Jahrgang 
4 (1867)
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ſſ ſoch beläuft ſich auch die Zahl der Armen.

750 Dollars kam eine anſtändige Familie recht gut aus. Jetzt be⸗ darf ſie, um in ähnlicher Weiſe zu leben, 8000 bis 10,000 Dollars. In Bezug auf literariſche Regſamkeit und Buchhandel waren Phila⸗ delphia, Boſton und Charleston in Südcarolina voraus, dach nah⸗ men die Dinge bald eine andere Wendung, hauptſächlich durch die Einwirkung des Dampfes und die Vollendung des Eriecanals, welche in das Jahr 1825 fällt. Im Jahre 1801 betrugen die ſtädtiſchen Steuern 17,000, jetzt 17,000,000 Dollars. Die Stadt hatte zu Ende 1866 nicht weniger als 50,000 Wohngebäude, ſie lieferte 1865 an Manufakturprodukten für 159,000,000 Dollars und mehr als 100,000,000 Dollars wurden in den Zollhäuſern bezahlt. Wenn die Bevölkerung in der bisherigen Weiſe anwachſen könnte, würde ſie im Jahre 1900 nicht weniger als 4,000,000 Köpfe be⸗ tragen. Herr Oswood gab in dem neuene, auf das Soldatenweſen gerichteten Geſchmacke der Yankees noch folgende Notizen:Wir haben in der Stadt 2 ½ Regimenter Keſſelſchmiede, 4 Regimenter Fleiſcher, 1 ½ Regimenter Mäkler, 3 Regimenter Schuhmacher, 4 ½ Regimenter Fuhrleute, 17 ½ Regimenter Handlungsdiener, ½ Regiment Geiſtliche, 9 ½ Regimenter weibliche Kleiderverfextiger, 1 Regiment Ingenieure und(leider) auch 1 ½ Regimenter Advo⸗ caten. Die Zahl der ſelbſtändigen Kaufleute beträgt reichlich 6 Re⸗ gimenter, an Muſikanten wäre ein vollſtändiges Regiment aufzu⸗ ſtellen. Dazu kommen 33 Regimenter Dienſtboten, und die Schnei⸗ ** können 10 Regimenter bilden. Zahl der Schulkinder 100,000;

Luftſchiff⸗Fahrt. In Newyork machen jetzt zwei neue Pro⸗= ſ jekte von ſich reden. Das eine iſt die Erfindung eines Newyorker Arztesn Dr. G. A. Fontaine und ſcheint vorläufig mehr darauf be⸗ rechnet zu ſein, einen raſchen Uebergang über hohe Gebirgszüge und tiefe Thäler zu ermöglichen, als weitere Luftreiſen⸗ auszuführen. Der Apparat beſteht in einem cylindriſchen Ballon und einem daran befeſtigten aus leichtem Holzwerk verfertigten Waggon, der um ſtellen⸗ weiſe auf Schienen laufen zu können, mit Rädern verſehen iſt.

Kleines Roman⸗Magazin.

mit

Dieſe letztere Eigenthümlichkeit hat merkwürdigerweiſe auch das zweite Luftſchiff, die Erfindung eines jungen Deutſchen jener Stadt, des Herrn Charles Peſt, Nr. 116 Fulton Street. Sein Luftſchiff hat das Anſehen eines gewöhnlichen Dampfers auf Rädern, über welchem ein mächtiger Schirm ausgebreitet iſt, der etwa die Form eines Papierdrachens hat. In der Mitte des Schiffes zwiſchen dieſem und dem Schirm ſind rechts und links Räder angebracht, die mit den Flügeln einer Windmühle Aehnlichkeit haben und durch Dampfkraft in Bewegung geſetzt werden. Dieſe Räder ſchaffen in unabläſſiger Drehung die zur Tragung des Apparates nöthige Luft unter den Schirm und vermitteln die Bewegung, welche eine ſehr raſche ſein ſoll. Die Steuervorrichtung iſt am hinteren Ende des Schirmes angebracht. Die Räder ſind erforderlich, um den Apparat zunächſt von einer ſchiefen Ebene hinablaufen zu laſſen, worauf er ſich, wie der Erfinder behauptet, kräftig erhebt. Das alte Ballon⸗ ſyſtem, bei dem niemals eine willkürliche Senkung möglich, iſt hier gänzlich verlaſſen. Der Erfinder iſt im Beſitze eines Vereinigten Staaten⸗Patentes und ertheilt allen denen, die ſich für die Sache intereſſiren, nähere Auskunft.

Der Vo⸗Semite⸗Fall in Californien. Alle die Herrlich⸗ keiten der älteren Staaten Amerika's ſtehen weit zurück hinter der unvergleichlichen Scenerie der Pacific⸗Küſte. Kein Waſſerfall der atlantiſchen Abhänge erreicht die Grandioſität des Yo⸗Semite⸗Falles, deſſen Waſſermaſſen in der Ausdehnung von faſt einer halben Meile in drei auf einander folgenden Sprüngen ſich niederwälzen.

Eine vor Kurzem erſchienene Schilderung dieſes wunderbaren Waſſerfalles lautet folgendermaßen: Wir überſchritten den Haupt⸗ ſtrom, welcher hier neunzig Fuß breit und neun Fuß tief iſt, auf einer holperigen Brücke, um auf dieſe Weiſe einen Theil des nördlichen Ufer⸗Thales zu umgehen, da dieſes über⸗ fluthet zu ſein ſchien. Aus dem Strome hervor ſchießt Farnkraut mit ſolcher Ueppigkeit, daß es ſtellenweiſe unſere Schultern über⸗ ragt. Bald erreichten wir eine der reizendſten maleriſchſten Land⸗ ſchaften, welche das Auge eines Sterblichen zu ſchauen vermag. Es iſt

ie Fuhrt. Eichen⸗, Ahorn⸗, Fichten, und Baumwollen⸗Bäume

1476 noch vielen andern Gewächſen in ihrer Mitte, bilden eine Ar⸗ cade von unausſprechlicher Schönheit über den kräuſelnden, ſprudeln⸗ den, funkelnden Strom, und im FHintergrunde ſendet der untere Fall des Yo⸗Semite ſein ſchneeweißes, funkelndes Gewäſſer hinab hinter einer dunkeln Schei dewand von Fichten und Hemlockbäumen. Je mehr wir fortſchreiten, je fühlbarer wird der Wechſel der Temperatur, da die drückende Hitze unten im Thale allmälig einer winterlichen Kälte Platz macht. Aber immer vorwärts geht's die Felſen hinan noch eine kurze Strecke und wir ſtehen am Fuße des Waſſerfalles, ſo weit man dieſem überhaupt nahe zu kommen vermag. Ein eiskalter Luftzug von oben umkreiſt unſer Haupt und hüllt uns in einen Nebelregen, intenſiv genug, um in kurzer Zeit unſere Kleider zu durchnäſſen. Obgleich der Strom nahe an 700 Fuß über den Saum des Gebirges hinüberſchießt, bildet ſein Fall dennoch einen ſoliden Körper, der zwar nicht als völlig ununter⸗ brochene Maſſe niederſtürzt, ſondern, ähnlich herabrollenden Schnee⸗ lawinen, einen Wirrwarr von unbeſchreiblicher Gewalt und Erha⸗ benheit darſtellt. Rieſige Blöcke und Maſſen ſcharfkantiger Felſen bilden die unebene Umzäunung des unermeßlichen, anſcheinend ewig ſprudelnden Keſſels. Die Ehrfurcht gebietende Majeſtät der dunkel ſtarrenden, herabhängenden Gebirgswände, welche an jeder Seite des Falles Verderben drohend uns in den Weg treten, kann die Macht der Sprache nicht beſchreiben.

San-Felipe, die Hauptſtadt der Brovinz Aconcagua (Chili). Mit ihren weißen Häuſern, ihren Baumgruppen, ihren weiten Weingärten, gewährt dieſe Stadt einen anmuthigen Anblick, und wird wohl nicht mit Unrecht la porla de la Vega genannt. Das Innere der Stadt entſpricht ihrem Aeußern. Sie iſt in regel⸗ mäßige Vierecke von 411 Fuß Länge und Breite, Quadrate genannt, eingetheilt. Die reinlichen, regelmäßigen Straßen, mit großen und weiten, wenn auch unſymmetriſch gebauten Häuſern beſetzt, laſſen auf wohlhabende Bewohner ſchließen. Die Fahrwege ſind breit, mit Grand beſtreut; zu beiden Seiten laufen breite, gutgepflaſterte Trottoirs hin, die Hauptſtraße führt zur Alamede an der Oſtſeite der Stadt, die den Einwohnern mit ihren weiten Alleen einen an⸗ genehmen Spaziergang darbietet. Verſchiedene Kirchen, ſowie die noch unvollendete Kathedrale in der Hauptſtraße, zeugen von Pra und Geſchmack. Die Häuſer ſind, wie meiſtentheils in den ſchen Städten, größtentheils von getrockneter Erde aufgeführt. Der Handel San⸗Felipe's iſt bedeutend. Die Anwohner vieler Meilen bringen hier ihre Producte zu Markt: Wolle, Poncho's, Lederzeug, Vieh, Getreide, Wein, und beziehen dafür ihre Bedürfniſſe; aus Argentinien kommen monatlich Tauſende von Maulthieren, Producte zu bringen und zu holen. Die Menge der Tiendas(Kaufläden von Zeugen) und Deſhaſchis(Kaufläden von Colonialwaaren), zeugt von großem Conſum. Der Werth des Bodens hat im mittleren Chili, wo er ſogar auf dem Lande 5 600 Pfd. per Quadratquadra be⸗ trägt, eine Höhe erreicht, wie er im Verhältniß zur Production

wohl nicht mehr höher ſteigen kann. Es werden oft unglaubliche Preiſe verlangt. Der Grund hiervon liegt aber keineswegs in der Entwicklung des Ackerbaues, ſondern in der Abneigung der großen Landbeſitzer, auch den kleinſten Theil ihres Beſitzes zu veräußern; ſelbſt Pächter nehmen ſie nur unter ſchweren Bedingungen an.

Aſien.

Der arabiſche Hafen Dſcheddah am Rothzen Meere. Hier landen viele Mekkapilger, welche über See kommen. Der Bazar iſt reich verſehen, beſonders mit Waaren aus Indien, von wo ohnehin jeder Wallfahrer Handelsgegegſtände mitbringt. Man findet Zimmet, Weihrauch, Elephantenzähfe, Pfeffer, Reiß, Gewürznelken, Zucker, Alaun, Galläpfel, Cocosnüſſe, Muskatennüſſſe, Vanille, Thee, Sandel⸗ holz, ſehr ſchöne Seidengewebe, Baumwollenſtoffe, Zinn, Gold und Perlen. Es wird dort tapfer Wein und Branntwein getrunken; der letztere wird in der Stadt gebrannt, und man macht aus dem Genuſſe kein Hehl. Die Stadt iſt ſehr ungeſund, weil ſie von Mo⸗ räſten umgeben und ein Theil des Hafens verſchlammt iſt; die Miasmen ſind bei Weſtwind ſehr gefährlich. Die Pilger bringen Typhusfieber, Blattern und Cholera mit, die in jedem Hauſe mehr