entſtanden, tief und nachhaltig. Jeder Zug ſeines ſchönen
n ſah ihn ſelten und blos während der Abweſenheit ihres
4
vor ihr auf die Kniee nieder und bekannte ihr ſeine Liebe.
Gedanken, ſeinen Vater zu täuſchen, oder auch nur das
13 Die ſchwarze Bande. Roman
14
von Lady Caroline Lascelles.
Der alte Mann nahm keine Notiz von dieſer Rede.
„Wann bedürfen Sie meiner?“ fragte er.
„Morgen Nachts an dem alten Platze. Wir werden um zwölf Uhr beiſammen ſein!“
„Ich werde mich einfinden,“ erwiderte Lucas. Der Fremde wünſchte ihm gute Nacht, verließ das Haus, beſtieg ſein Pferd und galoppirte durch das zerbrochene Thor des Parks davon.
4. Die mitternächtliche Tranung.
Am folgenden Tage eſtes Lue aein nach London ab und Ellen war wieder allein. Der Falts Mann blieb über vierzehn Tags aus, und während dieſer Zeit traf Ellen fort⸗ während mit dem Fremden in Clavering⸗Park zuſammen. Er ſtieg von ſeinem Pferde und wanderte Stunden lang mit ihr unter den alten Eichen umher. Sie kämpfte lange gegen den Zauber, den ſeine tiefe melodiſche Stimme, ſein ſchönes Geſicht, ſeine feurigen ſchwarzen Augen und ſeine glänzende Unterhaltung auf ſie ausübten. Noch ganz Naturkind, war ſie ſich ihrer Schönheit wenig bewußt und ganz ohne die gewöhnliche weibliche Eitelkeit. Deſſen ungeachtet aber konnte ſie nicht lange über die glühende Bewunderung des Fremden in Unwiſſenheit bleiben. Eines Tages, als die vierzehntägige Abweſenheit des alten Mannes zu Ende ging, fiel der Fremde
„Wollen Sie die Meinige werden, Ellen?“ ſagte er. „Ich wage es nicht, Ihren Vater um ſeine Einwilligung zu bitten, unſere Liebe muß vor ihm geheim gehalten werden, bis ich Sie von dieſem trübſeligen Orte wegführen und zu meinem Weibe machen kann, denn mein Leben iſt in eine geheimnißvolle Wolke gehüllt, und die Regeln, die ſich auf andere Männer anwenden laſſen, können nicht auf mich in Anwendung gebracht werden. Mein Name iſt Philipp Darcy. Ich beſitze Reichthum genug, um Sie mit jeglichem Luxus zu umgeben und Ihren ausſchweifendſten Wünſchen zuvorzukommen. Sprechen Sie, Ellen, wollen Sie die Meinige ſein?“
Umſonſt wehrte ſich das junge Mädchen gegen den
Geringſte vor ihm zu verbergen. Die leuchtenden Augen ihres Geliebten waren auf ihr erröthendes Geſicht gerichtet und ſchienen ihr bis in die Seele zu dringen. Die flehenden Töne ſeiner tiefen reichen Stimme ſtahlen ſich in ihr Herz, und ſie willigte ein, das Verſprechen zu geben, das er von ihr verlangte.„Ehe dieſe Caehae grüne Laub eines andern Sommers tragen, werde ich melne Braut heimführen,“ ſagte Philipp, als ſie von einander ſchieden.
Von dieſer Zeit an hatte das Leben für Ellen Clavering eine ganz neue Seite. Der Einfluß, welchen Philipp Darcy auf ihr unſchuldiges Gemüth ausübte, war, obſchon raſch Geſichts ſchien in ihrem Herzen eingegraben zu ſein. Sie Vaters, aber dieſe kurzen Zuſammenkünfte waren für Beide die ſonnigſten Augenblicke ihres Lebens.
„Ich bin faſt zwanzig Jahre älter als Du, Ellen,“ ſagte Philipp einmal zu ihr,„kannſt Du mich lieben, wenn Du dies bedenkſt?“
„Bei mir iſt es nicht Liebe, Philipp,“ antwortete ſie, indem ſie ihre langen Augenlider auf ihre erröthenden Wangen niederſchlug,„ſondern Anbetung.“
Der eine Umſtand war für Ellen eine ſtete Quelle der
Bekümmerniß, daß Philipp ſich nicht dazu verſtehen wollte, an ſie zu ſchreiben.
„Ich bin ſo unglücklich, wenn Du fern von mir biſt,“ ſagte ſie,„ich fürchte immer, daß Du krank oder in Gefahr
5
ſein möchteſt. Wenn ich nun von ſolchen ſchwarzen Gedanken gequält bin, würden einige Zeilen von Deiner lieben Hand mich unendlich glücklich machen. Sage mir doch, warum Du niemals an mich ſchreibſt?“
„Frage mich nicht, Ellen,“ antwortete er ernſt.„Ich habe Dir ja ſchon oft geſagt, daß mein Leben nicht wie das anderer Menſchen iſt.“
Schnee bedeckte die Waldwege von Clavering⸗Park wäh⸗ rend der Chriſtwoche, welche Ellen in ihrem Häuschen am Parkthore zubrachte. Sie hörte das fröhliche Glockengeläute von dem entfernten Dorfkirchthurme, und ſie wußte, dd. während ſie bei ihrem einſamen Herde ſaß, im Dorfe Freude und Fröhlichkeit herrſchte, an denen ſie von Kindheit auf nie⸗ mals Antheil genommen hatte.„Mein Leben war bisher ſehr traurig,“ dachte ſie,„aber nun, da mich Philipp liebt, muß die Zukunft, weil ich ſie mit ihm theilen werde, um ſo
glücklicher ſein.“
Wäre in der Nacht vom 13. Januar irgend ein ver⸗ ſpäteter Wanderer am Clavering⸗Abbey vorübergegangen, ſo⸗ würde er ohne Zweifel in Erſtaunen und wahrſcheinlich in Schrecken verſetzt worden ſein, wenn er durch die Spalten der dicken eichenen Läden in einem der verlaſſenen Zimmer ein Licht ſchimmern ſah. Aber als der Schein dieſes Lichtes zuerſt in die winterliche Finſterniß fiel, hatten die Uhren von Clavering bereits Elf geſchlagen, und um dieſe Zeit befand ſich keine Seele mehr draußen in der unwirthlichen Nacht. Das Zimmer des alten, verfallenen Herrenhauſes, in welchem das Licht brennt, iſt ein großes Gemach mit Eichenholz⸗Täfelung, einem weiten Kamin und einem großen Feuerherd. Ein loderndes Holzfeuer trieb einen Regen von Funken in die ſchwarze Oeffnung der Eſſe empor. Vor dem Kamine auf einem wurmſtichigen Stuhle, die Ellbogen auf die Kniee geſtützt, ſitzt ein Mann und ſieht mit ſeinen blitzenden Augen gedanken⸗ voll in die rothen Flammen. Dieſer Mann iſt Philipp Darcy. Er iſt offenbar in tiefes Nachdenken verſunken, wäh⸗ rend ein Ausdruck auf ſeinem Geſichte zugleich andeutet, daß er auf etwas lauſcht.
Einige Minuten darauf laſſen ſich im Gange draußen Fußtritte vernehmen, die Thüre wird aufgeriſſen, und ein Mann in armſeliger, grober Kleidung tritt herein.
„Will ſie einwilligen?“ fragte Philipp in lebhaftem Tone den Eintretenden.—
„Ja,“ antwortete dieſer,„ſie zögerte zwar anfangs, als ich ihr aber ſagte, daß Sie zu unwohl ſeien, um dieſen Platz zu verlaſſen, willigte ſie ein.“
„Gut,“ rief Philipp Darcy,„ſchieben Sie das Sopha dort an den Kamin.“—
Der Mann gehorchte und brachte das ſchwere eichene Möbel nicht ohne Schwierigkeit von der andern Seite des Gemachs an den gewünſchten Platz. Philipp warf ſich auf das Ruhebett, während der Mann einen ſchweren Mantel über ihn ausbreitete. Kaum war dies geſchehen, algeine leichte Hand an den Laden klopfte.
„Sie iſt es,“ ſagte der Mann.„Fch ſagte ihr, ſie ſolle an das Fenſter klopfen. Da es bis auf den Boden herab⸗ reicht, ſo könne ich ſie leicht einlaſſen.“
Ellen Clavering war in einen grauen Mantel gehüllt, und der Schnee hing in ihren Haaren und an ihren Kleidern. Sie war blaß und aufgeregt, und eilte ſogleich nach ihrem Eintritt auf das Sopha zu, auf dem ihr Geliebter lag.
„Philipp,“ rief ſie,„Du biſt krank?“— Mit dieſen Worten kniete ſie an ſeiner Seite nieder und ſchaute ihm ängſtlich in's Geſicht.
„Ich war unwohl, Ellen,“ antwortete er,„es iſt mir aber jetzt beſſer. Sage mir, Liebſte, würde es Dich ſchmerzen, wenn ich ſterben würde?“—
„Philipp, Philipp!“ rief ſie, und die Thränen ſtürzten ihr aus den Augen.
„Wenn das ſo iſt, Ellen, wenn Dein Herz wirklich mir


