1467
„Sie wollen ſein Weib ſein, ihm das ſein, was ihm Anna Gibſon war, und von dem Gelde leben, das ſie ihm zugebracht hat? Nur ein Wörtchen will ich Ihnen in das Ohr flüſtern, damit Sie wiſſen, wen Sie heirathen.— Still, kleiner Vogel, ſtill!— Wozu das Sträuben? Sehen Sie nur, Sie haben ſich verwundet, da dringt Blut aus Ihrem Finger und fällt auf Ihr Kleid! Pfui! Blut und ein bräutliches Gewand! Seien Sie ruhig, und ich er⸗ zähle Ihnen eine hübſche Geſchichte, die ich eines Tages auf den Klippen am ſchwarzen Moor gehört habe. Still, ſage ich!“
Er legte ſeine Lippen an ihr Ohr und flüſterte ihr das Ge⸗ heimniß zu. Dann mit lautem Lachen rufend:„Jetzt heirathen Sie Lorenz Grantley!“ ließ er ihren Arm los und verließ hinkend das Zimmer. 1
Ein gellender Schrei ſchall durch das Haus.
Die Mutter und die Braut rn Mariens eilten herbei.
Leichenblaß und bebend, mit herabgefallenem Haar, ſtieren Blicken und bleichen Lippen, fanden ſie die Unglückliche zuſammen⸗ gekauert in einer Ecke des Zimmers und„Mord! Mord!— Lorenz!“ murmelnd, während Blutstropfen von ihrer Hand auf das Kleid herab fielen..„.
Aerztliche Hülfe wurde ſogleich gerufen, allein ſie kam dennoch zu ſpät. Nach drei Tagen ſtarb Marie.
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Viele Jahre ſpäter wurde Loreuz Irutley eines Tages als verarmter, alter und gebeugter Mann auf den Klippen am ſchwar⸗ zen Moor ſtehend geſehen. 7
Die Perſon, welche ihn erkannte, redete ihn an, aber er 8 wortete nicht und verſchwand von jenem 2 e e n ganz.
Als jedoch in dem folgenden Jommer da er des ſchwar⸗ zen Moores tiefer als gewöhnlich eintrocknete, die Hand eines menſchlichen Leichnams zum Bee Hmd d flüſterttaſich zu, daß es die Hand des ehemaligen Befit y⸗Hall ſe
Niemand nahm ſich die Mühe, die Sache näher z allein die Grabſtätte des„letzten Grantley Familiengruft nicht ausgefüllt.
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Dr. Living
Es unterliegt jetzt faſt keinem. Zwe ½ eusge⸗ zeichnete Mann, der eine längere Reih ſahren als Sendbote des Chriſtenthums in Afrika ſegensreich wirkte und ſich dann als kühner Reiſender in die unbekannteſten Gegenden jenes großen Erd⸗ theils um die Erdkunde ſo große Verdienſtéperworben hat, nicht mehr zu den Lebenden gehört. Am ſchmerzlichſten dabei iſt es, daß dieſer Mann, auf den die Wiſſenſchaft noch ſo große Hoffnungen bauten in ſeinem kräſtigſten Mannesalter— er war edſt fünfzig Jahre alt— nicht, wie ſo viele ſeiner Vorgänger dem mörderiſchel Klima jener
Kleines Roman⸗ Magajin.
Nyami nach Lingank Kun
1468 närs zu widmen und nährte dabei die Hoffnung, daß Afrika oder China der Schauplatz ſeiner Thätigkeit werden möchte. Dieſe Hoff⸗ nung verwirklichte ſich zuletzt, denn nachdem er ein paar Jahre Me⸗ dicin ſtudirt und während dieſer Zeit anch theologiſche Vorleſungen beſucht und 1838 von der mediciniſchen Facultät das Doctordiplom erhalten hatte, bot er ſich der Londoner Miſſionsgeſellſchaft für ihr Arbeitsfeld in Afrika an und ſein Anerbieten wurde angenommen. Nachdem er 1840 als Geiſtlicher ordinirt worden war, verließ er im Sommer dieſes Jahres England, um ſich für Port Natal eiuzu⸗ ſchiffen, wo er mit ſeinem Landsmanne Robert Moffat, einem der thätigſten und unternehmendſten Miſſionäre, bekannt wurde, mit deſſen Tochter er ſich ſpäter verheirathete. In allen folgenden Reiſen des Dr. Livingſtone war ihm ſeine Gattin bis zu ihrem frühen Tode, der vor ein paar Jahren erfolgte, eine treue Begleiterin, welche alle Anſtrengungen und Gefahren derſelben muthig mit ihm theilte. Sechszehn Jahre lang, nämlich von 1840 bis zu ſeiner Rückkehr nach England gegen den Schluß von 1856, arbeitete er ſehr beharr⸗ lich als einer der Sendboten der Londoner Miſſionsgeſellſchaft in Kuruman, Mabodſon und auf andern Staättonen des ſüdlichen Afrikas. Während dieſer Zeit e.N dſce en Expeditio⸗ nen in das Innere Afrikas, wo er it der Sprache, den Ge⸗ wohnheiten und den religiöſen Vorſtellungen einiger wilden Stämme bekannt machte. Auch machte er zwe ein wenig ſüdlich von dem Wendekreiſe des Steinbockes einges üper den ganzen Continent des ſüdlichen us Pr den K des indiſchen bis an die des atlantiſchen Oceans. Im Mai 1855 wurde ihm von der Königlichen
Geographiſchen L4 in London für ſeine Reiſe Barch Süd⸗
gfrikaave⸗dem Voßgebſzge der gſten Hoffnung übeh den See a„Len dört nach der weſtlichen Wüſte im Zehnten Grad ſüdlicher Breite die Victorig⸗ oder Patron's Foldene Medaille verliehen. Im Laufe deſſelben Jahres reiſte Dr. Living⸗ ſtone wieder öſtlich, und nachdem er dieſe Gegenven bis nach Lin⸗
nterſuchen,»ganti beſuche hatte, jolgte er dem Samsi hinab bis an ſeine Mün⸗
dungen in'swindiſche Meer und ſo vo endete de ſeine Reiſe über ganz Südafrika. In den letzten Monaten des Jahres kehrte Livingſtone nach England zurück. Im März 1858 kehrte er wieder nach Afrika zu⸗ rlck, um ſeine Forſchungen nach einem andern Punkte auszudehnen, und Hieſes Mal gab ihm die Regierung mehrexre Begleiter, die ihn in ſeinen Forſchungen unterſtützen ſollten. V dieſer Reiſe kehrte er 1864 vach England zurück, nachdem ihm während derſelben das Unglück getroffen hatte, ſeine Gattin zuverlieren, welche am 27. Auguſt 1862 am Zambezi an eigem Fieber Landes ſtarb. Kaum nach England zurückggekehrt, miFte um ſeine Entdeckungen zu vervollſtändigen, Iofert neue Vorbereitungen für eine nene Reiſe nach WMinika, die er 1865 antrat und wo er, ehe er in's Innere Afrikas abreiſte, iſt Oſtindien beſuchte. Seit dieſer Zeit⸗ krafen von dem⸗ ſelben mehrmals Nachrichten in Europa ein und man war vollkom⸗
Gegenden erlag, ſondern auf einer neuen Entdeckungsreiſe von wilden Einwohnern erſchlagen wurde. In ihm hat die Wiſſenſchaft einen ſehr großen Verluſt erlitten und er verdieſſt es ſicher, daß wir hier Näheres über ſein Leben und Wirken mittheilen.— David L. vingſtone wurde um das Jahr 1817 in Blantyre, an den Ufern des Clyde in der Nähe von Glasgow, geboren. õpſchon er von einer geachteten Familie der Hochländer abſtammte, ſo befanden ſich ſeine Eltern doch in ſehr dürftigen Umſtänden. Wie wenig bemittelt Da⸗ vid's Vater war, ergiebt ſich ſchon daraus, daß der zehnjährige Knabe in eine Baumwollenſpinnerei in Blantyre geſchickt wurde, Am ſich dort ſein Brod zu verdienen; aber ſchon zu dieſer Zeit zeigte ſich bei ihm ein großer Lerneifer. Um ſeinen Wiſſensdurſt zu be⸗ friedigen, arbeitete er ſehr angeſtrengt, um ſich die Mittel zu ver⸗ ſchaffen, während der Wintermonate ſeine Studien in Glasgow be⸗ treiben zu können, und während der Sommerferien in den Claſſen nahm er dann in der Baumrwollenſpinnerei ſeine Arbeit wieder auf. In dieſer Art gelang es ihm, ſich einige Bekanntſchaft mit den Claſſikern zu erwerben, und im Alter von ſiebzehn Jahren hatte er ſchon einen großen Theil des Horaz und des Virgils auswendig ge⸗ Lernt. Er faßte nun den Entſchluß, ſich dem Berufe eines Miſſio⸗
men berechtigt, wichtige Erfolge für die Erdkunde von dieſer Reiſe zu erwarten, als Anfang des März zum allgemeinen Schrecken die Nachrichtin England eintxraf, Dr.Vivingſtone ſei von einem wilden Regerſtamme ermordet worden. Anfangs hoffte der Präſident der Königlichen reßeahen Geſellſchaft in London, Sir R. Murchi⸗ ſon, die Nachricht weißeſich vielleicht beſtätigen und ſie könne eine Erfindung der in Zanzibar augekommenen neun Araber ſein, welche Dr. Livingſtone ſich zu ſeiner Begleituug gedüngen hatte und die ſehr unzuverläſſige Leie ſeien, um ihre Treuloſigkeit und Flucht zu beſchönigen; doch ſeitdem iſt in Zanzibar ein Andrer der arabi⸗ ſchen Begleiter des Reiſenden, Namens Mooſa, angekommen, welcher erzählt hat, er ſei in einiger Entfernung von der Reiſegeſellſchaft geweſen, als der Angriff von dem Negerſtamm Mafite auf dieſelbe gemacht worden ſei. Dr. Livingſtone habe aus einer Doppelflinte zwei Schüſſe gegen die Neger abgefeuert und auch ſeine Begleiter hätten ihn mit ihren Schießgewehren zu vertheidigen geſucht, aber Dr. Livingſtone ſei mit einer Streitaxt in den Nacken gehauen worden und wahrſcheinlich auf der Stelle todt geweſen. Seine Be⸗ gleiter, die in ſeiner Nähe ſich befanden, hätten daſſelbe Schickſal getheilt. Mooſa erzählt, er habe ſich hinter einem Baume verborgen und ſo ſei es ihm gelungen, ſein Leben zu retten. Dr. Livingſtone's
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