer, mein liebevoller Vater,“ murmelte ſie.
„Ich habe Dir ſchon geſagt, Ellen, daß ich die Ein⸗ willigung Deines Vaters niemals erlangen kann. Wenn wir verheirathet ſind, wird er uns gern vergeben, denn er wird glücklich ſein, wenn er das Glück ſeines Kindes ſieht. Ellen! ich habe ſeit unſerm letzten Zuſammentreffen viel gelitten, Deine Liebe iſt der einzige Stern in meinem dunkeln ſorgen⸗ vollen Leben. Sage, daß Du die Meinige ſein willſt.“
„Ich kann Dir nichts verweigern,“ flüſterte ſie. Glück iſt mir theurer als mein eigenes.“
„Du biſt der Engel meines Lebens,“ rief er entzückt aus. „Morris,“ fügte er bei, ſich an den Mann wendend, der ſich an das andere Ende des Gemachs begeben hatte,„rufen Sie Mortimer, Sie ſelbſt werden Zeuge bei der Trauung ſein.“
Der Mann verließ das Gemach. Philipp Darcy erhob ſich von dem Ruhebett und drückte das blaſſe aufgeregte Mäd⸗ chen an die Bruſt. Sie weinte heftig. Er ſprach einige tröſtende Worte, und ſie verſuchte ihre Thränen zu trocknen, als der Mann wieder eintrat und einen Herrn mitbrachte, welcher wie ein Geiſtlicher der engliſchen Kirche ausſah. Morris ſtellte eine Lampe auf einen Tiſch des geräumigen Zimmers. Der Geiſtliche öffnete ein Gebetbuch, und als Philipp und Ellen ihren Platz vor dem Tiſche eingenommen hatten, be⸗ gann er die Trauungsformel zu leſen. Seine Stimme hallte mit einem eigenthümlich feierlichen Klang an der hohen eichen⸗ getäfelten Decke wieder. Es lag etwas Unheimliches und Verhängnißvolles in dieſer geheimen mitternächtlichen Trauung.
„Erlauben Sie mir, Sie zu beglückwünſchen, Mrs. Darcy,“ ſagte der Geiſtliche.
Ellen erſchrak bei dem Tone ihres neuen Namens.
In dieſem Augenblicke ließen ſich die Räder eines Wagens und der Hufſchlag von Pferden im Hofe der Abtei vernehmen.
„Nun, theuerſte Ellen, komme mit mir,“ ſagte Philipp, indem er ſeinen Arm um ihre Taille ſchlang und ſie nach der Thüre führte.„Sage dieſem öden Orte für immer Lebe⸗ wohl und komme mit mir in eine Umgebung, die ſich beſſer für Deine Jugend und Schönheit ziemt.“
„Aber mein Vater!“ rief das weinende Mädchen.„Wer wird ihn davon benachrichtigen? Er wird denken, daß ich ihn verlaſſen habe. Philipp denke an meinen Vater.“
„ Ich thue es, Theuerſte,“ erwiederte ihr Gatte,„Du ſollſt an ihn ſchreiben und ihm Alles mittheilen, wenn wir unſern Beſtimmungsort erreicht haben.“ Vevor ſie weitere Einwendungen machen konnte, geleitete er ſie eiligſt durch den langen Gang, welcher in den Hof der Abtei führte. Dort hob er ſie in die harrende Poſtchaiſe und ſetzte ſich an ihre Seite. Als er dem Poſtillon einige Weiſungen gegeben hatte, galoppirten die Pferde davon. Wohin, wußte Ellen nicht.
„Dein
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Mitternacht in Bellgravia. Drei Monate nach der Decembernacht, in welcher Ellen
bisher alle Anträge verächtlich zurückgewieſen.
nung in Bellgrave⸗Square wieder bezogen. Lady Edith war die jüngſte von mehreren Schweſtern, welche ſämmtlich gut verheirathet waren. An perſönlichen Reizen kam ihr keine derſelben gleich, aber ihr Ehrgeiz war grenzenlos, und ſie hatte Lord Lionel Montfort, der jüngere Bruder des Marquis von Willoughby, hatte ſie längſt geliebt. Sie erwiederte ſeine Neigung, ſo weit es ihre ſelbſtſüchtige Natur zuließ, irgend ein menſchliches Weſen zu lieben, aber ſie konnte ſich nicht entſchließen, den Reichthum und Luxus, welcher für ſie ein Lebensbedürfniß war, auf dem Altar der Liebe zu opfern. Obſchon ſie ſich in⸗ mitten der glänzenden Scenen, die ſie umgaben, angeekelt und unglücklich fühlte, ſo war ſie doch zu ſtolz, um dieſes hohle Flitterleben mit einer ſtilleren Häuslichkeit zu vertauſchen. Auch war ihr der Gedanke unerträglich, daß Jemand ſagen könnte, die brillante Lady Edith Vandeleur habe eine ſchlech⸗ tere Partie gemacht als ihre minder anziehenden Schweſtern.
Zur Einweihung der Saiſon gab Lord Horton eine glänzende Unterhaltung, bei welcher an ſechshundert Perſonen gegenwärtig waren. Lady Edith war die gefeierte Schönheit des Abends. Sie hatte niemals ſo reizend, niemals ſo kö⸗ niglich ausgeſehen. Unter den Gäſten flüſterte man, daß Lady Edith mit einem berühmten Eiſenbahnſpeculanten, einem Millionär, verlobt ſei, einem Manne, den, wenn er arm wäre, die ſtolze Tochter des Grafen von Horton kaum in ihrer Nähe dulden würde.
„Dieſe Heirath ſcheint alſo eine ganz neue Geſchichte zu ſein?“ fragte ein junger Gardeofficier ſeinen Nachbar, als Robert Merton, der Millionär, die Lady Edith nach Quadrille zu ihrem Sitz zurückführte.
„So ſagt man wenigſtens. Früher war öfters die Rede davon, daß ſie Lionel Montfort heirathen werde, ich glaube aber, daß es ſich nur um eine gewöhnliche Liebelei handelte, denn Montfort iſt ſo arm als Job.“
„Aber ſein Bruder, der Marquis, iſt unverheirathet und beſitzt ein glänzendes Vermögen,“ ſagte der junge Officier. „Sollte ihm irgend etwas zuſtoßen, ſo würde Lord Lionel eine treffliche Partie ſein.“.
Das Gerücht, daß Lady Edith mit dem reichen Eiſen⸗ bahndirector Robert Merton verlobt ſei, war zur Zeit noch unbegründet. Herr Merton befand ſich zwar ſeit einigen Mo⸗ naten unter den zahlreichen Verehrern der Dame, einen An⸗ trag hatte er aber der hochmüthigen Tochter einer der ſtol⸗ zeſten Adelsfamilien noch nicht gemacht.
Robert Merton hatte ſeine Laufbahn als Lauf⸗ junge in einem untergeordneten Hauſe zu Mancheſter be⸗ gonnen. Seine Eltern gehörten dem Arbeiterſtande an, wa⸗ ren aber wegen ihres Fleißes, wegen ihrer Redlichkeit und ihrer tadelloſen Aufführung allgemein geachtet. Robert ver⸗ band mit dieſen guten Familieneigenſchaften vortreffliche An⸗ lagen, durch die er ſich ſeinem Principale ſo nützlich zu ma⸗ chen wußte, daß er ſich vom Laufburſchen nach und nach zum Commis, zum jüngeren Geſchäftstheilnehmer und endlich zum Beſitzer mehrerer großen Handelshäuſer und Fabriken auf⸗ ſchwang. Sein nächſter Schritt war, daß er einen Theil ſeines Capitals in Eiſenbahnactien anlegte, und auch hierin wurde ihm ſein gutes Glück nicht untreu. So kam es, daß der ehemalige Laufburſche Robert Merton in ſeinem fünf⸗ unddreißigſten Jahre ein Millionär war, dem die edelſten Häuſer im Weſtend von London ihre Thüren öffneten. Er wurde von Herzogen und Grafen zur Tafel geladen, und die ſchönſten Weiber in Belgravia bemühten ſich, einen der reich⸗ ſten Männer in England für ſich zu gewinnen.
Clavering dem Manne ihrer Liebe die Hand gereicht hatte,
begannen ſich die faſhionablen Stadttheile von London mit
ihren ariſtokratiſchen Einwohnern zu füllen. Die Häuſer des Parlaments waren eröffnet, und der Graf von Horten, der Vater der Lady Edith Vandeleur, hatte ſeine prachtvolle Woh⸗
Unter Anderen hatte auch Lady Edith Vandeleur die Macht ihrer Reize, welche ſelten fehlſchlug, an ihm verſucht. Dieſes ſtolze Mädchen betete den Reichthum als Mittel zum Zwecke an. Robert Merton's Millionen ſollten ſie zur Königin der faſhionablen Welt machen, denn ſie wußte recht wohl, daß in
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