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Die ſchwarze Bande. Roman von Lady Caroline Lascelles.
Anderen blieben bei dem Manne mit dem röthlichen Haar ſtehen.
„Ich habe Euch jetzt nichts zu ſagen,“ redete er ſie in leiſem Tone an,„zerſtreut Euch und kommt dieſen Morgen um zwei Uhr in's Centralbüreau.“
Ohne ein Wort zu ſprechen, entfernten ſich die drei Masken. Der Mann am Pfeiler nahm hierauf den ſchwar⸗ zen Kreppſtreifen ab, ſteckte ihn in die Taſche und muſterte, das Opernglas am Auge, mit forſchendem Blicke die ver⸗ ſammelte Menge. Nach einer Weile aber ſenkte er das Glas und murmelte mit ungeduldiger Miene:„Sie ſind nicht da, man hat ich wahrſcheinlich falſch berichtet.“
Wahrend er dies ſagte, endete eine Quadrille; die Tän⸗ zer zerſtreuten ſich, und die Bühne wurde etwas freier. Aus dem Gedränge hervor kam ein Mann mit einer Dame am Arm auf die Loge zu, an der der Fremde lehnte. Der Mann trug das Coſtüm eines griechiſchen Räubers. Eine unge⸗ heure Schärpe von dem koſtbarſten Stoffe und den glänzend⸗ ſten Farben hing über ſeiner Schulter und Bruſt und reichte ihm mit ihren goldenen Franſen faſt bis auf die Füße. Das Coſtüm der Dame war venetianiſch und zeichnete ſich durch ſeine Koſtbarkeit aus. Sie hatten die Masken der Hitze we⸗ gen einen Augenblick abgenommen und waren ſo tief im Ge⸗ ſpräch verſunken, daß ſie nicht darauf zu achten ſchienen, was ringsum vorging. Als ſie auf ihn zukamen, verbarg ſich der Mann mit dem röthlichen Haar hinter dem Pfeiler. „So bin ich doch recht berichtet worden,“ ſagte er,„ſie ſind da.“
Das Geſicht des jungen Mannes im Räubercoſtüm war von wundervoller Schönheit. In der dunkeln Olivenfarbe ſeines Geſichts und in den träumeriſchen grauen Augen, be⸗ ſchattet von langen ſchwarzen Lidern, lag etwas Fremd⸗ artiges, obſchon er ſowohl als ſeine Begleiterin von engli⸗ ſcher Abkunft waren. Auch das Geſicht der Dame zeigte eine vollendete Schönheit, aber die kalten, ſcharfgeſchnittenen Ad⸗ lerzüge, der entſchiedene Ausdruck des Mundes und die mar⸗ kirten Augenbrauen hatten etwas Abſtoßendes.
Sie befanden ſich jetzt ſo nahe an dem Pfeiler, hinter dem der maskirte Fremde ſtand, daß dieſer jedes Wort ihrer Unterhaltung hören konnte.
„Edith,“ ſagte der junge Mann in gedämpftem, aber leidenſchaftlichem Tone,„Du ſagſt immer, daß Du mich liebteſt, und dennoch weigerſt Du Dich, mich zu hei⸗ rathen.“. Die Dame ſah ihn mit ihren ſtolzen, blitzenden Augen an und ſagte in trotzigem Tone:
„Lionel Montfort, ich weigere mich, Dein Weib zu werden, weil Du ruinirt und mit Schulden überladen biſt, weil Du täglich in Gefahr ſchwebſt, der Schande und dem Gefängniß zu verfallen, weil Du mit einem Wort ein jün⸗
gerer Sohn ohne Vermögen und ohne Ausſicht biſt, je etwas Beſſeres zu werden, es müßte denn—“ Site hielt plötzlich inne, ihre brennenden Blicke, welche in das Innere ſeiner Seele zu dringen ſchienen, nicht von ſeinem Geſicht abwen⸗ dend. Ein leichter Schauder überlief ihn, als er den unvoll⸗ endeten Satz ergänzte:
„Es müßte denn mein Bruder Angus, einer der edel⸗ ſten Männer in England, in der Blüthe ſeines Lebens ſterben.“
Sie zuckte verächtlich die Achſeln.
„Der arme Angus hat eine vortreffliche Geſundheit,“ ſagte ſie, indem ſie ihre Sammetmaske, deren Spitzenbeſatz ihr Geſicht vollſtändig bedeckte, wieder vornahm.„Ich fürchte nicht, daß Du ſeinetwegen ſchwarzen Flor um Deinen Hut tra⸗ gen wirſt.“
„Und das iſt wirklich Deine letzte Antwort, Edith Van⸗ deleur? Alle meine wahnſinnige Liebe, meine grenzenloſe Leidenſchaft endet damit, daß Du mich abweiſeſt?“
„Lieber Lionel, ſo nimm doch Vernunft an“ ſagte ſi mit demſelben verächtlichen Lächeln.„Du weißt, ich bin nich geboren, um einen armen Mann zu heirathen. Du biſt jung Du ſollteſt Ehrgeiz haben. Die Welt ſteht Dir offen. Er⸗ werbe Dir Ehre und Reichthum, und dann komm und 5 lange meine Hand, die ich Dir heute verweigern muß.“
„Edith,“ rief er aus,„Du haſt mich niemals geliebt.“
„Warum nicht? Liegt nicht ſchon ein Beweis meiner Liebe darin, daß ich hieher gekommen bin? Denke nur, was die vornehme Welt ſagen würde, wenn ſie erführe, Lady Edith Vandeleur am 20. December allein und heiml. von Hampfhire nach London gekommen iſt, um ihrem G liebten auf dem Maskenballe im Drurylane⸗CTheater ein Stell⸗ dichein zu geben. Habe ich damit kein Opfer gebracht?“
„Ein kleines, Edith, im Vergleich zu den Opfern, die
ich mit Freuden für Dich bringen wollte. Ich hatte mehrere Gründe, als ich Dich bat, mir an dieſem Orte eine Zu⸗ ſammenkunft zu bewilligen. Dieſe Nacht, Edith, iſt ein Wende⸗ punkt in meinem Leben.
Das kleine Einkommen, das mir mein Bruder gewährt, würde mich in den Stand geſetzt haben, ein ruhiges Leben auf dem Lande zu führen, das für mich das glücklichſte ge weſen wäre, wenn Deine Liebe es getheilt hätte. Noch ein Wort denn, meine Geliebte. Willſt Du die Hand eines armen, aber redlichen Mannes annehmen? Ein einziges Wort, Edith, und bedenke, daß die ganze Zukunft des Mannes, der Dich liebt, an dieſem Worte hängt. Willſt Du die Meinige werden— ja oder nein?“
„Noch einmal denn, Lionel, nein. Edith Vandeleur
daß die
Deinetwegen und mit dem Segen Deiner Liebe würde ich ein beſſerer Menſch geworden ſein.
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wird Dich niemals heirathen, wenn Du nicht ein reicher
Mann biſt.“
Der Mann hinter der Säule lächelte ſtill in ſich hinein, als Edith dieſe Worte äußerte.„Erbarmungsloſer Dämon,“ murmelte er,„ihre, nicht meine Hand iſt es, die ihn ſeinem Schickſal entgegentreibt. So ſei es denn.“
„Edith, Du biſt eben ſo herzlos als liebenswürdig,“ ſagte Lionel Montfort,„aber gleichviel, ob Engel oder Teufel, Du allein haſt Gewalt über meine Seele. Doch laß Dich jetzt zu Deinem Wagen zurückführen, Deine Kammerfrau wartet wahrſcheinlich auf Dich?“
„Ja, ſie iſt in unſer Geheimniß eingeweiht. Ich ſetze zwar kein großes Vertrauen auf ihre Treue, aber ich bezahle ſie gut, und ſo liegt es in ihrem Intereſſe, mir zu dienen. Laß uns denn gehen.“
Er betrachtete ſie mit einem Seufzer.„Edith,“ ſagte er bitter,„Du ſollteſt immer eine Maske tragen, beſonders wenn Du ſie über dem Herzen tragen könnteſt.“
Als ſie in der Richtung der Thür unter der Menge verſchwanden, trat der Mann mit dem röthlichen Haar aus ſeinem Verſteck hervor und ſah ihnen gedankenvoll nach. „Das hätte ſich nicht beſſer machen können,“ ſagte er.„Ich denke, er wird ſich noch in der heutigen Nacht uns anſchließen Meine Nachricht war vollkommen gegründet. Arme Lady Edith, ſie bezahlt ohne Zweifel ihre Kammerfrau recht gut, aber glücklicher Weiſe kann ich ſie noch beſſer bezahlen.“
Mit dieſen Worten ging er in der Richtung, welche die Liebenden eingeſchlagen, über die Bühne und wartete am Eingang auf die Rückkehr des jungen Mannes. Dieſer hatte die Maske vor, als er den Ballſaal wieder betrat. Der Mann mit dem röthlichen Haar ließ ihn an ſich vorüber⸗ gehen, folgte ihm dann und klopfte ihm leicht auf die Schulter. Der Maskirte drehte ſich um, und als der Andere ſeine Maske abnahm, ließ er den Ausruf:„Oberſt Bertrand!“ vernehmen.
„Ah, Lord Montfort, Sie haben ſich alſo durch die Reize eines Maskenballs verführen laſſen? Ich wundere mich nur, daß Sie aller derartigen Vergnügungen nicht längſt überdrüſſig geworden ſind.“
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