Jahrgang 
7 (1867)
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voolle Möbel.

u ſtehen kamen.

1 Die ſchwarze Vande⸗ Roman

von den Augen genommen, und er befand ſich in einem kleinen, aber koſtbar ausgeſtatteten Gemache, das durch ein paar Wachskerzen und ein helles Feuer im Kamin erleuchtet wurde, mit dem Oberſten allein.

Drei Wände des Zimmers waren mit Geſtellen aus Pa⸗ liſſanderholz bedeckt, auf welchen Reihen von gleichmäßig ge⸗ bundenen Büchern aufgeſtellt waren. Unter denſelben befanden ſich unzählige kleine Fächer, in denen Papiere ſtaken. An der vierten Wand ſtand rechts von dem Kamin ein eleganter kleiner Tiſch, welcher mit rothem Sammet bedeckt war, links ein Schrank von Paliſſanderholz mit zahlreichen Schubladen, welche auf eine eigenthümliche Weiſe mittelſt polirter Stahl⸗ ſchlöſſer verſchloſſen waren. Wie in dem Amphitheater konnte Lord Lionel auch in dieſem Zimmer keine Fenſter und keine Thüren entdecken.

Der Oberſt ſtand, die Hände in den Taſchen, mit dem Rücken am Feuer.Dies, mein lieber Lord Lionel, ſagte er in ſeiner natürlichen Manier, welche wegen ihrer Lebhaftigkeit, Leichtigkeit und Höflichkeit berühmt war,dies iſt mein Pri⸗ vatzimmer. Bitte, ſetzen Sie ſich und nehmen Sie ein Glas Wein. Dabei deutete er auf eine zierlich geſchliffene Kry⸗ ſtallflaſche, welche mit Bordeauxwein gefüllt war.Sie können hier ganz ſo thun, als wenn Sie zu Hauſe wären. Wir werden von Niemand geſtört werden. Diejenigen von der Geſellſchaft, welche in dieſer Nacht im Dienſt ſind, wiſſen, was ſie zu thun haben und werden es vollbringen.

Sind wir in Ihrem Hauſe? fragte Lord Lionel, ſich

Ich

in dem Zimmer umſehend.

In meinem Hauſe! ſagte der Oberſt lachend. bin zu ſehr Weltbürger, um mich mit einem eigenen Hauſe zu beläſtigen. Ich habe eine Wohnung in der Albanyſtraße, Zimmer in Paris, in Petersburg, Wien, Rom, Florenz, Neapel und Baden⸗Baden. Dies aber, mein lieber Lord Lionel, iſt das Centralbüreau der engliſchen Brüder der ſchwarzen Bande. Jede große Stadt hat ihr Hauptbüreau, und dieſes iſt das Hauptbüreau der Stadt London. Betrachten Sie die Reihen von Büchern auf dieſen Geſtellen. Sie ent⸗ halten die Berichte der Geſellſchaft, die Namen und Adreſſen der Mitglieder und alles dasjenige, was über ihre perſönlichen Verhältniſſe und Verbindungen für uns von Intereſſe ſein kann. Dieſes Gemach iſt vom Boden bis zur Decke mit den Geheimniſſen der Geſellſchaft, die nur mir allein bekannt ſind und von mir allein aufgezeichnet werden, angefüllt.

Sonderbar, ſagte Lord Aonel nachdenkend.Sie ſagen mir dies, und wir ſind beide allein, beide von gleicher Größe und Geſtalt, beide unbewaffnet. Wie, wenn ich nun ein Schurke wäre und den Vortheil der Lage dazu benutzen wollte, um mich der Geheimniſſe Eures Ordens zu bemächtigen?

Der Oberſt brach in ein lautes Gelächter aus, dann mit einem verächtlichen Lächeln Lord Lionel anblickend, ſagte er:Dieſe Bücher ſind in einer Zifferſchrift geſchrieben, die nur mir bekannt iſt. Ferner befinden Sie ſich in einem Ge⸗ mach, aus dem Sie ohne meine Hilfe keinen Ausgang finden würden. Ehe Sie einen ſolchen entdeckten, würden Sie hier verfaulen. Wenn Ihnen das noch nicht genügt, ſo betrachten Sie jenen Schrank.

Sie ſaßen einander gegenüber an dem Tiſche, einige Schritte von dem Schranke entfernt, von welchem der Oberſt ſprach. Lord Lionel richtete ſeine Blicke auf das geheimniß⸗ Während deſſen ſtützte Oberſt Bertrand mit einer gewiſſen Kraft die Ellbogen auf der Tiſchplatte auf, worauf plötzlich die Fächer des Schrankes aufſprangen und in jedem derſelben eine Reihe Piſtolenläufe ſichtbar wurden. Zu gleicher Zeit drehte ſich der Schrank ein wenig, ſo daß die Mündungen der Piſtolen gerade gegenüber von Lord Lionel

Sie ſagten, ich ſei unbewaffnet,

Lord Lionel, ſagte der Oberſt, noch immer lächelnd.

Sie ſind etwas voreilig

von Lady Caroline Lascelles 10

in Ihren Schlüſſen. Jetzt, mein Lord', hören Sie mich an, ich will Ihnen die Dienſte auseinanderſetzen, welche die Ge⸗ ſellſchaft von Ihnen erwartet.

3. Ellen Clavering.

In einem lieblichen kleinen Thale von Hampſhire lebte ein alter Mann, deſſen adelige Vorfahren einſt die Beſitzer der Umgegend waren. Die Landleute zeigten den neugierigen Reiſenden eine alte Behauſung, welche fünfzig Jahre zuvor von Squire Hugh Clavering, dem Vater des alten Mannes, bewohnt, aber längſt vollſtändig in Verfall gerathen war. Elavering Abbey(ehemals eine Abtei, die wie viele andere

ähnliche Gebäude nach der Reformation in einen adeligen Landſitz umgewandelt worden war) lag in einiger Entfernung von dem Dorfe, und die ehrlichen Landleute hätten eher einen Umweg von einer Meile gemacht, als daß ſie nach Einbruch der Nacht an dem alten Herrenh auſe vorübergegangen wären. Finig Hianbien, daß es in den verfallenen Gemächern um⸗ gehe, während andere behaupteten, daß Clavering⸗Abtei der Zuſammenkunftsort für Diebe und Geſindel der Umgegend ſei. Lucas, der gegenwärtige Beſitzer, war ein Mann von nahezu ſiebenzig Jahren. Nachdem er ſeine Jugend in Tollheiten und Ausſchweifungen aller Art hingebracht und ein glänzendes Vermögen in Spielhäuſern und bei Wettrennen vergeudet hatte, kehrte er im fünfzigſten Jahre, vorzeitig gealtert, nach dem Dorfe Aadbriße bee Er ſagte, er ſei zu arm, um das Herrenhaus herſtellen zu laſſen. Er brachte ein ſchönes junges Weib, das aber von ſchwächlicher Geſundheit zu ſein ſchien, und eine kleine Tochter mit. Die zarte Frau überlebte nicht lange ihre ärmlichen Verhältniſſe, ſondern ſtarb nach drei Jahren, ihr Kind der Sorgfalt des ruinirten Spielers über⸗ laſſend. Von dieſer Zeit an änderte ſich Lucas Clavering. Er ſchwur, daß ſeine Tochter die Herſtellung der Abtei zu ihrem früheren Glanze erleben und daß ihre Kinder das Haus ihrer Ahnen wieder beziehen ſollten. Er hatte ſeine Wohnung in einem kleinen Häuschen, am Thore von Clavering⸗Park, aufgeſchlagen, das Herrenhaus den Eulen und Fledermäuſen überlaſſend.

Es war höchſt ſelten, daß ein fremder Fuß die Schwelle dieſer niedrigen Behauſung betrat. Lucas wachte über ſein kleines Mädchen mit der Sorgfalt der zärtlichſten Mutter, und Ellen war niemals ſo glücklich, als wenn ſie auf den Knieen ihres grauhärigen Vaters ſaß und ſeinen kindiſchen Erzählungen lauſchte. Mit der Zeit aber merkte das kleine Mädchen, daß es zuweilen allein in der einſamen Wohnung zurückgelaſſen wurde. Nachdem es ſich Abends niedergelegt hatte, hörte es, wie ſein Vater ſich in aller Stille aus dem Hauſe ſchlich, in das er erſt ſpät am Morgen zurückkehrte. Als ſie dann älter wurde und für ſich ſelbſt ſorgen konnte, verließ ſie Lucas Clavering nicht ſelten mehrere Tage und Nächte lang, indem er ihr blos ſagte, daß er Geſchäfte in London habe und daß ſie ſich nicht beunruhigen ſolle, wenn er länger ausbleibe, als er erwartet habe.

Als ſie das fünfzehnte Jahr erreicht hatte, ſprach er eines Tages, ehe er wieder eine ſolche Reiſe antrat, ernſtlicher als früher mit ihr.

Ellen, ſagte er,Du gehſt doch während meiner Ab⸗ weſenheit nicht indas Dorf?

Niemals, Vater. Goody Brown bringt mir des Morgens Alles, was ich bedarf, und wenn ich friſche Luft ſchöpfen will, ſo ergehe ich mich in den Alleen des alten Parks, deſſen Grenzen ich niemals überſchreite.

Du biſt ein gutes Mädchen, Ellen, ſagte ihr Vater zärtlich,aber Goody Brown iſt ein altes ſchnatterndes Weib. Hat ſie Dich niemals etwas über mich gefragt?

Ja, ſie ſchien zuweilen in Betreff Ihrer Abweſenheit